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K.I.Z.: Hahnenkampf Porno-Rap: Haende hoch! Hosen runter!

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Manchmal muss man schreien. Richtig laut, sonst hoert einen ja keiner. Leider haben meistens die Bloeden das lauteste Organ.

K.I.Z.
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Bild: K.I.Z. beim Reload Festival 2015. / Frank Schwichtenberg (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

24. Oktober 2007

24. 10. 2007

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2 min.

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Im deutschsprachigen Hip Hop kreischen sich zurzeit vor allem so genannte Ghetto-Gangsta-Kids die Kehlen wund. Ghetto bedeutet hierzulande, dass man aus Berlin-Tempelhof stammt.

Jene auf-Deutsch-Rapper, die sich das Hirn noch nicht auf der Sonnenbank weichgetoastet haben, sind gezwungen so richtig auf die Kacke zu hauen, um ueberhaupt wahrgenommen zu werden. Und genau das hat die Berliner Crew K.I.Z. diesen Sommer getan: richtig gebruellt – und das Haus hat gewackelt! Die vier Jungs rappen auf ihrem dritten Album "Hahnenkampf" ueber Schwaenze und schwupps werden sie von allen, wirklich allen Medien besprochen!

Spiegel-Online feiert sie als >Dekonstrukteure des deutschen Gangsta-Rap<, hat aber gleichermassen Angst vor den >Porno-Rappern<. Die ZEIT freut sich, dass >auch harte Reime Niveau haben koennen< und die taz muss ganz >verschmitzt grinsen< bei soviel Ueberdrehtheit. Alle scheinen froh zu sein, endlich nicht mehr ueber Bushido schreiben zu muessen. Nun ist das Album seit fast einem Monat draussen, die Wogen im Blaetterwald haben sich geglaettet, und erst jetzt, nachdem ich alle Lyrics halbwegs auswendig kann, fuehle ich mich bereit, ueber K.I.Z zu schreiben. Denn von den Qualitaeten des Albums hat die ganze Haerte und Lautstaerke der Jungs und ihrer Rezeption in den Medien bislang ganz schoen abgelenkt.

Es ist nicht einfach, das Leise im Lauten herauszuhoeren. K.I.Z kaschieren ihre Zartheit ganz gut. Ihre Kombination aus Dauer-Erektionspose mit entsprechenden Beats und ueberraschend filigranen Melodien jagt einem Schauer ueber den Ruecken. Und ploetzlich schicken sie dann noch so entwaffnend ehrliche Textzeilen hinterher wie in "Lass uns feiern", dem vermeintlichen Partygroehlsong. Da rappt Nico mit ruhiger Stimme: "Es ist schon lustig wie du aussiehst,/ Wenn du traurig bist und trotzdem feierst/ In deiner eigenen Kotze feierst". Und wenig spaeter: "Ich betrachte mein Gesicht, selten so geweint/ Reiss‘ dich zusammen, man, heute ist Party/ Ja, Bla, ich hab auch Probleme… Gib mir den Raki". Die Jungs lassen die sprichwoertlichen Hosen runter – und das nicht nur fuer den naechsten Blow-Job.

Magdalena Taube
berlinergazette.de

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-ND 3.0) Lizenz.

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