Aber Heikos heile Welt ist bedroht. Immer öfter schmeckt Mamas Essen, das sie so liebevoll für ihren längst erwachsenen Sohn zubereitet, merkwürdig. Irgendetwas gehört da nicht rein – etwas, das Belinda in ihrer halben Blindheit für etwas anderes gehalten hat, Vanille in der Mettwurst etwa. Die Hausfrau, die von Witwenrente lebt, leidet an der seltenen Augenkrankheit Keratokonus. Eine Operation könnte helfen, doch die zahlt die Kasse nicht. Da trifft es sich gut, dass Heiko gerade sein Talent fürs Dart-Spielen entdeckt. Beim anstehenden Kneipen-Dart-Turnier gibt es 5000 Euro zu gewinnen.
Trinken und Trainieren
Man muss zu Heikos Begabung für das Werfen von Pfeilen, die aufgrund einer Kneipenwette ans Licht kommt, sagen, dass sie etwas mit seinem Alkoholpegel zu tun hat. Nüchtern würde der junge Mann vielleicht nicht mal die Scheibe treffen. Und man muss ein Wort über den sogenannten „Futschi“ verlieren. Das ist ein Getränk, das vor allem in Berlin bekannt ist. Für den Rest der Republik hilft Wikipedia weiter: „Futschi, auch Fudschi, ist ein Longdrink, der aus Cola und Weinbrand (auch Weinbrand-Verschnitt) gemischt wird“. Heiko jedenfalls liebt Futschis, er trinkt sie zum Gerstensaft so wie andere den Korn zum Hellen. Heikos Welt ist somit auch ein Film übers Trinken. Und weil der junge Dartspieler schon vor seiner Entdeckung ein geübter Trinker war, braucht er ordentlich Stoff, um auf Wettkampfniveau zu kommen. Der Laie kann angesichts solcher Mengen nur staunen. Das alles erzählt Regisseur Dominik Galizia mit einem Heidenspass an seinem Hauptdarsteller, an der Berliner Kneipenkultur und an den skurrilen Typen, die dort am Tresen hängen. Die Kamera wirft einen liebevollen Blick auf das, was man früher das „Lumpenproletariat“ genannt hätte: Leute ohne Arbeit, Verlierer, Überlebenskünstler. Der Film gibt ihnen ihre Würde zurück, gerade weil der Regisseur und Drehbuchautor mit vielen Laien gearbeitet hat, die einfach sich selbst spielen. Auch die Kneipen sind echt: heruntergekommene Lokale, die es so nur in Berlin gibt.Franz Rogowski ist der einzige bekannte Darsteller, aber er spielt nur eine winzige Rolle, schaut quasi wie in einem Cameo-Auftritt mal vorbei, als Gruss an den befreundeten Regisseur und als Erinnerung an Figaros Wölfe (2017), den Erstling von Dominik Galizia, in dem Rogowski einen wichtigeren Part hatte.


