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Ein seltsames Paar | Untergrund-Blättle

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Ein seltsames Paar Geniale Komödie

Kultur

„Ein seltsames Paar“ gehört zum Besten, was es an Komödien gibt.

Walter Matthau mit seinem Sohn, 1990er-Jahre.
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Walter Matthau mit seinem Sohn, 1990er-Jahre. Foto: Canadian Film Centre (CC-BY 2.0 cropped)

30. November 2022
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Ursprünglich ein Bühnenstück spielt „Ein seltsames Paar“ auch überwiegend in einem Raum, im Wohnzimmer des einen Helden der Geschichte, Oscar, dem Sportreporter, der seinen Freund und Pokerpartner, den Nachrichtenredakteur Felix aufnimmt, nachdem sich dessen Frau Frances von ihm getrennt hat.

Geschiedene sind sie nun beide. Denn auch Oscars Gladys hat sich mit beider Kinder auf und davon gemacht. Warum, das zeigen Neil Simon und Gene Sacks in ihrer zum Klassiker gewordenen Komödie auf eine äusserst humorvolle Art.

Felix ist verschwunden. Noch wissen Oscar und die anderen Herren der Pokerrunde nicht, was passiert ist, auch nicht, dass Felix sich umbringen will, weil Frances die Scheidung einreichen will. Er mietet sich in einem billigen Hotel ein Zimmer. Es darf nicht im 13. Stock liegen; das bringt Unglück! Doch statt Selbstmord verrenkt sich Felix beim Versuch, das Fenster zu öffnen (um hinauszuspringen) nur den Rücken.

Sehr spät erscheint er dann doch noch bei der Pokerrunde. Oscar, der Polizist Murray (Herb Edelman), der stets ewig mischt und Speed damit auf die Palme bringt, der dauernd auf die Uhr schauende Vinnie (John Fiedler), der seiner Frau versprochen hat, um halb zwölf zu Hause zu sein, weil beide am nächsten Tag in Urlaub fahren wollen, der Steuerberater Roy (David Sheiner) und der ewig Zigarre rauchende Speed (Larry Haines) haben inzwischen von Frances erfahren, was passiert ist. Sie vermuten, Felix wolle sich umbringen: in Oscars Wohnung. Sie lassen sich nichts anmerken, verfolgen ihn auf Schritt und Tritt „Ich gehe auf die Toilette“, sagt Felix. „Allein?“ fragt Oscar. „Ich gehe immer allein zur Toilette.“ Schliesslich bricht Felix in Tränen aus.

Oscar sieht nur eine Möglichkeit: Er nimmt Felix auf. Obwohl er weiss, wie pedantisch Felix sein kann, wie empfindlich er ist, geht er das Risiko ein. Jetzt allerdings fangen die Schwierigkeiten erst an. Während Felix endlich wieder jemanden hat, den er bemuttern kann, bekommt Oscar nach und nach Aggressionen. Denn Felix ist allergisch gegen Hausstaub, macht merkwürdige Geräusche, um die Ohren frei zu bekommen, hat einen ausgeprägten Putzfimmel, kocht jeden Tag, ermahnt Oscar, pünktlich zu erscheinen und hat Schleimbeutelentzündung. Das alles waren Gründe genug für Frances, die Scheidung einzureichen. Felix weiss, dass er extrem neurotisch ist. Er kochte zum Beispiel das Essen, das Frances zubereitete, nochmals – weil er es besser kann. „Felix auf Dauer“ macht alle verrückt, auch Oscar, der das genaue Gegenteil ist: schlampig. Eine verfaulte Banane liegt da schon mal drei Wochen im Wohnzimmer herum. Der Kühlschrank ist kaputt, Oscar serviert seiner Pokerrunde altes Zeug zum Essen. Brandflecken von Zigaretten sind in seiner Wohnung keine Seltenheit.

An Felix Putz- und Kochfimmel scheitert schliesslich eines Abends auch die Pokerrunde. Oscar reicht es. Er glaubt, dass Felix sich endlich richtig amüsieren, endlich aus sich herausgehen müsse, um seine Neurose zu bekämpfen. Und so tauchen eines Abends – obwohl Felix noch immer an Frances hängt und keine Lust dazu hat – zwei englische Schwestern, Nachbarinnen von Oscar, auf dessen Einladung hin zum Abendessen auf: die schwarzhaarige Cecily (Monica Evans) und die rothaarige Gwendolyn (Carole Shelley), die eine geschieden, die andere verwitwet – und beide gackernd und kichernd, aber ganz sympathisch und auf Männersuche. Doch während Oscar den Ladys Drinks mixt, bringt Felix die Damen zum Weinen: Er erzählt von seiner Liebe zu Frances, von seiner Sehnsucht nach seinen Kindern. Der Fleischauflauf ist derweil zu Asche geworden. Und als Felix der Einladung der zwei Damen in ihre Wohnung nicht folgt, ist Oscar stinkesauer: Er hat endgültig die Schnauze voll und schmeisst Felix hinaus ...

Wer kennt diese Geschichte nicht? Wer sie nicht kennt, sollte sie sich zu Gemüte führen. Lemmon und Matthau sind hier auf dem Höhepunkt ihrer Schauspiellaune. Die Handlung funktioniert ausschliesslich aufgrund des Zusammenpralls der beiden äusserst unterschiedlichen Charaktere, den Explosionen, die sich daraus ergeben. Einmal sagt Oscar zu Felix. „Fang jetzt bloss nicht an zu weinen, sonst kriegst du von den Tränen am anderen Arm auch noch eine Schleimbeutelentzündung.“ Der neurotische Felix hier, der schlampige Oscar dort. Das kann nicht gut gehen – und funktioniert auf seltsame Weise eben doch. Denn obwohl es zu handfesten Auseinandersetzungen kommt, finden sich die beiden dann doch immer wieder.

Auch die Nebenrollen – die Herren der Pokerrunde wie die beiden englischen Damen – sind exzellent besetzt. Dass „The Odd Couple“ ursprünglich ein Theaterstück war, merkt man dem Film, der fast ausschliesslich in Oscars Wohnung spielt, zwar an – aber das stört nicht im mindesten. Die Dialoge haben Witz und sitzen – da, wo sie hingehören, insbesondere zwischen Lemmon und Matthau. Die Psychologie stimmt, zumal beide am Schluss vom anderen zumindest etwas lernen und ihr Verhalten ändern. Die Sympathien des Publikums liegen gleichermassen bei beiden. Denn Oscars laissez faire ist bis zu einem gewissen Grad ebenso sympathisch wie Felix Sorgsamkeit. Die Spitzen im Verhalten beider sind das Problem, und die werden gekappt.

Als Felix Oscar auf dem Sportplatz anruft, nur um ihm mitzuteilen, dass er keine Würstchen essen soll, weil er abends etwas mit Würstchen kochen will, platzt Oscar der Kragen; denn er hat durch den Anruf einen entscheidenden Schlag im Baseballspiel verpasst. Als Felix die Wohnung saugt und überall sein Desinfektionsspray verteilt, besteigt Oscar die Couch und die Sessel mit den Schuhen und wischt sich selbige an der Gardine ab. Solche Szenen, aber auch die mit den beiden englischen Damen gehören zu den besten des Films.

„The Odd Couple“ gehört zum Besten, was es an Komödien gibt. Man vergleiche den Film mit der 30 Jahre später mit Lemmon und Matthau gedrehten Fortsetzung „Immer noch ein seltsames Paar“, ein nützlicher Vergleich, denn die Fortsetzung vermittelt nur noch einen faden Geschmack von der Originalität des Streifens von 1968.

Ulrich Behrens

Ein seltsames Paar

USA

1968

-

207 min.

Regie: Gene Saks

Drehbuch: Neil Simon

Darsteller: Walter Matthau, Jack Lemmon, Monica Evans

Produktion: Howard W. Koch

Musik: Neal Hefti

Kamera: Robert B. Hauser

Schnitt: Frank Bracht

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