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Dinner in America – A Punk Love Story | Untergrund-Blättle

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Dinner in America – A Punk Love Story Spass ist, was anderen weh tut

Kultur

„Dinner in America“ erzählt die Geschichte von einem Punksänger und einer gehänselten jungen Frau, die sich näherkommen und es mit dem Rest der Welt aufnehmen.

Der US-Schauspieler Kyle Gallner (hier im Juni 2015 in LA) spielt in dem Film die Rolle des Punksängers Simon.
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Der US-Schauspieler Kyle Gallner (hier im Juni 2015 in LA) spielt in dem Film die Rolle des Punksängers Simon. Foto: Red Carpet Report on Mingle Media TV (CC BY-SA 2.0 cropped)

6. Mai 2022
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Den grossen Durchbruch hat Simon (Kyle Gallner) bislang nicht mit seiner Punkband geschafft, wohl auch wegen seiner kompromisslosen Art und seinem Hang zu Gewalt und Brandstiftung, der ihn regelmässig in Schwierigkeiten bringt. So auch im Moment, als er vor der Polizei auf der Flucht ist. Patty (Emily Skeggs) hat vielmehr mit den anderen Jugendlichen zu kämpfen. Während die Männer sie unentwegt sexuell bedrängen, haben die Frauen nur Spott für sie übrig, beschimpfen sie als zurückgeblieben. Als sich die beiden über den Weg laufen, können sie nicht ahnen, wie sehr dies ihre Zukunft verändern wird – obwohl sie eine lange gemeinsame Vergangenheit haben, von der sie nichts wussten …

„Wir gegen die“, lautet derzeit das Motto in den USA, kaum ein Thema, das nicht irgendwo für gesellschaftliche, politische oder kulturelle Grabenkämpfe genutzt wird. Auch in Dinner in America wird auf maximale Konfrontation gesetzt. Es gibt hier gerade zu Beginn keine Situation, die nicht irgendwie eskaliert, kein Dialog, der nicht in wüsten Beschimpfungen oder Angriffen endet. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob wir uns innerhalb von Familien aufhalten, einen Blick auf Beziehungen werfen oder sich Fremde gegenüberstehen: Regisseur und Drehbuchautor Adam Rehmeier zeigt uns eine dieser Vorstädte, in der Gemeinschaft immer nur zu Lasten anderer geht: Ich bin jemand, weil du niemand bist.

Spass ist, was anderen weh tut

Schön ist das nicht, weder für die Beteiligten noch das Publikum. Es ist anfangs sogar ein wenig anstrengend, wie die Leute hier übereinander herfallen, im Sekundentakt rassistische, homophobe oder persönliche Angriffe erfolgen. Patty beispielsweise wird über weite Strecken des Films als „retard“ gehänselt, als geistig zurückgeblieben. Zumindest zu Beginn kann sich da der Eindruck einstellen, als wolle Dinner in America mit polemisch-dümmlichem Trash Talk und schrillen Auseinandersetzungen die Zuschauer und Zuschauerinnen erheitern. Billige, wenig abwechslungsreiche Witze, die aus der Herabwürdigung anderer Kapital schlagen wollen. Das kann Spass machen, sofern man sich nicht an ihrer Fragwürdigkeit stört, ist auf Dauer jedoch eher langweilig.

Glücklicherweise bewegt sich die Tragikomödie, welche auf dem Sundance Film Festival 2020 Weltpremiere hatte und seither auf diversen Genrefestivals zu Gast war, in eine andere Richtung, hat deutlich mehr zu bieten. Zum einen sind diese verbalen Ausfälle meist mit einer satirischen Note verbunden, wenn Rehmeier genüsslich das eingezäunte Vorstadt-Amerika auseinandernimmt, das sich den Anschein von Anstand gibt, dabei innerlich völlig verkommen ist. Zum anderen wandelt sich der Film immer mehr zu einer warmherzigen Feelgood-Komödie, in der zwei Aussenseiter und Verlierer es dem Rest der Welt so richtig zeigen – und dabei zum Gegenangriff übergehen.

Ein punkiger Crowdpleaser

Der Aufstand der Kleinen gegen die überheblichen Bullys ist bekanntlich immer ein Crowdpleaser. Dass die Methoden dabei selbst mindestens fragwürdig sind, dass weiss der Filmemacher natürlich auch. „Werden wir dafür ins Gefängnis kommen?“, fragt Patty an einer Stelle. „Vermutlich“, antwortet darauf Simon. Doch manchmal kann das Falsche sich eben schön richtig anfühlen. Vergleichbar zu Filmen wie God Bless America macht es einfach Spass, bei Dinner in America dabei zu sein, wie Ausgestossene sich einen Platz in dieser Welt erkämpfen, sich gegenseitig finden und damit am Ende sich selbst.

Mit seinem Film wollte Rehmeier, der in seiner Jugend selbst in Punkbands gespielt hat, eine Liebeserklärung an den Punk der frühen 90er und die damit verbundene Lebenseinstellung drehen. Musik wird hier zu einem Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, zu einer Rebellion gegen die erstickenden Attitüden der Mittelklasse, die keine andere Wege, keine Alternativen, keine Persönlichkeit zulassen.

Dass das am Ende so wunderbar funktioniert, ist auch ein grosser Verdienst des Ensembles. Kyle Gallner (Exorzismus 2.0) und Emily Skeggs (The Miseducation of Cameron Post) holen, wie der Rest des Ensembles, das Maximum aus den komischen Dialogen und absurden Situationen heraus. Sie gehen als ungleiches und doch irgendwie seelenverwandtes Paar aber auch direkt zu Herzen. Dinner in America richtet sich damit an ein Publikum, das schräge Aussenseitergeschichten mag, aber auch gegen etwas deftigere Momente nichts einzuwenden hat.

Wer das von sich behaupten kann, sollte dem Film auf jeden Fall eine Chance: Hier trifft Anarcho-Charme auf skurrilen Witz, wird mit Vollgas alles niedergebrettert, nur um in den leisen Momenten von den Träumen und Gefühlen zweier junger Menschen zu erzählen, die niemand haben will. Ausser dem Publikum natürlich, welches bald keine andere Wahl hat, als die beiden bei ihrem unbeholfenen, dafür sehr sympathischen Ausbruch anzufeuern.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Dinner in America – A Punk Love Story

USA

2020

-

108 min.

Regie: Adam Rehmeier

Drehbuch: Adam Rehmeier

Darsteller: Kyle Gallner, Emily Skeggs, Griffin Gluck

Produktion: Ben Stiller, John Covert, Ross Putman, David Hunter, Sam Slater, Nicholas Weinstock

Musik: John Swihart

Kamera: Jean-Philippe Bernier

Schnitt: Adam Rehmeier

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