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„Angriff ist die beste Verteidigung“ Do Not Resist – Police 3.0

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In seinem Regiedebüt versammelt Craig Atkinson eine ganze Reihe von Beispielen zu den Themen militarisierte Polizei und Sicherheit. Das ist manchmal absurd, manchmal gewaltsam, in dieser Ballung insgesamt aber vor allem verstörend – eine Gesellschaft, in der niemand mehr wirklich sicher ist.

Aufstandsbekämpfung in Ferguson, September 2014.
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Bild: Aufstandsbekämpfung in Ferguson, September 2014. / Loavesofbread (CC BY-SA 4.0 cropped)

30. März 2017

30. Mär. 2017

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So absurd ist die Situation, dass man sie als Zuschauer kaum glauben kann. Glauben mag. Eine Situation, über die man herzhaft lachen möchte, wenn sie nicht so furchtbar ernst wäre. Ganz harmlos klingt die Frage, weshalb eine kleine US-Gemeinde zwei gepanzerte Militärfahrzeuge zur Verbrechensbekämpfung braucht, wenn es nur einen hauptberuflichen Polizisten dort gibt. Eine wirkliche Antwort fördert die öffentliche Befragung nicht zutage, so wie die vielen klugen Anmerkungen wirkungslos abperlen. Es ist nicht die Logik, die am Ende darüber entscheidet, ob eine ehemalige militärische Ausrüstung im Polizeialltag verwendet werden sollte. Da spielen andere Faktoren eine Rolle, von Selbstbeweihräucherung über Profilierungssucht bis zu Angst. Viel Angst.

Craig Atkinson, der mit dem Dokumentarfilm sein Regiedebüt gibt, vermeidet es auch, den einzelnen Faktoren einen Rahmen zu geben. Allenfalls die Geschichte um den 18-jährigen Michael Brown, der 2014 von einem Polizisten erschossen wurde, sorgt für eine Art roten Faden. Zwölf Schüsse wurden auf den unbewaffneten Teenager abgegeben, nachdem dieser einen Convenience Store um mehrere Packungen Zigarillos erleichtern wollte. Mit den darauffolgenden Unruhen beginnt Do Not Resist – Police 3.0. Mit einer Demonstration, die gewaltsam zerschlagen wurde. Auch später taucht das Thema auf. Die Fassungslosigkeit der Protestler, als besagter Polizist von sämtlichen Anschuldigungen freigesprochen wurde, das Urteil Notwehr lautete.

Die anderen angeschnittenen Bereiche sind auf den ersten Blick harmloser, fassungslos darf man aber auch dort sein. Da werden mal junge Polizisten damit gelockt, dass nach gewaltsamen, lebensgefährlichen Einsätzen der beste Sex ihres Lebens auf sie wartet. Die Razzia eines vermeintlichen Drogenrings endet nur mit viel Zerstörung und Schikane. Und Geld, das konfisziert wurde. Denn man kann ja nie wissen, wo der schwarze Mann das herhatte. Überhaupt spielt Rassismus eine grosse Rolle: Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ werden Minderheiten systematisch unterdrückt, noch bevor sie zu einer Gefahr werden können. Besonders perfide Ausmasse nimmt dies zum Schluss an, wenn über die bisherige Generalüberwachung hinaus in der Gesellschaft der Zukunft Täterprofile erstellt werden. Oder besser: Profile, die angeben, wie wahrscheinlich jemand später einmal ein Täter wird. Und da spielt auch die Hautfarbe mit rein.

Besonders erschreckend hierbei ist der Fatalismus. Die Entwicklung wird sowieso darauf hinauslaufen, also sollten wir uns frühzeitig damit auseinandersetzen. Auch eine Polizistin, die stolz die Möglichkeiten zeigt, Nummernschilder und Passanten beim Vorbeifahren zu scannen, sieht diese Möglichkeit als unumkehrbar an. Die Technik ist da, also wird sie genutzt. Das Beste, was man in der Situation hoffen dürfe – so ihr zynisches Fazit –, ist dass derjenige diese Überwachung aus den richtigen Gründen anwendet.

Aber was heisst schon richtig? Do Not Resist – Police 3.0 zeigt eine Gesellschaft, in der schon lange niemand mehr so recht weiss, was noch richtig ist. So verständlich die Angst nach 9/11 war, so nachvollziehbar der Wunsch, sich vor vergleichbaren Anschlägen zu schützen, Atkinson zeigt, wie sehr die Grenzen inzwischen verschwommen sind. Wer schützt hier wen? Was ist die grössere Bedrohung? Antworten darauf gibt der Filmemacher, selbst Sohn eines Polizisten, nicht. Genauer tritt er im Lauf der 72 Minuten nicht in Erscheinung. Nicht vor der Kamera. Nicht als Kommentator. Nicht einmal als Interviewpartner. Er lässt die Bilder für sich sprechen. Und die vielen Polizisten, die er getroffen hat und die keine Scheu haben, ihre zuweilen recht strittigen Ansichten im Film mitzuteilen. Aber mehr muss Atkinson auch nicht tun, um nachhaltig zu verstören, einem das Gefühl zu geben, dass in dem Wahn nach Sicherheit eigentlich niemand mehr sicher ist.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Do Not Resist

USA 2016 - 72 min.

Regie: Craig Atkinson
Produktion: Laura Hartrick
Musik: Michael Stearns
Kamera: Craig Atkinson
Schnitt: Craig Atkinson

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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