UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Krawall

Krawall Autonome Räume, Polizeigewalt, Protest: Die Zürcher 68er und ihre Folgen

film-677583-70

Kultur

Der Film «Krawall» von Jürg Hassler (1970) über die Zürcher Jugendbewegung der 68er zählt bis heute zu den prägenden Klassikern des Schweizer Szene-Kinos.

Der Schweizer Fotograf und Filmregisseur Jürg Hassler, 2008.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild vergrössern

Der Schweizer Fotograf und Filmregisseur Jürg Hassler, 2008. Foto: Steff Gruber (CC-BY-SA 3.0 unported - cropped)

Datum 1. Mai 2026
0
0
Lesezeit2 min.
DruckenDrucken
KorrekturKorrektur
Er fängt die aufbegehrende Stimmung einer Generation ein, die im Frühjahr und Sommer 1968 nicht nur in Europa, sondern auch in Zürich die gutbürgerlichen, konservativen und patriarchalen Werte des Establishments der 50er- und 60er-Jahre herausforderte. Es war ein Aufstand gegen Autorität und Unterdrückung, ein Kampf um Freiräume und Selbstbestimmung.

In Zürich entzündete sich der Protest vor allem an der Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum (AJZ). Inspiriert von den Jugendkrawallen in Berlin und Paris, besetzten Zürcher Jugendliche das leerstehende Globus-Provisorium auf der Bahnhofbrücke – heute bekannt als Standort des Coop – und setzten damit ein politisches Zeichen.

Die anschliessende Strassenschlacht mit der Polizei, die von den Jugendlichen als Handlanger eines repressiven Systems wahrgenommen wurde, markierte den Beginn einer politischen Jugendbewegung, die auch die etablierten Institutionen der Stadt verändern sollte. Beteiligt waren nicht nur Student:innen, sondern auch Lehrlinge, Schüler:innen und progressive, nonkonformistische Kräfte.

Doch der Kampf um Freiräume und autonome Orte wie das AJZ, der Bunker, die Riviera oder das Drahtschmidli war damit nicht beendet. Die Bewegung schwelte in den 1970er-Jahren weiter und erreichte in den 1980er-Jahren mit den Opernhaus-Krawallen einen weiteren Höhepunkt. «Krawall» dokumentiert somit nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch den Geist einer Generation, die die Gesellschaft nachhaltig prägte.

«Hassler hat sein Filmmaterial damals bei einem befreundeten Anwalt versteckt (...). Der Film kam dann erst 1970 heraus, als Premiere an den Solothurner Filmtagen. Trotzdem wurde Krawall danach an Hunderten Veranstaltungen im ganzen Land gezeigt – im Parallelverleih als erster Schweizer Film der neu gegründeten Filmcooperative.» (Kathrin Halter, Cinébulletin, 6.1.2022)

Krawall

Schweiz

1970

-

65 min.

Regie: Jürg Hassler

Drehbuch: Jürg Hassler

Produktion: Jürg Hassler

Kamera: Eduard Winiger, Jürg Hassler

Schnitt: Jürg Hassler

9639