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Yojimbo – Der Leibwächter Die Welt hungriger Hunde

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„Yojimbo – Der Leibwächter“ ist ein Klassiker des Samuraifilms, ein filmische Dekonstruktion des Samurai und einer Ära.

Toshiro Mifune spielt in dem Film die Rolle des Ronin.
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Bild: Toshiro Mifune spielt in dem Film die Rolle des Ronin. / TTPI(Trust Territory of the Pacific Islands) Headquarters (PD)

16. Dezember 2020

16. 12. 2020

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Als Metapher auf die japanische Gesellschaft hat Akira Kurosawas Meisterwerk nichts von seiner bitteren Kraft eingebüsst, was nicht zuletzt auch die zahlreichen Filme und Geschichten erklärt, die sich auf diesen Film des Regisseurs beziehen.

Im Jahr 1860 kommt ein Ronin (Toshiro Mifune), ein herrenloser Samurai in eine kleine Stadt, die kontrolliert wird von zwei verfeindeten Banden, einer angeführt von Seibei (Seizaburo Kawazu), die andere von Ushitora (Kyu Sazanaka). Von dem Wirt der einzigen Gaststätte im Ort erfährt der Krieger, dass die Streitigkeit um die Nachfolge Seibeis, die dieser seinem unfähigen Sohn Yoichiro (Hiroshi Tachikawa) übertragen wollte, der dafür war, dass sich seine ehemalige „recht Hand“ Ushitoras von ihm löste.

Beide kämpfen schon seit Jahren um die Vorherrschaft, werden finanziell gestützt von Geschäftsleuten im Ort, während Bürgermeister und Sheriff tatenlos zusehen oder sich bestechen lassen von einer Seite. Trotz der inständigen Bitten des Wirtes weiterzuziehen beschliesst der Samurai, im Ort zu bleiben und durch geschicktes Ausspielen der einzelnen Parteien nicht nur etwas Geld zu verdienen, sondern auch die Anzahl der Mitglieder der einzelnen Gangs zu reduzieren, denn „es wäre gut, wenn man sie alle schnell loswird“.

Dem Fremden gelingt es durch seine hervorragenden Kampfkünste die Anführer beider Gangs von sich zu überzeugen, sodass sich beide gegenseitig überbieten und ihn auf ihre Seite holen wollen, was wiederum die Fehde weiter anfeuert. Mit dem Erscheinen von Ushitoras Bruder Unosuke (Tatsuya Nakadai), der dem Fremden skeptisch begegnet, ändert sich die Lage für den Samurai allerdings. Besonders gefährlich wird es für ihn, als er beschliesst, einer von Ushitora gekidnappten Frau zu helfen.

Die Welt hungriger Hunde

Nachdem der erste Film seiner 1959 gegründeten Kurosawa Production Company Die Bösen schlafen gut auf wenig Anklang beim Publikum gestossen war, beschloss Akira Kurosawa einen weiteren Anlauf, dieses Mal mit einem Samuraifilm, einem Genre, in welchem er bereits in der Vergangenheit grosse Erfolge feiern konnte. Inspiriert von den Werken des film noir, insbesondere Stuart Heislers 1942 entstandenen Der gläserne Schlüssel, konzentrierte sich Kurosawa auf die Verbindungen von Politik und dem organisierten Verbrechen, die er durch den erzählerischen Rahmen des Samuraifilms aufzeigen wollte. Entstanden ist nicht nur einer der wohl populärsten Filme Kurosawas, sondern ein brutales, düsteres Porträt von Korruption und Opportunismus sowie dem Untergang eines Heldenbilds.

Bereits die ersten Minuten des Films geben einen guten Eindruck von der Welt, in der wir uns befinden. Kaum hat der namenlose Held das Dorf betreten, läuft ihm ein Hund über den Weg, der in seiner Schnauze eine abgetrennte Hand mit sich trägt, ein verstörendes Bild und eine zynische Spiegelung der Sätze einer Bäuerin, die, als sie den Neuankömmling vor den Toren der Stadt sieht, lakonisch kommentiert, die Zeit der „hungrigen Hunde“ sei gekommen.

Kurosawas Inszenierung lässt keinen Zweifel daran, dass jegliche heroischen Werte, speziell der Ehrbegriff als zentrales Motiv des Kodes der Samurai, obsolet geworden sind in einer Welt, in der jeder sich selbst der Nächste ist. Wie um dies zu unterstreichen, trägt jemand wie Unosuke kein Schwert mehr, sondern zieht es vor, seinen meist hilflosen Opfern in den Rücken zu schiessen, begleitet von einem sadistischen Grinsen im Gesicht.

Passend hierzu zeigt Kazuo Miyagawas Kamera eine sehr trostlose Welt, ein Dorf, welches isoliert, abgeschnitten und damit sich selbst überlassen ist. Dies ist ein Platz, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist und das einzige Geräusch neben dem Wind und dem Klirren der Schwerter das Hämmern des Bestatters ist, der an weiteren Särgen für seine stetig wachsende Kundschaft arbeitet.

Die Dekonstruktion eines Helden

Essentiell innerhalb dieses thematischen und ästhetischen Ansatzes ist die Darstellung Toshiro Mifunes, der in Yojimbo eine der besten Rollen seiner langen Karriere spielt. Als Krieger ohne Herr und zudem als Mann ohne Namen (der Name „Kuwabatake Sanjuro“ ist wahrscheinlich ausgedacht) ist er eine Figur ohne jegliche Verpflichtung ausser sich selbst gegenüber, was schlussendlich auch zu dem Mysterium um seine Figur beiträgt.

Dieser Krieger spricht nicht mehr von Ehre, wie bereits gesagt, sondern zeichnet sich durch einen ausgeprägten Geschäftssinn sowie einen Hang zum Opportunismus aus. Wiederholt zeigt ihn die Kamera in einer erhöhten, überlegenen Position, von der aus er die Folgen seiner Taten beobachtet und man nur erahnen kann, was sich hinter der äusseren Fassade dieses Menschen abspielt.

Interessanterweise, aber im Kontext der Handlung logisch, wird jegliches Aufkommen von Moral oder Ehre sogleich bestraft. Skrupellosigkeit, Gefühlskälte und ein Sinn für das Geschäftliche sind die neuen Tugenden, die das Bild der alten Welt, ihrer Werte und Helden, langsam aber sicher verdrängt.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Yojimbo – Der Leibwächter

Japan

1961

-

106 min.



Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Ryuzo Kikushima, Akira Kurosawa

Darsteller: Toshiro Mifune, Seizaburo Kawazu, Eijiro Tono, Hiroshi Tachikawa, Kyu Sazanaka

Produktion: Akira Kurosawa

Musik: Masaru Satō

Kamera: Kazuo Miyagawa

Schnitt: Akira Kurosawa

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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