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Die Brecht/Bloch/Eisler versus Lukács-Kontroverse über Realismus, Sensualismus und Volksfront-Politik

Antifa-Strategie und Kunsttheorie Die Brecht/Bloch/Eisler versus Lukács-Kontroverse über Realismus, Sensualismus und Volksfront-Politik

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Kultur

1938 wurde in deutschen Exil-Zeitschriften über die Volksfront-Politik der Kommunistischen Internationale und gegensätzlicher Konzeptionen „realistischer“ Kunst gestritten.

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Datum 10. August 2026
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Bertolt Brecht notierte im Juli 1938 in seinem Arbeitsjournal: „Die Scholochows und die Thomas Manns werden damit gerechtfertigt, sie geben die Wirklichkeit wieder! Zwischen den Realisten des Bürgertums und denen des Proletariats ist kein Gegensatz (ein Blick auf die Scholochows scheint das allerdings zu beweisen), wohl auch nicht zwischen Bürgertum und Proletariat selber? Wie auch, im Zeichen der Volksfront? Hoch der Pastor Niemöller! Realist reinsten Wassers!“

(Brecht, Juli [19]38, in: [Journal[1]] Dänemark. 20.7. 38 - 15.3.39, in: GBA[2] 26, 309 - 333 [313 - 314 <313>])Zu Michail Alexandrowitsch Scholochow (1905 - 1984; russisch-sowjetischer Schriftsteller; erhielt 1965 für den von 1928 bis 1940 – sowie in überarbeiteter Fassung 1953 erschienenen – Roman Der stille Don [siehe Endnote [i] den Literaturnobelpreis) äusserte sich Brecht auch an anderer Stelle. Brechts Unterscheidung zwischen „Realismus“ und „Sensualismus“

Zunächst sei aber Brechts Unterscheidung zwischen Realismus und Sensualismus eingeführt: „Wir werden feststellen, dass die sogenannte sensualistische Schreibweise (bei der man alles riechen, schmecken, fühlen kann) nicht ohne weiteres mit der realistischen Schreibweise zu identifizieren ist, sondern wir werden anerkennen, dass es sensualistisch geschriebene Werke gibt, die nicht realistisch, und realistische Werke, die nicht sensualistisch geschrieben sind. [...]. Unsere Leser werden vielleicht nicht finden, dass sie den Schlüssel zu den Ereignissen ausgeliefert bekommen, wenn sie, durch viele Künste verführt, sich lediglich an den seelischen Emotionen der Helden unserer Bücher beteiligen. Ohne gründliche Prüfung die Formen der Balzac und Tolstoi übernehmend, würden wir vielleicht unsere Leser, das Volk, ebenso ermüden, wie es diese Schriftsteller oft tun. Realismus ist keine blosse Frage der Form. Wir würden, die Schreibweise dieser Realisten kopierend, nicht mehr Realisten sein.“ (Volkstümlichkeit und Realismus [1] [Juni 1938], in: GBA 22, 405 - 413 [409]; vgl. Schmitt 1973, 329 - 336 [332]) Eine weitere Äusserung Brechts über Scholochow Nun eine weitere Äusserung von Brecht über Scholochow: „Die sensualistische Darstellungsweise kommt in sehr verschiedenen Formen vor. Ziemlich reiner Impressionismus ist Scholochows Schreibweise.
Das ist eine Montage von Sinneseindrücken, Farb- und Geräuschflecken, die der Leser zu einem Bild zusammensetzt. Mitunter versetzt der Schriftsteller den Leser so vollkommen aus der Welt in seinen Helden hinein, dass er ihn nur ganz willkürlich herausgegriffene Eindrücke haben lässt. Das klingt dann so: Mit kleinen Schrittchen ging der Kaiser durch den Spiegelsaal. War Josephine wieder bei dem Obersten? Der Kaiser blieb stehen. Er sah sein Gesicht im Spiegel. Seine Augen lagen tief.“ (ders., Wie Tacitus den Untergang einer Legion in einem Meeresarm beschreibt [1938] in: ebd., 482 [482]; laut herausgeberischem Kommentar [GBA 22, 1053 f.] bezieht sich die Überschrift der Notiz auf die in hiesigem Anhang 3 [S. 40] zitierte Tacitus-Stelle)Das zuletzt angeführte Zitat stammt – wie u.a. an der Klammer „(Beispiel)“ zu erkennen ist – aus einer nicht ausgearbeiteten Notiz Brechts; den im hiesigen zweiten Abschnitt[3] zitierten Brecht-Text (Volkstümlichkeit und Realismus [1]) schickte Brecht wahrscheinlich im Juni 1938 an die Redaktion der Zeitschrift Das Wort nach Moskau – jedenfalls hatte er dieser einen Beitrag zum Thema „Volkstümlichkeit“[4] zugesagt und am 17.06.1938 angekündigt, ihn tatsächlich abzuschicken (GBA 22, 1029 [herausgeberischer Kommentar zu S. 405, Zeile 32]; 29, 101[5]). Der Beitrag wurde, obwohl Brecht selbst zu den drei Herausgebern der Zeitschrift gehörte, aber nicht veröffentlicht: Brecht „schickt […] Arbeiten [zu der hier behandelten Kontroverse], […], an die Redaktion, findet aber, obwohl er einer der Herausgeber ist, dort keine Fürsprecher. Lediglich der Aufsatz Über reimlose Lyrik mit unregelmässigen Rhythmen (vgl. Band 22[6]) kommt in der letzten Nummer (Das Wort, Moskau, 1939, Heft 3[7]) zum Abdruck.“

(GBA 26, 608 [zu S. 313, Zeile 2 f.]) Die Vorgeschichte. Der von Brecht angebotene Beitrag reagierte (eher implizit [„‚Das Wort' verdankt besonders G. Lukács einige sehr bemerkenswerte Aufsätze, die den Realismusbegriff erhellen, auch wenn sie, meines Erachtens, ihn etwas zu eng definieren.“]) u.a. auf den im Juni-Heft 1938 auf S. 112 - 138 erschienen Beitrag von Georg Lukács Es geht um den Realismus.

Bloch/Eisler: Auch einem geerbten Gaul ins Maul schauen

Der Text von Lukács war seinerseits u.a. eine Reaktion auf ein Gespräch zwischen „ein[em] künstlerische[n] Produzent[en] (P) mit einem Kunstfreund (K) über Grundbedingungen des künstlerischen Schaffens in unserer Zeit“ (redaktionelle Vorbemerkung), das in Heft 1/1938 der Neuen Weltbühne – als Beitrag von Ernst Bloch und Hanns Eisler – erschienen war. In der dortigen redaktionellen Vorbemerkung hiess es ausserdem u.a.: „Das kulturelle Erbe pflegen und es für unsern Kampf nutzbar machen – das ist eine gute Forderung, und in den zwei Jahren, die sie nun erhoben wird, hat sie überall mächtigen Widerhall gefunden. Aber es ist eine Forderung, die nicht schematisch erfüllt werden darf, und es ist unerlässlich, näher zu untersuchen, wie die schöpferischen Kräfte unserer Zeit durch den Rückgriff auf das Erbe gefördert – wo sie aber auch gehemmt werden können.“

(Die Kunst zu erben, in: Die neue Weltbühne 1/1938, 13 - 18 [13]; vgl. Hanns Eisler, Gesammelte Werke. Serie III. Band 1, VEB Deutscher Verlag für Musik: Leipzig, 1973 [im folgenden zitiert als EGW III/1], 406 - 414 [411 f.])Rund „zwei Jahre“ vorher – 1935 – hatte der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale stattgefunden, auf dem diese den Kurswechsel zur Volksfront-Politik beschloss: „Indem die Kommunisten sich bestreben, den Kampf der werktätigen Bauernschaft, des städtischen Kleinbürgertums und der werktätigen Massen der unterdrückten Nationalitäten unter der Führung des Proletariats zusammenzufassen, müssen sie auf die Schaffung einer breiten antifaschistischen Volksfront auf der Grundlage der proletarischen Einheitsfront hinarbeiten, indem sie für alle jene besonderen Forderungen dieser werktätigen Schichten eintreten, die mit den grundlegenden Interessen des Proletariats in einer Linie liegen.

Besonders wichtig ist es, die werktätigen Bauern gegen die faschistische Politik der Ausplünderung der Hauptmassen der Bauernschaft zu mobilisieren: gegen die ausbeuterische Preispolitik des Monopolkapitals und der bürgerlichen Regierungen, gegen die unerträglichen Steuerlasten, Pachtzinsen, Schuldenlasten, gegen die Zwangsversteigerung des bäuerlichen Eigentums und für eine staatliche Unterstützung der zugrunde gerichteten Bauernmassen. Die Kommunisten, die überall unter dem städtischen Kleinbürgertum, den Intellektuellen und auch unter den Angestellten arbeiten, müssen diese Schichten gegen die wachsenden Steuerlasten und gegen die Teuerung, gegen ihre Ausplünderung durch das Monopolkapital, durch die Truste, gegen die Zinsknechtschaft, gegen Entlassungen und Gehaltsabbau der Staats- und Gemeindebeamten in den Kampf führen.“

(Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale und der Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus. Resolution zum Bericht des Genossen Dimitroff, angenommen am 20. August 1935, in: https://archive.org/details/7WkResolutionen/mode/1up,
9 - 33 [21]; kursive i.O.; fette Hv. hinzugefügt)
Im Zentrum standen nun der Kampf gegen das sog. „Monopolkapital“ und den Faschismus sowie folglich Bündnisse mit dem ‚nicht-monopolistischen' Kapital und die Beteiligung an sog. „antifaschistischen Volksfront[-Regierungen], die noch keine Regierung der proletarischen Diktatur“ und auch keine „proletarischen Einheitsfront“-Regierung (siehe das „oder“ im folgenden Zitat!) sind: „Wenn sich bei einem derartigen Aufschwung der Massenbewegung die Schaffung einer Regierung der proletarischen Einheitsfront oder der antifaschistischen Volksfront, die noch keine Regierung der proletarischen Diktatur ist, die aber die Durchführung entschlossener Massnahmen gegen Faschismus und Reaktion auf sich nimmt, als möglich und im Interesse des Proletariats als notwendig erweist, so muss die Kommunistische Partei auf die Schaffung einer solcher Regierung hinarbeiten.“

(ebd., 22)
Auch wenn zutreffend ist, dass bürgerliche Demokratie für die Lohnabhängigen und die KommunistInnen ein kleineres Übel als der Faschismus ist, folgt daraus noch
  • nicht, dass es für KommunistInnen (politisch) richtig ist, sich an bürgerlich-parlamentarischen Regierungen zu beteiligen (sie könnten bürgerlich-antifaschistische Regierungen stattdessen parlamentarisch tolerieren und dadurch besser ihre Unabhängigkeit wahren)[8],
  • und auch nicht, dass es (analytisch) zutreffend ist, den Faschismus mit einer bestimmten (und zumal, wie die KomIntern ab 1935 meinte: der „monopolistischen“) Kapitalsorte/-fraktion zu identifizieren.
Aber zurück zu der Weltbühne-Veröffentlichung von Bloch und Eisler – dort fragt der „künstlerische Produzent“: „Worin besteht […] unsere Aufgabe ausserhalb Deutschlands?“und gibt folgende Antwort: „Es ist klar, dass wir einzig helfen müssen, klassisches Material, das für solchen Kampf geeignet ist, auszusondern und zu präparieren.
Das verpflichtet aber weiterhin, das historische Erbe, dem Missbrauch der Nazis gegenüber, durchaus kritisch zu verarbeiten. Und dabei eben spielt das Wie der Erbmethode, die lebendige Beziehung des heute lebenden und progressiven Menschen zur Vergangenheit eine schlechthin entscheidende Rolle[9]. Es wird nicht immer leicht sein festzustellen[10], wo die Grenzen zwischen einer produktiven Übernahme liegen, die Staub vom Leben zu, sondern versteht, und einer summarisch verflachenden, die nicht eingreift, sondern den alten Überdruss an der Schullektüre lediglich reproduziert. Aber wir werden jetzt schon uns durchaus nicht genieren[11], das spiessbürgerliche Gedicht ‚Die Glocke'[12] [siehe dazu den hiesigen Anhang 2 <S. 27>], das bereits Schillers Freunden eine Verlegenheit war[13], als solches zu bezeichnen. Wobei wir zugleich die geschichtlichen Bedingungen blosslegen werden, denen der Dichter der ‚Räuber'[14] und dann wieder des ‚Tell'[15] hier erlegen ist.“ (Die Kunst zu erben, in: Die neue Weltbühne 1/1938, 13 - 18 [14 f.]; vgl. EGW III/1, 406 - 414 [407] und Schmitt 1973, 258 - 263 [259])

Lukács: Kein Scheu beim Erben

Auf den Weltbühne-Beitrag von Bloch/Eisler und einem weiteren Aufsatz von Bloch allein in der Zeitschrift Das Wort[16] antwortete Lukács im selben Heft (6/1938) von Das Wort, in dem der Bloch-Aufsatz erschienen war, mit einem Aufsatz Es geht um den Realismus (S. 114 - 138). Dort heisst es auf S. 134 f.: „In schroffem Gegensatz dazu [im Gegensatz zur von Lukács zuvor gelobten Praxis von Thomas Mann u.a.; siehe dazu den hiesigen Anhang 1 <S. 23>] steht der ‚Avantgardismus' zum Erbe; er steht zur Geschichte seines Volkes wie zu einem grossen Ramschverkauf. Blättert man in den Schriften von Bloch, so wird von Erbe und Erben nur in solchen Ausdrücken gesprochen: ‚Brauchbare Erbstücke', ‚plündern' usw. Bloch ist ein viel zu bewusster Denker und Stilist, als dass diese Worte zufällige Entgleisungen seiner Feder sein könnten; sie drücken vielmehr ein allgemeines Verhalten zum Erbe aus. Das Erbe ist für ihn eine tote Masse, in welcher man beliebig herumwühlen, aus welcher man beliebige, momentan brauchbare Stücke herausreissen, und welche man nach momentanem Bedürfnis beliebig zusammenmontieren kann.

Diese Gesinnung hat Hanns Eisler in einem mit Bloch zusammen geschriebenen Artikel sehr prägnant ausgedrückt. Er war – mit Recht – begeistert über die ‚Don Carlos'-Demonstration in Berlin[17]. Statt aber darüber nachzudenken, was Schiller wirklich war, was seine wirkliche Grösse, wo seine Schranken gewesen sind, was er für das deutsche Volk bedeutet hat und heute noch bedeutet, welchen Schutt der reaktionären Vorurteile, zusammengetragen durch die Ideologen der Reaktion, man wegschaffen muss, um die volkstümlich-fortschrittliche Wirkung Schillers zu einer Waffe der Volksfront, der Befreiung des deutschen Volkes zu machen – stattdessen stellt er in bezug auf das Erbe für die Schriftsteller der Emigration folgendes Aktionsprogramm auf:

‚Worin besteht aber unsere Aufgabe ausserhalb Deutschlands? Es ist klar, dass wir einzig helfen müssen, klassisches Material, das für solchen Kampf geeignet ist, auszusondern und zu präparieren.' (Hervorhebungen von mir. G. L.)

Eisler schlägt also vor, die Klassiker zu einem antifaschistischen ‚Büchmann'[18] zu zerpflücken und dann die ‚geeigneten Stücke' zusammenzumontieren. Fremder, hochmütiger, ablehnender kann man sich zu der glorreichen literarischen Vergangenheit des deutschen Volkes nicht verhalten.
Das Leben des Volkes ist aber objektiv etwas Kontinuierliches.“

(vgl. Georg Lukács, Werke. Bd. 4: Probleme des Realismus I, Luchterhand: Neuwied / [West]berlin, 1971 [im folgenden zit. als Lukács, Werke. Bd. 4], 313 - 343, [338 f.]; vgl. Schmitt 1973, 192 - 230 [224])Auf S. 136 setzt Lukács noch hinzu: „Es mag den Eisler [!, dgs[19]] überlassen werden, den Montagewert der zerschlagenen Stücke dieses Meisterwerkes [der volkstümlich-realistischen Literatur der deutschen Vergangenheit] abzuschätzen – für das lebendige deutsche Schrifttum wird es als ein lebendiges und aktuelles Ganzes in seiner Grösse (und mit seinen Grenzen) weiterleben.

Denn nur dann, wenn man die Meisterwerke des Realismus aus der Vergangenheit und Gegenwart als Ganze betrachtet, aus ihnen lernt, für ihre Verbreitung sorgt, ihr richtiges Verständnis fördert, kommt der aktuelle, kulturelle und politische Wert der grossen realistischen Gestaltung zum Ausdruck:
seine unerschöpfliche Vielseitigkeit im Gegensatz zur – im besten Falle witzigen – Eingleisigkeit des ‚Avantgardismus'.“ (Hv. i.O.)[20] 

Brechts Kleine Berichtigung zu Lukács' Aufsatz

Ausser mit dem schon zitierten Journal-Eintrag und dem ebenfalls zitierten Text über Volkstümlichkeit und Realismus reagierte Brecht auf den Lukács-Aufsatz
zunächst mit einer Kleinen Berichtigung, die er ebenfalls ohne Veröffentlichungserfolg an die Das Wort-Redaktion schickte[21]. In diesem kurzen Text heisst es u.a.: „Mit meinem Freund Eisler, der wenigen als blasser Ästhet vorkommen wird, hat Lukács gleichsam den Ofen geputzt, weil er bei der Testamentvollstreckung angesichts des Erbes nicht die vorgeschriebene pietätvolle Rührung gezeigt haben soll. Er kramte sozusagen darin herum und weigerte sich, alles in Besitz zu nehmen.“[22]
(Kleine Berichtigung [Juni 1938], in: GBA 22, 402 - 403 [403] – Hv. i.O.)und ausserdem:„Es wurde da von ‚den Eislers' gesprochen, die irgendetwas sollten oder nicht sollten. Meiner Meinung nach sollte Lukács es unbedingt unterlassen, solch eine Mehrzahl anzuwenden, solange es unter unsern Musikern tatsächlich nur einen Eisler gibt. Die Millionen von Arbeitern weisser, schwarzer und gelber Rasse, die die Massenlieder Eislers geerbt haben, werden da sicher meiner Meinung sein. Aber auch allerhand Fachleute für Musik, die Eislers Arbeiten, in denen er, wie man mir sagt, das Erbe der deutschen Musik in grossartiger Weise weiterbildet, würde man verwirren, wenn die deutsche Emigration, im Gegensatz zu den sieben griechischen Städten, die sich darum stritten, einen Homer hervorgebracht zu haben, sich zu der Prahlerei hinreissen liesse, sieben Eislers zu haben.“

(ebd., 402 f.) Eisler eigene Antwort auf Lukács Eisler selbst antwortet in der Neuen Weltbühne 50/1938 auf den Lukács-Text aus dem Sommer 1938. Eisler charakterisierte dort seine Ko-Produktion mit Bloch vom Jahresanfang als Abgrenzung „gegen ein gewisses reformistisches Oberlehrertum […], das die künstlerische Gegenwart ignoriert und es sich mit dem Lobe der Vergangenheit leicht macht“[23]. Auf Lukács' Satz (siehe oben S. 7), „Eisler schlägt also vor, die Klassiker zu einem antifaschistischen ‚Büchmann' zu zerpflücken und dann die ‚geeigneten Stücke' zusammenzumontieren.“antwortet Eisler (eher defensiv): „Nach der Auffassung von Lukacs bin ich also eine Art Kunstvandale, der aus irgendwelchem Grunde, vielleicht aus einer nebulösen modernistischen Theorie heraus, oder aus Ablehnung, die Klassiker auseinandernehmen und montieren will. (Das Wort ‚Montieren'[24] gebraucht nur Lukacs, es kommt in meinem Artikel überhaupt nicht vor.) […]. Einen revolutionären ‚Büchmann', den es leider nicht gibt, sollte Lukacs nicht so verachten, er könnte von grösserem Nutzen sein als vieles andere.“

(Antwort an Georg Lukacs, in: Die neue Weltbühne 50/1938, 1583 - 1584 (1583, 1584); vgl. EGW III/1, 433 - 435 [433, 434])Und schliesslich – als Postskriptum –:„Eine Herabsetzung sollte wenigstens grammatikalisch richtig sein. […]; folglich […] nicht: ‚den Eisler', sondern den Eislers.“

(ebd., 1584 bzw. 434) Noch ein paar Schritte zurück Eingeleitet wurde die sog. „Expressionismusdebatte“ in Heft 9/1937 (urn:nbn:de:101:1-2022110610001886611084) von Das Wort durch Aufsätzen von Klaus Mann und Bernhard Ziegler (aka Alfred Kurella)[25]:
  • Klaus Mann, Gottfried Benn. Geschichte einer Verirrung, in: a.a.O., 35 - 42; vgl. Schmitt 1973, 39 - 49und
  • Bernhard Ziegler, „Nun ist dies Erbe zu Ende…“, in: ebd., 42 - 49; vgl. Schmitt 1973, 50 - 60
mit folgender redaktioneller Vorbemerkung:„Die beiden folgenden Beiträge, die eine Frage anschneiden, deren Beantwortung uns […] von grundsätzlicher Wichtigkeit zu sein scheint, nämlich die Frage nach Grundlage und dem Wesen des Expressionismus.“ (ebd., 35; vgl. Schmitt 1973, 39)

Einen Vorläufer bildete der – noch zu Zeiten der „Sozialfaschismus“-These geschriebene und veröffentlichte – Aufsatz von Georg Lukács
  • Grösse und Verfall“ des Expressionismus, in: Internationale Literatur 1/1934, 153 - 173.
sowie noch davor die künstlerischen und kulturpolitischen Kontroversen im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (siehe dazu
  • die im Literaturverzeichnis genannte Veröffentlichungen von Helga Gallassowie
  • Ästhetik und Kommunikation
    • Heft 2, Dez. 1970[26] und Heft 3, April 1971[27])
sowie in der Sowjetunion (siehe dazu die im hiesigen Literaturverzeichnis genannten Arbeiten von
  • Karla Hielscher[28],
  • Heiner Boehnckeund
  • die von Karl Eimermacher herausgegebene Dokumente zur Sowjetischen Literaturpolitik 1917 - 1932, Kohlhammer: Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz, 1972[29]; erweitert:Die sowjetische Literaturpolitik 1917 - 1932. Von der Vielfalt zur Bolschewisierung der Literatur. Analyse und Dokumentation, Brockmeyer: Bochum,19942
    • (die erste Auflage enthält 114 Dokumente und ein zweiteiliges Register [a) Personen und von Personen abgeleitete Begriffe wie Bogdanovščina etc. b) Institutionen, Zeitschriften etc. ]; die zweite Auflage enthält 143 Dokumente und drei Register[30];
    • die herausgeberischen Anmerkungen zu den Dokumenten sind in der ersten Auflage als Fuss- und in der zweiten Auflage als Endnoten plaziert;
    • das Verzeichnis der Übersetzer ist in der ersten Auflage auf S. 72 [zwischen Einleitung und Dokumenten] und in der zweiten Auflage am Ende [S. 937] plaziert)
    sowie
  • Ästhetik und Kommunikation
    • Heft 4, Okt. 1971, 80 - 92 [von und zu Sergej Tret'jakov][31]und
    • Heft 5/6, Feb. 1972, 5 (re. Sp. Mitte) - 6 (li. Sp. oben) und 7[32] sowie 63 - 203 [zum Proletkult]
    • Heft 7, März 1972, 72 - 79 (Rudolf Lüscher, Bogdanovs Gesellschaftslehre)
    • Heft 11, April 1973, 100 - 105 (Arbeitstagung „Politische Kultur. Die künstlerische und kulturpolitische Entwicklung in der Sowjetunion 1917-1934“ vom 1. - 3. Dezember 1972)
    • Heft 12, Sept. 1973, 62 - 75: Hans Günther, Proletarische und avantgardistische Kunst. Die Organisationsästhetik Bogdanovs und die LEF-Konzeption der „lebenbauenden“ Kunst[33]
  • die bibliographischen Hinweise in Bogdal/Lindner/Plumpe 1975, 176 f.[34]).
Nachschlag zur Volksfront: In einer vermutlich vorausgegangenen[35] Fassung des oben schon zitierten Textes Volkstümlichkeit und Realismus hatte Brecht geschrieben: „Ein Teil der emigrierten (geflohenen, verjagten, diskriminierten) Literatur wendet sich immer noch an die bürgerliche Klasse. Sie denunziert die Ausrottung humanistischer Ideale, sie spricht von Barbarei für Barbarei. Sie deutet gelegentlich an, dass die unhumanen Massnahmen mit gewissen Profiten, ja sogar Kasteninteressen verknüpft sind. Aber sie stellt nicht fest, dass die Liquidierung der humanistischen Ideale der Aufrechterhaltung der bürgerlichen Besitzverhältnisse dient. Ganz naiv sucht die das Bürgertum zu überzeugen, diese Besitzverhältnisse könnten auch ohne diese Massnahmen unhumaner Art aufrechterhalten werden, mit mehr Güte, Freiheit, Menschlichkeit. Das Volk würde wohl derlei Naivitäten, kämen sie hinein, ein wenig komisch finden. Es würde glauben, einer Unterhaltung darüber beizuwohnen, wieviel Unterdrückung nötig sei, um die Ausbeutung aufrechtzuerhalten. Ob das ohne Krieg geht oder nur mit dem Krieg. Ob mit humanem Krieg oder mit unhumanem Krieg. Usw. usw. Wo die Parole Für den Humanismus! noch nicht ergänzt ist durch die Parole Gegen die bürgerlichen Besitzverhältnisse!, ist die Wendung der Literatur zum Volk noch nicht erfolgt.“

(Volkstümlichkeit und Realismus Lukács [2] [Juni 1938], in: GBA 22, 413 - 415 [413 f.] – Hv. i.O.)Mir scheint Brecht bog hier – aus der richtigen Intuition, dass an der Volksfront-Ideologie[36] etwas faul ist – den Stab zu sehr in die andere Richtung, denn:
  • Es waren und sind während und nach der NS-Herrschaft ‚humanere' Kapitalismen weiterhin möglich,und
  • es ist zu bezweifeln, dass mit einer proletarischen Einheitsfront-Politik (ohne Volksfront-Dreingabe) – oder gar einem Festhalten an der „Sozialfaschismus“-These (was nicht Brechts Vorschlag war) – sozialistische Revolutionen in den kapitalistischen Ländern – oder auch nur ein militärischer Sieg über die Nazi-Deutschland und seine Verbündeten – möglich gewesen wäre.
  • Und schliesslich und vor allem: Der eliminatorische Antisemitismus des NS lässt sich keinesfalls (ausreichend) als Mittel der „Aufrechterhaltung der bürgerlichen Besitzverhältnisse“ erklären.
Fussnoten:

[1] „Vom Juli 1938 bis Juli 1955 notiert Brecht regelmässig (mit grösseren Unterbrechungen 1946 und in den letzten drei Lebensjahren) Bemerkungen zur Zeit, zur Arbeit und zu seinem Leben, die er zusammenfassend als Journal bezeichnet.“ (GBA 26, 603 [herausgeberischer Kommentar])

[2] Grosse kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Aufbau / Suhrkamp: Berlin / Weimar / Frankfurt am Main, 1988 - 2000 (30 Bände + Registerband).

[3] Brechts Unterscheidung zwischen „Realismus“ und „Sensualismus“.

[4] Zu diesem Begriff heisst es in dem im hier vorhergehenden Abschnitt zitierten Brecht-Text:„Eine ganze Reihe von ‚Tümlichkeiten' müssen mit Vorsicht betrachtet werden. Man denke nur an Brauchtum, Königstum, Heiligtum, und man weiss, dass auch Volkstum einen ganz besonderen, sakralen, feierlichen und verdächtigen Klang an sich hat, den wir keineswegs überhören dürfen. Wir dürfen diesen verdächtigen Klang nicht überhören, weil wir den Begriff volkstümlich unbedingt brauchen. Es sind gerade die sogenannten poetischen Fassungen, in denen ‚das Volk' besonders abergläubisch oder besser Aberglauben erweckend vorgestellt wird. Da hat das Volk seine unveränderlichen Eigenschaften, seine geheiligten Traditionen, Kunstformen, Sitten und Gebräuche, seine Religiosität, seine Erbfeinde, seine unversiegbare Kraft usw. usw. Da tritt eine merkwürdige Einheit auf von Peiniger und Gepeinigtem, von Ausnutzer und Ausgenutztem, von Lügner und Belogenem, und es handelt sich keineswegs einfach um die ‚kleinen', vielen, arbeitenden Leute im Gegensatz zu den Oberen.“(Volkstümlichkeit und Realismus [1] [Juni 1938], in: GBA 22, 405 - 413 [407] – Hv. i.O.; vgl. Schmitt 1973, 329 - 336 [330])Im gleichen Sinne schreibt Brecht auch im Buch der Wendungen:„Me-ti empfahl äusserste Vorsicht bei der Anwendung des Begriffes Volk. […]. Für gewöhnlich jedoch schlug er die Bezeichnung Bevölkerung vor, da sie nicht das künstlich Einheitliche hat, das das Wort Volk vortäuscht. Es wird nämlich oft gebraucht, wo eigentlich nur Nation gemeint ist und oder gemeint sein kann, was eine Bevölkerung mit besonderer Staatsform bedeutet. Die Interessen einer solchen Nation sind aber nicht immer die Interessen des Volkes.“(Buch der Wendungen [1934/35 - 1955], in: GBA 18, 45 - 193 [184 f.] – Hv. i.O.) Auch in Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit [Dez. 1934] sagte Brecht: „Wer in unserer Zeit statt Volk Bevölkerung und statt Boden Landbesitz sagt, unterstützt schon viele Lügen nicht. Er nimmt den Wörtern ihre faule Mystik. Das Wort Volk besagt eine gewisse Einheitlichkeit und deutet auf gemeinsame Interessen hin, […]. Die Bevölkerung eines Landstriches hat verschiedene, auch einander entgegengesetzte Interessen, und dies ist eine Wahrheit, die unterdrückt wird. So unterstützt auch, der Boden sagt und die Äcker den Nasen und Augen schildert, indem er von ihrem Erdgeruch und von ihrer Farbe spricht, die Lügen der Herrschenden; denn nicht auf die Fruchtbarkeit des Bodens kommt es an, noch auf die Liebe des Menschen zu ihm, noch auf den Fleiss, sondern hauptsächlich auf den Getreidepreis und den Preis der Arbeit. Diejenigen, welche die Gewinne aus dem Boden ziehen, sind nicht jene, die aus ihm Getreide ziehen, und der Schollengeruch des Bodens ist den Börsen unbekannt. Sie riechen nach anderem. Dagegen ist Landbesitz das richtige Wort; damit kann man weniger betrügen.“(GBA 22, 74 - 89 [81 f.])Trotzdem meinte Brecht, auf das Wort „volkstümlich“ nicht verzichten zu können oder zu sollen (ob er damit richtig lag, sei an dieser Stelle offengelassen): „Volkstümlich heisst: den breiten Massen verständlich ihre Ausdrucksform aufnehmend und bereichernd / ihren Standpunkt einnehmend, befestigend und korrigierend / den fortschrittlichsten Teil des Volkes so vertretend, dass er die Führung übernehmen kann, also auch den andern Teilen des Volkes verständlich / anknüpfend an die Traditionen, sie weiterführend / dem zur Führung strebenden Teil des Volkes Errungenschaften des jetzt führenden Teils übermittelnd.“(Volkstümlichkeit und Realismus [1] [Juni 1938], in: GBA 22, 405 - 413 [408] – Hv. i.O.; vgl. Schmitt 1973, 329 - 336 [331])Vgl. zum Begriff „Volk“auch noch: „Die kommunistische Partei […] muss ausgehen […] von einer klaren Herauslösung der Interessen der unterdrückten Klassen, der Werktätigen, der Ausgebeuteten, aus dem allgemeinen Begriff der Volksinteressen schlechthin, der die Interessen der herrschenden Klasse bedeute“.<LW 31, 132 - 139 [133]; Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur nationalen und zur kolonialen Frage (Für den Zweiten Kongress der Kommunistischen International) [1920]

[5] „Meinen Aufsatz ‚Volkstümlichkeit und Realismus' schicke ich in den nächsten Tagen.“ (Brecht an Kurella)

[6] Siehe GBA 22, 357 - 364 mit herausgeberischem Kommentar auf S. 1013 - 1017.

[7] Siehe: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:101:1-2022110610120578805290, S. 122 - 127.

[8] Siehe zu diesem Unterschied: „Wenn Kommunisten sozialdemokratische Regierungen unterstützen, dann nur, um dazu beizutragen, die Masse der sozialdemokratischen Wähler von parlamentarischen und regierungssozialistischen Illusionen zu befreien als Voraussetzung des aktiven Eingreifens der Arbeiterklasse. Wenn sich Kommunisten an einer Regierung im bürgerlichen Staat beteiligen, dann helfen sie mit, zu alten Illusionen neue hinzuzufügen, indem sie damit auch bei den kommunistischen Wählern die Vorstellung hervorrufen, dass kommunistische Minister in bürgerlichen Regierungen das selbständige Handeln der Arbeiter überflüssig machten.“ (Gruppe Arbeiterpolitik, Vorwort, in: Gruppe Arbeiterpolitik (Hg.), Volksfrontpolitik. Ihre Ursachen und Folgen am Beispiel Frankreichs und Spaniens. Artikel aus dem „Internationalen Klassenkampf“ von 1935 bis 1939, ohne Verlag: Bremen, 1974; https://arbeiterpolitik.de/wp-content/uploads/2023/06/Volksfrontpolitik.pdf, S. I - VIII [V] – Hv. hinzugefügt)

[9] In einem – neben der Druckfassung – ebenfalls überlieferten Typoskript, in dem die Äusserungen des Kunstfreundes und des künstlerischen Produzenten Bloch und Eisler namentlich zugeordnet waren, hiess es – statt „schlechthin entscheidende Rolle“ – „gar nicht zu überschätzende“.

[10] In dem in vorstehender FN 9 genannten Typoskript hiess es – statt „festzustellen“ – „herauszubekommen“.

[11] In dem fraglichen Typoskript hiess es – statt „Aber wir werden jetzt schon uns durchaus nicht genieren“ – „So werden wir uns nötigenfalls gar nicht genieren“.

[12] Friedrich Schiller, Lied von der Glocke, in: ders. (Hg.), Musen-Almanach für das 1800 (https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:32-1-10024418533), 243 - 264 (Retro-Digitalisat der Erstveröffentlichung) sowie in: ders., Werke. Nationalausgabe (im folgenden zit. als NA). Zweiter Band.Teil I, Böhlau: Weimar, 1983, 106, 110 (jeweils: Überschrift) 227 - 239 (Text)undTeil II B, Böhlau: Weimar, 1993, 162 - 174 (herausgeberische Anmerkungen [im folgenden: Anm.];vgl. auch Zweiter Band. Teil I, Böhlau: Weimar, 1983, 479 - 483 (Nachbemerkung), Teil II A., Böhlau: Weimar, 1991, 10 f. (Vorbemerkung zu den Erläuterungen).

[13] Im herausgeberischen Kommentar zu Eislers Gesammelten Werken heisst es zu dieser Stelle (ohne Quellenangabe): „Die Verspottung und Kritik an dem Gedicht ging vor allem vom Schlegelschen Hause aus, wo man beim Anhören des Gedichts ‚fast von den Stühlen fallen wollte vor Lachen'.“ (In der Hanns Eisler Gesamtausgabe [HEGA] sind die Gesammelten Schriften [Serie IX. Band 1] erst bis 1935 erschienen [https://hanns-eisler.de/hanns-eisler-gesamtausgabe/bisher-erschienen/].)Den herausgeberischen Anmerkungen in der Schiller-NA (a.a.O. [FN 12]. Zweiter Band Teil II B, 165 [Nr. 19]) können wir entnehmen, dass das Zitat aus einem Brief von Caroline Schlegel, der damaligen Ehefrau von August Wilhelm Schlegel, an Auguste Böhmer – wohl ihre Tochter aus erster Ehe mit Johann Franz Wilhelm Böhmer – vom 21.10.1799 stammt:„Schillers Musencalender ist auch da, [...] über ein Gedicht von Schiller, das Lied von der Glocke, sind wir gestern Mittag fast von den Stühlen gefallen vor Lachen, es ist a la Voss, a la Tick, à la Teufel, wenigstens um des Teufels zu werden.“(urn:nbn:de:bsz:14-db-id3705156846, Band 1, 568 - 570 [570])Auch Caroline Schlegels damaliger (1799) Ehemann August Wilhelm Schlegel und dessen Bruder Friedrich äusserten sich negativ über Schillers Glocke (ebd., Schiller-NA, a.a.O., 166 f. [Nr. 22 und 25]); siehedie Glocken-Parodie von August Wilhelm Schegel: urn:nbn:de:bvb:12-bsb10115368-3, S. 330 - 331)unddas in der NA angeführte Zitat aus einem Brief (vom 01.04.1802) – genauer: aus der Anlage zu diesem Brief – von Friedrich Schlegel an Rahel Levin (https://doi.org/10.30965/9783657100576_SKAO_SKAO25); die NA zitiert ausschliesslich folgenden Satz aus der Anlage: „Ach wie gefällt die ‚Glocke' dem Volk und die ‚Würde der Frauen'? / Weil im Takte da klingt alles, was sittlich und platt.“ Im Brief selber heisst es: „Ich lege meine gereimten und ungereimten Scherze gegen Schiller hier bei. Er hat es um uns nicht verdient, dass wir ihn schonen.“ (Kritische Friedrich Schlegel-Ausgabe. Fünfundzwanzigster Band. Schöningh / Thomas: Paderborn / München / Wien Zürich, 2009, 345 - 346 [346, Nr. 247])Würde der Frauen ist ein weiteres Gedicht von Schiller (NA. Erster Band, Böhlau: Weimar, 1943 [Neudruck ohne das Gleitwort von NS-Wissenschaftsminister Bernhard Rust: 1956], 240 - 243 [Erste Fassung] mit herausgeberischen Anmerkungen im Zweiten Band. Teil I A, Böhlau: Weimar, 1991, 234 - 237; Zweiter Band. Teil I, 124 [Überschrift], 205 - 206 [Zweite Fassung] mit herausgeberischen Anmerkungen im Zweiten Band. Teil I B, Böhlau: Weimar, 1993, 150 - 151).

[14] urn:nbn:de:kobv:b4-16322-9 / https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_raeuber_1781/7 (Retro-Digitalisat der Erstausgabe von 1781) sowie: Die Räuber. Ein Schauspiel [1782] und Die Räuber. ein Trauerspiel [1782] sowie Die unterdrückten Bogen der Erstausgabe [1881], in: NA. Dritter Band, Böhlau: Weimar, 1953, 1 - 135 und 137 - 236 sowie 237 - 256 (Text), VII - XXI (Einführung), 257 - 459 (Anm.) und 461 - 463 (Inhaltsverzeichnis); Dreiundvierzigster Band. Böhlau: Weimar, 2024, 32 (Korrekturen und Ergänzungen zu den Räubern).

[15] urn:nbn:de:kobv:b4-200905195405 / https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_tell_1804/11 (Retro-Digitalisat der Erstausgabe) sowie: Wilhelm Tell. Schauspiel, in: NA. Zehnter Band. Böhlau: Weimar, 1980, 127 - 277 (Text), 295 - 298 (Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen) und 365 - 528 (Anm.), 541 (Nachbemerkung) und 543 - 546 (Inhaltsverzeichnis); Zehnter Band. Böhlau: Weimar, 2024, 35 - 43 (Korrekturen und Ergänzungen zu Wilhelm Tell).

[16] Ernst Bloch, Diskussionen über Expressionismus, in: Das Wort 6/1938, 103 - 112; vgl. Schmitt 1973, 180 - 191.

[17] Gemeint ist wohl eine Aufführung von Schillers TheaterstückDon Carlos (urn:nbn:de:kobv:b4-200905195365) zur Zeit der NS-Herrschaft, bei der dem Wunsch des Maquis,„Gehn Sie Europens Königen voran. / Ein Federzug von dieſer Hand, und neu / erſchaffen wird die Erde. Geben Sie Gedankenfreiheit — ſich ihm zu Füssen werfend.“(https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_domkarlos_1787/293 – Hv. i.O.; vgl.:Dom Karlos. Infant von Spanien [Erstausgabe von 1887] und Dom Karlos. Thalia-Fragmente 1785 - 1787, in: NA. Sechster Band, Böhlau: Weimar, 1973,5 - 339 und 341 - 543 (Text), 545 - 547 (Inhaltsverzeichnis),Dom Karlos. Infant von Spanien [Hamburger Bühnenfassung von 1887] und Dom Karlos. Infant von Spanien. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen [Rigaer Bühnenfassung von 1887] sowie Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht [1805], in: NA. Siebenter Band.Teil I, Böhlau: Weimar, 1974, 5 - 229, 231 - 358 und 359 - 645 (Text), 647 - 649 (Inhaltsverzeichnis)undTeil II, Böhlau: Weimar, 1986, 5 - 556 (Anm.[zum Sechsten Band sowie zu Teil I des Siebenten Bandes]), 557 (Berichtigungen), 558 (Nachbemerkung), 559 - 560 (Inhaltsverzeichnis).NA. Dreiundvierzigster Band. Böhlau: Weimar, 2024, 32 f. (Korrekturen und Ergänzungen zum Sechsten und Siebenten Band).Publikums-Beifall gezollt wurde.Vgl.:„Im Inneren des heutigen Deutschland freilich ist es für Antifaschisten von grösster Wichtigkeit, die zugelassene Klassik in einem revolutionären Sinn zu interpretieren. Ein Beifall an der bekannten Don-Carlos-Stelle bietet die Möglichkeit, legal gegen die Unterdrückung der Gedankenfreiheit zu demonstrieren.“(Die Kunst zu erben,in: Die neue Weltbühne 1/1938, 13 - 18 [14] – Hv. i.O.; vgl. EGW III/1, 406 - 414 [407])Es folgt danach die oben (S. 5) bereits zitierte Passage, die mit der Frage, „Worin besteht aber unsere Aufgabe ausserhalb Deutschlands?“, beginnt.

[18] Eine Anspielung auf Georg Büchmanns (1822 - 1884; https://www.deutsche-biographie.de/gnd117051993.html#ndbcontent) „Geflügelte Worte. Der Citatenschatz des deutsches Volkes“ (18641 [urn:nbn:de:bvb:12-bsb10575852-0], 191826 [https://bbc.mbp.org.pl/publication/12838]; 3., unveränd. Abdruck 1920 [https://archive.org/details/geflgelteworder00bogcuoft/page/n8/mode/1up]; 193728) (vgl. EGW III/1, 435 [herausgeberischer Kommentar zu S. 433, wo Eisler den Lukács-Satz zitiert]).

[19] Da, falls Dativ Singular („dem Eisler“ – statt Dativ Plural) gemeint gewesen wäre, der bestimmte Artikel überflüssig gewesen wäre, erscheint wahrscheinlich, dass es „den Eislers“ (wo der bestimmte Artikel nötig ist) heissen sollte. Im herausgeberischen Kommentar der GBA wird davon ausgegangen, dass Brechts Plural-Bildung („Die Scholochows und die Thomas Manns“) in der eingangs zitierten Journal-Notiz auf Lukács' verunglückte Pluralbildung („den Eisler“) anspielt: „Bewusste Pluralbildung der Namen: „Lukács hat in seinem Essay Es geht um Realismus (Das Wort, Moskau, Heft 6, Juni 1938) die Wortbildung ‚die Eislers' benutzt“ (GBA 26, 608 [herausgeberischer Kommentar zu S. 313, Zeile 14 f.]).

[20] Im Gegensatz zu Lukács' Forderung,die „Meisterwerke“ der „volkstümlich-realistische[n] Literatur der deutschen Vergangenheit“ „als ein lebendiges und aktuelles Ganzes“ zu übernehmen (a.a.O., 136), war Lenin folgender Auffassung:„In jeder Nation gibt es [...] eine bürgerliche (und in den meisten Fällen noch dazu eine erzreaktionäre und klerikale) Kultur, und zwar nicht nur in Form von ‚Elementen', sondern als herrschende Kultur. Deshalb ist die ‚nationale Kultur' schlechthin die Kultur der Gutsbesitzer, der Pfaffen, der Bourgeoisie. [... Wir] entnehmen [...] jeder nationalen Kultur nur ihre […] sozialistischen Elemente; entnehmen sie nur und unbedingt als Gegengewicht zur bürgerlichen Kultur, zum bürgerlichen Nationalismus jeder Nation.“ (Kritische Bemerkungen zur nationalen Frage[1913], in: LW 20, 1 - 37 [8 f.] – kursive Hv. i.O.; fette Hv. hinzugefügt)MarxistInnen dürfen nicht die „Losung der nationalen Kultur“ aufstellen, sondern müssen „im Gegensatz zu ihr in allen Sprachen [...] die Losung des Internationalismus [...] propagieren“ (ebd., 9 – Hv. i.O.).Und speziell in Bezug auf Tolstoi unterschied Leninzwischen dem, „was Tolstois Vorurteil“ und dem, was „sein Urteil zum Ausdruck bringt“ /zwischen dem, „was an ihm der Vergangenheit“ und dem, was „der Zukunft angehört“,und er postulierte: „sein [Tolstois] Erbe enthält etwas, was nicht dahingegangen ist, was der Zukunft gehört. Dieses Erbe übernimmt das russische Proletariat, an diesem Erbe arbeitet es.“ (L. N. Tolstoi [1910], in: LW 16, 327 - 332 [331]; Hv. hinzugefügt)

[21] Dass die Berichtigung bei der Redaktion tatsächlich eingegangen ist, ist durch überlieferte Reaktionen (GBA 22, 1027 [herausgeberischer Kommentar]), belegt.

[22] Brecht griff diese Formulierung etwas später – in einem etwas längeren Text – wieder auf:„Mit meinem Freund Eisler, der wenigen als blasser Ästhet vorkommen wird, hat Lukács sozusagen den Ofen geputzt, weil er bei der Testamentsvollstreckung angesichts des Erbes nicht die vorgeschriebene pietätvolle Rührung gezeigt haben soll. Er kramte sozusagen darin herum und weigerte sich, alles in Besitz zu nehmen.“(Praktisches zur Expressionsmusdebatte [1938], in: GBA 22, 419 - 423 [420 f.] – Hv. i.O.)

[23] Antwort an Georg Lukacs, in: Die neue Weltbühne 50/1938, 1583 - 1584 (1583); vgl. EGW III/1, 433 - 435 (433).

[24] Zum künstlerischen Konzept der Montage im hier interessierenden Zusammenhang siehe:Walter Delabar, Montage, in: Ana Kugli / Michael Opitz (Hg.), Brecht-Lexikon, Metzler: Stuttgart / Weimar, 2006, 191 - 192undalternative H. 117: Brecht / Eisenstein gegen die Metaphysik des Sichtbaren, Dez. 1977.

[25] „Die ‚Expressionismusdebatte' wurde eröffnet in Heft 9, 1937, mit Aufsätzen von Klaus Mann und Bernhard Ziegler, der auch als Alfred Kurella bekannt ist.“ (Klaus Völker, Brecht und Lukács. Analyse einer Meinungsverschiedenheit, in: Kursbuch 1966, 80 - 101 (99, Endnote 2) und alternative H. 67/68, Okt. 1969, 134 - 147 (147, Endnote 2).„Die
Debatte wurde im September-Heft der Zeitschrift durch Beiträge von Klaus Mann und Alfred Kurella (unter dem Pseudonym Bernhard Ziegler) eröffnet.“ (Raimund Gerz, Die Expressionismusdebatte, in: Jan Knopf (Hg.), Brecht-Handbuch. Band 4: Schriften, Journale, Briefe, Metzler: Stuttgart/Weimar, 2003, 231 - 246 [237 ])

[26] S. 64 - 65: Peter Gorsen / Heiner Boehncke, Zu Wittfogel: Fragen der marxistischen Ästhetik und S. 66 - 80: Karl August Wittfogel, Fragen der marxistischen Ästhetik.

[27] S. 56 - 58: Lu Märten, Zur Frage einer marxistischen Ästhetik und S. 59 - 61: K. A. WittfogeI, Antwort an die Genossin Lu Märten.Siehe zu Märten auch: alternative H. 89, April 1973: Materialistische Literaturtheorie IV[:] Lu Märten zwischen marxschem Arbeitsbegriff und sozialdemokratischer Technikgläubigkeit.

[28] „bei der Entwicklung einer sozialistischen Literatur und Kunst in der Sowjetunion [hat es] zwei verschiedene Linien gegeben […], so wie auch – obwohl nicht in dieser Deutlichkeit – in der Literatur und Kunst der Arbeiterbewegung im Deutschland der Weimarer Republik. Das ist auf der einen Seite die avantgardistische, antitraditionalistische, mit der bürgerlichen Kunst radikal brechende und um eine neue proletarisch-revolutionäre Kunst ringende ,linke' Richtung; und auf der anderen Seite die an die fortschrittlichen Traditionen der bürgerlichen Kunst des 19. Jhs. anknüpfende sogenannte rechte' realistische Richtung.“ (166 – Hv. i.O.)

[29] Siehe dazu: Ästhetik und Kommunikation Heft 5/6 Feb. 1972, 200 (li. Sp.) - 201 (re Sp.) (Nachtrag zur Proletkult-Dokumentation).

[30] a) Personen und von Personen abgeleitete Begriffe wie Bogdanovščina, Eseninščina, Vorooščina usw., (S. 871 - 907) b) Einzelbegriffe, Institutionen, Zeitschriften etc. (S. 908 - 934; die „Einzelbegriffe“ waren in Abschnitt a) des Registers der ersten Auflage nicht verzeichnet) und c) Autorenregister der in den Anmerkungen aufgeführten (S. 935 - 936).

[31] darin u.a. Heiner Boehncke, Zur weiteren Beschäftigung mit S. Tret'jakov (S. 80 [80]): „Tret'jakov untersuchen wir (in einer Arbeitsgruppe des IKA zur materialistischen Ästhetik), weil wir meinen, dass er in seinen theoretischen und praktischen Arbeiten ästhetisch-politische Positionen vertrat, die in den Kämpfen für eine revolutionäre Kunst allgemeine und grundlegende Widersprüche und Schwierigkeiten haben aufdecken können. Die Aktualität dieser Widersprüche erfahren wir in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Bestimmungen von Kunst und Kultur etwa in der DDR auf der einen und in China auf der anderen Seite.“

[32] AUFRUF zur Kommunikation und Kooperation bei der Aufarbeitung der künstlerischen und kulturpolitischen Entwicklung in der Sowjetunion 1917 - 1934.

[33] „Im Lauf der weiteren Entwicklung ergibt sich folgende logische Polarisierung: Die den Proletkult fortsetzende Linie Kuznica-Na postu-RAPP mündet in die Wiederherstellung des traditionellen realistischen Normensystems, in den proletarischen, später Sozialistischen Realismus. Der LEF mit seiner proletarisch-avantgardistischen Konzeption, in der das Programm einer proletarischen Kultur sich mit den Intentionen der Avantgarde verband, hält, solange es die kulturpolitische Situation in der Sowjetunion zulässt, an der Vorstellung des Zusammengehens von künstlerisch fortgeschrittener Technik und gesellschaftlicher Progressivität fest. Die seit 1932 eingeleitete und zwei Jahre später auf dem I. Sowjetischen Schriftstellerkongress bestätigte Entwicklung enttäuschte all diejenigen, die sich vom Sozialistischen Realismus eine breite Synthese von bürgerlich-realistischer, proletarischer und avantgardistischer Kunst erhofft hatten. Um so mehr ist die verdrängte LEF-Linie als linke Alternative zur künstlerisch-kulturellen Restauration, die sich Anfang der 30er Jahre in der Sowjetunion durchsetzte, von aktueller Bedeutung.“ (73 f.)

[34] Zu den Debatten um revolutionäre Kunst und Literatur in der Sowjetunion in den zwanziger Jahren.

[35] „Dieser Text [Volkstümlichkeit und Realismus [2]] sowie Volkstümliche Literatur ([GBA 22, ]415 [- 416]), Ein Problem für die Marxisten (416 [- 417]) und Das Volkstümliche (417) sind vermutlich Vorarbeiten zu Volkstümlichkeit und Realismus (1)“ (GBA 22, 1030 [herausgeberischer Kommentar zu S. 413, Zeile 27]).

[36] Auch schon, bevor die Volksfront-Politik offizielle KomIntern-Linie wurde hatte Brecht geschrieben: „Der Faschismus ist eine historische Phase, in die der Kapitalismus eingetreten ist, […] etwas Neues und zugleich Altes. Der Kapitalismus existiert in den faschistischen Ländern nur noch als Faschismus und der Faschismus kann nur bekämpft werden als Kapitalismus, als nacktester, frechster, erdrückendster und betrügerischster Kapitalismus.Wie will nun jemand die Wahrheit über den Faschismus sagen, gegen den er ist, wenn er nichts gegen den Kapitalismus sagen will, der ihn hervorbringt? Wie soll da seine Wahrheit praktikabel ausfallen?“ (GBA 22, 74 - 89 [77 f.]; Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit [Dez. 1934] – Hv. i.O.)Insbesondere der zweite zitierte Satz war von der KomIntern bzw. Dimitroff schon im Dezember 1933 und August 1935 weiterhin gegebenen gegebenen Faschismus-Definition sehr ähnlich:„Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“(Der Faschismus, die Kriegsgefahr und die Aufgaben der Kommunistischen Parteien, in: XIII. Plenum des EKKI / Dezember 1933. Thesen und Beschlüsse, Verlagsgenossenschaft Ausländischer Arbeiter in der UdSSR: Moskau / Leningrad, 1934, 5 - 20 [5])„Der Faschismus an der Macht, Genossen, ist, wie ihn das 13. Plenum des EKKI [Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale] richtig charakterisiert hat, die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“(Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale im Kampf für die Einheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus [1935])„Der herrschende Faschismus, Genossen, ist, wie ihn das 13. Plenum des EKKI richtig charakterisiert hat, eine unverhüllte terroristische Diktatur der extrem reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“(Der Vormarsch des Faschismus… Bericht auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale am 2. August 1935 in: Georgi Dimitroff, Ausgewählte Werke. Band I, Fremdsprachen Verlag: Sofia, 1967, 605 - 690 [606] – Hv. hinzugefügt)

Endnote :[i] In der (auf Druck- und Satzfehler durchgesehene) Studienausgabe von 1996 der von 1988 - 1992 erschienen, von Walter Jens herausgegebenen 2. Auflage von Kindlers Neuen Literatur-Lexikon heisst es in stilistischer Hinsicht über den Roman:„Zeigen vor allem die ersten Bände des Romans Stilmittel der zeitgenössischen Avantgarde (Zitieren der ‚Wirklichkeit', moderne Metaphorik, Einbeziehung der ‚niederen' Sprache usf.), so ist seine Darstellung, verglichen mit I. Babel' oder B. Pil'njak, im ganzen konservativ. Der Roman knüpft an die realistische Tradition der russischen Literatur des 19. Jh.s an und ist in seiner Bedeutung für den Realismus des 20. Jh.s dem Schaffen J. Galsworthys, T. und H. Manns oder R. Martin du Gards vergleichbar.“(Tichij Don, in: Michail Aleksandroviv Šolochov, in: a.a.O. Bd. 15, 695 - 701 [699 - 701 <700>]; vgl.: Heinz Ludwig Arnold (Hg.), Kindlers Literatur-Lexikon. Bd. 15: Metzler: Stuttgart/Weimar, 20093, 357 - 361 [359 - 360 <360>]; https://doi.org/10.1007/978-3-476-05728-0_19875-1; die ältere Ausgabe enthält deutlich mehr – allerdings v.a. auf Russisch veröffentlichte – [Sekundär-]Literaturangaben)In Band 29 – der 1978 in dritter Auflage auf Russisch und 1982 in englischer Übersetzung erschienenen – Great Soviet Encyclopedia heisst es in der englischen Variante über Scholochow:„The technique used by Sholokhov in depicting the character and fate of Grigorii Melekhov“ – der Hauptfigur des Stillen Don – „played a significant part in the development of the method of socialist realism.“ / „Sholokhov is one of the great masters of the literature of socialist realism.“(Great Soviet Encyclopedia. Vol. 29, Macmillan / Collier Macmillan: New York / London, 1982 [engl. Übersetzung der russ. Ausgabe: Sovetskaia Entsikolpeiia Publishing House: Moscow, 19783], 620 - 621 (620); vgl. https://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Sholokhov%2c+Mikhail+Aleksandrovich)Der Brockhaus schrieb in seiner letzten gedruckt erschienenen Ausgabe über Scholochow:„S[cholochow], der als führender Vertreter des →sozialistischen Realismus gilt, begann mit Novellen über den Bürgerkrieg im Dongebiet. Sein Hauptwerk ist der breit angelegte Roman ‚Tichij Don' […]. In der Person des Haupthelden, des Kosaken Grigori Melcchow, ist der tragisch endende Versuch symbolisiert, die Eigenständigkeit des Kosakentums zw. den Fronten zu erhalten.“(Brockhaus. Enzyklopädie in 30 Bänden. Bd. 24, F.A. Brockhaus: Leipzig / Mannheim, 200621, 414 [li. Sp.])In der DDR-Enzyklopädie Meyers Neues Lexikon hiess es über Scholochow:„Scholochow […,] einer der bedeutendsten Vertreter der Sowjetliteratur und des sozialistischen Realismus […,] begann [… 1925] seine fünfzehnjährige Arbeit an dem grossen Roman ‚Der stille Don' (4 Bde., 1928/40; dt.), der seinen Weltruf begründete. Das Werk […] ist ein gewaltiges Gemälde des Lebens der Donkosaken in dem Zeitraum von 1912 bis 1922. Vor dem Hintergrund der harten sozialen Kämpfe innerhalb der durch tiefe Klassengegensätze gespaltenen Kosakenschaft und des an dramatischen Ereignissen reichen Bürgerkriegs spielt sich das mit grosser Meisterschaft geschilderte tragische Schicksal Grigori Melechows ab, der als Hauptexponent des Romangeschehens, schuldhaft in Irrtümer und Fehler verstrickt [ist], […]. Das humanistische Ethos des Dichters widerspiegelt seine ergreifende Erzählung ‚Ein Menschenschicksal' (1956/57; dt.); mit Andrei Sokolow gelang ihm eine Volksgestalt, die hervorragende Züge des russisch-sowjetischen Menschen verkörpert.“(Meyers Neues Lexikon. Bd. 12, VEB Bibliographisches Institut: Leipzig, 1975, 275 - 276 [275 ; 276 ])
https://archive.org/details/die-brecht-bloch-eisler-lukacs-kontroverse-s-41-glieder/Die%20Brecht-Bloch-Eisler_---_Lukacs-Kontroverse__S_14_-_22_Lit/mode/1up

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