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Band Aid: Helfen bis das Ego platzt | Untergrund-Blättle

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Charitiy-Weihnachtssong Helfen bis das Ego platzt

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Immer wenn man glaubt, schlimmer gehts nicht, dann kommen ein paar deutsche Stars des Weges und beweisen das Gegenteil.

Stets an der Seite der Unterdrückten und Ausgestossenen.
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Bild: Stets an der Seite der Unterdrückten und Ausgestossenen. Bono, Sänger der irischen Rockband U2. / Rui M. Leal (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

25. November 2014

25. Nov. 2014

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Bereits die Meldung, dass die Elite selbstgerechter Spendierhosen-Millionäre mit Bob Geldof und Bono an der Spitze die unsägliche Doof-Menschen-Hymne „Do they know it’s Christmas“ neu einspielt, war gruselig. Dass nun die versammelte Kotzbrockenparade Deutschlands von Campino und Jennifer Rostock über Peter Maffay und Udo Lindenberg bis Sportfreunde Stiller und Silbermond das Lied auch noch für den deutschsprachigen Markt aufgenommen hat, ist mehr als eine gefährliche Drohung.

Zu Weihnachten versuchen wir mal kurz, Menschen zu sein und verlieren dabei den Rest an Menschenähnlichkeit – so kann man Inhalt und Wirkung des seit 1984 wiederholt verwursteten Charity-Hits zusammenfassen. Grauenvoller Kitsch, dessen einziger Sinn es ist, die Platten- und Merchverkäufe der beteiligten MusikerInnen durch Hebung von deren Gutmenschen-Image anzukurbeln. Und nebenbei zementiert man ein Afrika-Bild aus dem 19. Jahrhundert.

Die gröbsten Dummheiten des 1984-Textes wurden dieses Mal ausgebügelt. Damals hiess es ja etwa „thank God it‘s them instead of you“ (Das ist der Spirit der Mitmenschlichkeit!) oder „there won‘t be snow in Africa this Christmas time“ (aha..) oder „Here‘s to them underneath that burning sun“ (ein Prosit auf den Sonnenbrand!).

Das derartigen Charity-Aktionen zugrunde liegende Konzept ist simpel: wir haben eine ungerechte globale Weltordnung, von der die kulturindustriellen Abgreifer aka Stars nicht am wenigsten profitieren. Die singen dann alle zehn Jahre, dass den VerliererInnen dieser Weltordnung ein paar Spenden-Dollars rübergelassen werden sollen. „Die Afrikaner“ können sich nämlich nicht selbst helfen. Wie denn auch, wenn sie nicht mal wissen, dass Weihnachten ist?! Und nachdem in den Köpfen der Menschen wieder das Bild der hilfsbedürftigen AfrikanerInnen und der noblen Charity-Promis gefestigt ist, kann man zur Tagesordnung übergehen. Bis die nächste Katastrophe stattfindet, deren Ursachen in den strukturellen Ungleichheitsverhältnissen dieser Welt liegen.

Dann singt man wieder und zeigt Menschlichkeit und schiebt ein paar Münzen von den Millionen rüber, die man in der Zwischenzeit aufgrund dessen verdient hat, dass die Welt so eingerichtet ist, wie sie eingerichtet ist. Man braucht keine weiteren Worte zu verlieren als jene, die der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka einst ausgesprochen hat: es handelt sich bei der Heiland-Attitüde eines Bob Geldof oder eines Bono um Rassismus in (gar nicht mehr so ) neuem Gewand, und um sonst gar nix.

Aber zurück zum deutschen Christmas-Hilfe-Hit. Wie in der britischen Neuauflage orientiert man sich thematisch naheliegender Weise an Ebola. Aber vor allem geht es um einen „Glühweinstand“, dümmliche Wortspiele („Ärzte , Schmerzen ohne Grenzen“) und Plattitüden („so viel Vielfalt in all den 54 Ländern“). Und es geht immer wieder um die gleiche Frage: Do they know it’t Christmas time at all? Nun, in Guinea und Sierra Leone – neben Liberia vom aktuellen Ebola-Ausbruch am stärksten betroffen – sind 90 bzw. 70 Prozent der EinwohnerInnen muslimischen Glaubens. Möglicherweise ist denen Weihnachten schnurzegal.

Immerhin: wir haben gelernt, dass Afrika kein Land ist, sondern aus ein paar Dutzend Ländern besteht. In der englischsprachigen aktuellen Version ist übrigens von „West Africa“ die Rede. So viel konkretes Wissen wollte man dem deutschsprachigen Publikum dann doch nicht zumuten. In Afrika sterben Menschen – das ist alles was wir wissen müssen. Wie hiess ein anderer Charity-Hit aus den 80ern? Tears are not enough…

Karl Schmal / lcm

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