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US-Stützpunkt in Südspanien: Sprungbrett nach Afrika | Untergrund-Blättle

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Der US-Stützpunkt Morón de la Frontera in Südspanien Sprungbrett nach Afrika

Politik

Die Schlagzeile tauchte in diversen Onlinemedien kurz auf, verschwand dann aber aufgrund des geringen Sensationsgrades bald wieder.

Regenbogen über dem US-Stützpunkt Morón de la Frontera in Südspanien.
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Bild: Regenbogen über dem US-Stützpunkt Morón de la Frontera in Südspanien. Das Truppenkontingent wird dort beträchtlich aufgestockt. / Pamela Farlin (PD)

22. Juni 2015
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Dabei steht die Stationierung von US-Soldaten in Südspanien mitten im Zentrum der aktuellen Ereignisse rund um Flucht und Vertreibung hunderttausender Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten.

Unspektakulär hiess es da etwa „US-Truppe bleibt auf Dauer in Südspanien“ (Deutsche Welle, 17.6.2015). Ein Paradebeispiel für Untertreibung. In Wahrheit wird die angesprochene „US-Truppe“ auf dem Stützpunkt Morón de la Frontera massiv aufgestockt – von derzeit etwa 850 Soldaten auf 2200 plus 500 Zivilpersonen. 26 Flugzeuge hat die Einheit nach Medienberichten zur Verfügung. Und was machen die Amis da unten? Ein Blick auf die Karte genügt: sie sollen Afrika im Zaum halten.

Die Aufgabe der „Special Purpose Marine Air-Ground Task Force“ ist nach offiziellen Angaben der Schutz von US-Botschaften in Afrika, die allfällige Evakuierung von Zivilisten, sowie Mitmischen bei „Konflikten und humanitären Einsätzen“. Die Einheit untersteht dem nach wie vor in Stuttgart stationierten „United States Africa Command“, kurz AFRICOM. Afrika nahm in den strategischen Planspielen der westlichen Mächte während der vergangenen Jahre einen immer wichtigeren Stellenwert ein, und so wächst auch die Bedeutung des Regionalkommandos der US-Armee für den Kontinent.

Die offizielle Darstellung des US-Verteidigungsministerium (und in Folge auch jene der meisten Medien) ist, dass die 850 Marines nach den Anschlägen auf die US-Botschaft am 11. September 2012 „vorübergehend“ Stellung bezogen haben. Die Soldaten sollten bei ähnlichen Ereignissen bereit stehen und rasch eingreifen können. Da sich die Situation in Libyen und der gesamten Region bekanntlich seit 2012 nicht gerade gebessert hat, wird der Einsatz nun also ausgeweitet. Die offiziellen Erzähler der Story vergessen allerdings bei ihrer Begründung der aus ihrer Sicht „notwendigen“ verstärkten US-Präsenz in der Region ein paar Details. Den alliierten Krieg gegen Libyen etwa, der nicht nur die Regierung von Muammar al-Gaddafi zu Fall brachte und diesen selbst Meuchelmördern überliess, sondern das ganze Land dem Chaos und der Gewalt islamistischer Banden auslieferte.

Libyen… war da was?

Über den Libyen-Krieg spricht man heute aber gar nicht gern. Auch in den unzähligen Artikeln, Kommentaren und Erklärungsversuchen zur Flüchtlingskrise hört und liest man äusserst selten einen entsprechenden Hinweis. Neben der Rolle westlicher Mächte und der Golf-Regime beim Aufbau islamistischer „Rebellen“ in Syrien ist die gemeinschaftliche Zerstörung Libyens durch USA und EU das wichtigste Tabu bei der Analyse der Ursachen dafür, weshalb „plötzlich“ hunderttausende Menschen verzweifelt versuchen, aus diesen Regionen wegzukommen. Immerhin würde sich bei der Thematisierung dieser und anderer Kriege relativ rasch herausstellen, dass der globale Norden allein in militärischer Hinsicht Hauptproduzent der Fluchtursachen ist; von der seit Generationen andauernden ökonomischen Zerstörung der Lebensgrundlagen etwa afrikanischer Gesellschaften ist da noch gar nicht die Rede. So ist es jedenfalls einfacher: anstatt endlich damit aufzuhören, den Nahen Osten und in jüngster Zeit eben verstärkt auch afrikanische Länder militärisch zu zerstören, baut man das militärische Potenzial weiter auf und sichert auf diese Weise die Aufrechterhaltung der neokolonialen Ungleichheitsstrukturen.

Die 2200 Soldaten starke Eingreiftruppe in Südspanien ist ein kleiner, aber wichtiger Baustein für die US-Kriegsarchitektur für Afrika. Libyen, Mali oder Côte d‘Ivoire waren erst der Anfang für die westlichen Menschenrechtskrieger. Denn „Konflikte und humanitäre Einsätze“ wird es dank der offensiven Afrika-Strategien der USA und der EU nicht zuletzt angesichts der massiven Konkurrenz aus China auf dem Kontinent in den nächsten Jahren noch zur Genüge geben. Bewährt hat sich der südspanische Stützpunkt allemal. Bereits seit 1953 wurde Morón de la Frontera immer wieder von den US-Streitkräften verwendet. Insbesondere während des ersten Irakkrieges 1991 diente die Basis als Zwischenstation der US-Luftwaffe auf dem Weg in den Mittleren Osten. Aus dem bewährten Provisorium wird nun ein dauerhaftes Sprungbrett der US-Armee nach Afrika.

Karl Schmal / lcm

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