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Lyrik

Der kleine Dummbatz Atlas

Lyrik

21. Januar 2021
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Den habt ihr nicht gekannt, wir haben
Ihn Kleiner Dummbatz genannt. Er sprang
Nicht, er lief nicht, er fiel als Knabe immer
Auf die Nase. Sein Gesicht sah aus wie ein Teller
Aus zerbeultem Kupfer. Ihm lief die Nase, ihm lief
Die Blase über in das Kleid, weil er vergass
Es anzuheben, weil da ein Baum voller Oliven
Zu besteigen war, ein Schmetterling einzufangen,
Behutsam zum Betrachten seiner staubigen Flügel; ob die
Zu Putzen wären, fragte er in die Luft, und hielt, grossäugig
Staunte er sie an, das Zerfetzte in der Hand, das
Zuckende. Ach, weil er eben der Kleine Dummbatz war.

Er wurde ein starker Dummbatz. Ein schöner dazu.
Er geriet zwischen die Lager, er begriff seine Lage
Nicht. Die einen nennen es Schicksal, die anderen
Götter; wir sind es nicht gewohnt, uns selber
Zu betreiben. Dass einer wie er eines Tages, weil
Am Ende einer Schlacht muss ein Ergebnis sein,
In die Klemme geriet zwischen Himmel und Erde –
Verloren und bestraft; fortan trug er das Gewölbe,
Staunend, welch ein Schmetterling aus Wolken,
Winden Sternen über ihm. Schon eine ziemliche
Last. Wer wollte die ihm abnehmen; drücke schön
Durch den Rücken, halte die Erde in der Balance!

Aus kleinen Dummbatzen werden grosse.
Es ist viel gewonnen, werden die Jungs statt Krieger
Träger immerhin und immerfort. Auch ein Rätsel
Ist uns geblieben: Wie konnte er bei all der täglichen
Mühe und dauernden Belastung so viele
Töchter zeugen, und so schöne dazu? Vielleicht
War er schlauer als wir meinten, und was wir meinten,
Einmal in die Welt gesetzt, wurde ein Gesetz,
Ohne dass es festen Grund dafür hatte und stand
Auf tönernen Füssen? Ein Gesetz auf tönernen
Füssen aber ist ein Vorurteil und wirkt in Ewigkeit?
Atlas sagt munter: „Schlagt die nächste Seite auf!“

Eckhard Mieder

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