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Rezension zum Film von Hiroyuki Okiura Jin-Roh

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Und wenn sie nicht gestorben sind, nein, märchenhaft ist Jin-Roh trotz seines Rotkäppchen-Themas nicht. Vielmehr entwirft die Mangaverfilmung das Bild einer totalitären Gesellschaft in einem alternativen Japan. Das ist 15 Jahre später dank der stimmungsvollen Bilder und der bedrückenden Atmosphäre noch immer sehenswert, auch wenn manche den geringen Actionteil beklagen werden.

Der japanische Altmeister Mamoru Oshii hat zu dem japanischen AnimePolitthriller «JinRoh» das Drehbuch  beigesteuert.
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Bild: Der japanische Altmeister Mamoru Oshii hat zu dem japanischen Anime-Politthriller «Jin-Roh» das Drehbuch beigesteuert. / Niccolò Caranti (CC BY-SA 4.0 cropped)

19. September 2011

19. 09. 2011

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Kaum ein Märchen wurde vergleichbar oft verfilmt wie „Rotkäppchen“, und das über alle Genregrenzen hinweg. Ob als klassischer Horror (Zeit der Wölfe), Thriller in der Gegenwart (Freeway), humorvoller Zeichentrickfilm (Die Rotkäppchen-Verschwörung) oder Musical (Red Riding Hood), bei der Umsetzung waren noch nie grosse Grenzen gesetzt. Ja, selbst für Pornos durfte die Geschichte um das kleine Mädchen, das dem grossen bösen Wolf begegnet, schon herhalten – kein Wunder, schon im 19. Jahrhundert erkannte man die sexuelle Komponente der verhängnisvollen Begegnung.

Doch so frei wie hier wurde nur selten mit dem Ursprungsmaterial umgegangen. Der böse Wolf ist eine Spezialeinheit, die Grossmutter Mitglied einer Untergrundorganisation und das Rotkäppchen ein Bombenkurier. Auch sonst hat Jin-Roh nur wenig Märchenhaftes an sich: Wir befinden uns in einem alternativen Japan der 1950er, das Land wurde von den Deutschen besetzt und es herrscht ein erbitterter Machtkampf zwischen mehreren staatlichen und paramilitärischen Gruppierungen. Als Kazuki Fuse bei einem Einsatz zögert, eines der Rotkäppchen zu erschiessen, kommt es zu einer verheerenden Explosion. Doch Fuse überlebt und wird seither von Alpträumen und Halluzinationen geplagt. Als er Nachforschungen über das Mädchen anstellt, lernt er die Schwester der Attentäterin kennen und verbringt in Folge immer mehr Zeit mit ihr.

Zweimal schon hat Mamoru Oshii (Patlabor, Ghost in the Shell, Angel’s Egg) seinen Manga „Kerberos Panzer Cops“ als Realfilm veröffentlicht, bevor er sich entschied, dass vielleicht doch ein Anime die passende Darstellungsform wäre. Diesmal beschränkte sich der Altmeister zwar aufs Drehbuch und überliess die Regie dem Neuling Hiroyuki Okiura, doch der Qualität hat es nicht geschadet. Okiura verstand es, bei seinem Solodebüt zusammen mit dem Animationsstudio Production I.G das düstere Geschehen in eher schlichten, dafür realistischen und ungemein stimmungsvollen Bildern einzufangen.

Zwischendurch werden immer wieder Passagen aus einer alten Rotkäppchen-Variante vorgelesen, die deutlich finsterer ist als die, die wir aus unserer Kindheit kennen. Wenn dort das Mädchen unwissentlich vom Fleisch der Mutter isst und ihr Blut trinkt, dann mag das grausam sein, passt aber wunderbar zu einer Welt, in der jeder gegen jeden intrigiert und wahre Zuneigung nur in Märchen stattfindet. Jin-Roh ist so kein blosses Science Fiction, sondern gleichzeitig auch eine Warnung vor totalitären Gesellschaften.

Actionfans seien jedoch gewarnt: Der Politthriller zeichnet sich durch seine bedrückende Atmosphäre aus, weniger durch Schusswechsel. Die gibt es und sind auch spannend inszeniert, finden jedoch grösstenteils am Anfang und Schluss statt, der restliche Film konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren und ihre langsame Annäherung. Da aber auch diese ruhigen und dialoglastigen Passagen fesseln, dürfen sich Animefans freuen, dass der Klassiker mit nunmehr 15 Jahren Verspätung nun doch mal auf Scheibe erscheint.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Jin-Roh

Japan

1999

-

98 min.



Regie: Hiroyuki Okiura

Drehbuch: Mamoru Oshii

Produktion: Tsutomu Sugita, Hidekazu Terakawa

Musik: Hajime Mizoguchi, Yoko Kanno

Kamera: Hisao Shirai

Schnitt: Shuichi Kakesu

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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