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Ein Kuchen für den Präsidenten

Ein Kuchen für den Präsidenten Leise beginnend, laut nachhallend

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Kultur

Ein Kuchen für den Präsidenten“ bleibt den Grossteil seiner Laufzeit ein detailverliebter und dramaturgisch schlicht gehaltener Film, der im letzten Akt seine ganze Wirkung entfaltet und das Publikum so mit anderen Augen auf einen fast vergessenen Konflikt blicken lässt.

Hasan Hadi wird nach dem Gewinn eines Preises bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 von der Presse interviewt.
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Hasan Hadi wird nach dem Gewinn eines Preises bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 von der Presse interviewt. Foto: Kevin Payravi (CC-BY-SA 4.0 cropped)

Datum 16. Mai 2026
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Lesezeit3 min.
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Das Leben von Lamia (Baneen Ahmad Nayyef) ist alles andere als leicht. Nur mit ihrer Oma Bibi (Waheed Thabet Khreibat), die die beiden gerade so durchbringt, wächst die Neunjährige in den 1990er-Jahren auf dem irakischen Land auf. Doch als sie anlässlich des Geburtstags Sadam Husseins von ihrem Lehrer den Auftrag erhält, für die Klasse einen Kuchen zu backen, stösst das Mädchen an ihre Grenzen. Woher soll sie den Zucker, die Eier und das Mehl bekommen, wenn sie selbst kaum genug zu essen hat? In der nächstgelegenen Stadt will sie mit Bibi die nötigen Besorgungen machen, doch diese hat andere Pläne und möchte die Erziehung ihrer Enkelin einem fremden Paar überlassen. Lamia haut unbemerkt ab und macht sich mit ihrem Schulkameraden Saeed (Sajad Mohamad Qasem) in den verwinkelten Gassen auf die Suche nach den Zutaten…

Vergessenes Leid

Fast genau 35 Jahre ist es her, dass der Irak sein Nachbarland Kuwait angriff und damit den Zweiten Golfkrieg im Mittleren Osten entfachte. Die UN reagierte wiederum mit einem Wirtschaftsembargo, das in der irakischen Bevölkerung zu verheerenden humanitären Zuständen führte. Das eigentliche Ziel dieser Sanktionen, Hussein und seine Regierung, blieb von den Konsequenzen nahezu unbehelligt. Mit seinem Spielfilmdebüt möchte uns Hasan Hadi ins Gedächtnis rufen, was seit den Anschlägen des 11. September 2001 und unzähligen daraus hervorgegangen Bombast-„Anti“-Kriegsfilmen aus Hollywood (Jarhead – Willkommen im Dreck (2005), Green Zone (2010) und American Sniper (2014) seien als Beispiele genannt) nur noch die wenigsten beschäftigt: Wie sehr seine Landsleute einst unter Hussein litten, wie wenig sich der Diktator für das Elend seines Volks interessierte und wie dieses zu indoktriniert war, um die eigene katastrophale Situation richtig einschätzen zu können.

Leise beginnend, laut nachhallend

Grösstenteils spannungsarm könnte man die Handlung von Ein Kuchen für den Präsidenten nennen – und würde den Film damit nicht beleidigen. Denn das Drehbuch von Hadi dient in erster Linie dazu, authentische Eindrücke (das Schul- und Kulturleben, die medizinische Versorgungslage und Polizeistrukturen) aus dem Alltagsleben der Irakis sowohl im ländlichen als auch städtischen Raum zu gewinnen und verzichtet deshalb auf allzu viele auffällig inszenierte Schockmomente … zumindest bis zu den letzten fünfzehn Minuten. Denn erst ganz zum Schluss zeigt sich expliziter, wie der Krieg und dessen Konsequenzen das Leben eines Kindes auf individueller Ebene radikal verändern können. Eine plötzliche Wucht, die einen schlucken lässt

Visuelle Kraft und stilles Schauspiel

Vorher beeindruckt das Drama in zahlreichen Szenen mit detailreichen Kulissen und einer Riege von Nebencharakteren und Statisten, die für sich alleine nur einen kleinen Einfluss auf die Geschichte nehmen, aber zusammen ein stimmiges Mosaik einer verkümmernden und doch lebendigen Gesellschaft ergeben. Eine Gesellschaft, die immer noch nicht aufgehört hat, den Namen ihres Präsidenten und Führers in einem Atemzug mit Gott zu nennen und sein Porträt in nahezu jedes Büro, jede Halle und jeden Gang hängen lässt – wie uns Hadi in gefühlt jeder zweiten Einstellung demonstriert. Neben diesem einprägsamen Motiv, den üppigen Sets und einem ungewöhnlichen Bildformat mit abgerundeten Ecken wirkt es fast schon überraschend, dass die restliche Kameraarbeit des Gewinners der Camera d'Or in Cannes fast schon konservativ wirkt.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch das Schauspiel der beiden Kinderdarsteller Nayyef und Qasem, die die Handlung über weite Strecken alleine tragen müssen und das mit einer ausdruckslosen, aber zu den Umständen passenden Miene tun. Erneut ist es das Ende, bei dem sich vor allem Nayyef mit ihrer Darbietung übertrifft und die darauffolgende Epilogszene umso zynischer erscheinen lässt.

Ein Kuchen für den Präsidenten

Irak, USA, Katar

2025

-

102 min.

Regie: Hasan Hadi

Drehbuch: Hasan Hadi

Darsteller: Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat, Rahim AlHaj

Produktion: Leah Chen Baker

Kamera: Tudor Vladimir Panduru

Schnitt: Andu Radu

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