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Zum Beispiel Balthasar Das Leid des Lebens

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«Zum Beispiel Balthasar» ist ein niederschmetternder Film über den Zweck des Leids in unserem Leben. Robert Bresson gelingt eine deprimierende, schauspielerisch eindrucksvolle Parabel darauf, wie sich ein Herz immer mehr in sich zurückzieht und welchen Wert Konzepte wie Gnade und Milde in der Welt haben.

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19. Januar 2021

19. 01. 2021

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In den 60er Jahren wird in der kleinen Stadt Landes ein Esel geboren, den die Kinder eines lokalen Farmers sogleich in ihr Herz schliessen und auf den Namen Balthasar taufen. Nach dem Tod ihrer jüngsten Tochter verlässt die Familie die Farm und überlässt diese Marie (Anne Wiazemsky) und ihren Eltern, während Balthasar in die Obhut eines neuen Besitzers kommt, der ihn zum Arbeiten zwingt und schlecht behandelt. Durch einen Zufall kann der Esel zur Farm zurückkehren, direkt in die Arme Maries, die ihn behalten will. Jedoch muss die durch einen Gerichtsprozess finanziell ruinierte Familie den Esel ein zweites Mal hergeben, dieses Mal an einen Bäcker, der das Tier zum Ausliefern nutzt.

Der Sohn des Bäckers, ein Teenager namens Gerard (François Lafarge), gehört zu einer Gruppe Halbstarker, die schon des Öfteren in Konflikt mit der Polizei geraten sind. Zudem ist Gerard für die Auslieferungen zuständig, wobei er Balthasar wiederholt schlägt und ausnutzt, bis er auf Marie trifft, die er in einer Beziehung mit ihm zwingt. Während Balthasar krank wird und schon bald nicht mehr richtig laufen kann, sieht sich Marie ausserstande, die Beziehung zu Gerard zu beenden, auch wenn dieser sie nur benutzt. Als dann noch Jaques (Walter Green), der Sohn des ehemaligen Besitzers der Farm, zurückkehrt und seine Kindheitsliebe Marie heiraten will, ist sie eine Andere geworden und weiss nicht, ob sie auf sein Angebot, ihrem bisherigen Leben zu entfliehen, noch eingehen kann.

Das Leid des Lebens

Im Kino des französischen Filmregisseurs Robert Bresson ist das Leid eines der Hauptthemen. Neben einem erhöhten Fokus auf das Schauspiel setzte Bresson ästhetisch auf eine minimalistische Darstellung, die sich besonders in Werken wie Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen oder Pickpocket zeigt. Nachdem Der Prozess der Jeanne d’Arc wenig Anklang bei der zeitgenössischen Kritik gefunden hatte, war dies vielleicht ein willkommener Anlass für den Regisseur, seinen Ansatz generell zu überdenken. Inspiriert von einer Episode aus Fjodor Dostojewskis Roman Der Idiot sollte Zum Beispiel Balthasar eine Geschichte über das Leid als Thema der Existenz generell werden. Das Endergebnis, was von vielen Kritikern gerne als einer der besten Filme des Franzosen gehandelt wird, ist gleichzeitig ein pessimistisches Bild der Welt, in der nur die Starken das Sagen haben.

Wie schon der Titel deutlich macht, liegt Zum Beispiel Balthasar eine parabelhafte Struktur zugrunde. Das Tier, welches wiederholt geschlagen, ausgepeitscht und anderweitig verletzt wird, wehrt sich zu keiner Zeit, es erträgt die Schläge und Gemeinheiten der Menschen, lediglich das gelegentliche Eselsgeschrei mag an die Qualen erinnern, die dieses Wesen ausstehen muss. In der Logik der Welt, wie sie Bresson beschreibt und inszeniert, gibt jenes Geschrei nur Anlass zu härterer Arbeit, zu schlimmeren Repressalien, wie dem Zuschauer dann wieder in teils unerträglichen Bildern klargemacht wird. Anders als in seinen vorherigen Werken, gibt es keine Erzählinstanz, die eine Distanz zum Geschehen möglich machen würde, was die emotionale Wucht des Geschehens verstärkt.

Das verhärtete Herz

Die Landschaft, welche die Kamera Ghislain Cloquets einfängt, ist passenderweise trostlos und karg, gibt wenig Fluchtmöglichkeiten aus einem Kreislauf, in dem die Starken regieren. Bressons Skript zieht eine Parallele zu dem Schicksal Maries und ihrer Familie, die durch den Kontakt mit der Welt immer weiter in den Ruin getrieben werden, zu Aussenseitern werden und wiederholt gedemütigt werden. Besonders Anne Wiazemskys Darstellung zeigt die Entwicklung eines Menschen, der sich emotional immer weiter abschirmt, geradezu verhärtet, wenn man es so nennen kann.

Auf der anderen Seite spielen Darsteller wie François Lafarge, der hier das erste Mal vor der Kamera steht, die Ausbeuter, die Brutalen und die Starken, deren Sadismus Bresson als beinahe logische Konsequenz einer Welt zeigt, die ein solches Verhalten begünstigt.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Zum Beispiel Balthasar

Frankreich

1966

-

95 min.



Regie: Robert Bresson

Drehbuch: Robert Bresson

Darsteller: Anne Wiazemsky, François Lafarge, Philippe Asselin

Produktion: Mag Bodard

Musik: Jean Wiener

Kamera: Ghislain Cloquet

Schnitt: Raymond Lamy

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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