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Marketa Lazarová Von Schlangen, Wölfen und Engeln

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„Marketa Lazarová“ ist ein visueller und narrativer Kraftakt von einem Film.

Der tschechische Schauspieler Zdeněk Štěpánek (hier 1931) leiht dem Film seine Stimme als Erzähler.
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Bild: Der tschechische Schauspieler Zdeněk Štěpánek (hier 1931) leiht dem Film seine Stimme als Erzähler. / Atelier Balzar 1931 (PD)

28. August 2020

28. 08. 2020

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František Vláčil hat ein zeitloses Werk geschaffen über den Wert der Unschuld sowie einen Blick auf eine Welt, die in vielen anderen Geschichten noch idealisiert wird, aber nie so dargestellt wurde, wie es in diesem Film geschieht. Die eindrucksvollen Schwarz-Weiss-Kontraste sowie die reiche, an Christentum angelehnte Symbolwelt runden diese Geschichte ab, die ihren Zuschauer nicht unbewegt lassen dürfte.

Im 13. Jahrhundert ist die Landschaft Böhmen geprägt von den Herrschaftsbereichen einzelner Edelmänner, die zwar per Gesetz dem König verpflichtet sind, doch praktisch innerhalb ihres Gebietes eigenes Recht praktizieren. Für jemanden wie Kozlík (Josef Kemr) und seine viele Söhne und Töchter ist es gerade in den Wintermonaten zu einem wichtigen Lebensunterhalt geworden, Reisende auszurauben, jedoch haben sich seine Söhne Mikoláš (František Velecký) und Adam (Ivan Palúch) ein denkbar schlechtes Ziel für ihren aktuellen Raub auserkoren.

Nicht nur, dass sie ausgerechnet die Kutsche eines wichtigen Verbündeten des böhmischen Königs, des Bischofs von Hennau, überfallen, sie nehmen auch dessen Sohn und einen Diener als Gefangene mit in die Festung ihres Vaters. Da der Bischof dem König bald Bericht erstatten wird, rechnet Kozlík mit einem Angriff des Hauptmanns (Zdeněk Kryzánek) und seiner Männer, sodass er beschliesst, sich unter seinen Nachbarn rasch Verbündete zu suchen. Mikoláš soll daher bei Lazar (Michal Kožuch), ebenfalls ein Edelmann, um dessen Unterstützung werben, die dieser ihm jedoch verweigert und Kozlíks Sohn von seinen Männern verprügeln lässt.

Diese Schmach lässt Kozlík nicht auf sich sitzen und befiehlt seinerseits die Entführung von Lazars Tochter Marketa (Magda Vášáryová), eine Jungfrau, die Lazar wegen ihrer Reinheit dem nahen Kloster versprochen hatte. Damit provoziert er nicht nur einen handfesten Streit mit seinem Nachbarn, sondern auch eine Reaktion des Königs, der den Befehl an den Hauptmann gibt, Kozlík ein Ende zu setzen.

Von einem stummen Gott

Als 1967, ein Jahr vor den Ereignissen des Prager Frühlings, František Vláčils Marketa Lazarová in die Kinos kam, war dies ein besonderes Ereignis für das europäische Kino. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Autor Vladislav Vančura legte Vláčil Wert auf eine möglichst authentische Darstellung dessen Welt und Zeit, sodass beispielsweise vor historischer Kulisse, vor Burgen und Schlössern gefilmt wurde und eine wahre Heerschar von Komparsen mit historischen Kostümen ausgestattet werden musste.

Dieser logistische und finanzielle Kraftakt mündete in einem Werk, welches für seine Zeit und auch heute noch einzigartig ist, zum einen das Bild einer Epoche und ihrer Hierarchien und zum anderen eine Geschichte darüber, was es heisst, seine Unschuld in einer Welt zu bewahren, die der Sünde verfallen ist.

Die Welt, in die uns Vláčil in seinem Werk entführt, zeigt eine Version des Mittelalters, die der Realität wahrscheinlich am nächsten kommt. Insgesamt ist die böhmische Landschaft geprägt von Räuberbanden, Edelmännern, die dies nur dem Namen nach her sind, sowie einer Obrigkeit, repräsentiert durch den Hauptmann, der auf den eigenen Vorteil bedacht ist und dafür auch einmal Befehle des Königs missachtet. Darüber hinaus ergeben die verschiedenen Fehden zwischen Familien das Bild einer sich ständig im Konflikt oder im Krieg befindenden Gesellschaft ab, wie es an einer Stelle auch beschrieben ist.

Es ist eine Welt, in der man überleben muss und in der das Recht des Stärkeren gilt oder man genug Geld besitzen muss, damit man sich stark nennen kann. Wie um dies zu bestätigen zeigt Bedka Batkas Kamera diese Welt als geradezu lebensfeindlich, mit Matsch oder Schnee bedeckt, in der selbst auf freier Fläche der Tod für einen lauern kann.

Entgegen der Gottesfrömmigkeit vieler der Figuren, allen voran die von Magda Vášáryová gespielt Marketa und der von Vladimir Menšik gespielte, wandernde Mönch Bernhard, scheint zumindest der barmherzige Gott diese Welt verlassen zu haben. An seiner Stelle kommt der strafende Gott, einer, den jeder der Figuren, wie es einmal heisst, im Herzen trägt und dessen Allgegenwart sich im Dreck, im Elend und in der Gewalt zeigt.

Von Schlangen, Wölfen und Engeln

Von daher kommt es nicht von ungefähr, wenn die Unschuld und Reinheit fast so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Der Liebesakt wird begleitet vom Bild einer Schlange, jedoch ist es passenderweise der Mensch, in diesem Falle Kozlíks Sohn Adam, der seine Auserwählte beisst und im übertragenen Sinne die Sünde überträgt. Eine Figur wie Marketa in ihrer Jugend und Unschuld ist in dieser Welt schutzbedürftig, was auch ihr Vater erkannt hat, der sie wie seinen Augapfel bewacht und ihr den Aufenthalt ausserhalb der Festungsmauern verbietet.

Jedoch scheinen die Überlebenschancen dieser Reinheit fraglich. Das Weiss eines Schafsfells oder eines Kleids wird sogleich befleckt, meist mit Blut oder Dreck. Die Wölfe dieser Welt sind stets auf Blut aus, warten nur darauf, dass sie zuschnappen können.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Marketa Lazarová

Tschechoslawokei

1967

-

165 min.



Regie: František Vláčil

Drehbuch: Vladislav Vančura

Darsteller: Magda Vášáryová, Josef Kemr, František Velecký

Produktion: Josef Ouzký

Musik: Zdeněk Liška

Kamera: Bedka Batka

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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