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Troja. Nachkriegsbericht. | Untergrund-Blättle

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Lyrik

Von Ithaka nach Berlin Troja. Nachkriegsbericht.

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Odysseus sinnend, mit den Waffen Achills (Schild, Helm und Panzer).

Bild: Odysseus sinnend, mit den Waffen Achills (Schild, Helm und Panzer). Tonöllampe, 1. Jh. n. Chr. / Bibi Saint-Pol (PD)

1.
Von Berlin nach Ithaka ist
Kurz der Weg. Ich liess mich
Fürn Appel und n Ei
Anheuern. Ich sah, wie Iphigenie
Ausfloss: Neben mir, wie mir,
Gefiel es nicht. Aber ich dachte: Gott,
Die Götter, wenn die das wollen,
Wollen auch das, und stieg
An Bord und freundete mich an.
Was war, blieb hinter mir, was wird
War schon geschehen, nur wusste ich
Es anfangs nicht. Wir tranken Wein
Während der Überfahrt. Fast täglich
Trainierten wir das Töten. Ich ahnte,
In den freien Stunden dazwischen,
Dass die Welt viel weiter ist, als ich
Auf der Insel Berlin erfahren hatte.
Wie weiter als was? fragten die Genossen.
Ich schwieg. Wer seine Karten zeigt, verliert.

2.
Die zehn Jahre vor Troja vergingen
Im Fluge. Der Krieg kriegte mich nicht
An den Ohren, am Bein nicht, nicht
Am Magen. Nirgendwo. Die Seele
Sah ich nicht. Ich weiss nicht,
Wie sie mich zusammen und was
Sie von mir hält. Ein unsichtbares Schwert
Durchhieb mich: Auf der einen Seite
Ich, auf der anderen Seite: ich.

3.
Von Ithaka nach Berlin ist
Kurz der Weg.
Odysseus salbte uns, bevor er uns
Aus seinen Armen in die Arme
Der Frauen entliess. Männer, sagte er,
Übt immer Treu und Redlichkeit,
Für Weiber ist noch später Zeit.
Seine Sprüche standen uns
Handkante Oberlippe. Als er sagte:
Der nächste Krieg wird ein
Noch grösserer Sieg, verstanden wir
Bahnhof. Und gingen auseinander.
Und ich ging zurück ans Meer
Und erbrach mich.

Eckhard Mieder

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