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Die Mörder sind unter uns Aufarbeitung von Schuld

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„Die Mörder sind unter uns“ setzte sich als erster deutscher Nachkriegsfilm mit den Themen Schuld und Verantwortung auseinander, angesichts der Verbrechen während des Dritten Reiches.

Berlin, Juni 1945.
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Bild: Berlin, Juni 1945. / Hewitt (PD)

27. Februar 2021

27. 02. 2021

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Das ist wichtig und zeitlos, wenn auch an manchen Stellen etwas grob modelliert, ist zudem wegen der unglaublichen Aufnahmen aus einem zerstörten Berlin wegen sehenswert.

Berlin, 1945: Der Krieg ist nun vorbei, endlich. Doch was nun? Als die junge Fotografin Susanne Wallner (Hildegard Knef) aus ihrer Gefangenschaft in einem Konzentrationslager zurückkehrt, ist die Stadt kaum noch wiederzuerkennen. Grosse Teile sind zerstört, die Menschen sind geflohen oder wurden getötet. Und selbst in ihrer alten Wohnung wartet eine böse Überraschung auf sie, hat doch der kürzlich aus dem Krieg heimgekehrte Chirurg Dr. Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) dort sein Lager aufgeschlagen.

Doch er ist ebenso wenig glücklich über die Ereignisse, versucht seine furchtbaren Erinnerungen in Alkohol zu ertränken. Als er dann auch noch Ferdinand Brückner (Arno Paulsen) begegnet, der im Krieg Hauptmann war und nun eine Fabrik leitet, kommen die schrecklichen Bilder mit aller Macht zurück …

Das deutsche Kino nach dem Zweiten Weltkrieg war geprägt von leichten Komödien, rührseligen Heimatfilmen und was sonst noch es den Menschen ermöglichte, ein bisschen abzuschalten und zu vergessen. Umso bemerkenswerter war, was Wolfgang Staudte mit Die Mörder sind unter uns schuf. Der Film um zwei Menschen, die aus dem Krieg zurückkehren und sich in dem zerstörten Berlin über den Weg laufen, war 1946 nicht nur der erste deutsche Nachkriegsfilm überhaupt. Er setzte sich zudem mit der eigenen Schuld während der Zeit des Dritten Reiches auseinander, mit den vielen Verbrechen, die seinerzeit verübt worden sind, blickte also zurück anstatt nach vorne – oder weg.

Aufarbeitung von Schuld

Das soll auch biografisch bedingt gewesen sein: Staudte hatte selbst während des Dritten Reiches an Filmen mitgewirkt und dabei ein ambivalentes Verhältnis gezeigt. Er drehte harmlose Komödien (Akrobat schö-ö-ö-n, Das Mädchen Juanita), danach die verbotene Bürokratie-Satire Der Mann, dem man den Namen stahl (1944). Vor allem aber hatte er eine Nebenrolle in dem Propagandafilm Jud Süss (1940), was ihn im Anschluss verfolgt haben dürfte. Und so wurde Die Mörder sind unter uns zu einer bitteren Abrechnung einerseits mit den Befehlshabern dieser Zeit, aber auch mit den Menschen, die tatenlos zugesehen haben, wie diese Grausamkeiten ausgeübt wurden. Mertens selbst, als Arzt dem Leben verpflichtet, konnte den Tod nicht verhindern und zerbrach daran.

Die Mörder sind unter uns behandelt auf diese Weise gleich mehrere Themen. Einerseits handelt der Film von Menschen und ihrem Versuch, nach dem Schrecken der Vergangenheit wieder ein Leben aufzubauen. Das ist schwierig genug, denn in der zerstörten Stadt gleicht jeder Tag einem Überlebenskampf. Gleichzeitig stellt sich aber eben die Frage: Wie umgehen mit der Schuld, sowohl der der anderen wie der eigenen? Das hat hier teils die Form eines Dramas, wenn Staudte exemplarisch an den drei Hauptfiguren die verschiedenen Möglichkeiten der Reaktion aufzeigt. Teils hat es Elemente des Thrillers, wenn Mertens nur das Mittel der Gewalt bleibt, um den unaufgearbeiteten Horror zu bekämpfen, der noch immer durch die Stadt spaziert.

Atemberaubende Anblicke einer zerstörten Stadt

Letztere ist die inoffizielle vierte Hauptfigur: In den mehrmonatigen Dreharbeiten des Films wurden ausgiebig die Zerstörungen festgehalten. Wenn Mertens und Wallner durch Berlin schlendern, vorbei an den Ruinen, dann wirkt das teilweise surreal, gerade auch durch den Kontrast mit dem Leben von Brückner, der unbeirrt weitermachte, ein schönes bürgerliches Dasein geniesst, sich in einem Tanzlokal mit Damen vergnügt, während drumherum andere nach Essen suchen.

Für Ambivalenz ist in seiner Figur kein Platz, er ist die Verkörperung des Abschaums, der brutal andere hinrichten lässt, um anschliessend zu feiern, gleichzeitig aber jegliche Verantwortung ablehnt. Ein selbstsüchtiger Schmarotzer, der es einem leicht macht, ihn als Zuschauer zu hassen. Sicher wäre da eine interessantere, vielschichtigere Figur möglich gewesen, auch die teils wenig subtilen Dialoge sind grob angelegt. Und doch ist Die Mörder sind unter uns ein sehr spannender Film, der sich mit persönlicher und universeller Schuld auseinandersetzt, mit erlittenem Trauma und der Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Zudem sind die Schwarzweiss-Bilder fantastisch, Überbleibsel des deutschen Expressionismus mit ausdrucksstarken Kontrasten. In der Summe ist das deshalb selbst 75 Jahre später noch sehr sehenswert, als Spiegel der Vergangenheit, aber auch als grundsätzliche Beschäftigung mit Themen, die völlig zeitlos sind und denen wir nicht entkommen können – selbst wenn wir es immer wieder versuchen.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Die Mörder sind unter uns

Deutschland

1946

-

85 min.



Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Wolfgang Staudte

Darsteller: Hildegard Knef, E. W. Borchert, Erna Sellmer

Produktion: Herbert Uhlich

Musik: Ernst Roters

Kamera: Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann

Schnitt: Hans Heinrich

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 4.0) Lizenz.

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