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Projektwerkstatt in Saasen begeht 30-Jahres-Jubiläum „Kein Grund zum Jubeln“

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Vor 30 Jahren, genauer am 28. November 1989, weihte ein kleiner Kreis von Naturschutz-Aktiven einen Raum im Naturschutzzentrum „Alter Bahnhof Trais-Horloff“ (Hungen) als offen zugänglichen Raum voller Arbeitsinfrastruktur ein.

Die Projektwerkstatt in Saasen an der Ludwigstr. 11.
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Bild: Die Projektwerkstatt in Saasen an der Ludwigstr. 11. / projektwerkstatt

14. Oktober 2019

14. 10. 2019

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Das war der Startschuss für die dort später in mehreren Räumen bis 1993 betriebene Projektwerkstatt, die im April in ein grösseres Gebäude nach Reiskirchen-Saasen umzog. Schnell wurde sie auch zum Vorbild für später entstehende 50 Projektwerkstätten bundesweit, von denen heute allerdings nur noch wenige bestehen. Die älteste von ihnen aber besteht als „Villa Kunterbunt des kreativen Widerstandes“, wie sie von ihren Nutzer*innen oft beschrieben wird, bis heute und wirkt mit kreativen Aktionsideen sowohl bei regionalen Themen wie der Verkehrswende in und um Giessen als auch bei überregionalen Aktionen zur Gentechnik, am Hambacherforst oder bei der aktuellen Waldbesetzung im Dannenröder Forst mit.

„Wir sind keine feste Gruppe, sondern eine offene Aktionsplattform, die alle nutzen und weiterentwickeln können“, beschreibt Jörg Bergstedt, einzig verbliebener Aktiver aus der Anfangszeit, die Rolle der Projektwerkstatt als Ort der Selbstermächtigung. „Wir bieten Menschen, die eigene Ideen haben, Wissen, Räume und Material, diese auch zu verwirklichen“.

Von November 2019 bis Januar 2020 wollen Aktive in der Projektwerkstatt mit einem bunten Programm an Trainings, Film- und Informationsabenden neue Akzente setzen. Das Jubiläum soll dabei nur ein Anlass, aber nicht die Hauptsache sein. „Es gibt keinen Grund zum Feiern: Auch wenn wir die eine oder andere Auseinandersetzung gewinnen oder politische Verschiebungen erreichen konnten, sind Ausbeutung, Zerstörung und Unterdrückung weiterhin, oft sogar verschärft prägende Merkmale dieser Gesellschaft. Die eigentlichen Revolten gegen das ständige Macht- und Profitdenken muss erst noch kommen“, lautet ein Resümee der vergangenen drei Jahrzehnte. Dennoch soll das Jubiläumsprogramm zeigen, dass in und hinter dem Haus in der Ludwigstrasse 11 im Reiskirchener Ortsteil Saasen viel steckt. Drei Höhepunkte werden dabei die kommenden Monate prägen.

Zum einen startet am im November die diesjährige Globale – die Projektwerkstatt ist bei dem Filmfestival vom 8.-10.11. wieder als Spielort dabei. Gezeigt werden "Zeit für Utopien" (Fr, 8.11., 20.30 Uhr), "Waiting for the Carnival" mit schockierenden Einblicken in die Jeansproduktion (Sa, 9.11., 18 Uhr) und "Oro Blanco" zum Lithiumabbau unter anderem für Elektro-Autos (So, 10.11., 18 Uhr).

Wie üblich, werden aber nicht einfach nur Filme zeigen. Krisen und Aufbäumen sollen keine Unterhaltung, sondern Hintergrund und Aufforderung zum Handeln sein. Rund um die Filme gibt es daher Zeit und Raum für Diskussionen, Schmökern in den Bibliotheken und den Aktionsausstellungen.

Zum anderen werden drei spezielle Abende zum Jubiläum den Titel „Rückblicke“ tragen. Es sind unterhaltsame Rückschauen auf vergangene Aktionen, die Mut machen können für zukünftige Auseinandersetzungen. Die Reihe beginnt am Dienstag, 12.11. um 19 Uhr mit einer Ton-Bilder-Schau „Wie die Gentechnik verjagt wurde“. In Erzählungen, Bildern und kleinen Filmen soll an den Kampf um Versuchsfelder in Giessen und überall erinnert werden – und was daraus für andere Kampagnen gelernt werden kann. Am Samstag, 16.11. folgt dann um 19 Uhr die schon legendäre Schau „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“. Mit vielen Originalbelegen aus Polizei- und Gerichtsakten wird nachgezeichnet, wie der heutige Ministerpräsident Volker Bouffier zusammen mit Polizei und Justiz vor über zehn Jahren die Kreativaktivist*innen rund um die Projektwerkstatt mundtot machen wollen – und dabei scheiterte.

Am Jubiläumstag selbst, dem 28.11, gibt es dann einen Rückblick in Anekdoten, Erzählungen, Bild und Film für die gesamten 30 Jahre der Projektwerkstatt – einschliesslich der Frage, was aus den 50 anderen Aktionszentren im Laufe der Zeit so alles wurde ...

Damit es nicht beim Blick zurück bleibt, folgen nach dem Jubiläumstag Trainings und Seminare für kommende Aktionen und zu politischen Theorien. Am Freitag, den 29.11., wird ab 20.15 Uhr der „Direct-Action-Film“ gezeigt, eine anregende Einführung, was alles möglich wird, wenn kreativ gedacht und gehandelt würde. Der Film ist zugleich der Auftakt zum dann folgenden Wochenendtraining, bei dem alle Teilnehmenden bis ins Detail viele kreative Aktionsmethoden kennenlernen können. Drei Wochen später steht ein weiteres Training bevor. Dann geht es um kreative Prozessführung, also den offensiven Umgang mit Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren vor Gericht.

Rund um den Jahreswechsel rundend zwei inhaltliche Seminare das Programm ab. Vom 27. Bis 29.12., heisst es „Freie Fahrt für alle! Umwelt- und menschenfreundliche Verkehrssysteme, Nulltarif, Schwarzfahren ...“ Das Seminar vermittelt einen intensiven Eindruck in Verkehrskonzepte, die Vor- und Nachteile verschiedener Verkehrssysteme wie Strassenbahnen, Seilbahnen, Busse usw. sowie in Finanzierungskonzepte z.B. für den Nulltarif. Anfang Januar, vom 2. bis 5.1.2020 geht es dann drei Tage um die „Theorie der Herrschaftsfreiheit“.

pm

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