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Satirisch-tragisches Biopic über Silvio Berlusconi Loro

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In „Loro“ macht Paolo Sorrentino das, was er am besten kann: Er zeigt die Welt der Schönen und Reichen als satirisch-surrealen Rausch der weltfremden Eitelkeiten. Das ist wie gewohnt grandios anzusehen, hat unglaubliche Einzelmomente.

Silvio Berlusconi, Dezember 2008.
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Bild: Silvio Berlusconi, Dezember 2008. / European People's Party (CC BY 2.0 cropped)

24. September 2018

24. 09. 2018

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Dieses Mal fehlt es jedoch an einem roten Faden und einer durchgängigen Geschichte. Und auch die sehr melancholische Note ist in dem neuen Werk des gefeierten italienischen Filmemachers ungewohnt.

Profitabel waren die bisherigen Geschäfte von Sergio (Riccardo Scamarcio) ja. Er betreibt einen kleinen Callgirl-Ring, den er mit Vorliebe einsetzt, um bei Politikern hier und da Gefallen einzufordern. Doch das reicht ihm nicht, mit den lokalen Projekten soll jetzt Schluss sein, er will jetzt endlich auch oben mitmischen und etwas bewirken. Vor allem für sich selbst. Und er weiss auch schon wie: mithilfe von Silvio Berlusconi (Toni Servillo). Der ist zwar längst kein Ministerpräsident mehr, zieht hinter der Kulisse aber immer noch zahlreiche Fäden. Oder glaubt das zumindest. Dessen Comebackversuch gestaltet sich aber schwieriger als zuvor erhofft. Und dann wären da noch die ewigen Streitigkeiten mit seiner Frau Veronica (Elena Sofia Ricci), die am liebsten schon längst die Koffer gepackt hätte.

Eigentlich ist Paolo Sorrentino ja einer, der auf den roten Teppichen der grossen Filmfeste chauffiert werden müsste. Schliesslich geniesst kaum ein europäischer Regisseur derzeit das Renommee wie der italienische Oscar-Preisträger. Doch nachdem seine letzten beiden Werke «La Grande Bellezza – Die grosse Schönheit» und «Ewige Jugend» in Cannes debütierten, war sein neuester Film auf keinem der grossen Filmfeste vertreten, zumindest in der ursprünglichen Form. Die kam im Frühjahr auf zwei Teile verteilt in die italienischen Kinos. Eine auf 145 Minuten zusammengekürzte Fassung – man will ja schliesslich bei den Oscars mitmischen – folgte erst im Herbst und wurde zumindest in dieser Form auf diverse Festivals eingeladen.

Satire nach bekannter Machart

Während einen das Drumherum etwas verwundern mag, ist Loro inhaltlich ein echter Sorrentino. Dass sich der Filmemacher gerne mal der Leute da oben annimmt und auf eine wenig schmeichelhafte, satirische Weise darstellt, das ist bekannt. Das war in all seinen Filmen so, auch die gefeierte Serie «The Young Pope» wich davon nicht ab. Warum es also in seinem achten Spielfilm anders machen? Zumal sein Protagonist Silvio Berlusconi dafür wie gemacht ist, selbst ohne künstlerische Bearbeitung war der ebenso mächtige wie eigensinnige Politiker und Medienmogul eine mindestens groteske Figur.

Sorrentino kann es sich dann auch leisten, den Mann nicht beim Namen zu nennen. Bis der Vorname das erste Mal fällt, ist ein guter Teil des Films vorbei. Den Nachnamen nimmt überhaupt keiner in den Mund. Mehr noch, Berlusconi selbst ist auffallend abwesend, ist ein Mann, über den alle sprechen, den wir aber erst nach einem Drittel von Loro zu Gesicht bekommen. Das passt gut zu einem Menschen, der wie kaum einer die italienische Gesellschaft geprägt hat, bis in die verschiedensten Bereiche des Lebens hinein, ohne dass man es merkt. Und zumindest im ersten Drittel, wenn die Figur nicht Teil des Geschehens ist, sondern nur als dritte Person in Erscheinung tritt, gleicht er einem Phantom, vor dem alle in Ehrfurcht erstarren.

Das Wunder der Melancholie

Umso grösser ist der Kontrast zu dem Berlusconi, wie wir ihn später kennenlernen. Ja, er ist der eitle Machtmensch, der in seiner eigenen Welt lebt. Und doch ist er auch eine tragische Gestalt, die es zwar versteht, anderen Leuten etwas zu verkaufen. Die am Ende aber doch irgendwie nichts hat, zum Gespött wird, den niemand wirklich mag. Zwei Seiten einer Medaille, die nicht zusammenpassen, die das vielleicht auch gar nicht sollen. Loro fällt allgemein dadurch auf, dass es hier keinen roten Faden gibt.

Dass der Film in so viele Einzelbestandteile zerfällt, bis man gar nicht mehr so genau sagen kann, wovon bzw. von wem er überhaupt handelt. Der anfangs noch so prominent gezeigte Sergio beispielsweise wird später fallen gelassen, ohne dass er je eine Rolle gespielt hätte. Das Biopic ist oftmals mehr ein Querschnitt als ein Porträt, ein Einblick in einen ganzen Kosmos, von dem man gern noch viel mehr gesehen hätte.

Was natürlich auch damit zusammenhängt, dass Loro grandios aussieht. Keiner versteht es wie Sorrentino, die Reichen und Schönen derart in Szene zu setzen, Augenblicke zu schaffen, die geradezu surreal atemberaubend sind. Bilder, die gleichzeitig einzigartig und unverkennbar sind. Vor allem die rauschenden Partys, ein beliebter Spielplatz in den Werken des Filmemachers, sind cineastische Gemälde, an denen man sich kaum sattsehen kann. Und doch sind es eher die intimeren Momente, die diesmal nachhallen, von Melancholie und Einsamkeit geprägt sind. Die Momente, wenn die Party längst vorbei ist, die Gäste gegangen und einem nur der Blick in die Nacht bleibt, auf die erloschenen Erinnerungen und Träume.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Loro

Italien

2018

-

204 min.



Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello

Darsteller: Toni Servillo, Elena Sofia Ricci, Riccardo Scamarcio

Produktion: Francesca Cima, Nicola Giuliano

Musik: Lele Marchitelli

Kamera: Luca Bigazzi

Schnitt: Cristiano Travaglioli

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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