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Duell in der Sonne Quick to blossom and early to die

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In den einsamen Bergen von Texas (erzählt uns kein anderer als Orson Welles in der englischen Fassung des Films) steht ein riesiger Felsen, den die Indianer wegen seines Aussehens Frauenkopffelsen (Squaw’s Head Rock) nennen.

Der USamerikanische Filmregisseur King Vidor, 1919.
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Bild: Der US-amerikanische Filmregisseur King Vidor, 1919. / Unknown author (PD)

30. Januar 2021

30. 01. 2021

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Die Komantschen erzählen sich die Legende von einem Liebespaar, das sich dort ein letztes Mal getroffen hat und seitdem verschwunden ist. Dort, wo eine Frau einst verschwand, blüht eine Blume, die nirgends sonst zu finden ist. Die Geschichte ist die von Pearl, einer jungen Frau, die viel zu früh starb, und ihrem Liebhaber, einem Outlaw, mit dem sie Himmel und Hölle erlebte.

Mit diesem Bild des Squaw’s Head Rock beginnt ein von David O. Selznick produzierter Film, bei dem kein anderer als der grosse King Vidor Regie führte, der so wunderbare Filme drehte wie „Der Zauberer von Oz“ (1939, mit Judy Garland), „Nordwest-Passage“ (1940 mit Spencer Tracy) oder „Krieg und Frieden“ (1956, mit Audrey Hepburn, Henry Fonda und Mel Ferrer).

Viel Ärger im Vorfeld zwischen dem alles kontrollieren wollenden Selznick und Vidor führten dazu, dass weitere sechs Regisseure mit dem Film befasst waren, die in der Endfassung dann aber nicht genannt wurden, sowie drei Directors of Photography. Die weibliche Hauptrolle spielte Selznicks spätere Frau Jennifer Jones. Ursprünglich sollte der Film „Lust in the Dust“ heissen, also „Begierde im Staub“, und tatsächlich offenbart der Film einige Freiheiten in der Inszenierung und der Charakterdarstellung, die für die damalige Zeit gewagt waren.

Scott Chavez (Herbert Marshall) ist zum Tode verurteilt. Er hat seine Frau, eine Indianerin (Tilly Losch), und deren Geliebten (Sidney Blackmer) ermordet. Seine Tochter Pearl (Jennifer Jones) beobachtete die Szene von der Strasse aus, hörte die Schreie und die Schüsse. Chavez, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat, schickt Pearl zu seiner früheren Geliebten, Laura Belle McCanles (Lillian Gish), und hofft, dass Pearl durch sie zu einer Lady erzogen wird.

Laura Belle ist mit Senator Jackson McCanles (Lionel Barrymore), einem reichen Rancher, verheiratet, der seit Jahren nach einem Reitunfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Die McCanles haben zwei erwachsene Söhne, den Rumtreiber und Frauenheld Lewt (Gregory Peck), und den ehrbaren Jesse (Joseph Cotten), der Pearl abholt und zur Spanish Bit Ranch seiner Familie bringt.

Während Laura Belle Pearl wohlwollend und liebevoll aufnimmt, ist der Senator über die Ankunft der Squaw wenig begeistert. Ihr Name sei Pearl? „Sie hätten dich lieber Pocahontas oder Minnie-ha-ha nennen sollen!“ Jesse hingegen schliesst die junge Frau sofort in sein Herz. Sein Bruder Lewt dagegen sieht in ihr nur eine weitere Geliebte, mit der er machen kann, was er will. Pearl wehrt sich anfangs gegen die Aufdringlichkeit Lewts, doch dann gibt sie seinem Drängen nach und wird seine Geliebte.

Der Senator hat andere Probleme. Die Eisenbahngesellschaft will Schienen über seinen Grund und Boden verlegen und hat dafür die Erlaubnis der Regierung. McCanles hasst die Eisenbahn als Ausdruck einer neuen Ökonomie, fürchtet um seinen Einfluss und meint, die Eisenbahn würde allerlei „Gesindel“ nach Texas bringen. Jesse dagegen stellt sich, als es zur Auseinandersetzung mit dem Präsidenten der Eisenbahngesellschaft Mr. Langford (Otto Kruger) und dem Anwalt Lem Smoot (Harry Carey) kommt, gegen seinen Vater, der ihn darauf verstösst.

Als Jesse bemerkt, dass sein Bruder und Pearl immer wieder zusammenkommen, wendet er sich von Pearl ab. Als Pearl verzweifelt ist, weil Lewt sie wieder einmal beleidigt und sich weigert, sie zur Frau zu nehmen, nimmt sie das Angebot des neuen Futtermeisters auf der Ranch, Sam Pierce (Charles Bickford), der wesentlich älter ist als sie, an, ihn zu heiraten. Doch Lewt kann das nicht ertragen, erschiesst Pierce und flüchtet mit Hilfe seines Vaters. Nicht nur das: Er sprengt einen Zug mit explosiver Ladung in die Luft, um seinem Vater im Kampf gegen die Eisenbahngesellschaft zu helfen ...

„Duell in der Sonne“ ist ein klassischer Western – aber nicht in erster Linie. Denn – trotz aller Differenzen zwischen Produzent und Regisseur – gelang Vidor ein episches Drama, für das das Genre des Westerns nur das Transportmittel abgab und das einen Vergleich mit dem Klassiker Victor Flemings „Gone with the Wind“, 1939 ebenfalls von Selznick produziert, oder etwa mit Richard Brooks „Die Katze auf dem heissen Blechdach“ (1958) durchaus standhält.

Im Zentrum der Geschichte steht zum einen eine Frau, deren Charakter sowohl von der Laszivität ihrer Mutter, als auch von der Ehrbarkeit ihres Vaters bestimmt zu sein scheint. So schwankt sie zwischen den so unterschiedlichen Brüdern Lewt und Jesse, in denen sich die Charakterzüge ihrer Eltern wiederzufinden scheinen. Zum anderen verknüpft sich die Geschichte zwischen diesen drei Personen mit der Familiengeschichte der McCanles: Der Senator ist ein starrköpfiger, verbitterter, jeder neuen Entwicklung trotzender Mann, der keine Abweichungen von der Norm – seiner Norm – duldet.

Immer wieder stellt er sich vor seinen Sohn Lewt, während er Jesse verstösst. Viel zu spät erkennt er die Tragödie seines eigenen Lebens, deren Ausgangspunkt die blinde Eifersucht des Senators gegenüber Pearls Vater war. Die hilflose, später schwer krank werdende Mutter Laura Belle steht ohnmächtig den Konflikten der Familie gegenüber und hat auf ihren Mann längst keinen Einfluss mehr.

Jennifer Jones spielt eine Frau, die sich von Lewt immer wieder angezogen fühlt. Der Film macht kein Hehl daraus, dass es sich hier vor allem um sexuelle Anziehung handelt – eine zu dieser Zeit gewagte Darstellung in einem Film. Andererseits bewundert sie die Ehrlichkeit, Vernunft und Güte Jesses, dem sie angesichts ihrer zwanghaften Beziehung zu Lewt jedoch nicht folgen kann.

„Duell in der Sonne“ lässt zudem an der Religion nicht viel Gutes. Als Laura Belle einen Pfarrer, der als Sündenaustreiber (Walter Huston) fungiert, bestellt, um Pearl vor den Verführungen des Lebens zu bewahren, schenkt er ihr eine Art Amulett, das sie schützen soll. Kurze Zeit später wirft Lewt es, als die beiden in einem nahe gelegenen See baden, ins Wasser. Nichts bestimmt das Schicksal der Handelnden weniger als die Religion. Die nie gelösten, tief sitzenden Konflikte der Personen enden in einer Katastrophe – für Lewt und Pearl am Squaw’s Head Rock, für den Senator in der Erkenntnis, das er in seinem Leben nur Fehler gemacht hat, und Laura Belle stirbt im Bewusstsein, einen Sohn ganz verloren, den anderen nie wieder gesehen zu haben.

„Duell in der Sonne“ ist ein epischer Western der Trostlosigkeit, der Verstrickung der Charaktere in ungelöste Konflikte, wobei die Inszenierung auf Pathos weitgehend und auf Rührseligkeit vollständig verzichtet. Jennifer Jones, Cotten, Barrymore in einer Altersrolle und Lilian Gish liefern Glanzleistungen. Gregory Peck ist hier in einer ungewöhnlichen Rolle zu sehen, nicht in der des makellosen Helden, sondern des verlorenen Sohnes in einer Kain-und-Abel-Geschichte mit Joseph Cotten als Gegenpart.

Ulrich Behrens

Duell in der Sonne

USA

1946

-

129 min.



Regie: King Vidor

Drehbuch: Niven Busch, Oliver H.P. Garrett, David O. Selznick, Ben Hecht

Darsteller: Jennifer Jones, Joseph Cotten, Gregory Peck

Produktion: David O. Selznick

Musik: Dimitri Tiomkin

Kamera: Lee Garmes, Ray Rennahan, Harold Rosson

Schnitt: Hal C. Kern

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