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Gegen patriarchale Machtphantasien auch in der Auseinandersetzung mit Impfgegner:innen My body – my Choice gilt auch in der Impfdebatte

Politik

Wir sind irritiert, dass in der aktuellen Debatte um die Corona-Massnahmen bestimmte Erkenntnisse feministischer Kritik vergessen werden.

Richtungsweisendes Verkehrszeichen zum Impfzentrum Hofer Land.
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Bild: Richtungsweisendes Verkehrszeichen zum Impfzentrum Hofer Land. / PantheraLeo1359531 (CC BY-SA 4.0 cropped)

23. Januar 2022
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Wir sind keine Impfgegner, allerdings vertreten wir die Position, dass eine Impfpflicht in einer kapitalistischen Klassengesellschaft vor allem den Druck auf Menschen mit wenig Einkommen verschärfen würde. Denn die wären dann in erster Linie mit Ersatzfreiheitsstrafen konfrontiert, wenn sie die Bussgelder für die Verletzung der Impfpflicht nicht bezahlen können, wie es schon jetzt beim Fahren ohne Ticket der Fall ist.

Wir sind aber besonders irritiert, dass Teile der antifaschistischen Linken zumindest verbal über die Androhungen des bürgerlichen Staates hinausgehen, der auch bei einer Impfpflicht (noch) nicht eine direkte Zwangsimpfung vorsieht. Doch genau die wird angedroht, wenn linke Demonstrant*innen Impfgegner:innen mit der Parole „Wir impfen Euch alle“ begegnen. Hier wird also gedroht, Menschen gegen deren Willen eine Impfung zu verabreichen.

Eine solche Aussage konnten wir auch einen Redebeitrag entnehmen, der am 9. Januar im antifaschistischen Block auf der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration gehalten wurde. Sinngemäss wurden dort die Impfkritiker:innen aufgefordert, sich impfen zu lassen. Die Passage endete in der Drohung „sonst machen wir das“. Hier wird, wenn auch nur verbal, angedroht, in die Körper anderer Menschen gegen deren Willen einzudringen. Nun besteht bekanntlich ein Grossteil der Antifaaktivist*innen aus männlich gelesenen Personen. Da müsste besonders darauf geachtet werden, welche Wirkung solche Ansagen auf Frauen und andere nicht männlich gelesene Personen haben.

My Body my Choice ist eine alte Forderung einer feministischen Bewegung, die sich gegen eine Kriminalisierung von Abtreibung und für reproduktive Rechte stark macht. In der letzten Zeit wird diese Parole öfter bei Aktivitäten der Kritiker*innen der Impfpflicht getragen, vor allem von Frauen. Natürlich wird dann schnell der Vorwurf laut, hier würde eine feministische Parole von Impfgegner*innen gekapert, was sicher nicht ganz falsch ist.

Wir wollen mit unseren Text aber vor allem dafür plädieren auch in der Debatte über die Impfungen und im Umgang mit den Gegner*innen einer Impfpflicht nicht hinter von Feministinnen erkämpfte Erkenntnisse zurückzufallen Dazu gehört, dass sich die Drohung mit Eingriffen in den Körper einer fremden Person verbieten sollte. Wir wollen daher widersprechen, wenn in linken/antifaschistischen Aufrufen solche verbalen Drohungen wieder einmal laut werden.

Gegen patriarchale Machtphantasien auch in der Auseinandersetzung mit Impfgegner:innen

Peter Nowak, Andreas Komrowski

Autoren des Buches vor einen Wochen im Verlag AG Spak erschienenen Sammelband "Corona und die linke Kritik(un)fähigkeit"

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