UB-LogoOnline MagazinUntergrund-Blättle

Freiburg: Aktionstag für den Erhalt der G19 | Untergrund-Blättle

6453

politik

ub_article

Politik

Protest gegen die Zerstörung subkultureller Freiräume! Gegen Immobilienhaie! Freiburg: Aktionstag für den Erhalt der G19

Politik

Am Dienstag, den 25.05.21 wollte ein Architekt mitsamt Abrissunternehmen eine neue Inspektion der Gebäude der Gartenstrasse 19 forcieren, nachdem diese am letzten Montag den 17.05.21 durch die Initiative eines Anwohners blockiert wurde.

Aktionstag am 25.05 an der Gartenstrasse 19 in Freiburg.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Aktionstag am 25.05 an der Gartenstrasse 19 in Freiburg. / g19freiburg.blackblogs.org

28. Mai 2021

28. 05. 2021

2
0
4 min.
Korrektur
Drucken
Johannes Platt, der als Architekt im Auftrag des Eigentümers Walter Hafner handelt, drohte eine Begehung der selbstverwalteten Gebäude auch ohne Ankündigung und Termin, also ohne Einverständnis, "durchzuziehen". Das konnte bisher erfolgreich verhindert werden. Zur aktuellen Situation weiter Unten im nachfolgenden Text.

Schon zur geplanten Mahnwache um 09:00 morgens kamen einige Interessierte und blieben für ein Frühstück in der Sonne. Der Vormittag verlief ruhig, die Infostände wurden ausgeklappt, Getränke gegen Spende organisiert und Musik gespielt. Auch die Strasse in ihrem sonst eher grauen Asphalt bekam etwas von der guten Stimmung ab. Allerlei Kreidesprüche wurden gemalt

"Die G19 ist für Alle da!", "Queer-feministisch und anarchistisch, die G19 bleibt!" Gefeiert wurde auch das 10-Jährige bestehen der Bike Kitchen. Am 25.05 vor genau 10 Jahren wurde die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt zum ersten Mal eröffnet. In Anblick der Situation erschien dieser Jahrestag fast ein bisschen absurd. Dazu sagte eine Freundin der Bike Kitchen: "Ich wüsste gar nicht, was ich ohne die Bike Kitchen machen würde! Hier habe ich schon so viele Kontakte geschlossen."

Besucher*innen brachten Kuchen und kamen nicht einfach so am Nachgelack-Beautystand vorbei! Zwischen den Programmpunkten gab es viel Zeit für Austausch und Vernetzung. Auch die Nachbar*innen, die das Geschehen der G19 schon lange mitverfolgen, können das destruktive Verhalten des Eigentümers nicht verstehen. So kommentierte eine Anwohner*innen die gute Kommunikation der G19: "Mir werden Zettel mit Info's in den Briefkasten gelegt, wer macht heute schon sowas noch?" und sprach positiv über die Initiative der G19 im Stadtteil.

Zur Kundgebung füllte sich die Strasse noch einmal mit rund 100 aktiven und interessierten Leuten der Gartenstrasse 19. Mit Energie und Empörung stellten die Sprecher*Innen der Kundgebung den drohenden Abriss in einen gesellschaftlich-politischen Kontext. Denn ein unnötiger Abriss der Häuser würde nicht nur zu einem Verlust des etablierten und autonomen DIY-Space führen, sondern, ohne Bebauungspläne, auch zu einer langfristigen Brache. Die Bedrohung der Gartenstrasse 19 reiht sich bundesweit in einen Räumungstrend von linken autonomen Orten ein. Mit Nachdruck wurde auf die Räumungen von selbstverwalteten Räumen in Berlin (Meuterei, Syndikat, Liebig 34) verwiesen und abermals die Forderung gestellt, den subkulturellen Freiraum der G19 nicht in diesen Trend einzureihen. Am späten Nachmittag gesellten sich weitere Nachbar*Innen sowie ehemalige Besetzer*Innen dazu und teilten ihre Erlebnisse und Geschichten.

So reihen sich weitere Informationen über das desaströse Verhalten des Eigentümers ein. Inzwischen ist bekannt, dass dem Bauaufsichtsrat der Stadt Freiburg keine nachfolgenden Bebauungspläne vorliegen. Demnach ist es zwar möglich, dass der Eigentümer Wohnraum auf dem Grundstück erschliessen möchte. Er kann aber keine konkreten Pläne vorweisen und hat von der Stadt auch keine Genehmigung für eine Bebauung.

Daran anschliessend sind zukünftige Bebauungspläne kritisch zu sehen, da in diesen kein Platz für einen subkulturellen Freiraum wäre. Für welchen Zweck also und für wen wird eine zukünftige Umgestaltung des Grundstückes betrieben? In diesem könnten wieder nur Menschen wohnen, die sich die hohen Innenstadtmieten leisten können. Die Gebäude standen schon vor 2010 jahrelang leer, es waren viele Menschen, die in den vergangenen Jahren die Räume genutzt und belebt haben. Daher wird hier ganz direkt die Eigentumsfrage gestellt und die Meinung vertreten, dass die Menschen, die den Raum nutzen, auch entscheiden sollten, was mit ihm passiert.

Ausserdem gibt es Empörung über den Versuch des Eigentümers, in den Besitz Anderer einzudringen, da er hierfür über keine Rechtsgrundlage verfügt. Nach "§854 Erwerb des Besitzes" sowie "§861 Anspruch wegen Besitzentziehung" gibt es einen rechtmässigen Besitz der beiden Gebäude, da diese nach Nicht-Nutzung in Besitz genommen wurden und nun seit über 11 Jahren geduldet sind. Juristisch ist dies nicht als Besetzung zu behandeln, sondern als rechtmässigen Besitz beider Gebäude. Der Eigentümer ist mit der von ihm beauftragten Firma also verbotenerweise in die Gebäude eingedrungen.

In jedem Fall ist klar, dass dies nicht der letzte Tag rund um die G19 war!

Zudem ruft die Bike Kitchen am Samstag 29.05 zur Fahrraddemo auf. Unter dem Motto: Bike Kitchen retten! Bildet Ketten! soll es einmal quer durch die Stadt gehen. Los geht es um 18h an der G19 - kommt mit allem was Räder hat!

Für die Gartenstrasse, für die ganze Stadt!

Wir bleiben Alle!

pm

Mehr zum Thema...
Die Gartenstrasse 19 in Freiburg.
Kampf um selbstverwaltete RäumeFreiburg: Gartenstrasse 19 vom Abriss bedroht

22.05.2021

- Am 17.05.2021 zwischen 6:00 und 10:00 wurden wir benachrichtigt, dass ein Abriss-Unternehmen inklusive Architekt versuchte in die Gartenstrasse 19 (auch G19) einzudringen.

mehr...
Das besetzte Gelände an der Gartenstrasse 19 in Freiburg.
Erneuter Höhepunkt der AbrissdrohungFreiburg: Gartenstrasse 19/Bike Kitchen

21.06.2021

- Eigentümer der G19 und Bike Kitchen kündigt den Kontakt auf und droht mit Räumung. Am Montag den 21.6. sind die Häuser also konkret bedroht. Wir bleiben!

mehr...
Wohnprojekt Unfug in Lüneburg, Frühjahr 2020.
Aktuelle Situation und HintergründeLüneburg: Wohnprojekt wütend über Entscheidung des Verwaltungsgerichts

25.06.2020

- Die Bewohner*innen des Wohnprojektes Unfug in Kaltenmoor sind empört über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Lüneburg, das im einstweiligen Rechtsschutzverfahren die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung im Widerspruchsverfahren gegen den Räumungsbescheid der Stadt Lüneburg abgelehnt hat.

mehr...
Aktionstag gegen Abriss der G19 - Mahnwache und Kundgebung am besetzen Häuschen

27.05.2021 - Am Dienstag, den 25.05.2021 fanden sich über 100 Menschen vor der G19 zusammen, um diese vor dem Abriss zu schützen. In der vorangegangenen Woche [...]

Stadtumstrukturierung in Freiburg - und der Anfang des Widerstands

16.01.2007 - In den nächsten Tagen droht der Abriss der letzten ArbeiterInnensiedlung in der Spittelackerstrasse in Freiburg. Graue Reihenhäuser werden ein ...

Dossier: Gentrifizierung
Dossier: Gentrifizierung
Propaganda
Kein Platz für Kinder?

Aktueller Termin in Mülheim

Kneipe

Samstag, 31. Juli 2021 - 23:00

Az Mülheim, Auerstraße 51, 45468 Mülheim

Event in Berlin

Queers Take Over Mariannenplatz

Sonntag, 1. August 2021
- 14:00 -

Mariannenplatz (Kreuzberg)

Mariannenplatz

10997 Berlin

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle