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Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia | Untergrund-Blättle

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Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia Die Parallelwelt der Gangster

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„GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ ist ein Meisterwerk des Gangsterfilms, kunstvoll in der Erzählweise sowie auf formaler Ebene.

Ray Liotta in Toronta, 2012.
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Bild: Ray Liotta in Toronta, 2012. / gdcgraphics (CC BY-SA 2.0 cropped)

5. März 2021

05. 03. 2021

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Schauspielerisch hervorragend und mit vielen cleveren Ideen gespickt wird man sich als Zuschauer dem erzählerischen Sog von Martin Scorseses Parabel über die Verführbarkeit des Menschen nicht entziehen können.

Schon immer wollte Henry Hill (Ray Liotta) Teil von etwas sein und war fasziniert von der Gemeinschaft der Mafiosi, die gegenüber dem Apartmentblock, in dem er mit seinen Eltern wohnte, ein kleines Restaurant hatten. Erst als Laufbursche und schliesslich als Handlanger macht er sich in den Kreisen der Mafiose Brooklyns einen Namen, unter der Leitung seines Mentors Paul Cicero (Paul Sorvino), einem Capo der Lucchese-Familie, und mit seinen beiden Kumpanen, Jimmy Conway (Robert De Niro) und Tommy DeVito (Joe Pesci). Als er dann in den 60ern seine erste grosse Liebe Karen (Lorraine Bracco) kennenlernt, ist Henry fester Teil der Familie, hat mehr Geld, als er ausgeben kann, und hält schon bald um Karens Hand an.

Während er eine Gefängnisstrafe absitzt und er und Karen keinerlei finanzielle Zuwendungen von der Familie erhalten, lässt sich Henry auf Drogengeschäfte ein, welche vor allem Paul Cicero scharf verurteilt. Auch als Henry seine Strafe abgeleistet hat, hört er nicht auf mit Drogen zu handeln und überzeugt sogar Tommy sowie Jimmy mit ihm in das Geschäft einzusteigen. Nach einem grossen Raubüberfall, den Jimmy massgeblich geplant hat, zieht die Familie erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Behörden auf sich, verliert Henry zusehends die Kontrolle über sein Leben und seinen steigenden Kokainkonsum und sein Abstieg beginnt.

Die Parallelwelt der Gangster

Nach seiner Arbeit an dem Gemeinschaftsprojekt New Yorker Geschichten, für das Martin Scorsese den Beitrag Life Lessons inszenierte, widmete er sich einem Sujet, welches er innerhalb seiner Karriere immer wieder in Filmen wie Hexenkessel oder Wie ein wilder Stier berührt hatte. Ausgehend von dem Sachbuch Wise Guy – Der Mob von innen von Journalist Nicholas Pileggi, welches auf dem Leben des ehemaligen Mobsters Henry Hill basiert, tauchte Scorsese tief ein in die Welt und die Strukturen des organisierten Verbrechens. Das Ergebnis ist nicht nur einer der besten Filme Scorseses, sondern eines der wohl überzeugendsten Werke über den Reiz des Verbrechens, der Verführbarkeit des Menschen sowie der Hierarchie von kriminellen Organisationen.

Schon nach wenigen Minuten wird man sich als Zuschauer der Faszination für die Welt der Mafiosi nicht entziehen können, betrachtet durch die Augen des gerade einmal 11-jährigen Henry Hill, der die Gangster von seinem Fenster aus mit einer Mischung aus Sehnsucht und Bewunderung betrachtet. Sinnbildlich für die Perspektive, welche Scorsese in seinem Film einnimmt, sind zwei beeindruckende Kamerafahrten von Michael Ballhaus, einmal in einem zwielichtigen Klub, in welchem Henry Hill als Erzähler die vielen anderen Gangster, samt ihrer meist vielsagenden Kosenamen, einführt und dann später als Henry Karen das erste Mal richtig ausführt. Wie in einem Rausch begegnet man dieser unbekannten Welt und ihrer Figuren und selbst wenn man ahnt, welche Verbrechen und Gräueltaten sich hinter dieser Fassade abspielen, ist man, wie Karen auf ihrer Hochzeit, betrunken von diesem Mikrokosmos, dieser Parallelwelt.

Innerhalb dieser Welt gibt es eine eigene Hierarchie sowie, wenn man sie so nennen kann, eine eigene Geschichtsschreibung, die parallel zu normalen Welt abläuft. Der Konformismus der 50er Jahre, der Vietnamkrieg, das Kennedy-Attentat oder die Öl-Krise der 70er gehen scheinbar spurlos an den Gangstern im Film vorbei. An mehreren Stellen äussert sich Hill abfällig über die „Normalos“ da draussen, die für alles anstehen müssen, alles akzeptieren und in seinen Augen keine echten Männer sind, was eine mehr als deutliche Abkehr zu den Prinzipien seines Vaters darstellt.

Verführbarkeit und der amerikanische Albtraum

Die Welt des Glitzers, des Reichtum, der Nachtklubs und der Wochenendhäuser ist nichts anderes als die Welt des exzessiven Raubtier-Kapitalismus, in welcher man sich, wenn man etwas haben will, es sich einfach nimmt, wie Henry an einer Stelle sagt. Jeder lässt von dieser Welt verführen, auch die von Lorraine Bracco gespielte Karen, welche wegen ihrer jüdischen Wurzeln immer, wie auch Henry, eine Aussenseiterin innerhalb der streng katholischen Mafia-Hierarchie bleiben wird.

In einer von Thelma Schoonmaker meisterhaft geschnittenen Sequenz, welche auf die letztendliche Verhaftung Henry hinausläuft, zeigt sich die Mentalität des nimmersatten Kapitalisten, den Liotta als scheinbar ewig nervösen, paranoiden Süchtigen spielt, dessen Gedanken immer an drei verschiedenen Plätzen gleichzeitig sind, ohne jemals zur Ruhe zu kommen. In Liottas Gesicht spiegelt sich nicht nur der immense Drogenkonsum, sondern auch die Erschöpfung wider, die ein solches Leben physisch wie auch psychisch vom Menschen einfordert.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia

USA

1990

-

146 min.



Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Nicholas Pileggi, Martin Scorsese

Darsteller: Robert De Niro, Ray Liotta, Joe Pesci

Produktion: Irwin Winkler

Musik: Diverse Komponisten, Eric Clapton

Kamera: Michael Ballhaus

Schnitt: Thelma Schoonmaker

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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