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Jeder Acker, jede Fabrik: Ideen für eine notwendige Revolution

Jeder Acker, jede Fabrik: Ideen für eine notwendige Revolution Trilogie vom Lob der Klasse

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Kultur

Der Film Jeder Acker, Jede Fabrik zeigt, dass die Proletarier*innen auch heute noch die Macht haben, die Gesellschaft zu verändern. Er ist eine Kampfansage an alle, die einen Abgesang auf die Arbeiter*innenklasse anstimmen.

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Datum 17. September 2026
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„Wir schreiben das Jahr 2026. Die Herrschenden zerstören den Planeten. Verzweiflung und Ohnmacht machen sich breit“. Mit dieser zutreffenden Zustandsbeschreibung beginnt der Film „Jeder Acker, jeder Fabrik“. Schon im Untertitel wird deutlich, dass es sich bei dem Film nicht um eine weitere Dokumentation handelt, die nur in Weltuntergangsstimmung endet. Nein, das Filmteam um die Filmemacherin und Aktivistin Johanna Schnellhagen ist ein Jahr durch verschiedene Länder gefahren und hat Arbeiter*innen und linke Aktivist*innen befragt, wie sie mit Krise des fossilen Kapitalismus umgehen. Gleich am Beginn werden sie vorgestellt, es sind Arbeiter*innen und Aktivist*innen von unterschiedlichem Alter und aus unterschiedlichen Ländern.

Aus Deutschland gehören der VW-Vertrauensmann Lars Hirsekorn ebenso wie der Gartenarbeiter Jacob dazu, aus Italien der verrentete Hafenarbeiter Francisco Moreno. Mehrere der Beschäftigten arbeiteten im Gesundheits- und Pflegebereich. Der Film gehört zu der Trilogie vom Lob der Klasse, die Johanna Schnellhagen in den letzten Jahren erarbeitet hat. Der Film „Der laute Frühling“ gehört ebenso dazu, wie das Buch „Wie wir uns eine Zukunft auf diesen Planten erkämpfen“, das im Büchner-Verlag erschienen ist. In beiden Büchern und dem Film propagiert Schnellhagen: Verbindet uns mit den Arbeiter*innen aller Länder. Und sie weiss auch, die Klasse soll nicht mit Partei- und Gewerkschaftsfunktionär*innen verwechselt werden.

In dem Film wird auch an Zeiten erinnert, als die proletarische Linke in der Offensive war und das Kapital und deren einzelne Charaktermasken Angst haben musste, in der Chefetage eingesperrt zu werden. Die proletarischen Aktivist*innen berichten über lange Streiks sowohl beim Autokonzern Fiat wie in den Hafenanlagen von Genua, als auch an der Universitätsklinik von Graziella. „Die Bewegungen entwickelten eine Radikalität, von der wir heute weit entfernt sind“, sagt die Stimme im Off.
Die Arbeiter*innen aus den unterschiedlichen Ländern liefern dafür sehr anschauliche Beispiele. Im Film wird gezeigt, wie die Kollektivität sich aus den Fabriken in den Alltag ausbreitete. So berichteten die Arbeiter*innen, wie sie dafür sorgten, dass Menschen, denen Strom und Gas abgestellt wurde, weil sie ihn nicht zahlen konnten, dabei halfen, dass sie wieder an die Energieversorgung angeschlossen wurden. Solche solidarischen Aktionen gab es auch in den Jahren zwischen 2011 und 2015, als die Massenproteste gegen die EU-Austeritätspolitik in Griechenland grosse Teile der Gesellschaft erfassten.

Der Krankenhausarbeiter Marco, der bei der kommunistischen Gruppe Angry Workers engagiert ist, berichtet wie der Aufbruch von 1968 durch staatlichen Terror aber auch durch Integration stillgelegt wurde. Etwas schnell kommt dann im Film der Sprung in die Gegenwart, wo wir es mit der demobilisierten und desorientierten Klasse zu tun haben, die kein Bewusstsein mehr hat von ihrer Stärke, die sie in gemeinsamen Kämpfen spürt. Da wäre ein Verweis auf die Zerschlagung des britischen Bergarbeiterstreiks sicher hilfreich gewesen, der der organisierten Arbeiterklasse das Rückgrat brechen sollte. Doch es soll im Film nicht beim Anprangern des desolaten Ist-Zustands bleiben.

Weltkommune

Unter dem Oberbegriff Weltkommune berichten verschiedene Beschäftigte aus den unterschiedlichen Branchen. Beatrix Sassermann verweis auf den Wegfall von Doppelarbeiten, wenn das Patentrecht nicht mehr das Kapital gestaltet und die Werbung wegfallen würde. VW-Arbeiter Lars Hirsekorn betont, dass die Nachtschicht in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft auf jeden Fall wegfallen würde. Ein grosses Plus ist, dass es sich bei den Statements der Arbeiter*innen nicht um ein utopisches Wünschdirwas geht.

Die Gesprächspartner*innen kennen sich in ihren Arbeitsbereichen sehr gut aus und beschreiben sehr konkret, was sich in einer Gesellschaft ändern muss, die nicht mehr nach kapitalistischen Grundsätzen funktioniert. Dafür aber ist, das wird im Film auch deutlich, die Selbstverwaltung der Arbeiter*innen in den Betrieben nötig. Es geht also nicht um eine Verstaatlichung mit einer von oben geplanten Wirtschaft.

Aber in dem Film wird auch deutlich, dass die selbstverwalteten Betriebe auch untereinander verbunden sein müssten, damit die gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt werden können. Im Film wird das Konzept einer Planwirtschaft von unten vorgestellt, dass Rätekommunist*innen als Antwort auf die Verstaatlichung der russischen Revolution bereits in den 1920er Jahren entwickelt haben.

Kernstück ist die Demokratische Arbeitszeitrechnung. Heute gibt es eine Initiative, die das Konzept auf die heutige Zeit überträgt.- Es geht um eine von den Arbeiter*innen selbst organisierte Buchhaltung. Für jede Stunde geleistete Arbeit gibt es ein Zertifikat. Damit sollen Produktion und Konsumtion in einem durchsichtigen Verhältnis miteinander stehen wie Andre, Suse und Sebastian von der Initiative Demokratische Arbeitszeitrechnung erläutern. Natürlich ergeben sich viele Fragen, weil auch die Carearbeit wie Kinderbetreuung als Arbeitszeit eingerechnet werden soll.

Die Lohnabhängigen rücken ins Zentrum

Der Film ist absolut sehenswert, weil er die Lohnabhängigen in aller Welt in den Mittelpunkt rückt. Sie sind es, die die Macht und die Möglichkeiten haben, die Gesellschaft zu verändern. Zudem wird in dem Film klargemacht, dass die kommunistische Gesellschaft bei aller Rede über Transformation nicht durch parlamentarische Reformen erreicht werden kann. Es ist ein gesellschaftlicher Bruch nötig und die Protagonist*innen des Filmes scheuen sich auch nicht, dass für manche altmodisch klingende Wort Revolution zu verwenden. Wie eine der Gesprächspartnerin betont, ist dafür eine revolutionäre Bewegung nötig, die sich auch mit den Widerständen derer auseinandersetzen muss, die durch die Revolution ihre Privilegien verlieren könnten.

Gärtner Jakob spricht davon, dass auch die kleinen Landpächter, die heute oft in der CDU organisiert sind, auf die Barrikaden gehen, wenn die alte revolutionäre Forderung, „dass Land denen, die es bebauen“ wieder auf der Tagesordnung steht. „Wie kriegen wir es hin, dass diese Auseinandersetzung nicht in einem Blutbad endet und wie können wir verhindern, dass uns die Pächter das Messer an die Kehle halten“. Jakob benennt die beiden Worte-Case-Szenarien, die viele Menschen vom revolutionären Weg abhalten. Eine richtige Antwort für den Umgang damit wird im Film nicht gegeben. Das ist auch nicht möglich, denn die Antworten werden im Kampf erstritten, auf der Strasse, in den Fabriken. Wichtig ist aber die Erkenntnis: „Die beste Arbeitszeitrechnung wird uns nicht helfen, wenn die Konterrevolution die Versorgung mit Gütern blockiert“.

Anna, eine der Beschäftigten, benennt organisierte Belegschaften als wünschenswert, die in ihrer Fabrik wie eine kleine Armee organisiert sind. Da stehen die Aktivist*innen vor derselben Frage, vor der die Bolschewiki wie Trotzki bereits vor fast 110 Jahren standen und die Militarisierung der Arbeit propagierten. Die Bolschewiki erkannten übrigens damals schon, dass bei einer Revolution nicht nur der Kapitalismus, sondern auch andere Unterdrückungsformen wie Patriarchat und Rassismus bekämpft werden müssen. Da finden wir bei der kommunistischen Feministin Alexandra Kollontai Anregungen, die auch heute noch interessant sind.

Geh in die Fabrik und bleibe politisch

Es ist sicher auch kein Zufall, dass die Filmemacher*innen ihr letztes Kapital „Was tun“ benannten, der Titel eines Buchs von Lenin. Heute geht es darum, dass sich möglichst viele Menschen wieder als Teil einer Klasse verstehen und ihre Arbeitswelt wieder zum politischen Kampffeld machen. Anna rät jungen Menschen, die über ihre Zukunft nachdenken: „Geht in die Fabrik und bleibt politisch“.

Dieser Ansatz ist besonders wichtig in einer Zeit, in der auch manche Ex-Linke lautstark den Abgesang auf die Arbeiter*innenklasse propagieren, wie kürzlich der Krisentheoretiker Thomas Konicz in einem Text im UB. Dort vermischt er eine Schwundform von Robert Kurz Krisentheorie mit einer apokalyptischen Sicht auf das Klimageschehen. Er übt nicht nur berechtigte Kritik an Gewerkschafts- und Parteifunktionär*innen. Nein, er ätzt auch „gegen den Klassenkampffetisch, in Proletarier-Folklore und eine neoleninistischen Schnitzeljagd nach ‚Interessen'“, damit greift er auch den alltäglichen Klassenkampf von Proletarier*innen und prekarisierten an, die mit Recht nichts vom Geschwätz über den Weltuntergang hören wollen. Denn sie müssen sehen, wie sie den nächsten Monat überleben.

Konicz schreibt am Ende seines Beitrags in Erinnerung an kommunistische Vorstellungen: „Sollte das kollabierende Kapital nicht emanzipatorisch überwunden werden, wird die Menschheit in Barbarei versinken.“ Doch wer das kollaborierende Kapital überwinden soll, bleibt bei Konicz eine Leerstelle. Der Film Jeder Acker, Jede Fabrik gibt darauf eine Antwort.

Es ist noch immer die Arbeiter*innenklasse, die die Fähigkeit hat, den Kapitalismus auf den Misthaufen der Geschichte zu werfen und den Kommunismus in Weltmassstab auf die Tagesordnung zu setzen. Sie muss sich nur ihrer Macht bewusst werden. Der Film Jeder Acker, jede Fabrik kann einen Beitrag dazu leisten.
Jeder Acker, jede Fabrik. Ideen für eine notwendige Revolution, Ein Film von Labournet.TV und Angry Workers, 2026, 68 Minuten, Der Film ist bereits angelaufen: Vorführtermine finden sich auf der Webseite: www.jederacker.de Dort kann sich auch melden, wer selbst eine Veranstaltung mit dem Film machen will

Jeder Acker, jede Fabrik

Deutschland

2026

-

68 Minuten

Regie: Johanna Schellhagen

Darsteller: Sergio Bologna, Francisco Moreno, Ana Barradas, Lars Hirsekorn, Heide Lutosch

Produktion: Labournet TV

Schnitt: Johanna Schellhagen

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