(Brecht, Juli [19]38, in: [Journal[1]] Dänemark. 20.7. 38 - 15.3.39, in: GBA[2] 26, 309 - 333 [313 - 314 <313>])Zu Michail Alexandrowitsch Scholochow (1905 - 1984; russisch-sowjetischer Schriftsteller; erhielt 1965 für den von 1928 bis 1940 – sowie in überarbeiteter Fassung 1953 erschienenen – Roman Der stille Don [siehe Endnote [i] den Literaturnobelpreis) äusserte sich Brecht auch an anderer Stelle. Brechts Unterscheidung zwischen „Realismus“ und „Sensualismus“
Zunächst sei aber Brechts Unterscheidung zwischen Realismus und Sensualismus eingeführt: „Wir werden feststellen, dass die sogenannte sensualistische Schreibweise (bei der man alles riechen, schmecken, fühlen kann) nicht ohne weiteres mit der realistischen Schreibweise zu identifizieren ist, sondern wir werden anerkennen, dass es sensualistisch geschriebene Werke gibt, die nicht realistisch, und realistische Werke, die nicht sensualistisch geschrieben sind. [...]. Unsere Leser werden vielleicht nicht finden, dass sie den Schlüssel zu den Ereignissen ausgeliefert bekommen, wenn sie, durch viele Künste verführt, sich lediglich an den seelischen Emotionen der Helden unserer Bücher beteiligen. Ohne gründliche Prüfung die Formen der Balzac und Tolstoi übernehmend, würden wir vielleicht unsere Leser, das Volk, ebenso ermüden, wie es diese Schriftsteller oft tun. Realismus ist keine blosse Frage der Form. Wir würden, die Schreibweise dieser Realisten kopierend, nicht mehr Realisten sein.“ (Volkstümlichkeit und Realismus [1] [Juni 1938], in: GBA 22, 405 - 413 [409]; vgl. Schmitt 1973, 329 - 336 [332]) Eine weitere Äusserung Brechts über Scholochow Nun eine weitere Äusserung von Brecht über Scholochow: „Die sensualistische Darstellungsweise kommt in sehr verschiedenen Formen vor. Ziemlich reiner Impressionismus ist Scholochows Schreibweise. Das ist eine Montage von Sinneseindrücken, Farb- und Geräuschflecken, die der Leser zu einem Bild zusammensetzt. Mitunter versetzt der Schriftsteller den Leser so vollkommen aus der Welt in seinen Helden hinein, dass er ihn nur ganz willkürlich herausgegriffene Eindrücke haben lässt. Das klingt dann so: Mit kleinen Schrittchen ging der Kaiser durch den Spiegelsaal. War Josephine wieder bei dem Obersten? Der Kaiser blieb stehen. Er sah sein Gesicht im Spiegel. Seine Augen lagen tief.“ (ders., Wie Tacitus den Untergang einer Legion in einem Meeresarm beschreibt [1938] in: ebd., 482 [482]; laut herausgeberischem Kommentar [GBA 22, 1053 f.] bezieht sich die Überschrift der Notiz auf die in hiesigem Anhang 3 [S. 40] zitierte Tacitus-Stelle)Das zuletzt angeführte Zitat stammt – wie u.a. an der Klammer „(Beispiel)“ zu erkennen ist – aus einer nicht ausgearbeiteten Notiz Brechts; den im hiesigen zweiten Abschnitt[3] zitierten Brecht-Text (Volkstümlichkeit und Realismus [1]) schickte Brecht wahrscheinlich im Juni 1938 an die Redaktion der Zeitschrift Das Wort nach Moskau – jedenfalls hatte er dieser einen Beitrag zum Thema „Volkstümlichkeit“[4] zugesagt und am 17.06.1938 angekündigt, ihn tatsächlich abzuschicken (GBA 22, 1029 [herausgeberischer Kommentar zu S. 405, Zeile 32]; 29, 101[5]). Der Beitrag wurde, obwohl Brecht selbst zu den drei Herausgebern der Zeitschrift gehörte, aber nicht veröffentlicht: Brecht „schickt […] Arbeiten [zu der hier behandelten Kontroverse], […], an die Redaktion, findet aber, obwohl er einer der Herausgeber ist, dort keine Fürsprecher. Lediglich der Aufsatz Über reimlose Lyrik mit unregelmässigen Rhythmen (vgl. Band 22[6]) kommt in der letzten Nummer (Das Wort, Moskau, 1939, Heft 3[7]) zum Abdruck.“
(GBA 26, 608 [zu S. 313, Zeile 2 f.]) Die Vorgeschichte. Der von Brecht angebotene Beitrag reagierte (eher implizit [„‚Das Wort' verdankt besonders G. Lukács einige sehr bemerkenswerte Aufsätze, die den Realismusbegriff erhellen, auch wenn sie, meines Erachtens, ihn etwas zu eng definieren.“]) u.a. auf den im Juni-Heft 1938 auf S. 112 - 138 erschienen Beitrag von Georg Lukács Es geht um den Realismus.
Bloch/Eisler: Auch einem geerbten Gaul ins Maul schauen
Der Text von Lukács war seinerseits u.a. eine Reaktion auf ein Gespräch zwischen „ein[em] künstlerische[n] Produzent[en] (P) mit einem Kunstfreund (K) über Grundbedingungen des künstlerischen Schaffens in unserer Zeit“ (redaktionelle Vorbemerkung), das in Heft 1/1938 der Neuen Weltbühne – als Beitrag von Ernst Bloch und Hanns Eisler – erschienen war. In der dortigen redaktionellen Vorbemerkung hiess es ausserdem u.a.: „Das kulturelle Erbe pflegen und es für unsern Kampf nutzbar machen – das ist eine gute Forderung, und in den zwei Jahren, die sie nun erhoben wird, hat sie überall mächtigen Widerhall gefunden. Aber es ist eine Forderung, die nicht schematisch erfüllt werden darf, und es ist unerlässlich, näher zu untersuchen, wie die schöpferischen Kräfte unserer Zeit durch den Rückgriff auf das Erbe gefördert – wo sie aber auch gehemmt werden können.“(Die Kunst zu erben, in: Die neue Weltbühne 1/1938, 13 - 18 [13]; vgl. Hanns Eisler, Gesammelte Werke. Serie III. Band 1, VEB Deutscher Verlag für Musik: Leipzig, 1973 [im folgenden zitiert als EGW III/1], 406 - 414 [411 f.])Rund „zwei Jahre“ vorher – 1935 – hatte der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale stattgefunden, auf dem diese den Kurswechsel zur Volksfront-Politik beschloss: „Indem die Kommunisten sich bestreben, den Kampf der werktätigen Bauernschaft, des städtischen Kleinbürgertums und der werktätigen Massen der unterdrückten Nationalitäten unter der Führung des Proletariats zusammenzufassen, müssen sie auf die Schaffung einer breiten antifaschistischen Volksfront auf der Grundlage der proletarischen Einheitsfront hinarbeiten, indem sie für alle jene besonderen Forderungen dieser werktätigen Schichten eintreten, die mit den grundlegenden Interessen des Proletariats in einer Linie liegen.
Besonders wichtig ist es, die werktätigen Bauern gegen die faschistische Politik der Ausplünderung der Hauptmassen der Bauernschaft zu mobilisieren: gegen die ausbeuterische Preispolitik des Monopolkapitals und der bürgerlichen Regierungen, gegen die unerträglichen Steuerlasten, Pachtzinsen, Schuldenlasten, gegen die Zwangsversteigerung des bäuerlichen Eigentums und für eine staatliche Unterstützung der zugrunde gerichteten Bauernmassen. Die Kommunisten, die überall unter dem städtischen Kleinbürgertum, den Intellektuellen und auch unter den Angestellten arbeiten, müssen diese Schichten gegen die wachsenden Steuerlasten und gegen die Teuerung, gegen ihre Ausplünderung durch das Monopolkapital, durch die Truste, gegen die Zinsknechtschaft, gegen Entlassungen und Gehaltsabbau der Staats- und Gemeindebeamten in den Kampf führen.“
(Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale und der Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus. Resolution zum Bericht des Genossen Dimitroff, angenommen am 20. August 1935, in: https://archive.org/details/7WkResolutionen/mode/1up,
9 - 33 [21]; kursive i.O.; fette Hv. hinzugefügt)Im Zentrum standen nun der Kampf gegen das sog. „Monopolkapital“ und den Faschismus sowie folglich Bündnisse mit dem ‚nicht-monopolistischen' Kapital und die Beteiligung an sog. „antifaschistischen Volksfront[-Regierungen], die noch keine Regierung der proletarischen Diktatur“ und auch keine „proletarischen Einheitsfront“-Regierung (siehe das „oder“ im folgenden Zitat!) sind: „Wenn sich bei einem derartigen Aufschwung der Massenbewegung die Schaffung einer Regierung der proletarischen Einheitsfront oder der antifaschistischen Volksfront, die noch keine Regierung der proletarischen Diktatur ist, die aber die Durchführung entschlossener Massnahmen gegen Faschismus und Reaktion auf sich nimmt, als möglich und im Interesse des Proletariats als notwendig erweist, so muss die Kommunistische Partei auf die Schaffung einer solcher Regierung hinarbeiten.“
(ebd., 22)Auch wenn zutreffend ist, dass bürgerliche Demokratie für die Lohnabhängigen und die KommunistInnen ein kleineres Übel als der Faschismus ist, folgt daraus noch
- nicht, dass es für KommunistInnen (politisch) richtig ist, sich an bürgerlich-parlamentarischen Regierungen zu beteiligen (sie könnten bürgerlich-antifaschistische Regierungen stattdessen parlamentarisch tolerieren und dadurch besser ihre Unabhängigkeit wahren)[8],
- und auch nicht, dass es (analytisch) zutreffend ist, den Faschismus mit einer bestimmten (und zumal, wie die KomIntern ab 1935 meinte: der „monopolistischen“) Kapitalsorte/-fraktion zu identifizieren.
Lukács: Kein Scheu beim Erben
Auf den Weltbühne-Beitrag von Bloch/Eisler und einem weiteren Aufsatz von Bloch allein in der Zeitschrift Das Wort[16] antwortete Lukács im selben Heft (6/1938) von Das Wort, in dem der Bloch-Aufsatz erschienen war, mit einem Aufsatz Es geht um den Realismus (S. 114 - 138). Dort heisst es auf S. 134 f.: „In schroffem Gegensatz dazu [im Gegensatz zur von Lukács zuvor gelobten Praxis von Thomas Mann u.a.; siehe dazu den hiesigen Anhang 1 <S. 23>] steht der ‚Avantgardismus' zum Erbe; er steht zur Geschichte seines Volkes wie zu einem grossen Ramschverkauf. Blättert man in den Schriften von Bloch, so wird von Erbe und Erben nur in solchen Ausdrücken gesprochen: ‚Brauchbare Erbstücke', ‚plündern' usw. Bloch ist ein viel zu bewusster Denker und Stilist, als dass diese Worte zufällige Entgleisungen seiner Feder sein könnten; sie drücken vielmehr ein allgemeines Verhalten zum Erbe aus. Das Erbe ist für ihn eine tote Masse, in welcher man beliebig herumwühlen, aus welcher man beliebige, momentan brauchbare Stücke herausreissen, und welche man nach momentanem Bedürfnis beliebig zusammenmontieren kann.Diese Gesinnung hat Hanns Eisler in einem mit Bloch zusammen geschriebenen Artikel sehr prägnant ausgedrückt. Er war – mit Recht – begeistert über die ‚Don Carlos'-Demonstration in Berlin[17]. Statt aber darüber nachzudenken, was Schiller wirklich war, was seine wirkliche Grösse, wo seine Schranken gewesen sind, was er für das deutsche Volk bedeutet hat und heute noch bedeutet, welchen Schutt der reaktionären Vorurteile, zusammengetragen durch die Ideologen der Reaktion, man wegschaffen muss, um die volkstümlich-fortschrittliche Wirkung Schillers zu einer Waffe der Volksfront, der Befreiung des deutschen Volkes zu machen – stattdessen stellt er in bezug auf das Erbe für die Schriftsteller der Emigration folgendes Aktionsprogramm auf:
‚Worin besteht aber unsere Aufgabe ausserhalb Deutschlands? Es ist klar, dass wir einzig helfen müssen, klassisches Material, das für solchen Kampf geeignet ist, auszusondern und zu präparieren.' (Hervorhebungen von mir. G. L.)
Eisler schlägt also vor, die Klassiker zu einem antifaschistischen ‚Büchmann'[18] zu zerpflücken und dann die ‚geeigneten Stücke' zusammenzumontieren. Fremder, hochmütiger, ablehnender kann man sich zu der glorreichen literarischen Vergangenheit des deutschen Volkes nicht verhalten.
Das Leben des Volkes ist aber objektiv etwas Kontinuierliches.“
(vgl. Georg Lukács, Werke. Bd. 4: Probleme des Realismus I, Luchterhand: Neuwied / [West]berlin, 1971 [im folgenden zit. als Lukács, Werke. Bd. 4], 313 - 343, [338 f.]; vgl. Schmitt 1973, 192 - 230 [224])Auf S. 136 setzt Lukács noch hinzu: „Es mag den Eisler [!, dgs[19]] überlassen werden, den Montagewert der zerschlagenen Stücke dieses Meisterwerkes [der volkstümlich-realistischen Literatur der deutschen Vergangenheit] abzuschätzen – für das lebendige deutsche Schrifttum wird es als ein lebendiges und aktuelles Ganzes in seiner Grösse (und mit seinen Grenzen) weiterleben.
Denn nur dann, wenn man die Meisterwerke des Realismus aus der Vergangenheit und Gegenwart als Ganze betrachtet, aus ihnen lernt, für ihre Verbreitung sorgt, ihr richtiges Verständnis fördert, kommt der aktuelle, kulturelle und politische Wert der grossen realistischen Gestaltung zum Ausdruck:
seine unerschöpfliche Vielseitigkeit im Gegensatz zur – im besten Falle witzigen – Eingleisigkeit des ‚Avantgardismus'.“ (Hv. i.O.)[20]
Brechts Kleine Berichtigung zu Lukács' Aufsatz
Ausser mit dem schon zitierten Journal-Eintrag und dem ebenfalls zitierten Text über Volkstümlichkeit und Realismus reagierte Brecht auf den Lukács-Aufsatzzunächst mit einer Kleinen Berichtigung, die er ebenfalls ohne Veröffentlichungserfolg an die Das Wort-Redaktion schickte[21]. In diesem kurzen Text heisst es u.a.: „Mit meinem Freund Eisler, der wenigen als blasser Ästhet vorkommen wird, hat Lukács gleichsam den Ofen geputzt, weil er bei der Testamentvollstreckung angesichts des Erbes nicht die vorgeschriebene pietätvolle Rührung gezeigt haben soll. Er kramte sozusagen darin herum und weigerte sich, alles in Besitz zu nehmen.“[22] (Kleine Berichtigung [Juni 1938], in: GBA 22, 402 - 403 [403] – Hv. i.O.)und ausserdem:„Es wurde da von ‚den Eislers' gesprochen, die irgendetwas sollten oder nicht sollten. Meiner Meinung nach sollte Lukács es unbedingt unterlassen, solch eine Mehrzahl anzuwenden, solange es unter unsern Musikern tatsächlich nur einen Eisler gibt. Die Millionen von Arbeitern weisser, schwarzer und gelber Rasse, die die Massenlieder Eislers geerbt haben, werden da sicher meiner Meinung sein. Aber auch allerhand Fachleute für Musik, die Eislers Arbeiten, in denen er, wie man mir sagt, das Erbe der deutschen Musik in grossartiger Weise weiterbildet, würde man verwirren, wenn die deutsche Emigration, im Gegensatz zu den sieben griechischen Städten, die sich darum stritten, einen Homer hervorgebracht zu haben, sich zu der Prahlerei hinreissen liesse, sieben Eislers zu haben.“
(ebd., 402 f.) Eisler eigene Antwort auf Lukács Eisler selbst antwortet in der Neuen Weltbühne 50/1938 auf den Lukács-Text aus dem Sommer 1938. Eisler charakterisierte dort seine Ko-Produktion mit Bloch vom Jahresanfang als Abgrenzung „gegen ein gewisses reformistisches Oberlehrertum […], das die künstlerische Gegenwart ignoriert und es sich mit dem Lobe der Vergangenheit leicht macht“[23]. Auf Lukács' Satz (siehe oben S. 7), „Eisler schlägt also vor, die Klassiker zu einem antifaschistischen ‚Büchmann' zu zerpflücken und dann die ‚geeigneten Stücke' zusammenzumontieren.“antwortet Eisler (eher defensiv): „Nach der Auffassung von Lukacs bin ich also eine Art Kunstvandale, der aus irgendwelchem Grunde, vielleicht aus einer nebulösen modernistischen Theorie heraus, oder aus Ablehnung, die Klassiker auseinandernehmen und montieren will. (Das Wort ‚Montieren'[24] gebraucht nur Lukacs, es kommt in meinem Artikel überhaupt nicht vor.) […]. Einen revolutionären ‚Büchmann', den es leider nicht gibt, sollte Lukacs nicht so verachten, er könnte von grösserem Nutzen sein als vieles andere.“
(Antwort an Georg Lukacs, in: Die neue Weltbühne 50/1938, 1583 - 1584 (1583, 1584); vgl. EGW III/1, 433 - 435 [433, 434])Und schliesslich – als Postskriptum –:„Eine Herabsetzung sollte wenigstens grammatikalisch richtig sein. […]; folglich […] nicht: ‚den Eisler', sondern den Eislers.“
(ebd., 1584 bzw. 434) Noch ein paar Schritte zurück Eingeleitet wurde die sog. „Expressionismusdebatte“ in Heft 9/1937 (urn:nbn:de:101:1-2022110610001886611084) von Das Wort durch Aufsätzen von Klaus Mann und Bernhard Ziegler (aka Alfred Kurella)[25]:
- Klaus Mann, Gottfried Benn. Geschichte einer Verirrung, in: a.a.O., 35 - 42; vgl. Schmitt 1973, 39 - 49und
- Bernhard Ziegler, „Nun ist dies Erbe zu Ende…“, in: ebd., 42 - 49; vgl. Schmitt 1973, 50 - 60
Einen Vorläufer bildete der – noch zu Zeiten der „Sozialfaschismus“-These geschriebene und veröffentlichte – Aufsatz von Georg Lukácssowie noch davor die künstlerischen und kulturpolitischen Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (siehe dazu
- die im Literaturverzeichnis genannte Veröffentlichungen von Helga Gallassowie
- Ästhetik und Kommunikation
- Karla Hielscher[28],
- Heiner Boehnckeund
- die von Karl Eimermacher herausgegebene Dokumente zur Sowjetischen Literaturpolitik 1917 - 1932, Kohlhammer: Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz, 1972[29]; erweitert:Die sowjetische Literaturpolitik 1917 - 1932. Von der Vielfalt zur Bolschewisierung der Literatur. Analyse und Dokumentation, Brockmeyer: Bochum,19942
- (die erste Auflage enthält 114 Dokumente und ein zweiteiliges Register [a) Personen und von Personen abgeleitete Begriffe wie Bogdanovščina etc. b) Institutionen, Zeitschriften etc. ]; die zweite Auflage enthält 143 Dokumente und drei Register[30];
- die herausgeberischen Anmerkungen zu den Dokumenten sind in der ersten Auflage als Fuss- und in der zweiten Auflage als Endnoten plaziert;
- das Verzeichnis der Übersetzer ist in der ersten Auflage auf S. 72 [zwischen Einleitung und Dokumenten] und in der zweiten Auflage am Ende [S. 937] plaziert)
- Ästhetik und Kommunikation
- Heft 4, Okt. 1971, 80 - 92 [von und zu Sergej Tret'jakov][31]und
- Heft 5/6, Feb. 1972, 5 (re. Sp. Mitte) - 6 (li. Sp. oben) und 7[32] sowie 63 - 203 [zum Proletkult]
- Heft 7, März 1972, 72 - 79 (Rudolf Lüscher, Bogdanovs Gesellschaftslehre)
- Heft 11, April 1973, 100 - 105 (Arbeitstagung „Politische Kultur. Die künstlerische und kulturpolitische Entwicklung in der Sowjetunion 1917-1934“ vom 1. - 3. Dezember 1972)
- Heft 12, Sept. 1973, 62 - 75: Hans Günther, Proletarische und avantgardistische Kunst. Die Organisationsästhetik Bogdanovs und die LEF-Konzeption der „lebenbauenden“ Kunst[33]
- die bibliographischen Hinweise in Bogdal/Lindner/Plumpe 1975, 176 f.[34]).
(Volkstümlichkeit und Realismus Lukács [2] [Juni 1938], in: GBA 22, 413 - 415 [413 f.] – Hv. i.O.)Mir scheint Brecht bog hier – aus der richtigen Intuition, dass an der Volksfront-Ideologie[36] etwas faul ist – den Stab zu sehr in die andere Richtung, denn:
- Es waren und sind während und nach der NS-Herrschaft ‚humanere' Kapitalismen weiterhin möglich,und
- es ist zu bezweifeln, dass mit einer proletarischen Einheitsfront-Politik (ohne Volksfront-Dreingabe) – oder gar einem Festhalten an der „Sozialfaschismus“-These (was nicht Brechts Vorschlag war) – sozialistische Revolutionen in den kapitalistischen Ländern – oder auch nur ein militärischer Sieg über die Nazi-Deutschland und seine Verbündeten – möglich gewesen wäre.
- Und schliesslich und vor allem: Der eliminatorische Antisemitismus des NS lässt sich keinesfalls (ausreichend) als Mittel der „Aufrechterhaltung der bürgerlichen Besitzverhältnisse“ erklären.


