Krawall Autonome Räume, Polizeigewalt, Protest: Die Zürcher 68er und ihre Folgen
Kultur
Der Film «Krawall» von Jürg Hassler (1970) über die Zürcher Jugendbewegung der 68er zählt bis heute zu den prägenden Klassikern des Schweizer Szene-Kinos.

Mehr Artikel
Der Schweizer Fotograf und Filmregisseur Jürg Hassler, 2008. Foto: Steff Gruber (CC-BY-SA 3.0 unported - cropped)
0
0
In Zürich entzündete sich der Protest vor allem an der Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum (AJZ). Inspiriert von den Jugendkrawallen in Berlin und Paris, besetzten Zürcher Jugendliche das leerstehende Globus-Provisorium auf der Bahnhofbrücke – heute bekannt als Standort des Coop – und setzten damit ein politisches Zeichen.
Die anschliessende Strassenschlacht mit der Polizei, die von den Jugendlichen als Handlanger eines repressiven Systems wahrgenommen wurde, markierte den Beginn einer politischen Jugendbewegung, die auch die etablierten Institutionen der Stadt verändern sollte. Beteiligt waren nicht nur Student:innen, sondern auch Lehrlinge, Schüler:innen und progressive, nonkonformistische Kräfte.
Doch der Kampf um Freiräume und autonome Orte wie das AJZ, der Bunker, die Riviera oder das Drahtschmidli war damit nicht beendet. Die Bewegung schwelte in den 1970er-Jahren weiter und erreichte in den 1980er-Jahren mit den Opernhaus-Krawallen einen weiteren Höhepunkt. «Krawall» dokumentiert somit nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch den Geist einer Generation, die die Gesellschaft nachhaltig prägte.
«Hassler hat sein Filmmaterial damals bei einem befreundeten Anwalt versteckt (...). Der Film kam dann erst 1970 heraus, als Premiere an den Solothurner Filmtagen. Trotzdem wurde Krawall danach an Hunderten Veranstaltungen im ganzen Land gezeigt – im Parallelverleih als erster Schweizer Film der neu gegründeten Filmcooperative.» (Kathrin Halter, Cinébulletin, 6.1.2022)
Krawall
Schweiz
1970
-65 min.
Regie: Jürg Hassler
Drehbuch: Jürg Hassler
Produktion: Jürg Hassler
Kamera: Eduard Winiger, Jürg Hassler
Schnitt: Jürg Hassler
9639


