Wishcraft Drei Wünsche und etliche Tote

Kultur

Für Liebhaber des Teenie-Slasher-Genres ist „Wishcraft“ sicherlich ein – mit wenigen Abstrichen – durchaus unterhaltender Streifen.

Alexandra Holden am Toronto Film Festival, 2011.
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Alexandra Holden am Toronto Film Festival, 2011. Foto: GabboT (CC-BY-SA 2.0 cropped)

8. August 2023
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Ganz in der Tradition der Teenie-Slasher-Movies „Scream“ (I bis III, 1996/97/2000) drehte Danny Graves 2002 seinen ersten und bislang einzigen Kinofilm „Wishcraft“ – mit überwiegend unbekannten Darstellern. Lediglich Zelda Rubinstein als Leichenbeschauerin dürfte einigen als Tangina Barrons aus „Poltergeist“ (I bis III, 1982, 1986, 1988) bekannt sein, darüber hinaus vielleicht noch Austin Pendleton als Geschichtslehrer aus „A Beautiful Mind“ (2001) und „The 4th Floor“ (1999). Und Sänger Meat Loaf darf den örtlichen Sheriff spielen. Allerdings erlangte „Wishcraft“ nicht annähernd den Bekanntheitsgrad der Scream-Serie, was eigentlich nicht verständlich ist, da der Film – hohe Ansprüche an das Genre einmal beiseite gelassen – sicherlich nicht schlechter ist als diese Filme.

Highschool. Teens & Twens. „Wishcraft“ beginnt wie ein mehr oder weniger netter Schulfilm. Brett Bumpers (Michael Weston, „Coyote Ugly“ (2000); , „Das Tribunal“, 2002) gehört eher zur Sorte der ruhigen, gegenüber Mädchen schüchternen Knaben, der sich – wie man so schön sagt – unsterblich in die reizende Samantha (Alexandra Holden, „In & Out“, 1997) verliebt hat. Ihr gibt er – auf Bitten seines Geschichtslehrers Mr. Turner (Austin Pendleton), den Brett sehr mag – Nachhilfe in Geschichte. Allerdings geht Samantha mit dem sportlichen und leicht arroganten Cody (Huntley Ritter) und will von Brett nichts weiter wissen.

Someday in the evening: Brett erhält ein Päckchen, anonym, und findet darin eine Schatulle, in der sich ein alter Ochsenpenis befindet. Auf einem Zettel liest Brett, es handle sich um eine Art Totem, das ihm drei Wünsche nach Wahl erfülle. Zunächst glaubt er nicht so recht daran und hält das Ganze für einen Scherz. Aber warum nicht versuchen? Erster Wunsch: Samantha soll mit ihm zu einem Schülerball gehen. Und siehe da, der Wunsch erfüllt sich. Tatsächlich sagt Samantha dem verdutzten Cody ab und geht mit Brett zum Tanzvergnügen. Zweiter Wunsch: Samantha soll sich in ihn verlieben und Cody den Laufpass geben. Kaum zu glauben, aber plötzlich interessiert sich Samantha nur noch für Brett.

Inzwischen allerdings passiert ein Mord. Auf dem nächtlichen Heimweg mit Freundin wird einer der Schüler der Highschool auf bestialische Weise von einer verkleideten Gestalt ermordet. Der Killer spiesst den Kopf des Schülers auf eine Stange auf dem Golfplatz auf.

Der örtliche Sheriff Sparky Shaw (Meat Loaf alias Michael Aday) beginnt mit den Ermittlungen und vermutet den Täter in den Reihen der Schüler. Denn der Ermordete gehörte zum Freundeskreis von Cody und hatte – wegen eines Mädchens – Ärger mit einem anderen Schüler, der auch bald darauf festgenommen wird, nachdem ein weiterer Schüler Opfer des Killers geworden ist: Eingegraben auf dem Golfplatz – nur der Kopf schaut aus dem Boden heraus – rollt der Mörder mit enormer Kraft eine Bowlingkugel auf sein Opfer, die ihm den Kopf abreisst.

Doch der Sheriff irrt und muss den Verhafteten bald wieder freilassen, nachdem eine Schülerin durch den Killer nachts an einer Ampel mit einem Seil stranguliert worden ist ...

Danny Graves „zerlegte“ die Geschichte in zwei visuell und erzählerisch unterschiedliche Ebenen. Zum einen erzählt er eine nicht sehr spannende Liebesgeschichte zwischen Samantha und Brett, zum anderen zeigt er die nächtlichen Gräueltaten eines maskierten Killers (Kapuze, dunkler Umhang, Totenkopf-Maske), über dessen Motive bis zum Showdown völlige Unklarheit herrscht. Im Dunkeln bleibt auch, was das Totem, der Ochsenpenis mit den drei Wünschen, mit dem Auftreten des Killers zu tun hat. Man weiss zwar von Anfang an, dass beides miteinander zusammenhängen muss, aber eben nicht warum.

Die Highschool-Love-Story ist gespickt mit den sattsam bekannten Klischees solcher Geschichten, wie man sie aus Dutzenden anderer Filme kennt: Eifersucht, unerfüllte Liebe, die entsprechenden Konflikte zwischen Schülern usw. Nichts, aber auch wirklich nichts Weltbewegendes, obwohl man sagen muss, dass Michael Weston und Alexandra Holden nicht schlecht spielen. Auch A. J. Buckley als Howie, bester Freund von Brett, bringt als zynischer und leicht verkorkster Schüler ein bisschen Humor in die ansonsten vor sich hin plätschernde Handlung. Trotz alledem hätte dieser Teil des Films, die Liebesgeschichte, durchaus kürzer ausfallen können.

Die Killer-Szenen sind durchaus mit einiger Phantasie gestaltet worden und wurden nach dem Motto inszeniert: Wir zeigen nicht alles. Der Schrecken entsteht eher durch das, was man ahnt, die den Mord vorbereitenden Szenen, als durch das, was dann tatsächlich gezeigt wird – etwa auch die Szene, in der eine junge Frau nachts nach Hause gehen will und spürt, dass irgend jemand ganz in ihrer Nähe sie verfolgt, bevor der Killer dann an einer ganz unerwarteten Stelle zuschlägt.

Auch der Showdown in einem abgelegenen Ferienhaus ist ganz passabel inszeniert worden. Die Auflösung des Falls – Killer, Motive, Totem und deren Zusammenhang – mutet zwar etwas gewagt an. Doch ich habe ja inzwischen gelernt, dass man in solche Filme – insbesondere was Logik und Motivation anbetrifft – nicht allzu hohe Erwartungen setzen soll.

Für Liebhaber des Teenie-Slasher-Genres ist „Wishcraft“ sicherlich ein – mit wenigen Abstrichen – durchaus unterhaltender Streifen. Und obwohl ich nicht gerade zu den begeisterten Anhängern solcher Filme gehöre, habe ich mich streckenweise ebenfalls gut unterhalten – und meine Ansprüche derweil in der Ecke abgestellt.

Ulrich Behrens

Wishcraft

USA

2002

-

97 min.

Regie: Richard Wenk

Drehbuch: Larry Katz

Darsteller: Michael Weston, Alexandra Holden, A. J. Buckley

Produktion: Larry Katz

Musik: Meat Loaf

Kamera: Luis Avalos

Schnitt: Elgin Burnett