Es ist legitim, sachlich Kritik zu üben, wenn sie berechtigt ist und sie von Menschen kommt, die durch ihre Expertise wirklich etwas zum Thema beitragen können. Kritik an schlampig erstellten Gutachten und der Unkenntnis über praktische Walrettung darf geäussert werden. Und natürlich müssen wir insbesondere unserer Verantwortung für Natur und Umwelt gerecht werden.
Für relevante Lösungsansätze bei den menschengemachten, zwangsläufig verstärkt auftretenden ökologischen Katastrophen, dafür stehen die sich hier inszenierenden rechten Gruppierungen und Individuen jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil, Fakten werden abgestritten, effiziente Strategien in einer masslosen Überheblichkeit bestritten. Gegen ihre Einstellung, alle Menschen, die nicht ihr Weltbild passen, auszugrenzen, sie zu erniedrigen und existentiell zu gefährden (bis hin zur Auslöschung) kann es nur Widerstand, aber niemals eine Zusammenarbeit geben. Dieser Beitrag beschäftigt sich deshalb mit der Instrumentalisierung eines Wales durch rechte Kreise und ihre erfolgreiche Mobilisierung vor Ort. Alle, die rechte Einstellungen ablehnen und trotzdem der Ansicht sind, eine Walrettung entpolitisieren und von Ideologie befreien zu können, tappen in eine Falle. Bei rechtsextremen Einstellungen einfach wegzusehen und wegzuhören, weil es um eine gemeinsame, „übergeordnete“ Sache geht, ist naiv und verharmlosend. Solche Ignoranz unterstützt die Schaffung einer rechten Hegemonie, mit allen ihren Konsequenzen.
Hier nun eine Vorstellung der Beteiligten.
Zur Person Walter Gunz
Dass sich hier rechte Kreise erfolgreich zusammenschliessen konnten und zum Protest mobilisierten, hat gute Gründe. Eine der beiden Geldgeber*innen ist bekanntermassen der Mitbegründer der Mediamarkt-Kette Walter Gunz.Seine gute Freundin, die Journalistin Nicolette DeVidar, die in Washington D.C lebt, hat ihn aus den USA angerufen und erklärt, dass es vielleicht doch noch eine Möglichkeit gibt, den in der Ostsee vor der Insel Poel gestrandeten Wal zu retten. Laut Aussage von Walter Gunz, ist dass der Anlass gewesen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die Rettungsaktion einzuleiten. Beide stehen sich als Mystiker*innen philosophisch, „spirituell“ und auch politisch nah.
Walter Gunz werden Sympathien zur AfD vorgeworfen, welche sich bei seiner in den USA lebenden Freundin „Nicolette“ leicht belegen lassen. Für das Online-Nachrichtenmagazin aus Bangladesch, PressXpress, verfasste sie 2024 einen Artikel über das Erstarken der AfD in Deutschland. Im Text behauptet sie, die Partei hätte Botschaften für die Menschen, die die Regierung lieber verschweigen würde oder sich weigert zu verstehen. Die AfD würde das aussprechen, was viele Deutsche schmerze. Der Text ist keine sachliche Analyse, sondern ein reines Werbe-Pamphlet.
Auch ein Text über den Ukraine Krieg aus dem gleichen Jahr „Die Welt ermüdet von Selenskyj. Abkehr von der Rüstung, hin zum Frieden“ offenbart eine Position, die, übertragen auf Deutschland, in AfD-Kreisen verbreitet ist. DeVidar schreibt, dass die amerikanische Bevölkerung es satt habe, endlos Missionen im Ausland zu finanzieren, während die USA im eigenen Land mit Problemen zu kämpfen habe.
In ihrer schriftlichen Einleitung zu einem Video, das ein anderes Thema behandelt, erklärt sie 2022 zu Corona, dass die Menschen genug hätten von Massnahmen und Beschränkungen, die weiter auferlegt werden, obwohl Narrative zerfallen. Die Menschen würden zunehmend Widersprüche erkennen. Das Streben nach Freiheit besiege die Angst. Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Bevölkerungsgruppen schliessen sich zusammen und setzen sich für ihre Rechte ein.
Auf ihrem X - Account wettert DeVidar dann auch gegen das Tragen von Masken. Ihr YouTube Video über den Klimawandel offenbart, dass sie wissenschaftlich erwiesene Fakten leugnet und Lösungen anbietet, die keine sind. Sie schreibt dazu: „Glaubt man den Mainstream-Medien, dem WEF oder der UN, steuern wir auf eine Katastrophe zu. Zwar haben Stürme, Überschwemmungen und Wetterkatastrophen zugenommen – aber welchen Einfluss haben wir wirklich darauf? Welchen Einfluss hat die Verschmutzung des Geistes auf den Verlauf von Umweltkatastrophen? (…) Werden wir von Panikmache geplagt, anstatt uns auf unsere tatsächlichen kreativen Fähigkeiten zu konzentrieren, die die Welt erschaffen, in der wir leben?“
In einem weiteren Video stellt sie ihrem US-amerikanischen Publikum, die deutsche Kleinstpartei „Basis“ vor, die aus der selbsternannten Querdenker*innen Bewegung hervorging, welche für „Schwurbelei“ statt logischem, auf Fakten basierendem Denken steht. Sie übersetzt ein Interview, das mit Peggy Galic (Vorsitzende des Kreisverbandes Rosenheim-Miesbach) geführt wurde.
Sie spricht mit Franz Ruppert, den sie als führenden Traumaspezialisten vorstellt, dessen Verfahren aber nicht durch den wissenschaftlichen Beirat anerkannt ist. Über Corona hat er ebenfalls Verschwörungstheorien verbreitet und die Massnahmen mit der Schutzhaft aus der NS-Zeit verglichen. Sie unterhält sich mit ihm auch über die Mutterrolle. Im Verständnis nach frauenfeindlich, reaktionär, verklärend.
Sie führte ein Interview mit Marie-Luise Vollbrecht zum Thema, warum es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt. Anerkannte Wissenschaftler*innen widersprechen dieser Aussage. Das Problem hierbei wäre nicht eine sachlich fundierte Debatte, sondern dass rechte Gruppen und auch Vollbrecht selbst, das biologische Verständnis zur Hetze gegen queere Personen und Transfeindlichkeit nutzen.
Nach der Walrettung führte sie ein Gespräch mit der deutschsprachigen Ausgabe der Epoch Times, mit der Walter Gunz in guter Beziehung steht. Zu Spitzenzeiten folgten immerhin mehrere Tausend Personen dem Livestream von Epoch Times auf der Insel Poel, dem zeitweiligen Strandungsort des Wales. Die Zeitung wurde von Beginn an in die Planung der Rettung einbezogen und ist tagtäglich vor Ort gewesen, um live berichten zu können. Laut Wikipedia wird die deutschsprachige Ausgabe, dem „rechtspopulistischen bis rechtsextremistischen Diskurs" zugeordnet. Die amerikanische Ausgabe "wird der Gruppierung Falun Gong und der Neuen Rechten in den Vereinigten Staaten" zugerechnet und übernahm Verschwörungstheorien von Donald Trump.
Die Zeitung schreibt selbst: „Der erneute Rettungsversuch begann mit der Ankündigung von Gunz in der Epoch Times, eine solche Aktion zu finanzieren. Zahlreiche Konzepte wurden unserer Redaktion zugeschickt und von einem Team ausgewertet. Nach anfänglicher Ablehnung meldete sich Minister Backhaus persönlich bei Gunz. Nach zahlreichen Gesprächen gab er nun grünes Licht für die neue Rettung. Es kommt nicht von ungefähr, dass Walter Gunz die Epoch Times hier aktiv mitmischen lässt. Ihre Präsenz vor Ort erhöht ihren Bekanntheitsgrad und bringt ihr insgesamt mehr Reichweite.
Die Initiative gegen Rechtsextremismus „Endstation Rechts“ schreibt über Walter Gunz, dass er "keine Probleme damit zu haben scheint, rechte Akteure mit Null-Wal-Profession finanziell zu unterstützen. Denn ebenso wie die Liebe zum Wal, scheint sie der Vorzug zur AfD zu verbinden. Gunz spendete laut interner Parteiliste mehrfach an die rechtsextreme Partei. Einmal waren es dementsprechend der Liste 1.750 Euro, dann 500 Euro und im Jahr 2017 mehrfach 250 Euro."
Jens Schulz, der Organisator
Ganz vorne dabei, als Koordinator und Initiator des Rettungseinsatzes, und dennoch kein Gesicht für die Öffentlichkeit, ist Jens Schulz gewesen. Auf Facebook gibt es nur ein Interview mit ihm, dass News 5 geführt hatte. Auf seinem, inzwischen abgeschalteten Facebook Account postete er in der letzten Zeit eine eher sachlich gehaltene Walberichterstattung eines Insiders. Interessant ist die Gegendarstellung der Walrettungsinitiative, der er in federführender Position angehört. Sie verwehren sich gegen Vorwürfe und verweisen darauf, dass Jens Schulz kein Partei-Mitglied der AfD wäre. Radikalismus in jegliche Richtung würde weder unterstützt noch genutzt. Sie halten sich rechtliche Schritte gegen Verleumdung vor.Doch Interessierte, die auf seinem Account etwas weiter nach unten gescrollt haben, ist es möglich gewesen, sich sehr schnell ein Bild von seiner wahren Gesinnung zu machen. Der geteilte Slogan: „Wenn das Volk aufsteht, wird die Macht nervös“ ist hier schon eine interessante Überleitung, zu den widerwärtigen Ergüssen, die danach folgen. Hier einige kurze Auszüge im Wortlaut:
„Diese linken Hetzer machen immer weiter! Und wir bezahlen diesen ganzen ZDF / ARD Dreck!“ „Euch total verblödeten Westdeutschen müssen sie wirklich ins Gehirn geschissen haben. Was muss noch alles passieren damit ihr Speichellecker endlich aufwacht?“ „Ja Herr Merz, nicht jedes Land lässt sich durch die Ukraine eine Pipeline zerstören und zahlt trotzdem weiter. Es gibt auch Länder, in denen nicht das eigene Volk verraten wird. Sie sind eine Schande.“, „(…) Egal ob sie einen Genozid begehen, fremde Länder überfallen, Privatpersonen im Ausland töten oder ob Siedler fremdes Land besetzen. Die Israelis brauchen sich nicht wundern, dass fast die ganze Welt sie ablehnt. Es wird Zeit, dass ihr Treiben Konsequenzen hat. „Ich hoffe so sehr, das Putin diesen ukrainischen Verbrecher endlich aus dem Verkehr zieht.“
Mehrmals hetzte er rassistisch und zutiefst verächtlich über People of Color, die nichts in der Werbung verloren haben sollen, haben, weil sie Deutschland nicht vertreten können. Dazu präsentiert er eine rassistische Werbung von H&M, die der schwedische Konzern aufgrund berechtigter Empörung zurückziehen musste. Und mehrmals äussert er eindeutig, dass er ein Anhänger der AfD ist, indem er z.B. eine Grafik mit der Aufschrift teilt, dass er mit 12 Millionen zur AFD gehört und dazu steht.
Diese Inhalte sammelten sich über mehrere Jahre auf seinem Account an.
Das sollte dann mehr als ausreichen, um sich ein Bild über den Menschen Jens Schulz machen zu können. Auf Facebook behauptet er am 22. April, er wäre auf Facebook gehackt worden. Es geht u.a. um einen zutiefst walverachtenden Post aus dem Jahre 2025, der ihn vollkommen diskreditieren würde. Laut eigener Aussage hat er ihn gleich zur Anzeige gebracht und vermutet, dass "Pixelhelper" (Künstler*innenkollektiv aus der Ecke der Freimaurer -damit weder links noch rechts) dahinterstecken, die sich u.a. wegen seiner politischen Einstellung von der Walrettung zurückgezogen haben.
Der Organisator der Walrettung hat sich eindeutig positioniert. Es ist bekannt, wo er steht. Den Vorwurf, gehackt worden zu sein, was technisch in der Form kaum umzusetzen ist, bezog er den eigenen Aussagen auf Facebook entsprechend, vor allem auf den "walfeindlichen" Beitrag und ein paar verwirrende Inhalte, die seine Arbeit konterkarieren. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der ominöse Hackerangriff eine reine Schutzbehauptung ist.
In einem weiteren Statement informiert er, er hätte sich mit einem spezialisierten Fachanwalt für Medienrecht in Verbindung, der ihn in Kenntnis gesetzt hätte, dass es ihm nicht möglich ist, echte von gefakten Posts zu unterscheiden.
Die menschenfeindliche Hetze und seine Bekenntnisse zu AFD haben sich bis zur Abschaltung auf seinem Account befunden. Dafür gibt es keine Ausreden. Bedeutend ist hier, dass er sich zu keiner Zeit inhaltlich von den Aussagen distanziert, sondern nur als Opfer stilisiert.
Statement Jens Schulz: „Mir geht und ging es von Anfang an nur um den Wal und um die Schaffung einer realen Möglichkeit, diesem Tier eine Chance auf Freiheit zu generieren. Die mediale Aufmerksamkeit ist riesig, das war uns allen bewusst. Anstatt uns in Ruhe arbeiten zu lassen, wurde der Fokus weg vom Wal dann in Richtung der Teammitglieder gelenkt und Teile davon öffentlich blossgestellt und diffamiert. Der Vorwurf darf in den Raum gestellt werden, geht es hier noch um die Rettungsaktion des Wales oder um etwas ganz anderes?
Danny „First Class“ Hilse – ganz nah dran am Wal
Entlarvend ist dann auch, wer für die Koordination des Walprotestes in Wismar am 11. April 2026 verantwortlich ist. Aufgerufen dazu hat der ehemalige Hells Angel Danny Hilse („Danny First Class“) aus dem Landkreis Cuxhaven. Noch im letzten Jahr organisierte er die GfD (Gemeinsam für Deutschland)-Demos in Niedersachsen. Hier seine Rede in Hannover vom 28.6.2025.Er verfügt über gute Kontakte zur AFD. Am 25.10. 2025 hat er z.B. eine weitere GfD-Demonstration organisiert, für die AfD Politikerin Christina Baum (Mitglied des Bundestages) als Rednerin gewinnen konnte.
Hier sein Aufruf zu der von ihm organisierten Demo und Mahnwache am 11. April in Wismar. Über 150 Menschen folgten seinem Aufruf. Anschliessend ging es auf die Insel Poel.
Achim Lustig, ein Hobbyfilmer hat die Aktion auf Poel gefilmt. Danny Hilse hat davon ein langes „Reel“ auf Facebook gestellt. Zu sehen sind einige ihm Bekannte aus seinem „Gemeinsam für Deutschland Umfeld“ (u.a. Feuerwehrmann „Jürgen“ und „Speedy“, auf die noch näher eingegangen wird), aber auch Personen, von den anzunehmen ist, dass sie evtl. nicht wissen könnten, dass sie hier politisch instrumentalisiert werden. Es ist aber auch davon auszugehen, dass es einigen, aufgrund offensichtlicher Hinweise auf rechte Beteiligung, auch egal ist, wer bei der Walrettung die Initiative ergreift.
Nachdem er an diesem Tag als Organisator aufgetreten ist, ist es Hilse, trotz seines kurz darauf öffentlich gewordenen politischen Hintergrundes, schnell gelungen, ins „Walretterteam“ aufgenommen zu werden.
Ebenfalls mehrere Tage vor Ort gewesen ist sein Bekannter Dennis „Original 4“, der gemeinsam mit Dennis „Firstclass“ Hilse zu GfD (Gemeinsam für Deutschland) Protesten aufgerufen hat.
Auf seinem Kanal spricht er die gemeinsame Verbindung. Bei Demobesuchen würden sie Gespräche führen, hätten inzwischen die Telefonnummern ausgetauscht und würden über WhatsApp kommunizieren. Er beschreibt „Firstclass“ als hilfsbereit und wirklichen Macher. Er wäre ein dominanter Anführer, dessen Projekte immer „Hand und Fuss“ gehabt hätten.
Danny Hilse ist im Anschluss ganz nah dran am Wal gewesen. Sein Versprechen auf seinem TikTok Kanal ist keine Worthülse.
Als lautstarker Organisator der Demonstration und Wortführer, der die Anwesenden erfolgreich agitieren konnte, ist es ihm gelungen, offiziell in das Team der Retter*innen aufgenommen zu werden. Schnell hat er sich mit dem Schriftsteller Sergio Bambarén angefreundet und ihm wurden, ebenfalls ohne Expertise von Verantwortlichen, ähnliche „Walflüsterqualitäten“ nachgesagt.
Danny Hilse ist, vom ersten Tage an, als er auf Poel aufgetaucht ist, immer präsent gewesen und durch seine Gesichtstätowierung fällt der ehemalige Hells Angel besonders auf. Es wäre verharmlosend, die hier recherchierte Problematik der Instrumentalisierung durch Rechte nur auf ihn zu projizieren. Er ist der besonders sichtbare Teil eines Netzwerkes, samt „unpolitischer“ Unterstützer*innen.
Festzustellen ist, dass rechte Einstellung und Vernetzung kein Anlass sind, ihn aus dem Team zu entfernen. Nicht einmal, als die Veterinärin Jenna Wallace (Hawaii), die eine Zeit lang, an der Walrettung beteiligt war, in ihrem Statement seinen Auftritt stark kritisierte. Sie berichtet von seiner Ignoranz und seinen extremen Hang zur Selbstdarstellung, die eine erneute Strandung des Wales zur Folge gehabt hätte. Ihre Darstellung fand Widerhall in den Medien. Selbst darauf wurde nicht reagiert.
Er wäre hier ohnehin nur „Bauernopfer“ gewesen. Die beiden Personen, die den gesamten Walrettungsversuch finanzieren, Walter Gunz und die Pferdesport-Unternehmerin Karin Walter-Mommert haben nicht eingegriffen. Walter-Mommert hat ihn damit verteidigt, dass er eine besondere Beziehung zum Wal aufgebaut hätte. Auch die in den letzten Tagen bis zur Freilassung eingesetzte Tierärztin mit eigener Haustierarztpraxis, hat sich, als der Wal in der Barge in die Nordsee transportiert wurde, sehr positiv über den Einsatz von Danny „Firstclass“ geäussert. Sein politischer Hintergrund war auch bei ihr kein Thema. Alles wurde erneut dem gemeinsamen Ziel den Wal zu retten, untergeordnet. Gut verstanden hat er sich auch mit der zweiten eingesetzten Tierärztin, die in einer Pferdeklinik arbeitet. „Danke mein Schatz“ und innige Umarmung mit „Küsschen“, für ein letztes gemeinsames Selfie auf Poel vor der Barge mit Wal, bezeugen, wie gut das Verhältnis zwischen den beiden am Ende gewesen ist. Sie lobten sich gegenseitig für ihren Einsatz.
Im Netz existieren Gerüchte über eine Beziehung zur Rechtsanwältin Constanze von der Meden, Mitglied im Walrettungsteam. Ein Bild, dass beide gemeinsam in Berlin vor wenigen Jahren auf Facebook zeigen soll, reicht aber nicht aus, um die Behauptung zu verifizieren. Ein Bekannter von Danny Hilse, streitet die Gerüchte nicht ab, sondern betont, dass es Niemandem was angehe. Die vollständige Rehabilitation, bei der politische Orientierung ausgeklammert bleibt, trägt dazu bei, dass allen beteiligten Walretter*innen ein besonderer Status verliehen wird. Jegliche Kritik an rechten politischen Einstellungen gilt als Nestbeschmutzung, von nicht wenigen wird sie ohnehin geteilt.
Feuerwehrmann „Jürgen“ und Markus „Speedy“ Werner
Sich inszenieren musste sich dann auch ein pensionierter Feuerwehrmann aus Itzehoe, der zu Massenprotesten vor Ort aufgerufen hat. Der Gegner der Corona-Massnahmen, der seit 2024 aktiv in rechte Kreise eingebunden ist, bezeichnet sich selbst als Patriot, wäre aber kein Nazi. Sein YouTube - Account macht es nicht schwer, ihn politisch richtig einzuordnen. Hierzu ein Bericht der Antifa-Gruppe Itzehoe vom 8. Februar 2025.Der in Baden-Baden geborene Jürgen Scharnbacher hat sich mit rechten Strukturen in Baden-Württemberg vernetzt. Am 21.9.2024 sass er auf dem Podium der „Wir müssen Reden“ Demonstration vor dem Südwestrundfunk SWR in Stuttgart. 2025 trat er bei zwei Veranstaltungen auf, die von „Baden-Württemberg steht auf“ organisiert wurden. Am 22.2.2025 in Backnang und am 18.10. 2025 in Reutlingen.
Auf Poel war er Seite an Seite mit Markus „Speedy“ Werner ein Teilnehmer der Demonstration von Danny Hilse und am 18.11. hat er die Eröffnungsrede der von Werner organisierten Mahnwache gehalten. Das Ende seiner Rede zeigt auf, wie die politischen Rechte das Schicksal eines gestrandeten Wales extrem überhöht und wie das Thema, Mensch und Tier dabei instrumentalisiert werden.
Entschuldigt hat sich Jürgen Scharnbacher dafür, dass er selben Tag auf Poel nach Beendigung die an der Rettung beteiligten Tierärztin und eine Rechtsanwältin, die ebenfalls Mitglied des Rettungsteams gewesen ist, mit unberechtigten Vorwürfen konfrontiert hat. Die wenige Tage darauf plötzlich lebensgefährlich erkrankte Frau, hat als Teil des Walrettungs-Teams und Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig-Holsteins der Partei Mensch Klima Tierschutz ein hohes Engagement gezeigt. Ihr Name wird hier bewusst nicht genannt, weil ihr bestimmt nicht der Vorwurf gemacht werden kann, eine politische rechte Einstellung zu vertreten.
Im Nachgang berichtet Scharnbacher „von Backhaus persönlich angezeigt worden sein“. Ob es eine Anzeige gegeben hat, ist unklar – sehr wohl wurde ihm ein Gefährder-Anschreiben der Polizei übermittelt.
Inhaltlich soll nach Ansicht rechter Kreise, der Feuerwehrmann hier „Klartext“ geredet haben und auch als Opfer einer zutiefst als ungerecht empfundenen Repression ist er ein geschätzter Gesprächspartner auf verschiedenen rechtsoffenen und offenen rechtsextremen Youtube-Kanälen. Als Beispiele seien hier die beiden Formate „Jens fragt nach“ (Schwarck Media) und „Hallo Meinung“ (verantwortlich Peter Weber) genannt werden. „Hallo Meinung“ versteht sich als redaktionelles Netzwerk, mit dem sich das Online-Magazin für Medienkritik "Übermedien" bereits näher beschäftigt hat und das von ihnen zwischen Werteunion und Rechtsextremismus angesiedelt wird. Hier ein Video eines Interviews von „Hallo Meinung“ mit „Jürgen“.
Der pensionierte Feuerwehrmann ist intern nicht unumstritten, weil er Danny Hilse kritisiert und sich dabei auf Jane Wallace (Tierärztin aus Hawaii) und die negativen Medienberichte beruft. Der bereits erwähnte Dennis „Original 4“, wirft dem pensionierten Feuerwehrmann vor, im letzten Jahr, zusammen mit seinem Freund Markus „Speedy“ Werner „Gemeinsam für Deutschland“ Demos für Schleswig-Holstein geplant zu haben, die dann nie stattfanden. „First Class“ dagegen, hätte erfolgreich mobilisiert.
Markus „Speedy Werner“
Persönlich und politisch steht er Feuerwehrmann „Jürgen“ Scharnbacher nah. Auch er bezeichnet sich als Patriot, als „stolzer Deutscher“ und präsentiert ebenfalls eine verschwörungsideologisch, völkisch-nationale Einstellung.Er teilt durchweg rechte Inhalte auf seinen Sozialen Kanälen. Mit seinem „Team Lübeck“ (Teil der Struktur „Norddeutschland Zusammen stark) unterstützt und organisiert teilweise auch, rechte Aufrufe zum Protest. In diesem Zusammenhang sind Aktionen, wie das „Brückenleuchten“, Mahnwachen, Demonstrationen und Autokorsos von rechten Gruppierungen zu nennen, die er viel grösser macht, als sie sind. In Berlin hat seine Gruppe zwei Mahnwachen organisiert. Am 23. 11. fand sie im Rahmen einer Mobilisierung des nach den Bauernprotesten entstandenen, rechten Vereins: „Hand in Hand für unser Land“ statt. Er erstellt und teilt Mobilisierungsvideos für „Gemeinsam für Deutschland Veranstaltungen (GdF)“, die er, wie die meisten seiner Videos mit propagandistischer KI-Musik hinterlegt, die emotional aufrütteln soll. Am 22.03.2025 war er (mit eigenem Fahrzeug als Lautsprecherwagen) auf der Gemeinsam für Deutschland Demo in Lebach / Saarland.
Kurzer Text von Rheinmain-Rechtsaussen über die Aktionsform: „Brückenleuchten“.
Auf Poel war er mehrmals vor Ort. Danny Hilse stellt ihn auf der Demonstration am 11. April, die in Wismar begann, als Anmelder der nachfolgenden Spontandemo auf Wismar vor. Er selbst teilt das von Danny Hilse veröffentlichte Video über die Demonstration, dass diese Szene zeigt. Direkt neben ihm steht sein Freund „Feuerwehrmann Jürgen“.
Dennis „Original 4“ behauptet, dass „Speedy“ zuerst zu einer 28-stündigen Mahnwache für den Wal aufgerufen hätte. Im Nachgang hätte dann Danny Hilse, der über viel mehr Reichweite verfügt, die Mobilisierung, durch einen eigenen Protestaufruf an sich gerissen.
Am 18. April fand die von ihm organisierte Mahnwache statt.
Gemeinsam mit Jürgen Scharnbacher hat er regelmässig Peter Weber von „Hallo Meinung“ über das aktuelle Geschehen berichtet. Das Video dazu folgt im weiteren Textverlauf.
Dass es ihm nicht nur um den Wal geht, beweist auch eine Danksagung von ihm auf seinem TikTok-Kanal: Danke an die Retter und jeden Einzelnen, der an Timmy / Hope geglaubt hat. Jeder Widerstand lohnt sich, nicht nur am Wal. 28.4.26
Die Initiative „Save the Ocean“
Die Gründer der rechtsoffenen Privatinitiative "Save the Ocean" Jörn Kriebel, hat Jürgen Elsässers rechten Hetzblatt Compact eine Stellungnahme, im Namen seiner Organisation, zugeschickt. (ab 15:11)Sie haben die Demonstration von Danny Hilse beworben. Anja Haupt war als Vertreterin dieser Organisation vor Ort. In einer Sendung des AFD nahen Medienprojekts „Hallo Meinung“, ist sie live zugeschaltet und berichtet Peter Weber und seinem Interviewpartner Markus „Speedy“ Werner, den sie kennt, über die neue Entwicklung. (ab 2:53).
Ihr eingerichteter Livestream musste aufgrund fehlender Genehmigung abgebrochen werden und auch ihr Versuche dicht an den Wal heranzukommen, um „die grossen Lügen der Verantwortlichen“ aufzudecken, scheiterten.
Im Rahmen ihrer Berichterstattung äussern sich Haupt und Kriebel auch darüber, dass sie rechtsextremen Kanälen, Interviews geben. Jörn Kriebel behauptet, es wäre ihm egal, mit wem er sich unterhält, ihm ginge ihm nur um Verbreitung ihres wichtigen Anliegens. Es gehe um ein Tier, nicht um Politik. Er betont aber, dass es die AfD wäre, die sich für die Walrettung einsetzt. Alle anderen Parteien hätten auch ihre Chance dazu gehabt. Niemand könne sich jetzt wundern, wenn die in Mecklenburg-Vorpommern aktuell stärkste Partei, noch mehr Wählerstimmen erhält. Anja Haupt sagt über Peter Weber und sein AFD-nahes Format „Hallo Meinung“, dass es politisch in Ordnung wäre. (Anmerkung zum verlinkten Livestream. Er bietet einige Informationen mehr, die der Recherche über „Save the Ocean“ dient)
Dazu passt dann auch, dass „Save the Ocean“ auf Facebook zwei Videos zeigt, die das rechte Utopia-TV mit Enrico Schult und Petra Federau von der AfD auf der Wahlkampfabschlussveranstaltung in Schwerin zur Oberbürgermeisterwahl geführt hat. Dazu heisst es: „Erst mal für alle: Ob man jetzt die AfD mag oder nicht, es geht hier nur um das Thema Hope (Anm.: Wal) – mehr nicht.“
Im Nachgang haben sie ein Interview mit der Frau geführt, die am 12. April, vor Poel im Neoprenanzug von einer Fähre in die Ostsee gesprungen ist und versucht hat den Wal schwimmend zu erreichen. Die Polizei hinderte sie daran. Es ist davon auszugehen, dass sie nicht über den politischen Hintergrund und Kontakte die ihres Interviewpartners ins rechte Lager informiert ist. Sie zeigt grosse Begeisterung für die Bevölkerung, die sich vor Ort für den Wal eingesetzt haben.
Sie geht sogar in den Superlativ, die Liebe, die sie dort von Menschen, die sich für den Wal einsetzen, erfahren hätte, wäre die beste Erfahrung ihres Lebens gewesen. Ihr Aufruf ‚Keine Angst zu haben, sich selbst zu ermächtigen' und ihre aktionistische Bereitschaft für den Wal“ wird einer emotional aufgewühlten Rechten gefallen, die die Bedeutung des Tieres politisch überhöht und für sich instrumentalisiert. Dass sie sich in der Vergangenheit aktiv an den Klimaprotesten beteiligt hat und auch ihr Hinweis im Interview, dass der Klimawandel der Walpopulation Probleme bereitet, wird nicht überall auf Gegenliebe stossen.
„Save the Ocean“ setzen sich vor allem für Meeressäuger ein und haben sich in der Vergangenheit aktivistisch gegen Delfinarien eingesetzt. Sie streiten den Klimawandel selbst nicht ab. Bei ihnen handelt es sich aber nicht nur um eine Gruppe, die zufällig in die rechten Strukturen auf Poel geraten ist. Sie zeigen deutliche Sympathie und sind offensichtlich vernetzt.
Der Leiter der Tierrettung Vorpommern-Greifswald, Mitglied des Walrettungsteams, stand zuletzt auch der Presse Rede und Antwort. Er hat auf keinen Fall Berührungsängste zur AFD. Auf seinem Facebook Account fallen die ersten seiner „Gefolgten Freunde“ auf. Von ihm ausgewählt wurden: Hannig Recht (Frank Hannig, rechter ehemaliger Anwalt), Manuel Osterman (rechter Influencer und Bundesvorsitzender der DPolG), Ulrich Siegmund (Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt), sowie die AFD Fraktion Vorpommern-Greifswald, AFD Sachsen
Die AfD Kreistagsfraktion Vorpommern-Greifswald hat im Spätsommer 2025 eine Drohne an Klaus Kraft übergeben. Es wurden Spenden gesammelt und in Absprache mit dem Walrettungsteammitglied das Luftfahrzeug erworben.
Der an der Rettung beteiligte DLRG-Leiter erklärte in einem Interview am 28. April, dass es der persönliche Kontakt zu Klaus Kraft und seiner „Tierrettung Vorpommern-Greifswald“ gewesen ist, dass der vor Poel eingesetzte DLRG-Stamm für die Walrettung gewonnen wurde.
Rechtsextreme und rechtsoffene Berichterstattung: Jens fragt nach", (Jens Schwarck)
Das Format „Jens fragt nach“ ist sicherlich nicht vergleichbar mit explizit rechten Medien, die sich dem Wal-Thema angenommen haben. Das zu Beginn.
Jens Schwarck ist Teil des Rettungsteams und einziger zugelassene Journalist, der die Vorbereitungen und dann auch den Transport des Wales in die Nordsee selbst, begleiten durfte. Das entstandene Bildmaterial wurde vor allem von der Boulevardzeitung Bild benutzt, die dafür gut bezahlt hat.
Bei ihm ist ausgeschlossen, dass kritisch über die Zusammensetzung des Teams oder über fehlende fachliche Expertise berichtet wird. Stattdessen wird hier eine gefällige Berichterstattung, im Interesse der für die Rettung Verantwortlichen betrieben.
Gemeinsam mit Carsten Stahl hat Schwarck wirkaempfenfuerkinder.tv initiiert. Carsten Stahl verharmlost wiederholt die AFD und steht mit dieser Partei auch im Kontakt. Inhaltlich gibt es einige Übereinstimmungen, z.B. verkennt er die Schutzfunktion von Masken gegen Viren.
Rechte Medien zum Thema
Im Internet gibt es inzwischen sehr viel Belege, wie sehr Rechtsextreme den gestrandeten Wal für ihre Agenda instrumentalisieren. Sie beteiligen sich an der Berichterstattung, analysieren in ihrem Sinne, versuchen das Thema für sich zu nutzen und wehren sich gegen Kritik.Als Beispiel bekannter Formate seien hier Compact TV, Hallo Meinung, Utopia TV, Auf 1 oder Nius genannt, die hauptsächlich bekannte rechte Narrative verbreiten.
Exemplarisch dazu steht z.B. der Kommentar von Stefan Magnet (Chef des rechtsextremen, österreichischen Senders Auf 1), der das Einzelschicksal des Wales überhöht. Magnet behauptet, das Drama mache das Staatsversagen fühlbar und spürbar für jeden. Gleichzeitig geht es ihm um die politische eigene Agenda, indem er in seinem Kommentar Probleme, die ihm selbst wichtig sind, mit einbezieht. „Höhere Tankpreise“, „höhere Abgaben“ „höhere Aufrüstung um gegen Russland kämpfen“ wären zu nennen. Es wird deutlich, dass es Rechten eben nicht allein um den Wal geht.
Besonders angenommen hat sich Peter Weber mit seinem Format „Hallo Meinung“ dem Thema, weil ihm viele Menschen angeschrieben hätten und ihm als Tierfreund, das Schicksal des Wales berühren würde. Er führt Interviews mit den ihm bereits bekannten „Speedy“ und „Feuerwehrmann Jürgen“. Im Verlauf der Unterhaltung behauptet er, dass es ihm nur um die Rettung des Tieres gehen würde. „Wir kümmern uns um Gott und die Welt, wenn wir die Chance haben ein seltenes Tier zu retten, dann müssen wir das auch tun“. Parteipolitik würde für ihn keine Rolle spielen. Er möchte allen Reichweite verschaffen, die sich für die Rettung einsetzen, was ausdrücklich auch „Grüne“ oder „Linke“ mit einschliesst. Er verspricht, politisch neutral zu berichten. Er möchte, dass sich etwas ändert und keine parteipolitischen Scharmützel, behaupte er, im Gespräch mit seinen beiden, ihm politisch nahe stehenden Interviewpartnern. Dass ein Peter Weber wohl nie ein „neutraler“ Gesprächspartner sein kann, wird nicht nur im verlinkten Youtube-Video möglich. Seine eindeutige politische Haltung, die er vertritt, steht für sich.
Der rechte Influencer Boris von Jutrzenka-Trzebiatowski, mit AFD-Verbindungen, kommentiert einen NDR-Bericht über rechte Propaganda im Zusammenhang mit dem Wal. Sein Vergleich, die zu beobachtende, verschwörungstheoretische Vereinnahmung durch rechte Kreise, mit sinnvollen Forderungen nach Walschutz auf eine Stufe zu stellen, entbehrt jeglicher Grundlage. Es ist selbstentlarvend, wenn die Forderung das Geisternetzproblem, die Überfischung und die Klimakrise (mit Einfluss auf das Nahrungsangebot für Wale) zu lösen, für ideologische Vereinnahmung stehen sollen. Interessant ist, dass er sich gegen die Menschen ausspricht, die sich auf Poel versammeln.
Bei ihm sind es jetzt „Ökoschützer und Umweltaktivisten“, die Zäune einreissen (die er wahrscheinlich eher Links verortet) und in Vorgärten urinieren. Wie die sich dort aufführen, sei absolut widerwärtig. Vermutlich hat Jutrzenka-Trzebiatowski hier einfach schlecht recherchiert? Oder handelt es sich um bewusste Manipulation?
Nius, der rechte Sender des IT-Unternehmers Frank Gotthardt (Chefredakteur Julian Reichelt, ehemals Bild) hetzt gegen die Amadeu-Antonio-Stiftung. Ihrer Aufgabe entsprechend veröffentlicht sie eine knapp gehaltene Stellungnahme „Ein Wal im rechtsextremen Kulturkampf“. Sie erklärt dazu: Der Fall „Timmy/Hope“ zeigt, wie schnell ein Einzelfall im Netz aufgegriffen und überhöht wird – auch im rechtsextremen und verschwörungsideologischen Spektrum. Aus Tierschutz wird Misstrauen: gegen Wissenschaft, gegen Institutionen, gegen demokratische Entscheidungen“.
Für Julius Böhm von Nius ist das einfach nur „Blödsinn“, „Schwachsinn“ und die so etwas schreiben sind Verrückte.
Dazu ähnlich gehaltvoll, die Äusserung des AfD-nahen Online Magazin von Kettner Edelmetalle<.
Der gestrandete Wal – eine günstige Gelegenheit für die AFD
Das Thema hat für die AFD deutlich mehr Relevanz als für andere Parteien.Hierzu einige Beispiele:
Der offizielle Kanal der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag veröffentlichte ein Interview mit der Bundestagsabgeordneten Nicola Hess (Kreisvorstand AFD Fulda).
Auf Utopia TV äussern sich die beiden Mitglieder des Landtages der AfD Mecklenburg-Vorpommern, Enrico Schult und Petra Federau (Oberbürgermeisterkandidatin 2026).
Tobias Pontow, der Orts- und Fraktionsvorsitzende der AfD Parchim war am 18. 4. auf Poel selbst vor Ort. Er hatte angekündigt mit dem Bürger*innen ins Gespräch kommen zu wollen.
Dr. Götz Frömming (MdB) sagt, ihn hätten viele Anschriften zum Schicksal des Buckelwales erreicht. Deshalb hat er sich entschieden den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD) zu schreiben, damit er sich für den Wal einsetzt. Beigefügt war ein Link zu einem Beitrag eines Herstellers von Sternenprojektoren aus Kempen, der sich über das Thema informiert hat und Massnahmen vorschlägt.
Auch Doreen Schwietzer (MdL) will einen schriftlichen Appell an Backhaus gerichtet haben. Martin Schmidt und der passionierte Jäger Thore Stein (beide Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern) haben im Landtag Mecklenburg-Vorpommern eine kleine Anfrage zum Wal „Timmy“ gestellt. Drucksache: 8/6435 Datum: 8.4.2026
Auftritt in den Sozialen Medien, am Beispiel „Mendocinoo AfD“
Beide unter dem Namen „Mendocinoo AfD betriebenen“ Accounts auf Facebook und TikTok sind Werbekanäle für die AfD. Der Partei und ihren Vertreter*innen wird eine bewundernde, idealisierende Haltung gegenüber gebracht, auf offensichtliche Hassparolen wird verzichtet. Vielmehr werden Partei- und Personenkult betrieben, sie scheint Fan von allem zu sein, was mit der AfD zusammenhängt, hat aber auch auf Facebook einen direkten, permanenten Link zu Gemeinsam für Deutschland (GdF)-Organisation.Um ein Fake-Profil scheint es sich nicht zu handeln, obwohl Skepsis immer angebracht ist. Die Person hinter Mendocinoo AfD verwendet oft ein makelloses, figurbetontes KI-Bild von sich, das sie ohne Mimik zeigt und deutlich jünger macht. Realfotos, auf die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst zu sehen ist, präsentiert sie nur ausnahmsweise. So finde sich z.B. ein Foto von sich, zusammen mit Björn Höcke, über den sich schreibt: „Er ist ein toller Mensch, tiefgründig, patriotisch und sehr emotional. Ebenso gibt es ein Bild mit Sandro Scheer von der AfD (Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg) oder, wie sie den Wahlkampfabschluss der AfD Reutlingen in Rommelsbach besucht hat.
Über sich sagt sie: „Ich bin stolzer Patriot. Früher war ich alleine damit. Heute habe ich eine ganze Gemeinschaft hinter mir aus Bürgern und Politikern. Wir sind mutige Menschen, die sich ihr Land zurückholen.“
Ging es in der Vergangenheit um allgemeine Themen der AfD, hat sich jetzt das Thema Walrettung für sich entdeckt, dass sie auffallend stark emotional berührt. Die Vereinnahmung geht sogar so weit, dass sie auf Facebook einmal schreibt, sie wäre Hope.
Mendocinoo AfD hatte bereits vor der Walstrandung, Kenntnis von den hier bereits vorgestellten Danny „Firstclass“ Hilse und „Feuerwehrmann Jürgen“ Schanbacher.
So veröffentlicht sie den Aufruf von Hilse, für die Gemeinschaft für Deutschland (GdF) Demo am 25.10.2025 in Hannover mit den Themen, Frieden, Corona, Friedensschutz und verweist auf die AfD Beteiligung.
Auch der Aufruf für die vom Team „Danny Firstclass“ für den Wal „Hope“ organisierte Menschenkette und Mahnwache wird von ihr geteilt.
Als die Kritik für sein Auftreten im Walrettungsteam und an seiner politischen Vergangenheit aufkommt, wendet sie sich dagegen. Sie sagt aber auch, sie hätte ihn aus nicht näher angegeben Gründen entfolgt, veröffentlicht aber weiterhin Aufrufe von ihm.
Zudem zeigt sie Ausschnitte der Rede von Jürgen Schanbacher auf einer Demo in Reutlingen am 18.10.2025, die von Baden-Württemberg steht auf, organisiert wurde. Sie postet ein Interview mit „Feuerwehrmann Jürgen“ auf der Insel Poel. Die Entschuldigung für seine verbale Attacke, gegenüber einer Tierärztin (bis zu ihrer schweren Erkrankung, im Walrettungsteam), kommentiert sie mit den Worten: „Danke Jürgen von mir an dich, dass du dich selbst reflektiert hast. Menschen können auch verzeihen! Ich mag dich immer noch.“ Sie entscheidet sich selbst aktiv zu werden, um die Walrettung zu unterstützen.
Sie bemüht sich darum, Menschen auf allen drei Plattformen (Insta, TikTok, Facebook), die sich für die Walrettung engagieren wollen, zusammenzuführen.
Mit Gleichgesinnten schreibt sie an viele Politiker*innen der AfD und veröffentlicht positive Rückmeldungen. Auch das AfD nahe Internetportal zu „Hallo Meinung“ soll informiert worden sein, ebenso wurden wohl Informationen an Jens Schulz vom Rettungsteam weitergereicht. Es wird sich darum bemüht, rechte Protestgruppen, wie „Gemeinsam sind wir stark“ „Gemeinsam für Deutschland“ oder „Baden-Württemberg steht auf „einzubinden und den Protest bundesweit sichtbar werden zu lassen. Erfolg hatte sie damit aber nicht.
Es ist verständlich, dass sich vor allem, rechte oder rechtsoffene Individuen und Gruppierungen durch Mendocinoo Afd angesprochen fühlen. Dennoch ist es gelungen, in Kontakt mit Gruppen ausserhalb des rechten Spektrums zu kommen. Der Grund ist fehlende Transparenz. Mitbeteiligt ist sie an einem Handlungsaufruf, der behauptet von „Besorgten und verärgerten Bürgern“ im Fall des gestrandeten Buckelwals Hope / Timmy verfasst worden zu sein und der nicht nur an AfD-nahen Strukturen versendet wurde.
Eine erste schriftliche Reaktion kam von der Partei Tier Mensch Klima Tierschutz, die sich immer deutlich gegen Rechtsextremismus ausgesprochen hat. Sie beschreiben in ihrer Antwort ihren Einsatz vor Ort für den Wal, hätten sich aber auch die Aufklärung über mögliche Neonazistrukturen, die den Tierschutz vor Ort für eigene Zwecke unterwandern, zur Aufgabe gemacht. Der Tierschutzpartei wird nicht bewusst gewesen sein, aus welchen Kreisen der Aufruf gekommen ist d.h. eine Kontaktaufnahme über eine anders lautende E-Mail als Mendocinoo AfD ist wahrscheinlich.
Zusammen mit dem Account Uli Eliot (setzt sich vor allem für Tierrechte ein, ist aber zur Zusammenarbeit mit einer fanatischen AFD-Anhängerin bereit und verteidigt sie gegen Kritik) hat sie einen Rundbrief an Behörden und die Bild verfasst, der Aufklärung zur Walrettung verlangt. Unterstützt wurde sie von TK und der Fotografin St. D. aus der Schweiz, von denen es keine Hinweise auf rechte Umtriebe gibt. Es ist davon auszugehen, dass die Allianz, ohne gestrandeten Wal niemals zustande gekommen wäre. Die beiden, mit der sie kooperiert hat, werden wissen, mit wem sie es zu tun haben und es ist die Frage, warum es ihnen nichts ausmacht?
Offensichtliche Instrumentalisierung gibt es aber auch. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, der nicht als AfD-Unterstützer bekannt ist und der an der Walrettung in Niendorf / Schleswig-Holstein beteiligt gewesen ist, wird oft zitiert. Mendocinoo AfD schlägt ihn sogar für den Tierschutzpreis 2026 vor und schreibt über ihn „Ich liebe seinen Humor, seine ehrliche und direkte Art und seine Liebe zu den Tieren. Er hat das Herz am rechten Fleck“. Auch „Speedy“ und Feuerwehrmann Jürgen, zitieren immer wieder Robert Marc Lehmann, der sich in der Vergangenheit von Rechten distanziert hat, aber aktuell, wo das Problem akut geworden ist, noch keine klaren Worte dazu gefunden hat. Obwohl Mendocinoo AfD selbst wissen müsste, wieso ihr wegen ihrer politischen Einstellung Ablehnung entgegengebracht wird, fühlt sie sich als Opfer.
Auf ihrem Facebook Account wirft sie einseitige Politisierung zu, indem Menschen nur wegen ihre AfD Sympathie ausgegrenzt würden. „Ja ich trage den Namen AfD und ich trage ihn mit Stolz, aber ich liebe auch Tiere und diese Liebe lasse ich mir von euch Hetzern nicht nehmen! Aber scheinbar ist meine Reichweite nicht gewollt, ich helfe und ich helfe viel und gut.“
Sie appelliert „Die Tierliebe sollte partei- und geschlechtslos sein! Ist sie das nicht, ist das auch keine Liebe!“ Ausgerechnet die AFD zu bewerben, Intransparenz bei Kontaktaufnahme mit Gruppen und Einzelpersonen vorzuweisen „Mensch und Tier“ zu instrumentalisieren, stehen dazu eindeutig im Widerspruch.
Wie positioniert sich eigentlich Dr. Till Backhaus? Was macht die Mitte?
Über den Fall der Brandmauer!
Am 22. April ging Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern auf einer Pressekonferenz auf die drohende Gefahr der Vereinnahmung von Links oder Rechts ein, die er in Poel sieht. Explizit auf den politischen Hintergrund von Danny Hilse angesprochen, wollte er Einzelpersonen nicht besprechen und betonte, dass es ihm allein um die Rettung des Wales gehen würde.Die festzustellende Entideologisierung und Entpolitisierung, die durch das gemeinsame Ziel, einer Walrettung, zur Zusammenarbeit mit an vorderster Front in Erscheinung tretenden Personen und Strukturen führt, ist eine Katastrophe. Die Haltung doch noch einen kleinen gemeinsamen Nenner finden zu wollen, fördert eine gesellschaftliche Entwicklung, in der rechte Politik und ihre Auswirkungen immer mehr zur Normalität werden und Widerstand ausbleibt.


