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Serienkritik: »Bruder – Schwarze Macht« | Untergrund-Blättle

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Über Mainstream-Medien und Islamismus Serienkritik: »Bruder – Schwarze Macht«

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Das Promo-Poster der ZDF Mini-Serie »Bruder – Schwarze Macht« wirkt düster: Ein junger Mann, kaum zu erkennen in einem Hoodie hält eine Gebetskette in der Hand.

Hamburg in Miniaturausgabe.
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Bild: Hamburg in Miniaturausgabe. / Torsten Maue (CC BY-SA 2.0 cropped)

13. Februar 2019

13. 02. 2019

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Das öffentlich-rechtliche Fernsehen rückt in vier Kapiteln à 45 Minuten die aktuellen Themen der sogenannten »Integrationsdebatte« in den Fokus: Rassismus, Polizeigewalt und Islamisten.

Gleich in der ersten Szene steigt Sibel (Sibel Kekilli), eine junge deutsch-türkische Polizistin in Hamburg, in den Mannschaftswagen ihrer Hundertschaft, während schwarz gekleidete Demonstrant*innen »Deutsche Polizisten. Mörder und Faschisten« rufen. Sie legt schwitzend ihren Helm ab. „Die Welt ist voller Vollidioten“, sagt ihr Kollege. Die Szene wird nicht weiter kontextualisiert.

Kurz darauf werden Sibel und ihr Kollege zu einem Einsatz gerufen: häusliche Gewalt in einer weissen deutschen Familie. Die verschüchterte Frau möchte keine Anzeige erstatten, ihr Ehemann bedroht sie, woraufhin Sibels Kollege ihn verprügelt. Sibel, die rechtschaffende Polizistin, duldet keine Selbstjustiz und zeigt ihn an.

Die Erstausstrahlung von »Bruder – Schwarze Macht« war beim ZDF im Oktober 2017. Im April 2018 wurde die Serie erneut zur Haupteinschaltzeit um 20:15 Uhr ausgestrahlt. Die erste Message an die Zuschauer*innen im Post-G20-Hamburg: Natürlich gibt es ein paar schwarze Schafe bei der Polizei, aber im Grossen und Ganzen ist das schon ein guter Verein – der Rest von Sibels Koleg*innen sind nämlich nette Polizist*innen von nebenan.

Privat hat Sibel mit der Verschlossenheit ihres jüngeren Bruders Melih (Yasin Boynuince) zu kämpfen, der sich immer mehr von seiner säkularen türkischen Familie distanziert und seinen Glauben radikaler ausrichtet.

Für seinen weissen deutschen Chef präpariert er EC-Karten-Leser um Passwörter auszuspähen. Als er in einen Kiosk geht und den EC-Karten-Leser austauschen will, wird er erwischt. Er landet vor Gericht. Sibel legt bei der Richterin ein gutes Wort für den uneinsichtigen Melih ein. Wir erleben, wie Melih zwar mit weissen deutschen Frauen flirten kann, aber nicht in den Club rein kommt. Wie er in verschiedenen Situationen als »Kanake« oder »Ausländer« beschimpft wird, nicht zuletzt von Sibels Vorzeige-»bad cop-Kollegen. Er erlebt den rassistischen Alltag eines jungen nicht-weissen Mannes in Deutschland.

Sibel lebt jedoch auch ein ganz anderes Leben: Sie hat den deutschen Nachnamen ihres Ehemannes angenommen, ihre Tochter heisst Miriam und nicht Meryem, sie spricht zu Hause nur Deutsch. Sie ist angepasst. Die enge Beziehung ihrer Mutter Berrak (Hürdem Riethmüller) zu ihrem Bruder Melih hält sie für übertrieben.

Verschiedene Erklärungen für Melihs Radikalisierung werden angeboten: In einer Szene fragt sich Mutter Berrak zum Beispiel, ob ihr Sohn kleinkriminell geworden ist, weil ihm die Vaterfigur fehlte. Es ist Melihs bester Freund, Tobi, der im Laufe der ersten Folgen zum Islam konvertiert und sich für radikalere Prediger begeistert. Tobi wird als klassischer Aussenseiter und Mitläufer porträtiert, sonst fehlt von ihm jede biografische Information. Man sieht nur, dass er durch Verschwörungstheorien und Informationen, die in den Mainstream-Medien nicht oder kaum gezeigt werden, langsam abdriftet.

Eine Lektion der Serie scheint zu sein: »Glaube immer den liberalen Mainstream-Medien, sonst wirst du vielleicht Islamist.« Gute Muslime, zum Beispiel der integrierte Imam der Familie, der um das Ansehen seiner Gemeinde bangt, werden gegen böse Muslime, wie aus dem Nahen Osten zurückgekehrte IS-Kämpfer, ausgespielt; gute, angepasste Türk*innen werden den schlechten, sich hier immer diskriminiert fühlenden Türk*innen gegenübergestellt.

Die Charakterentwicklungen sind nicht besonders komplex oder überzeugend. Die individualisierte Erzählung einer schwierigen Geschwisterbeziehung verschweigt wichtige Themen, wie den Umgang des deutschen Staates mit der sogenannten »Gastarbeitergeneration«, die Überausbeutung migrantischer Arbeitskraft, strukturellen Rassismus, rassistische Pogrome oder die NSU-Mordserie, welche primär türkische Männer im Visier hatte.

Dabei verkörpert Sibel die »gute Integration«, Melih die »schlechte Integration«. Der Polizeiapparat ist an sich gutmütig und unterstützend – ein paar schwarze Schafe gibt es in jeder Familie.

»Bruder – Schwarze Macht« kann man sich mal bei grosser Langeweile geben. Gerade als Migrant*in wird man danach jedoch mit mehr Bitterkeit auf die öffentlich-rechtlichen – die wir alle bezahlen müssen – blicken.

Eleonora Roldán Mendívil
lcm

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