UB-LogoOnline MagazinUntergrund-Blättle

Sicario: Der Auftragskiller | Untergrund-Blättle

2686

kultur

ub_article

Kultur

Hollywood Film über den schmutzigen Anti-Drogen-Kampf Sicario: Der Auftragskiller

Kultur

Denis Villeneuves Film über einen schmutzigen Anti-Drogen-Kampf ist trotz einer weiblichen Hauptrolle inhaltlich weniger interessant als seine beiden letzten Werke. Dafür stimmen die überwältigende Inszenierung und die sehr gute Besetzung, „Sicario“ bietet zwei Stunden Spannung auf hohem Niveau.

Denis Villeneuve mit Filmschauspieler auf dem roten Teppich in Cannes bei der Präsentation seines Filmes «Sicario», Mai 2015.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Denis Villeneuve mit Filmschauspieler auf dem roten Teppich in Cannes bei der Präsentation seines Filmes «Sicario», Mai 2015. / Georges Biard (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

1. November 2015

01. 11. 2015

1
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Ihre Arbeit als FBI-Agentin fordert Kate Macer (Emily Blunt) einiges ab. Doch auch wenn sie und ihr Team immer wieder Erfolge feiern, es sind am Ende nur die Symptome, die sie bekämpfen, nicht die Ursachen. Eine dieser Ursachen ist Manuel Diaz (Bernardo P. Saracino), ein wichtiger Mann im mexikanischen Drogenkartell. Um diesen zu schnappen, lässt sie sich auf gemeinsame Ermittlungen mit dem Geheimdienstler Matt Graver (Josh Brolin) und dem mysteriösen Söldner Alejandro (Benicio Del Toro) ein. Je näher sie ihrem Ziel kommen, je mehr Kate über die Hintergründe erfährt, umso schwieriger wird die Aufgabe, umso grösser die Zweifel daran, wer hier eigentlich noch auf der Seite des Rechts steht.

Nach dem paranoiden Doppelgängerthriller Enemy und dem moralisch ambivalenten Entführungsmonster Prisoners durfte man gespannt sein, welches Thema der kanadische Regisseur Denis Villeneuve wohl für seinen neuesten Streich aussuchen würde. Die Filmfestspiele in Cannes dieses Jahr gaben die Antwort, die mit einen Monaten Verspätung nun auch Deutschland erreicht. Und es ist eine Antwort, die umwerfend und enttäuschend zugleich ist.

Enttäuschend deshalb, weil der Inhalt im Vergleich zu den beiden Vorfilmen sehr viel weniger interessant ist. Dieses Mal werden keine spannenden Fragen gestellt, keine seltsamen Rätsel aufgegeben, stattdessen ist Sicario ein recht gradliniger Film über den schmutzigen Kampf gegen das übermächtige Drogengeschäft. Sicher, durch die allmähliche Auflösung von Gut und Böse wird eifrig am Lack von FBI und CIA gekratzt. Das jedoch haben auch schon viele andere zuvor getan, zudem schreckt die Geschichte nicht vor allerlei Klischees zurück, die man in der Form wohl nicht von dem aussergewöhnlichen Filmemacher erwartet hätte.

Und auch die etwas überraschende Entscheidung, hier eine Frau an die vorderste Front zu schicken, will nur teilweise überzeugen. Emily Blunt, die zuvor schon in Looper und Edge of Tomorrow die toughe Protagonistin geben durfte, spielt gewohnt intensiv die Rolle der aufrechten Einzelkämpferin inmitten der Wölfe. Brolin als selbstgefälliger Kollege und vor allem Del Toro, der den geheimnisumwitterten früheren Staatsanwalt darstellt, sind nicht minder gut besetzt. Am Ende ist Macer aber allen Versuchen zum Trotz nur eine hübsche Marionette, die der Form halber mit den grossen Jungs auf die Jagd darf, wenig zu tun oder zu sagen bekommt. Als Sympathieträger und Identifikationsfigur funktioniert das natürlich prima, schliesslich werden die meisten hier ihren Frust und ihr Unverständnis teilen. Eine starke Frauenfigur sieht aber anders aus, im testosterongeschwängerten Umfeld bleibt ihr nicht mehr als die Rolle der harmlosen Beobachterin.

Die gute Nachricht jedoch ist, dass diese inhaltlichen Schwächen nicht übermässig auffallen, zu eindrucksvoll und teuflisch spannend ist der Kampf gegen das Drogenkartell inszeniert. Schon der Auftakt, wenn sich Macers Einheit bei ihrem Einsatz schreckliche Bilder bieten, raubt einem als Zuschauer den Atem. Und das gilt auch später, als die schwarzen Vans der Einheit durch die schmutzig-blassen Strassen brettern, untermauert von wuchtigen Bassklängen. Immer wieder schiesst das Adrenalin in Sicario in die Höhe, viel Gelegenheit zur Ruhe gibt es da nicht. Wie auch, wenn man sich selbst innerhalb seines Teams nie wirklich sicher fühlen darf? Kurzweilig ist Villeneuves Ausflug in den Mainstream daher ohne Zweifel, die zwei Stunden Laufzeit des Thrillers wird man nur an wenigen Stellen merken. Und im Gegensatz zu den beiden sperrigen Thrillern des Kanadiers taugt dieser hier auch für den grossen Publikumserfolg.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Sicario

USA

2015

-

121 min.



Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Taylor Sheridan

Darsteller: Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin

Produktion: Basil Iwanyk, Thad Luckinbill, Trent Luckinbill, Edward McDonnell, Molly Smith

Musik: Jóhann Jóhannsson

Kamera: Roger Deakins

Schnitt: Joe Walker

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
Graham Dean.
Rezension zum Film von Daniel RagussisImperium

12.01.2017

- „Imperium“ erinnert nicht nur daran, dass im Schatten des islamistischen Terrors auch vor der eigenen Haustür Terror droht, sondern zeigt auch auf erschreckende Weise, wie Wahrnehmung und Realität auseinanderklaffen können.

mehr...
Jesse Eisenberg bei der Vorstellung des Films im September 2013 beim Toronto International Film Festival.
Night MovesAmibvalente Welt der Umweltaktivisten

21.12.2019

- Wie weit dürfen wir gehen, um ein berechtigtes Ideal zu verfolgen?

mehr...
Der iranische Filmregisseur Mohammad Rasoulof, März 2017.
A Man of IntegrityKampf gegen ein kaputtes System

05.05.2019

- „A Man of Integrity“ nimmt uns mit in den Norden Irans, wo eine Familie ihre Fischzucht gegen korrupte und gewalttätige Kräfte zu verteidigen versucht.

mehr...
Benicio del Toro agradece el Premio Donostia

26.09.2014 - Lo conocemos de Fear and Loathing in Las Vegas, como el Che, o uno de los Sospechosos habituales... Benicio del Toro reciobió el Premio Donostia en la ...

Brutale Repression in Panamá - Tote und Schwerverletzte

09.07.2010 - In der Provinz Bocas del Toro im Nord-osten Panamas kam es gestern (Do, 08.07) zu tödlichen Zusammenstössen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. ...

Dossier: Drogen
Propaganda
hallo

Aktueller Termin in Berlin

Flohmarkt

 jeden ersten Sonntag im Monat Flohmarkt auf der Lohmühle! Mit heissen und kalten Getränken, (veganen) Kuchen und Musik. Standaufbau ab 11:30Uhr, Standgebühr Kuchen

Sonntag, 27. September 2020 - 12:00

Wagenburg Lohmühle, Lohmühlenstr. 17, 12435 Berlin

Event in Amsterdam

Molli Cafe

Sonntag, 27. September 2020
- 12:00 -

Molli Chaoot

Van Ostadestraat 55

1072 Amsterdam

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle