Bis 1987 wurde das für die Aluminiumherstellung gebrauchte Mineral in Grönland abgebaut. Die Gewinne flossen zum grössten Teil der Kolonialmacht Dänemark zu. Die Bevölkerung von Grönland hat mit den Folgen des Kryolith-Abbaus für Mensch und Umwelt zu kämpfen. Davon erzählt die Dokumentation "Orsugiak – Grönlands weisses Gold". Der Film schildert die vergessene Geschichte der dänischen Gewinnung von Kryolith in Ivittuut in Grönland. Es ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an dem Kryolith gewonnen werden kann.
„Orsugiak– Grönlands weisses Gold“ ist auch eine Geschichte des dänischen Kolonialismus, über den bis heute vor allem in Deutschland wenig bekannt ist. In der Dokumentation kommen die indigenen Bewohner*innen zu Wort. Sie sprechen über die massiven Profite, die über viele Jahre aus dem Kryolith-Abbau erzielte wurde. Sie flossen an die dänische Kolonialmacht. Wir sehen Szenen in der Doku von Protest und Widerstand. Die Inuit wehren sich dagegen, dass sich eine Kolonialmacht den wichtigsten Rohstoff des Landes aneignet und es bis heute keine Kompensationen gegeben hat. Die Doku hat in Grönland das antikoloniale Bewusstsein gestärkt.
Bei den Wahlen im letzten Jahr bekam auch eine Partei viele Stimmen, die sich klar von Dänemark trennen will, ohne deshalb eine Kolonie der USA zu werden, wie es sich Trump und Co. wünschen. In der kurz aufgeflammten Diskussion über die Machtgelüste des US-Präsidenten auf Grönland wurde in Deutschland oft suggeriert, die grönländische Bevölkerung würde fast geschlossen hinter Dänemark stehen. Auch hier leistet die Doku Aufklärung. Die Zahl der Grönländer*innen wächst, die weder von den USA noch von Dänemark abhängig sein wollen.
Wie brisant die Doku noch immer ist, zeigte sich, als sie im Februar 2025 kurzfristig vom staatlichen dänischen Sender DR aus dem Netz genommen wurde. Als Grund wurde eine angeblich fehlerhafte Grafik genannt, die in der Doku gar nicht zu sehen ist, die aber bei den gezeigten Interviews eine Rolle spielte. Es ging dabei um die Höhe der Gewinne, die die dänische Kolonialmacht mit dem Abbau von Kryolith gemacht hat.
Es handelte sich dabei um ein Detail, das die Kernaussagen der Doku nicht tangiert. Dänemark hat mit dem Abbau des seltenen Minerals grosse Profite gemacht und es hat sich gegenüber den Inuit wie eine Kolonialmacht verhalten. Diesen Befund ist durch viele Fakten gedeckt. Es wäre wünschenswert, wenn es auch in Deutschland mehr Wissen über den dänischen Kolonialismus gegenüber Grönland gäbe. Daher wäre es zu begrüssen, wenn die Doku auch mit deutschen Untertitel versehen vor einem grösseren Publikum gezeigt werden könnte.
Grönland-Schwerpunkt der Umweltzeitung Der Rabe Ralf
Bisher hat nur die Umweltzeitung Rabe Ralf über den Film informiert. Die aus der DDR-Opposition hervorgegangene Umweltorganisation Grüne Liga und ihre Zeitung singen nicht das Hohe Lied des grünen Kapitalismus. Stattdessen ist die aktuelle Ausgabe mit einem Grönland-Schwerpunkt erschienen, der weit in die Geschichte zurückgeht.Von Jared Diamand erfahren wir, warum die auch Nordmänner genannten Wikinger in Grönland scheiterten. Wir lesen davon, warum der Comic-Künstler Herve Tanquerelle nicht von Grönland loskommt. Sehr informativ ist auch das Interview, das Rabe Ralf-Redakteur Johann Thun mit dem Kulturhistoriker Ebbe Volquardsen über europäische Fremdzuschreibung und arktische Selbstbefreiung führte.


