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Rezension zum Film von Camille Delamarre Brick Mansions

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Ob mit Waffen, am Steuer eines Autos oder beim Treppenhaus-Parkour, Brick Mansions bietet Actionszenen am laufenden Band. Das ist teilweise spektakulär, teilweise eher langweilig und oft dank der dümmlichen Geschichte und des wenig plausiblen Verhaltens einfach nur noch ärgerlich.

Wie schon in im französischen Original «Ghettogangz – Die Hölle vor Paris», auf dem «Brick Mansions» basiert, darf David Belle, der Begründer der ParkourDisziplin, zeigen, dass Schwerkraft doch etwas Relatives ist.
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Bild: Wie schon in im französischen Original «Ghettogangz – Die Hölle vor Paris», auf dem «Brick Mansions» basiert, darf David Belle, der Begründer der Parkour-Disziplin, zeigen, dass Schwerkraft doch etwas Relatives ist. / Eleazar Castillo (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

26. April 2016

26. 04. 2016

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3 min.

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Polizisten haben sich schon länger nicht mehr in Brick Mansions blicken lassen, so wie die Regierenden das Detroiter Ghetto allgemein längst aufgegeben haben. Seither hat der Drogenbaron Tremaine Alexander (RZA) hier das Sagen. Doch als dieser eine riesige Bombe in die Hände bekommt, wird man im Rathaus doch etwas nervös. Undercover-Cop Damien Collier (Paul Walker) soll die unmögliche Aufgabe erledigen, die Massenvernichtungswaffe unschädlich zu machen und bekommt dabei Hilfe von Lino (David Belle). Der Verbrecher kennt die Gegend nicht nur in und auswendig, er hat es auch aus einem ganz persönlichen Grund auf Tremaine abgesehen: Der Bandenboss hält seine Ex-Freundin Lola (Catalina Denis) gefangen.

Es gibt Alleinstellungsmerkmale, mit denen möchte man nicht unbedingt Werbung machen. Beispiel Brick Mansions. Der Actionreisser kann sich nicht nur mit diversen bekannten Namen brüsten, sondern auch damit, der letzte abgedrehte Film mit dem vor einem Jahr unter tragischen Umständen umgekommenen Paul Walker zu sein. Immerhin darf der amerikanische Schauspieler so noch einmal seine körperlichen Vorzüge unter Beweis stellen, reihenweise Bösewichter abknallen, im Nahkampf umhauen oder auch mal auf Dächern kleine akrobatische Einlagen zeigen.

Bei Letzterem hat ihm jedoch David Belle dann doch noch einiges voraus. Wie schon in im französischen Original Ghettogangz – Die Hölle vor Paris, auf dem Brick Mansions basiert, darf der Begründer der Parkour-Disziplin zeigen, dass Schwerkraft doch etwas Relatives ist. Wenn er zum Auftakt über Balustraden hechtet, spektakulär durchs Treppenhaus springt oder auch mühelos über Wände klettert, klappt dem Zuschauer schon mal der Unterkiefer nach unten. Wie bei fernöstlichen Martial-Arts-Filmen macht daher auch hier die Akrobatik einen grossen Reiz aus, nur dass Belle dafür keine unsichtbaren Drahtseile braucht.

Doch so eindrucksvoll dieser Einstieg auch sein mag, danach wird es oft deutlich weniger spannend, manchmal sogar richtig langweilig. Das liegt zum einen daran, dass die Parkour-Sequenzen relativ selten sind, zum anderen aber auch an der dümmlichen Geschichte. Natürlich ist es im Actiongenre keine Seltenheit, wenn die Protagonisten durch jeden Kugelhagel spazieren können, ohne auch nur einmal getroffen zu werden, während alle anderen mit nur einem Schuss erledigt sind. Und dass Pathos und übertrieben coole Sprüche damit oft einhergehen, auch daran haben wir uns gewöhnt. Ein bisschen mehr Mühe hätte sich Luc Besson, der nicht nur produzierte, sondern auch am Drehbuch mitschrieb, dann aber doch geben können als beim doch arg rudimentären Brick Mansions.

Dabei ist die Ausgangssituation brauchbar, wenngleich sie auf Paris wie im Original dann doch noch besser gepasst hat als auf die ehemalige Autohochburg Detroit. Das angesprochene Thema der sozialen Ungleichheit, die Unruhen, es kommt hier insgesamt zu kurz, um tatsächlich etwas zu sagen zu haben. Das eigentliche Problem ist jedoch, dass sich hier jeder verhält wie er will, ohne dass dabei irgendwie auf Plausibilität oder Konsequenz geachtet hätte. Wenn Tremaine beispielsweise alles daran setzt, Lino auszuschalten, das im entscheidenden Moment aber aus unerklärlichen Gründen nicht tut, sondern nur dessen Freundin gefangen nimmt, hätte man ebenso gut gleich ganz auf die Geschichte verzichten können. Und an solchen ärgerlichen Momenten mangelt es nicht.

Wem es darauf nicht ankommt, sondern einfach nur Actionszenen ohne Kontext sehen mag, der darf das hier ausgiebig tun: Begleitet von fetten Beats gibt es neben den Verfolgungsjagden zu Fuss oder im Auto auch diverse nette Schiessereien und Faustkämpfe. Nur hätte es dafür eben keinen ganzen Film gebraucht, einzelne Videoclips hätten den gleichen Effekt gehabt.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Brick Mansion

Frankreich, Kanada 2014 - 90 min.

Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Luc Besson
Darsteller: Paul Walker, David Belle, RZA
Produktion: Luc Besson, Claude Léger, Jonathan Vanger
Musik: Marc Bell, Trevor Morris
Kamera: Christophe Collette
Schnitt: Ruy Diaz, Carlo Rizzo, Arthur Tarnowski

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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