UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

The Doors | Untergrund-Blättle

4182

Kultur

Film von Oliver Stone The Doors

Kultur

Dass Oliver Stone sich für psychedelische Indianer-Rituale interessiert konnte ich bereits Natural Born Killers entnehmen, sein früheres Werk, eine Biographie über Jim Morrison, hatte ich aber bis dato noch nicht gesichtet.

PromoFoto von The Doors.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Promo-Foto von The Doors. Von links - John Densmore, Robby Krieger, Ray Manzarek, Jim Morrison. / Joel Brodsky (PD)

20. Juni 2011
1
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Der Film der den gleichnamigen Titel der bekannten Rockband bei der Morrison Frontman war trägt, bietet aber nicht nur eine verschwommene Darstellung sondern versucht chronologisch den Werdegang des Musikers und Poeten festzuhalten. Der, laut eigenen Aussagen, prägende Autounfall den Morrison als Kind irgendwo in der Wüste von New Mexico erlebt, zieht sich wie bei den Songtexten der The Doors wie ein roter Faden durch den Film.

Schnell wird klar dass Morrison ein intellektuell durchaus begabter Schüler ist, der aber des öfteren durch aufwieglerische und Autoritätsablehnende Bemerkungen auffällt. Seinen Wortschatz und sein Wissen schärft er durch intensives lesen diversester Bücher darunter auch unüblichere Werke der Beat-Generation. Ein richtiges Ventil seiner künstlerischen Seite findet Morrison aber erst in Form von Songtexten die er für die bereits genannte Band schreibt. Der Film, wie auch andere Quellen, vermitteln aber dass The Doors für Morrison im Prinzip nur ein Mittel zum Zweck war und wie der Name schon sagt eben die Türen zu einem anderen Bewusstsein darstellen sollte. Die anderen Bandmitglieder waren nicht immer der Meinung des Querdenkers und der Streifen unterstreicht dies indem er internen Streitigkeiten und das Unverständnis der Anderen auch zeigt.

Val Kilmer hatte bestimmt keine leichte Aufgabe Jim Morrison wieder zum Leben zu erwecken doch schafft er dies m.E. mit Bravour. Sein Schauspiel und das von Michael Madsen, der den amerikanischen Schauspieler und Morrisons Saufkumpanen Tom Baker interpretiert, sind mitunter die besten des Streifens. Erwähnenswert, wenn oft auch etwas lächerlich wirkend, ist übrigens auch die Performance von Meg Ryan als Jim’s Freundin Pamela Courson. Selten habe ich die Schnulzenkönigin in einer für sie solch ungewöhnlichen Rolle gesehen.

Oliver Stone führt uns in seinem Werk von Gig zu Gig lässt allerdings die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht aussen vor. So bekommt Kilmer/Morrison oft auch Raum um seine Weltanschauung zu postulieren, natürlich immer begleitet von meist passenden Songs von den Doors. Weniger gut einfangen konnte Stone meiner Meinung das Flair der 60er selbst. Zwar gibt er uns genügend Hinweise auf die Nixon-Ära und den brodelnden Vietnamkrieg – sogar Andy Warhol bekommt seinen Auftritt – doch kreist Stone zu sehr um Morrison und dessen Drogenexzessen, lässt die restliche Jugend(bewegungen) quasi aussen vor und stilisiert somit den Lizard King zu einen unverstandenen Avantgardisten den die Gesellschaft regelrecht in den Tod trieb.

Schlussendlich sind es 140 ansehnliche Minuten geworden, die sehr gut unterhalten können, für echte Fans des Rebellen aber vermutlich zu wenig und für diejenigen die sich tiefsinnigeren Inhalt wünschten etwas enttäuschend sein könnte.

Lorenz Mutschlechner
film-rezensionen.de

The Doors

USA

1991

-

140 min.

Regie: Oliver Stone

Drehbuch: Randall Jahnson

Darsteller: Val Kilmer, Kyle MacLachlan, Kevin Dillon

Produktion: Bill Graham, Sasha Harari, A. Kitman Ho

Musik: Atticus Ross

Kamera: Robert Richardson

Schnitt: David Brenner, Joe Hutshing

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
Michael Hutchence, Sänger der australischen Rockband INXS.
Mystify: Michael HutchenceDer intensive Blick

25.01.2020

- „Mystify: Michael Hutchence“ ist eine faszinierende Dokumentation über einen Rockstar und dessen intensives Leben auf und abseits der Bühne.

mehr...
Jim Jarmusch im CBGB’s in New York am 30.
Überbordende filmgeschichtliche QuerverweiseThe Limits Of Control

11.05.2010

- Zuletzt unterhielt Jim Jarmusch (Night On Earth, Dead Man) seine Zuschauer mit der Tragikomödie Broken Flowers. Der neue Film des Autorenregisseurs stellt eine Collage aus seinem bisherigen Oeuvre dar.

mehr...
Johnny Depp und Jim Jarmusch am FilmFestival von Cannes, 1995.
Rezension zum Film von Jim JarmuschDead Man

02.05.2012

- Jim Jarmuschs „Dead Man“ ist nicht nur formal ein Western, der gegen fast alle Klischees und Regeln des Genres inszeniert ist: Ein Outlaw wider Willen, ein unfreiwilliger Held, der keiner ist, ein Indianer, der nach körperlichem Aussehen und Mentalität eher als verkleideter Indianer wirkt, drei Killer, von denen einer ein Kannibale, der seine Eltern missbraucht, ermordet und gegessen hat.

mehr...
Erste Gedanken zum Tod von Toni Morrison

09.08.2019 - Am 5. August 2019 starb die US-amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison. Eine erste Annäherung. Ein Mitschnitt aus dem Nachmittagsmagazin für ...

The March of Hope - Interview mit Jim Kroft

14.11.2018 - 2016. Zwei Freunde aus Berlin reisen mit dem Van über die „Balkanroute“ machen dabei Musik und drehen einen Film. Diesen taufen Sie „The March of ...

Dossier: Drogen
Dossier: Drogen
Propaganda
Eat the rich!

Aktueller Termin in Zürich

Buchvernissage, Der Seiltänzer und weitere Geschichten

Was haben ein Wirtschaftskrimineller, ein Philosoph und drei Dämonen gemeinsam? Richtig! Ihren Auftritt im Sphères und damit eine Einladung zur Buchtaufe der besonderen Art. Die drei Autor:innen Iris Kahry, Stephan Germann und Thomas ...

Dienstag, 18. Januar 2022 - 19:30

Sphères, Hardturmstrasse 66, 8005 Zürich

Event in Wien

Vernissage Anat Stainberg: An everlasting performance

Dienstag, 18. Januar 2022
- 19:00 -

Echoraum

Sechshauser Str. 66

1150 Wien

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle