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April, April, der tut, was er will Corona und die Ernte

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Dass der Beruf Landwirt*in prinzipiell eine prekäre und mühselige Angelegenheit ist, davon haben die Bauernproteste im letzten Jahr ein Zeugnis abgelegt.

Erntehelfer auf einem Acker bei Frankenthal, RheinlandPfalz.
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Bild: Erntehelfer auf einem Acker bei Frankenthal, Rheinland-Pfalz. / Hubert Berberich (CC BY 3.0 unported - cropped)

7. April 2020

07. 04. 2020

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Als Rohstofflieferanten für die Lebensmittelindustrie, die in Form einer kapitalistischen Produktion wiederum gute Geschäfte macht, müssen Landwirt*innen horrende Summen investieren. Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie zahlen sich die Produktivkraftfortschritte bei ihnen aber nie so richtig aus. Das Einkommen hebt sich nicht richtig von dem eines Durchschnittsverdienstes ab und die Arbeitszeit der Landwirt*innen liegt deutlich über derjenigen einer Lohnarbeiter*in. Und nicht einmal das reicht eigentlich zum bescheidenen Leben aus: Die Landwirtschaft überlebt im Kapitalismus nur mit grossen Staatssubventionen.

Irgendwie muss an der direkten Bearbeitung der Natur ein Haken dran sein in Hinsicht auf geldmässige Erträge – was man sich beizeiten einmal erklären sollte. Auf jeden Fall wird deutlich, dass in den Fällen, wo in der Landwirtschaft auf extrem billige Tagelöhner*innen zurückgegriffen wird, nicht einfach die übliche Gewinnrechnung von Unternehmen stattfindet, nach dem Motto: Wenn die Arbeitskräfte billig zu haben sind, umso besser für den Gewinn. Die Landwirtschaft überlebt als Branche im Kapitalismus mehr schlecht als recht nur mit billigen Arbeitskräften.

Der deutsche Bauernverband informiert:

„2016 arbeiteten hierzulande 286.300 Saisonarbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben. Rund 95 Prozent davon waren nichtdeutscher Herkunft, stammten aus Rumänien, Polen und anderen osteuropäischen Staaten wie Bulgarien oder dem Baltikum.“

Landwirtschaft bringt in der Marktwirtschaft nicht viel ein und die Branche ist deshalb auch auf besonders knappe Löhne geradezu angewiesen. Zum Glück können die deutschen Landwirt*innen aber auf die vom Realsozialismus befreiten Menschen zurückgreifen, die massenhaft im Westen für schlechte Löhne arbeiten wollen (das gilt auch im Pflegebereich), weil die Alternativen zu Hause noch beschissener sind. Und diesem Glück drohte Ende März 2020 wegen Corona eine Pause.

Die Bundesregierung hatte für die üblichen Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa am 25.03.2020 die Grenzen dicht gemacht. Während im deutschen Inland nach wie vor gilt, dass man die Wohnung für die Arbeit verlassen darf und muss, wenn es via Home-Office nicht anders geht, hiess es für Ausländer*innen: Ihr dürft nicht zur Arbeit fahren. Das brachte (und bringt nach wie vor) viele Landwirt*innen in der Spargel-, Erdbeer- Gurkenbranche u.v.a. in Nöte. Es fehlt einfach an Arbeitskräften.

Gegen die Grenzschliessung wurde seitens des Deutschen Bauernverbandes protestiert und Ausnahmen gefordert. Da wollte die Politik bis zum 02. April erstmal nicht mitmachen und begründete das angesichts von Corona mit einem weiteren Stück Normalität in Deutschland: „Die Schwierigkeit: Erntehelfer aus dem Ausland kommen zwar mit Polen oder Rumänien nicht aus Risikogebieten, wohnen aber in der Saison oft in Gemeinschaftsunterkünften, das heisst in Mehrbettzimmern, fahren in Bussen von Feld zu Feld und arbeiten dicht beieinander an Ernte- und Sortiermaschinen.“

Dass man sich die Löcher, die hier Unterkünfte genannt werden, gefallen lässt, unterstellt wiederum besondere miese Alternativen in Osteuropa. Der Lohn ist dort einfach so schlecht, dass Heerscharen von Osteuropäern diese Behandlung in Sachen Unterkünfte hier in Kauf nehmen. Direkt sprechen das die Landwirtschaftsinteressenverbände nicht an, wenn sie erklären, dass es „vor allem beim Spargelstechen (..) etwas Übung“ brauche. Jedoch wird schon klar, was gemeint ist, wenn „Verbandsvertreter beklagen, dass viele einheimische Kräfte zu schnell aufgeben würden. Laut dem ostdeutschen Spargelverband seien das erfahrungsgemäss neun von zehn.“ (ebd.)

Der Erntehelfer*in als solche wird hier glatt das Prädikat Fachkraft zugesprochen, die nicht so einfach auszutauschen ist. Geduld, besonders schlechte Arbeitsbedingungen auszuhalten, scheint hier eine qualifizierte Arbeiter*in auszuzeichnen.

Die Landwirtschaftsministerin Klöckner war zunächst optimistisch, dass man eine schnelle Alternative finden kann: „Versorgungsengpässe werde es nicht geben, so beteuerte Klöckner. Geprüft werde nun, wie der Ausfall durch Arbeitskraftpotenziale in Deutschland kompensiert werden könne, möglicherweise durch Asylbewerber oder durch Arbeitnehmer in Kurzarbeit.“ (ebd.)

Das ist genial: Wo finden sich in Deutschland Menschen, die ähnlich schlechte Perspektiven haben, wie die normale Lohnarbeiter*in in Osteuropa? Klar, hier in Deutschland in Form von Geflüchteten, die erstens bewiesen haben, dass sie sich trotz Festung Europa nach Deutschland durchschlagen konnten (Qualitäten: Ausdauer, Härten aushalten können) und zweitens von der Regierung in eine besonders miese rechtliche Position in der Gesellschaft verfrachtet wurden. Weiter traut sie dem Kurzarbeitergeld auch einiges an mieser Lebensqualität zu, so dass auch hier glatt ein Fachkräftepotential für die Landwirtschaft gefunden werden kann – und da täuscht sie sich nicht. Am 02. April ist sich die Landwirtschaftsministerin mit dem Innenminister aber einig geworden, dass diese Alternative nicht ausreicht. Geflüchtete, Kurzarbeiter*innen, Arbeitslose sind zusammen mit Studierenden weiterhin eingeplant, aber eine „begrenzte Einreise von Saisonarbeitskräften unter strengen Auflagen“ soll jetzt doch stattfinden.

„Ziel ist es, die derzeit notwendigen strengen Vorgaben des Infektionsschutzes mit den Erfordernissen in der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.“ (https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2020/062-corona-saisonarbeitskraefte-einreise-konzept.html)

Also: Miese Löhne, harte Arbeit mit 1,5 Meter Abstand halten, Gesundheitschecks, „faktische Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit“ der Ausländer*innen, genug Seife in den schlechten Unterkünften, die aber nur „mit maximal halber Kapazität“ belegt werden dürfen. So fällt die Spargelsaison dann doch nicht aus.

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