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Offener Brief an GLS Bank gegen Kontokündigungen linker Organisationen

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Kündigungen von Bankkonten zivilgesellschaftlicher Gruppen aus dem politisch linken Spektrum Offener Brief an GLS Bank gegen Kontokündigungen linker Organisationen

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Politik

Die GLS Bank und Sparkassen kündigten in den letzten Wochen und Monaten mehreren zivilgesellschaftlichen Organisationen die Bankkonten – darunter der Roten Hilfe e.V., der Deutschen Kommunistischen Partei und Anarchist Black Cross Dresden.

Eingang des Hauptsitz der GLS Gemeinschaftsbank eG in Bochum. Die GLS Bank war Deutschlands erste Antrophosophische Bank.
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Eingang des Hauptsitz der GLS Gemeinschaftsbank eG in Bochum. Die GLS Bank war Deutschlands erste Antrophosophische Bank. Foto: Maschinenjunge (CC-BY-SA 3.0 unported - cropped)

Datum 12. Januar 2026
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Dieser „Debanking“ genannten Praxis stellen sich nun 4708 Erstunterzeichnende in einem offenen Brief an den Vorstand der GLS Bank entgegen. Sie schreiben:
„Wir als Mitglieder und Kund*innen der GLS Gemeinschaftsbank eG möchten unserer Bank den Rücken stärken, damit sie Haltung zeigen und für eine aktive Teilhabe ihrer Kund*innen an der Zivilgesellschaft eintreten kann. Wir sind der Ansicht, dass die GLS ein Risikomanagement benötigt, das die Waage hält zwischen dem Abwehren von Risiken für die Bank insgesamt und dem Eingehen von Risiken im Interesse der Demokratie. Daher fordern wir Sie auf, die Geschäftsbeziehungen mit den betroffenen Organisationen fortzuführen bzw. wieder aufzunehmen.“

Der vollständige Brief ist hier zu lesen: Er wurde binnen 6 Tagen von 130 Organisationen, 1508 Genossenschaftsmitgliedern, 1440 weiteren Kund*innen der Bank, sowie 1630 weiteren Einzelpersonen unterschrieben. Es ist nach wie vor unter diesem Link möglich – und erwünscht – den Brief zu unterschreiben.

Die Kündigungen von Bankkonten zivilgesellschaftlicher Gruppen aus dem politisch linken Spektrum muss im Kontext der aktuellen Zunahme von autoritären Tendenzen und dem allgemeinen Rechtsruck – sowohl global als auch bundespolitisch – betrachtet werden. Sie stellen eine Bedrohung demokratischer Rechte und Grundsätze dar.
„Plötzlich ist das Konto weg, weil du für irgendwen politisch unliebsam bist. Das nennen wir Debanking. Du kannst keine Miete und keine Rechnung mehr bezahlen und es kommt auch kein Geld mehr rein. Debanking zielt auf die Existenz. Es soll ganz geräuschlos zivilgesellschaftliche Kritik und Opposition mundtot machen. Umso mehr müssen wir laut sein und uns wehren“, warnt Fran Leitner, Sprecher*in von Ende Gelände und engagiert im Debanking Stoppen Netzwerk.

Aktuell sind lediglich einige Organisationen und Einzelpersonen von Debanking betroffen. Dieses Vorgehen droht jedoch weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Menschen. Es muss jetzt entschlossen gehandelt werden. Deshalb hat sich kurz vor dem Jahreswechsel das unabhängige und offene Netzwerk Debanking Stoppen gegründet, das
mittlerweile auf Tausende von Menschen angewachsen ist. Darunter viele Menschen oder Gruppen, die selbst Kund*innen und Mitglieder bei der GLS Bank sind.

„Je mehr Druck in unserer Gesellschaft auf einzelne zivilgesellschaftliche Strukturen ausgeübt wird, desto mehr braucht es die Solidarität von uns allen“, bekräftigt Prof.in Dr.in Anne Baillot von Scientist Rebellion und der Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft. Politische Einflussnahme hängt zunehmend von finanziellen öglichkeiten ab. Und politische Teilhabe ohne Bankkonto ist de facto nicht möglich.

Genossenschaftliche Banken wie die GLS Bank müssen darin bestärkt werden, sich autoritärem Druck, wie dem aktuellen, nicht zu beugen.

Debanking Stoppen.

Offener Brief

Sehr geehrte Aysel Osmanoglu, sehr geehrter Dirk Kannacher, sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat der GLS Gemeinschaftsbank eG,

mit Schrecken haben wir die Kündigung von Konten mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen durch unsere Bank zur Kenntnis genommen. Nach Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme vom 24.12.2025 möchten wir uns als Netzwerk von Genossenschaftsmitgliedern, Kund*innen und solidarischen Personen an Sie wenden, um deutlich zu machen, dass durch dieses Vorgehen ein drastischer Vertrauensverlust in unsere Bank droht.
Für betroffene Organisationen wie die Rote Hilfe e.V., die DKP und das Anarchist Black Cross Dresden bedeutet der Verlust des Bankkontos nicht nur einen „sehr harten Einschnitt“ (gls.de/stellungnahme), sondern die Bedrohung ihrer Existenz.

Ohne Bankkonto wird die politische und zivilgesellschaftliche Teilhabe von Organisationen und Einzelpersonen grundlegend eingeschränkt oder sogar gänzlich verunmöglicht. In Ihrer Stellungnahme deuten Sie darauf hin, dass Ihrer Entscheidung eine rein administrative Risikoabwägung zugrunde lag. Die Beendigung einiger weniger Geschäftsbeziehungen, die als „Risiko“ bewertet werden, sei im Interesse aller anderen zu verstehen.

Dem wollen wir entschieden widersprechen. Denn was macht eine Geschäftsbeziehung dieser Tage zu einem „Risiko“? Organisationen wie die Rote Hilfe e.V. haben ihr Ziel und ihr Tun nicht verändert. Auch ihr rechtlicher Status hat sich nicht geändert. Was sich verändert hat, sind politische Realitäten, in denen zivilgesellschaftliche Organisationen „zunehmend angefeindet oder sabotiert“ werden. Dabei zielen „Strategien, die faschistische Gruppen untereinander austauschen“, darauf, nicht nur explizit antifaschistische, sondern alle demokratischen Organisationen zu delegitimieren. Sich diesen Strategien aus vorauseilendem Gehorsam zu beugen, löst das Problem nicht auf, sondern verschärft es im Gegenteil weiter. Die Frage lautet dann: Wen trifft es als nächstes?

Wir als Mitglieder und Kund*innen der GLS Gemeinschaftsbank eG möchten unserer Bank den Rücken stärken, damit sie Haltung zeigen und für eine aktive Teilhabe ihrer Kund*innen an der Zivilgesellschaft eintreten kann. Wir sind der Ansicht, dass die GLS ein Risikomanagement benötigt, das die Waage hält zwischen dem Abwehren von Risiken für die Bank insgesamt und dem Eingehen von Risiken im Interesse der Demokratie.

Daher fordern wir Sie auf, die Geschäftsbeziehungen mit den betroffenen Organisationen fortzuführen bzw. wieder aufzunehmen. Wir fordern darüber hinaus, dass die bereits begonnenen Gespräche zwischen betroffenen Organisationen, engagierten Genossenschaftsmitgliedern und Ihnen als Vorstand und Aufsichtsrat fortgesetzt werden, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie solche Kontokündigungen in Zukunft verhindert werden können. Mit bereits jetzt über 200 aktiven Mitgliedern behalten wir uns vor, bei Bedarf die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung zu verlangen.

Was auf dem Spiel steht, ist das Fortbestehen zivilgesellschaftlicher Initiative. Wir bitten Sie eindringlich, diese Gefahr ernstzunehmen.

Mit freundlichen Grüssen

Robin Wood e.V. – Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen
(VVN-BdA)
Gesundheitskollektiv Göttingen e.V.
Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V
Moviemiento e.V.
KoLa Leipzig eG – Kooperative Landwirtschaft
Netzwerk Erinnern, Verändern, Aufklären (NEVA) e.V.
Ende Gelände
AHOI! Jugendhilfe gGmbH
Solawi Düsseldorf
Attac Deutschland
Berliner Obdachlosenhilfe e.V.
GEW Hamburg
Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft e.V. (KriSol)
Wir packen's an e.V.
Extinction Rebellion
Sea Punks e.V.
Mein Grundeinkommen e.V.
Bündnis gegen Rechts in Darmstadt
Die Linke LV Hamburg, KV Braunschweig und Bochum

pm