Ein Mann wird gejagt Ein Blick auf die amerikanische Gesellschaft

Kultur

„Ein Mann wird gejagt“ ist ein bitteres und sehr Amerika-kritisches Drama. Arthur Penns Film ist ausgesprochen spannend, was nicht zuletzt auch dank der überzeugenden Darsteller gelingt.

Marlon Brando, August 1963.
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Marlon Brando, August 1963. Foto: Information Agency (PD)

26. August 2023
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In der texanischen Kleinstadt Tarl sorgt Sheriff Calder (Marlon Brando) für Recht und Ordnung. Die Bewohner halten ihn jedoch für einen Erfüllungsgehilfen des reichen Geschäftsmannes Val Rogers (E. G. Marshall). Als sich die Neuigkeit verbreitet, dass der verurteilte Verbrecher Bubber Reeves (Robert Redford) aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und auf dem Weg zurück nach Tarl ist, setzt dies eine folgenschwere Reihe von Ereignissen in Gang.

Während dessen Gattin Anna (Jane Fonda) hofft, das Verhältnis zu Val Rogers' Sohn Jason (James Fox) geheim halten zu können, will der Geschäftsmann, der einst zur Bubbers' Verhaftung und Verurteilung beigetragen hat, alles daran setzen, diesen abzuhalten, seiner Familie zu schaden. Derweil beobachtet Calder, wie sich unter den Bewohnern die Nachricht von Reeves' Ausbruch herumspricht und sich Gruppen bilden, die ihn selbst einfangen wollen. Dem Sheriff ist klar, dass ihm nicht viel Zeit bleibt, wenn er Blutbad verhindern will.

Eine Blick auf die amerikanische Gesellschaft

Nach drei kommerziellen Flops sah es nicht danach aus, als würde Regisseur Arthur Penn einen Namen für sich in der Traumfabrik machen können. Dabei hatte er mit Licht im Dunkel und speziell mit dem interessanten Mickey One einige sehenswerte Filme vorgelegt, aber es sollte wohl noch eine Weile dauern, bis diese so gewürdigt werden sollten, wie sie es verdienen. Sein nächster Film Ein Mann wird gejagt, die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Horton Foote, erfuhr ein ähnliches Schicksal.

Zumindest jedoch gelang es Penn sich gegenüber Produzent Sam Spiegel durchzusetzen und einige der Amerika-kritischen Punkte der Vorlage zu retten, was Ein Mann wird gejagt zu einem nach wie vor sehr aktuellen Film macht. Themen wie Alltagsrassismus, Selbstjustiz und Waffengewalt werden aufgegriffen in einem Film, der es über zwei Stunden schafft, seinem Zuschauer von einer gefährlichen Dynamik in einer Kleinstadt zu erzählen.

Es sind eine ganze Reihe von Geschichten, die Ein Mann wird gejagt in sich vereint. Da wäre der Sheriff, der sich von dem Vorwurf der Korruption befreien will, oder die Frau des flüchtigen Bubber Reeves, die in der von Tratsch und Vorurteilen bestimmten Atmosphäre überleben will. Ein Geschäftsmann hat eine Vision für die Zukunft Tarls, eine Universität, damit „die jungen Leute nicht mehr unsere Stadt verlassen müssen, um eine gute Bildung zu erhalten“.

Bubbers' Eltern hingegen sind krank vor Sorge um ihren Sohn und wollen gar ihr Haus verkaufen, um mit dem Geld den Sheriff zu kaufen, damit dies auch geschieht. Dies sind nur einige Beispiele für die Episoden und Themen, die Penn in Ein Mann wird gejagt vereint und welche das Panorama einer ganzen Gesellschaft bilden. Durch Alkohol, Neid und natürlich Waffen aufgeladen ergibt sich dann eine Dynamik, die nicht nur gegen Bubber hetzt, sondern gegen alle, die sich gegen sie stellen.

Vernunft und Selbstjustiz

Einer von den wenigen Vernünftigen ist Sheriff Calder. Es ist eine andere Sorte von Rebell, den Brando hier spielt, nämlich eine Figur, die versucht, zu vermitteln und die sich gegen die Werte dieser Gesellschaft stellt. „Diese Leute sind alle verrückt“, ist ein Beispiel für die Sätze, die ihm immer wieder über die Lippen kommen und die seine zunehmende Verbitterung andeuten.

Es ist eine sehr überzeugende Rolle für Brando, der in diesem Film angenehm bodenständig wirkt und weniger übertrieben spielt, als er es noch in Die Faust im Nacken tat. Auch die Nebendarsteller sind brillant, vor allem Robert Redford und James Fox als zwei Männer, die sich absetzen wollen von der Generation der Alten. Jedoch sind es auch die Jungen, vor denen sie sich in Acht nehmen müssen und die ein Teil des Mobs sind, der sich mit Waffen, Fackeln und lauter Rockmusik der Jagd nach ihnen anschliesst.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Ein Mann wird gejagt

USA

1966

-

124 min.

Regie: Arthur Penn

Drehbuch: Lillian Hellman

Darsteller: Marlon Brando, Jane Fonda, Robert Redford

Produktion: Sam Spiegel

Musik: John Barry

Kamera: Joseph LaShelle

Schnitt: Gene Milford

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.