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Bericht der Blockade der B404 am Samstag den 15. August 2020 in Kiel | Untergrund-Blättle

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Protest gegen Autobahn-Neubau und Nachhaltigkeitspreis Bericht der Blockade der B404 am Samstag den 15. August 2020 in Kiel

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Am Samstag, den 15. August 2020, haben wir, zusammen mit viel Support aus anderen Strukturen, die B404 ca. drei Stunden blockiert, um gegen deren Ausbau zur Autobahn und die Anbindung dieser durch die sog. Südspange an den Kieler Süden zu protestieren.

Blockade der B404 in Kiel.
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Bild: Blockade der B404 in Kiel. / Pay Numrich

17. August 2020

17. 08. 2020

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Die Aktion startete mit einigen Komplikationen, denn viele Autofahrer*innen an den betroffenen Auffahrten reagierten nicht auf den Hinweis, dass sich auf dem nächsten Streckenabschnitt Personen auf der Fahrbahn befanden. Anstatt zu warten, reagierten einige der Autofahrer*innen sehr aggressiv, schrien Aktivisti an, stiegen aus, wurden handgreiflich und zogen Baken mit Warnschildern von der Strasse.

Dabei fuhren mehrere Autofahrer*innen so dicht auf Menschen auf, dass diese auf der Motorhaube lagen oder beiseite springen mussten, um nicht angefahren zu werden. So war die Situation am Anfang sehr unübersichtlich und Autos fuhren trotz der Warnung in Richtung des blockierten Abschnitts los. Kurz vor der Blockade wurden manche von ihnen dann nochmals von Personen angehalten. Selbst als die Blockade und Menschen auf der Strasse schon in Sichtweite waren, liessen sich diverse Autofahrer*innen nicht davon abhalten und fuhren im engen Slalom durch die Blockade und über kleinere Gegenstände oder über den Gehweg.

Ein Autofahrer stieg aus und versuchte die Hochbeete wegzutreten. Wir verurteilen diese Aggressivität und rücksichtslose Gefährdung unserer Aktivisti durch die Autofahrer*innen aufs Schärfste. Es macht uns fassungslos zu sehen, wie weit manche Menschen bereit sind zu gehen, nur, um ihre Blechkiste von A nach B zu bewegen und ihre eigene Stärke zu demonstrieren. Ihr aggressives Machtgehabe entspricht dabei allerdings ganz gut dem Entwicklungsstand ihrer Lieblingstechnologie: Völlig veraltet.

Trotz dieser Schwierigkeiten und der gefährlichen Situation schafften wir es aber, die Hochbeete mit den Ankettvorrichtungen wie geplant aufzustellen, während sich drei Kletter*innen von der Fussgängerbrücke abseilten. Dazu wurden Pflanzen und Gartenmöbel aufgestellt, um unseren symbolischen Kleingarten zu vervollständigen. Gartenzwerge waren selbstverständlich auch dabei. Anfangs drängten sich noch Autos auf der rechten Spur stadteinwärts vorbei. Dabei fuhren sie dicht unter einer kletternden Person und an einem der Hochbeete vorbei, wodurch sie die Person, der sich darin angekettet hatte, in schwere und absolut unnötige Gefahr brachten.

Da der Kopf aus einer Holzplatte herausragte, hätte ein Stoss oder starkes Ruckeln an dem Hochbeet den Aktivist verletzen können. Auch die nach circa 10 Minuten hinzugekommene Polizei hielt es zunächst nicht für nötig, diese Gefahr zu unterbinden, und liess weiter Autos auf dieser Spur passieren. Ein passierendes Wohnmobil war so gross, dass die Kletterperson auf dem Dach hätte spazieren gehen können. Erst als ein Bus der KVG sich vernünftigerweise dafür entschied, nicht einfach durch die abgeseilte Person auf dieser Fahrbahn hindurchzufahren, stoppte der Verkehr und die Polizei verkündete, dass die Alte Lübecker Chaussee von hier aus nun nicht mehr anzufahren sei.

Nach und nach sammelten sich Anwohner*innen und Unterstützer*innen auf den Gehwegen, wobei lebhaft über die Kieler Verkehrspolitik, die wütenden Autofahrer*innen und die Wahl unserer Aktionsform diskutiert wurde. Viele Anwohner*innen äusserten sich entschieden gegen den weiteren Ausbau der B404 zur A21. Verständlich, denn schliesslich ist ihr unmittelbarer Lebensraum davon immens betroffen. Einige Anwohner*innen versorgten uns und die versammelten Unterstützer*innen mit Kaffee und Keksen. Auch anliegende Kleingärtner*innen stiessen spontan mit „Südspange Stoppen!“-Schildern dazu. Fahrradfahrer*innen und Spaziergänger*innen auf der Fahrbahn zeigten, wie diese Asphalttrasse aussehen könnte, wenn dort keine Blechkisten mehr fahren würden. Einzig eine Tram wurde noch schmerzlich vermisst.

Nach etwa zwei Stunden fing die Polizei damit an, die Hochbeete auseinanderzunehmen. Besonderes technisches Geschick bewiesen sie dabei allerdings nicht: Auf sehr rabiate Weise werkelten die Polizisti mit Brechstangen und Bolzenschneidern an den Paletten herum. Die Räumung aller drei Hochbeete nahm also einiges an Zeit und Muskelkraft in Anspruch. Während der Räumung sassen weitere Aktivisti neben den Hochbeeten und liessen sich gemeinsam mit den aus den Hochbeeten „gepflückten“ Aktivisti wegtragen. Anschliessend räumte die Polizei unter Nutzung eines Drehleiterwagens der Feuerwehr die von der Brücke abgeseilten Menschen.

Die Feuerwehr half durch die Steuerung des Wagens obwohl ausser durch die mit Messer herumfuchtelnden Polizisten keine Gefahr für die Kletterinnen bestand. Die Polizisten hatten offensichtlich keine Ahnung vom klettern und versuchten durch nach unten ziehen der Füsse die Menschen zu räumen obwohl dadurch die Knoten sich nur fester ziehen und die Gefahr eines Blutstaus bei den Aktivistin entstand. Eine Support-Person der Kletternden wurde festgenommen, weil sie darauf bestand, dass nicht mit dem Messer vorm Gesicht der Kletterin rumgefuchtelt werden solle und lieber professionelle Kräfte die Räumung durchführen sollten. Dabei knieten fünf Polizisten auf ihr, teilweise auch auf dem Hals.

Trotz der erschreckenden Aggressivität einiger Autofahrer*innen war die Aktion aber ein voller Erfolg. Und der Zeitpunkt für intensiven Protest ist genau richtig: Teile des Bauabschnitts 3b und der Bauabschnitt 3a der A21 sind noch lange nicht fertig gebaut, für den Abschnitt 2 laufen gerade Vorbereitungen für das Planfeststellungsverfahren und für die Anbindung der A21 an den Kieler Süden ist gerade erst die Machbarkeitsstudie fertig.

Im Zuge der dafür nötigen Untersuchungen wurde der Stadt Kiel übrigens eine heftige Ohrfeige verpasst: Ihr eigenes Gutachten bestätigt die Absurdität ihrer Argumentation. Angeblich soll die Anbindung der A21, inklusive der als „Südspange“ bezeichneten neuen Schnellstrasse nach Gaarden, die Verkehrssituation auf der B76 entlasten. Im Verkehrsgutachten von 2016 werden allerdings nur für den Teil der B76 östlich vom Barkauer Kreuz gerade mal 7% Entlastung prognostiziert, allein für den westlichen Teil hingegen 25% zusätzliches Verkehrsaufkommen. Und dafür soll dann noch wichtiger Lebens- und Erholungsraum, inklusive der für das Stadtklima notwendigen Frischluftschneise, zerstört werden. Bei der derzeit bevorzugten Variante des Bauplans könnte von der Zerstörung auch das Kulturzentrum „Alte Meierei“ betroffen sein.

Im Angesicht der globalen Klimakatastrophe können wir unsere Mobilität zukünftig aber ohnehin nicht organisieren, indem wir weiter auf motorisierten Individualverkehr setzen – ob nun von Staus entlastet oder nicht. Was wir brauchen, um wirklich die Mobilität für den Kieler Bereich zu sichern, ist endlich ein vernünftiges Tramnetz mit Nulltarif, ein gut ausgebautes Netz an reinen Fahrradstrassen und Güterverkehr auf der Schiene statt in ineffizienten LKWs.

Dafür müssen wir allerdings auch die Macht der Autoindustrie angreifen, die, angetrieben vom blinden Profitzwang unseres Wirtschaftssystems, weiter ihre gesellschaftliche Vormachtsstellung durchzusetzen versucht. Und dafür braucht es weiter Aktionen wie die Baumbesetzung im Vieburger Gehölz am letzten Wochenende, die Kunstaktion der Students for Future im Vieburger Gehölz ab dem 14.08. oder Blockadeaktionen wie die unsere. Noch können wir diesen Wahnsinn stoppen!

pm

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