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75. Jahrestag der Befreiung von der Herrschaft des deutschen Faschismus Im Stadtteil

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In diesem Jahr ist alles anders. Eigentlich wäre der 75. Jahrestag der Befreiung der Völker Europas von der Herrschaft des deutschen Faschismus ein Tag für Demonstrationen und Aktionen gewesen.

Stolpersteine, Frankfurt am Main, Untere Rützelstrasse 1.
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Bild: Stolpersteine, Frankfurt am Main, Untere Rützelstrasse 1. / Baumfreund-FFM (CC BY-SA 4.0 cropped)

15. Mai 2020

15. 05. 2020

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Zum Kampf gegen den erneut wieder aufsteigenden Neofaschismus, wie er zuletzt in Halle oder Hanau sein blutiges Gesicht zeigte. Zum Kampf gegen den deutschen Imperialismus, der nicht aufhört, aufzurüsten und neue Pläne zur weltweiten Ausweitung seiner Interessensphären zu schmieden. Zum Kampf gegen Rassismus und jaulenden Irrationalismus, der in neuer Qualität Faschisten, wissenschaftsfeindliche „Corona-Skeptiker“, Esoteriker und „linke“ Opportunisten vereint.

Zum Kampf gegen die bleibende Macht der Konzerne, die allein schon auf der Ebene der drohenden Klimakatastrophe das Überleben der uns bekannten menschlichen Zivilisation ihrem Interesse nach kurzfristigem Profit unterordnen. Zum Kampf gegen jene Form höheren Blödsinns aber auch, der zB. in den Spalten der FAZ den Tag des Sieges über den Faschismus mit den Chancen Deutschlands „nach der Pandemie“ analogisiert, wie es gerade Volker Bouffier unter dem Label, beides sei „eine Stunde Null“ gewesen, sich angemasst hat.

Der Kampf gegen solche Erscheinungen und gegen ihre gemeinsame Wurzel, auf die sich schon der Schwur von Buchenwald bezogen hat, muss unbedingt intensiviert werden – nicht zuletzt auch, weil der Antifaschismus heute in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten ist.

Aber aufgrund der Pandemie ist es schwierig, zu Demostrationen und Aktionen aufzurufen.

Also gar nichts tun?

Die Pandemie-Alternative in diesem Jahr ist: im eigenen Stadtteil wenigstens kleine Spuren des Gedenkens hinterlassen. Damit folgen wir der Anregung von Esther Bejerano und dem „8. Mai – Bündnis“, die aufgerufen haben, wegen der Unmöglichkeit einer zentralen Gedenkveranstaltung jeweils vor Ort an den lokalen Gedenkorten die Befreiung zu feiern.

In Frankfurt-Griesheim gibt es derzeit vier Stolpersteine für von den Nazis Deportierte:

für den Zeugen Jehovas Adolf Krämer
für die beiden Zeugen Jehovas Elisabeth und Balthasar Mayer
für den aus Polen eingewanderten Griesheimer Arbeiter Josef Simon Rosenblum
für die jüdische Familie Salomon, Clara und Käthe Baum;

ein Stolperstein für den Funktionär der KPD, Heinrich Schmid, wird im Oktober verlegt werden.

Wenige Strassenzüge voneinander entfernt, mit wahrscheinlich ganz unterschiedlichen Lebenswegen und Erfahrungen, sicher mit zum Teil ganz verschiedenen Überzeugungen, war es ihre Gemeinsamkeit, im Namen der faschistischen „Volksgemeinschaft“ verhaftet und aus ihrer Umgebung herausgerissen zu werden.

Familie Baum wurde ermordet.
Josef Simon Rosenblum wurde ermordet.
Balthasar Mayer wurde ermordet, Elisabeth Mayer wurde befreit
Adolf Krämer wurde befreit.
Heinrich Schmid wurde ermordet.

Kannten sie sich, bevor die Faschisten an die Macht kamen? Wie standen sie möglicherweise zueinander? Sind sich Adolf Krämer und Elisabeth Mayer nach der Befreiung jemals begegnet? Wir wissen es nicht.

Die Stolpersteine sind ein wichtiger Teil des Mosaiks gegen das Vergessen, sie stellen die Aufgabe, mehr über die Menschen hinter Namen herauszufinden, die wir auf ihnen lesen.

Am Tag der Befreiung, haben wir als einen ersten kleinen Schritt die Stolpersteine in Griesheim gereinigt und Blumen niedergelegt.

In der späteren Bundesrepublik Deutschland gab es keine „Stunde Null“. Das weiss jeder, wenn er nicht gerade CDU-Ministerpräsident ist. 75 Jahre nach dem Sieg über den deutschen Faschismus sind seine Grundlagen noch immer intakt. Solange das der Fall ist, gilt der Schwur der Häftlinge von Buchenwald weiter – der Schwur derer, die es aufgrund enormer Entschlossenheit und unglaublichen Muts geschafft haben, sich unter den Augen der SS zu organisieren, zu bewaffnen und selbst zu befreien:

„Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Hans Christoph Stoodt

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