UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

King Of Devil’s Island | Untergrund-Blättle

3007

Rezension zum Film von Marius Holst King Of Devil’s Island

Kultur

Nach wahren Begebenheiten schildert der dramatische Film «King Of Devil’s Island» von Marius Holst die Zustände in und um die Besserungsanstalt für Jugendliche auf der Insel Bastøy in Norwegen.

Leuchtturm auf der norwegischen Insel Bastøy.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Leuchtturm auf der norwegischen Insel Bastøy. / Ulflarsen (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

8. März 2016
0
0
3 min.
Drucken
Korrektur
Der wegen Mordes verhaftete junge Erling (Benjamin Helstad) wird mit anderen Neulingen auf die Insel gebracht und beginnt sogleich sich den strengen Regeln zu widersetzen. Dass er bei seinen Revolten und Fluchtversuchen oft an die Grenzen zu stossen scheint und ständig seine ganze Gruppe mit in den Schlamassel zieht, scheint ihn nur wenig zu kümmern. Sogar der seelenruhige, strenge Direktor Bestyreren (Stellan Skarsgård) wird von dem ungewohnten Widerstand aus der Bahn geworfen. Doch für Erling zählt am Ende noch mehr als nur seine eigene Freiheit: Freundschaft, für die es sich zu sterben lohnt.

Welche Landschaft eignet sich besser für solch dramatische Szenen, als die Norwegens? Der eisige Winter, die karge Landschaft und die schaurigen, mit Nebel behangenen Fjorde bieten eine atemberaubende Kulisse, um die einst wahrhaftigen Szenen wieder neu aufleben zu lassen. Die frostigen Temperaturen kriechen nicht nur den Protagonisten ins Gemüt, auch den gefesselten Zuschauer erreichen die schrecklichen Umstände wie ein herunterschmetterndes Hagelkorn.

Die erstklassigen Darsteller, welche sich perfekt in die Rollen einfügen, tragen dazu bei, dass es sich bei King Of Devil’s Island um einen Geheimtipp handelt. Der vermeintlich aalglatte Direktor gespielt von Stellan Skarsgård, der Revoluzzer Erling alias Benjamin Helstadt oder der seine Macht ausnutzende Heimleiter Brathen (Kristoffer Joner) sind so tief in ihre Rollen eingestiegen, dass nicht der geringste Zweifel aufkommt man befände sich tatsächlich in einer streng geführten Besserungsanstalt mit christlichen Grundsätzen. Die reale Grundlage verpasst der Geschichte die restliche, nötigte Ernsthaftigkeit und wieder einmal ist man froh, dass man in einem behüteten Elternhaus gross geworden und einem so etwas erspart geblieben ist.

Durch die geradlinige Story ist es ein leichtes dem Film zu folgen, und doch ist man immer wieder überrascht wie sich die brisanten Ereignisse entwickeln. Vom ersten Eindruck „Ok Erling, halte dich einfach an die Regeln und wir erleben einen recht gemütlichen Film miteinander“ bis zum Finale „Pack dir den alten Sack und hau drauf!“ ist alles mit dabei. Am Ende ist man froh, dass es überhaupt etwas gibt, über das man sich ein wenig freuen kann.

Absolut sehenswert, hervorragend besetzt und fesselnd in jeder seiner 116 Minuten. Die bedrückende Begeisterung über diesen Film wird noch lange anhalten und sobald diese abflacht, ist es Zeit die DVD ein weiteres Mal einzulegen. Die deutsche Synchronisation ist annehmbar, doch empfehle ich den Originalton mit deutschen Untertiteln, da sonst einiges an Authentizität verloren geht.

Sebastian Krause
film-rezensionen.de

King of Devil's Island

Norwegen, Frankreich

2010

-

116 min.

Regie: Marius Holst

Drehbuch: Dennis Magnusson, Eric Schmid

Darsteller: Stellan Skarsgård, Kristoffer Joner, Benjamin Helstad

Produktion: Karin Julsrud

Musik: Johan Söderqvist

Kamera: John Andreas Andersen

Schnitt: Michal Leszczylowski

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
Paul Verhoeven im Jahr 2011 in Cannes.
Sci-Fi-Film von Paul VerhoevenStarship Troopers

15.08.2009

- Zugegeben, der Titel klingt nach billigem 2D Computerspiel, dahinter steckt jedoch etwas völlig anderes. In “Starship Troopers” wird eine futuristische Welt, die unserer ähnelt, bedroht. Nicht von typischen Alien oder einem anderen Volk, nein, riesi

mehr...
Der dänische Filmregisseur und und Drehbuchautor Lars von Trier am Berliner Film Festival 2014.
Rezension zum Film von Lars von TrierBreaking The Waves

01.05.2013

- Wenn ich mich richtig erinnere bezeichnete Lars von Trier einmal Breaking The Waves als seinen zugänglichsten Film und wenn man so will als das „Mainstreamigste“ das er je auf Zelluloid gebannt hat.

mehr...
Chernobyl Zone, Mai 2010.
Ein Plädoyer gegen AtomkraftChernobyl

18.06.2019

- „Chernobyl“ rekonstruiert die Ereignisse von der ersten grossen Nuklearkatastrophe der Menschheit im Jahr 1986.

mehr...
Norwegen tötet mehr Wale als Japan und Island zusammen.

16.06.2016 - Norwegen hat in den letzten beiden Jahren mehr Wale getötet als Japan und Island zusammen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die ...

Weltoffen rassistisch - Norwegen 5 Jahre nach dem Massaker von Breivik

24.07.2016 - Am Freitag jährten sich die Morde von Anders Breivik in Norwegen zum fünften Mal. Bei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya tötete er 77 ...

Dossier: Drogen
cyclonebill
Propaganda
Burger Würger

Aktueller Termin in Leipzig

Buchvorstellung | Brasilien über alles - Bolsonaro und die rechte Revolte

translib

Montag, 27. Juni 2022 - 19:00 Uhr

translib, Goetzstraße 7, 04177 Leipzig

Event in Mainz

Attila the Stockbroker

Montag, 27. Juni 2022
- 21:00 -

Hafeneck

Frauenlobstraße 93

55118 Mainz

Mehr auf UB online...

Brennender Block in Charkiw, März 2022.
Vorheriger Artikel

Russland und sein totalitäres Machtgefüge

Krieg, Faschismus und Emanzipation

Das Film-Team der finnischen Tragikkomödie „Die andere Seite der Hoffnung“ auf der Berlinale 2017.
Nächster Artikel

Die andere Seite der Hoffnung

Melancholie und lakonischer Witz

Untergrund-Blättle