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Mir lönd nöd lugg: Einführung zum Werk Ein Film zwischen Stuhl und Bank

Kultur

Entgegen dem Titel ist „Mir lönd nöd lugg“ (1940) kein Film im Dienst der Geistigen Landesverteidigung, sondern ein Schwank.

Die Nordfassade des Hôtel des Postes in Lausanne, Juli 1937.
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Bild: Die Nordfassade des Hôtel des Postes in Lausanne, Juli 1937. / Photographie De Jongh Lausanne (CC BY-SA 4.0)

29. Juli 2020
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Inhalt: Auf dem Ausflug eines Lausanner Mädchenpensionats verliebt sich Gerda in den jungen Zürcher Hotelier Hans Landolt. Zur Heirat fehlt nur noch die Einwilligung von Gerdas Onkel, der zugleich ihr Vormund ist. Er aber will in seiner Familie keinen Wirt. Mit der Unterstützung des pensionierten Oberkellners, der aus Landolts Hotel ein Kinderheim macht, kommt alles in Ordnung.

Auffallend sind die einige Parallelen zum Film „Füsilier Wipf“ (1938): Hauptdarsteller Paul Hubschmid, der Coiffeurgeselle von damals, ist in diesem Film der junge Hotelier; Lisa della Casa, das Oepfelmeitli von einst, spielt die Verlobte Gerda. Regie führt wiederum Hermann Haller (der sich seinerzeit mit Leopold Lindtberg in die Arbeit teilte).

Ein Film zwischen Stuhl und Bank: Entgegen dem Titel ist „Mir lönd nöd lugg“ kein Film im Dienst der Geistigen Landesverteidigung, sondern ein Schwank. Damit setzte er sich im März 1940 bei der Premiere zwischen alle Stühle: Die Fachkritik warf ihm mangelnde patriotische Gesinnung vor (etwa die Basler Zeitung: „zuwenig aus der spezifisch schweizerischen Atmosphäre heraus konzipiert“), das Publikum, gewöhnt an Ufa-Unterhaltungsfilme und Hollywood Comedies, mied ihn wegen seiner behäbigen Biederkeit.

Tatsächlich fehlt dem Film die Luft, die Weite. Das ist aber nicht primär die Schuld von Regie oder Drehbuch, sondern eine Folge davon, dass in der Schweiz seit Kriegsausbruch im Herbst 1939 alle zusammenhängenden Landstriche als Objekte von militärischer Bedeutung galten und deshalb nicht mehr gefilmt werden durften. Regisseur Haller, dessen Dokumentarfilm „Wehrhafte Schweiz“ 1939 aus eben diesem Grund nicht für den Export freigegeben worden war, legte das Verbot allerdings etwas gar eng aus.

Sehenswert: Mit der restaurierten Kopie hat der Film hat an Bildschärfe und an Kontrast gewonnen, er ist heute vermutlich klarer als vor 60 Jahren. Dies ist sehr gut in der Wirtshaus-Szene gegen Schluss zu erkennen mit dem Guisan Bild oder der Jass-Regel „Stöck Wys Stich“ an der Wand.

Lohnenswert ist des weitern die beinahe anarchistisch anmutenden Zerstörungssequenz, in der eine Kinderschar sich daran macht, das Hotel zu zerlegen - eine Passage, die im alten Schweizer Film einzigartig dasteht, auch wenn sie das mittels

Bettfedern zitierte Vorbild „Zéro de conduite“ von Jean Vigo nicht ganz erreicht.

Ein Genuss ist die Verwendung der Sprache mit zahlreichen alten Dialektausdrücken: „Wär hät mini Klubsässel verschnätzlet?“ / “Ich bin zimli paff“ / „Meh Couraagie“ / „alte Süüderi“, bzw. „Gaggalari“ als Schimpfwörter von einst.

Schliesslich verdienen die Schauspieler ein Lob: Max Knapp, sonst immer nur in kleinen Chargen zu sehen, dreht als pensionierter Oberkellner ganz schön auf. Der spröde Max Werner Lenz hat als Sir Walter ein paar kauzige Momente, bevor er die Muttersprache wieder findet. Und das junge Paar, Paul Hubschmid und Lisa della Casa, agiert hier bedeutend lebendiger als in „Füsilier Wipf“, auf den übrigens in der Sequenz mit dem ersten Kuss amüsant verwiesen wird.

Von Lisa della Casa muss man direkt bedauern, dass sie dem Schweizer Film nicht erhalten blieb, sondern nur kurz Zeit nach den Dreharbeiten von „Mir lönd nöd lugg“ ans Opernhaus Zürich wechselte, von wo aus sie nach Kriegsschluss 1945 via Salzburg und New York ihre internationale Starkarriere antrat.

Felix Aeppli

Quelle: Einführung zur Premiere des restaurierten Films, Solothurner Filmtage (Kino Palace), 24. Januar 2010

Links: https://aeppli.ch/film.html

Mir lönd nöd lugg

Schweiz

1940

-

108 min.

Regie: Hermann Haller

Drehbuch: Rudolf Eger

Darsteller: Paul Hubschmid, Max Knapp, Lisa Della Casa, Max Werner Lenz

Produktion: Neue Interna Film AG, Zürich

Musik: Hans Haug

Kamera: Harry Ringger, Werner Brandes

Schnitt: Hermann Haller

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