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The National: Mistaken for Strangers | Untergrund-Blättle

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Mitreissendes Porträt über zwei Brüder The National: Mistaken for Strangers

Kultur

Fans der Indiegruppe «The National» werden nur zum Teil mit «Mistaken for Strangers» glücklich werden, denn im Mittelpunkt steht hier das Verhältnis von Frontman Matt Berninger zu seinem Bruder Tom. Das ist mal witzig, dann wieder rührend und gleichzeitig ein entlarvender Blick auf das Leben eines Rockstars.

Matt Berninger von der Indieband «The National» in Göteburg, Schweden, August 2014.
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Matt Berninger von der Indieband «The National» in Göteburg, Schweden, August 2014. Foto: Kim Metso (CC BY-SA 4.0 cropped)

8. November 2014
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Das Album auf Platz 3 der Billboard-Charts, frenetisch gefeierte Auftritte auf der ganzen Welt, ein Fotoshooting mit dem amerikanischen Präsident – da darf man dann schon behaupten, dass The National oben angekommen sind. Die Bühnenshows der Indierocker kennt man, die Lieder ohnehin. Aber wie sind sie so drauf als Menschen? Was heisst es, mit den fünf Männern zusammen unterwegs zu sein?

Die Antwort darauf liefert eine der unterhaltsamsten Musikdokumentation der letzten Zeit: Mistaken for Strangers, benannt nach einem Lied der Band. Hinter der Kamera – und das ist das Besondere – stand jedoch kein professioneller Regisseur, sondern Tom Berninger, der Bruder von Leadsinger Matt. Und der hat so rein gar nichts von seinem berühmten Familienmitglied. Neun Jahre jünger, glühender Metalverehrer („Indie ist eingebildeter Mist“) und Hobbyhorrorfilmmacher hat Tom natürlich einen ganz eigenen Blick auf die Alternativelieblinge. Mehrere Monate war er auf Tour dabei, hauptberuflich als wenig kompetenter Roadie, und hielt bei jeder erdenklichen Situation die Kamera drauf.

«Mistaken for Strangers» ist deshalb auch nur bedingt eine Dokumentation über die Band an sich, sondern gleichzeitig auch ein mitreissendes Porträt über zwei Brüder und ihr kompliziertes Verhältnis zueinander. Musik von The National hören wir natürlich, und zu sehen sind Matt und die anderen auch die ganze Zeit. Doch interessanter ist eben die persönliche Note, die Interaktion zwischen den beiden. Manchmal ist das sogar schreiend komisch, etwa wenn Tom bei seinen Dokumentarversuchen der Band die unsinnigsten Fragen stellt oder den anderen seine Trashhorrorstreifen zeigt, um seine Kompetenz im Filmbereich zu beweisen – und dafür entsetzt-ungläubige Blicke erntet.

Gleichzeitig ist «Mistaken for Strangers» aber auch oft rührend, geradezu traurig. Auf der einen Seite haben wir Matt, der alles erreicht hat: Berühmtheit, Geld, Familie. Und auf der anderen Seite eben Tom, dem nie das Glück hold war, der durchaus aus eigenem Verschulden, aber auch aus Selbstzweifeln und manchmal einfach aus Pech nie seinen Weg gefunden hat. Der immer im Schatten des grösseren, erfolgreicheren, stärkeren Bruders stand, obwohl er eigene Talente hat.

Der Dokumentationsfilm wurde damit auch zu einer Art Selbstbehauptung des Aussenseiters, und man muss es Matt Berninger hoch anrechnen, dass er diesem diese Bühne auch zugestanden hat. Denn anders als man hätte erwarten können, ist Mistaken for Strangers kein PR-Filmchen der Band, oft kommt der Frontmann sogar wenig positiv rüber.

Und so ganz nebenbei wird durch die Gegenüberstellung des naiven Tom mit seinem abgebrühten Bruder auch mächtig am Lack des Rockstarlebens gekratzt. Denn in dem einen Moment auf der Bühne Mikros zertrümmern, sich im nächsten aber darüber aufregen, wenn im Bad Milch und Cornflakes auf dem Boden verschüttet wurden – da leidet schon ein wenig die Glaubwürdigkeit. Doch das ist eben auch das Schöne an dem Film: Er zeigt die Musiker über Umwege als Menschen, nicht als Stars. Verrät, was es heisst, im Mittelpunkt stehen zu müssen. Und unsichtbar daneben.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Mistaken for Strangers

USA

2014

-

75 min.

Regie: Tom Berninger

Produktion: Dawn Barger

Musik: Aaron Dessner

Kamera: Derek Aspenberg

Schnitt: Carin Besser

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