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Rezension zum Film von Julian Schnabel Miral

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Der Nahostkonflikt ist komplex. Man bräuchte Stunden, um ihn in einen Spielfilm zu erklären. Julian Schnabel hat mit Miral nun zumindest den Versuch unternommen, die palästinensische Seite zu beleuchten.

Julian Schnabel mit der Schauspielerin Freida Pinto, die im Film die Person der Miral spielt (r.
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Bild: Julian Schnabel mit der Schauspielerin Freida Pinto, die im Film die Person der Miral spielt (r. i. B.). / nick step (CC BY 2.0)

14. Oktober 2011

14. 10. 2011

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Kein leichtes Unterfangen, ist das Bild in der westlichen Medienöffentlichkeit doch sehr belastet. Aber vielleicht ist ja Schnabel genau der richtige: er hat jüdische Wurzeln und kann dadurch nicht dem Vorwurf des Vorurteils bezichtigt werden. Um einen glaubwürdigen Film zu drehen hat der New Yorker Künstler und Regisseur den autobiografischen Roman von Rula Jebreal verfilmt, die ihren Roman gleich selbst als Drehbuch adaptiert hat.

1947: Die wohlhabende Hind (Hiam Abbass) nutzt ihre Macht und ihren Einfluss um eine Schule für palästinensische Waisenkinder zu bauen und bekommt davon auch Unterstützung von Eddie (Willem Dafoe). 1967: Nadia (Yasmine Al Masri) hat die Vergewaltigungen als Dienstmädchen satt und flieht. Doch die Alkoholikerin und Tänzerin landet im Gefängnis nachdem sie einer Frau die Nase gebrochen hat. Dort lernt sie die Terroristin Fatima (Ruba Blal) kennen, in deren Bruder Jamal (Alexander Siddig) sie sich verliebt und den sie nach ihrer Haftstrafe heiratet. 1987: Miral (Freida Pinto), die Tochter des Witwers Jamal, ist eine Schülerin auf Hinds Schule und ist in den Aktivisten Hani (Omar Metwally) verliebt. Sie sympathisiert mit der Intifada und begibt sich dadurch in Gefahr.

Nach «Basquiat», «Before Night Falls» und «Le scaphandre et le papillon» hat Julian Schnabel in seinem vierten Spielfilm eine weitere interessante Filmbiografie gedreht. Der Regisseur hat damit erneut ein Gespür für interessante Persönlichkeiten bewiesen. Nachdem er zuvor das Leben eines Künstlers, eines Schriftstellers und eines Chefredakteurs verfilmt hat, macht nun allerdings einen weiteren Schritt, indem er das Leben dreier Frauen in einen Film integriert, in dem jedoch Miral im Zentrum steht.

Und hier liegt auch die grosse narrative Schwäche des Films. Die Idee, das Schicksal von drei Frauen zu erzählen ist an sich ein guter Ausgangspunkt. Das epische Geschichtsdrama wirkt jedoch ein wenig unbeholfen dabei, die drei Frauenschicksale in ca. 112 Minuten zu verpacken. Die Sprünge zwischen den jeweiligen Frauen betragen 20 Jahre – das sind grosse Sprünge, die eine riesige Lücke im Film aufreisst, wodurch der Zuschauer ein unvollständiges Bild des zeitgeschichtlich-politischen Hintergrunds erhält. Das Thema an sich ist ja selbst höchst aktuell, brisant und spannend.

Daneben bietet Schnabel in ästhetischer Hinsicht ein Meisterwerk. Er setzt das Licht phänomenal in Szene – höchstwahrscheinlich durch Farbfilter und bietet innovative Perspektiven wie Subjektive oder die verschwommene Sichtweise einer Alkoholikerin. Die bewegliche Kamera ist dynamisch, manchmal verwackelt und hautnah an den Protagonisten dran. Die Bilder wirken intensiv und authentisch. Man merkt in dieser Hinsicht, dass der Regisseur auch Maler ist.

Die schauspielerischen Darstellungen von Al Masri, Siddig (Clash of the Titans) und Metwally (Munich) gehen insgesamt in Ordnung. Shooting Star Pinto (Slumdog Millionaire) wirkt in manchen Szenen zwar naiv, bietet daneben aber durchaus auch glaubwürdige Szenen. Die Koketterie um ihr Aussehen und die penetrante Koketterie um ihre Person fallen jedoch negativ auf. Es ist einfach zu offensichtlich, dass Pinto als Publikumsmagnet inszeniert wird. Dafoe (Spider-Man) überzeugt in seinem kurzen Auftritt genauso wie Abbass (No Limits. No Control), die als einzige in allen drei Epochen spielen darf.

Wären nicht die erzählerischen Schwachpunkte, dann hätte aus Miral vielleicht sogar ein Klassiker werden können. Aber so ist aufgrund des interessanten Inhalts und der innovativen Ästhetik nur eine sehenswerte Filmbiografie – anstatt eines weiteren Meisterwerks nach Le scaphandre et le papillon – entstanden. Die DVD enthält als Bonusmaterial ein „Treffen mit Julian Schnabel & Rula Jebreal“, ein „Interview mit Julian Schnabel“, ein „Interview mit Rula Jebreal“ und den obligatorischen „Kinotrailer“.

Marco Behringer
film-rezensionen.de

Miral

Frankreich, Israel

2010

-

112 min.



Regie: Julian Schnabel

Drehbuch: Rula Jebreal

Darsteller: Hiam Abbass, Freida Pinto, Omar Metwally

Produktion: Jon Kilik

Musik: Olivier Daviaud

Kamera: Éric Gautier

Schnitt: Juliette Welfling

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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