Internationale Filmfestspiele Berlin Berlinale: Filmriss
Kultur
Ach ja, Gaza. Wer lässt sich deshalb schon gern die Stimmung verderben?

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Die Crew von “Gelbe Briefe (Yellow Letters)” auf dem roten Teppich an der Berlinale 2026. Foto: Elena Ternovaja (CC-BY-SA 3.0 unported - cropped)
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Ein Filmfestival ist keine Reha-Klinik für empfindsame Seelen. Früher galt die Berlinale als politischstes Festival der Welt: Da wurde gestritten, da durfte es krachen. Heute reicht ein Hüsteln, und die erste Reihe sucht nach dem Notausgang. Haltung ja – aber nur in homöopathischen Dosen. Alle tun so, als sei eine provokante Rede bereits ein Angriff auf die Demokratie. Nein. Sie ist Demokratie.
Kritische und natürlich politische Kultur, freie Rede, den anderen auf die Füsse treten, Widerspruch riskieren, provozieren: Nach den Aufregungen der letzten Tage dachte ich, ich bin im falschen Film. Leute!!!! Wr sind doch hier nicht im Autokino von Donald Trump oder Wladimir Moskwitsch! Ich erinnere nur zu ungern an die Zeit vor 100 Jahren in Berlin und drumrum: Da hat noch m Januar, Februar, März 33 fast alles, was Rang und Namen hatte und zur kulturnahen politischen Hautevolee gehörte, fleissig gekifft und gesext, Wohnungen, Weiber und Männer getauscht und den doofen Döskopp Hitler "Adolf den Bekloppten" genannt. Ja, s' is scho reacht: Nicht alle. Es ging ja nur um Juden oder Kommunisten oder beide – viele der Grossgläubigen glaubten, dass sie auch im Nazireich grosser Stars bleiben oder werden könnten.
Als SA und SS die Hochschulen und Theater, die Ateliers und Kino und Nachtclubs stürmten, waren daheim nicht mal die Koffer gepackt, geschweige denn Fahrkarten gekauft. Oft gelang die Flucht nur in allerletzter Minute - aber längst nicht allen. Auf den Strassen kloppten sich Kommunisten mit Sozialdemokraten - und hatten keine Chance gegen die braunen Gangs.
Wortmeldungen? Skandale? Heftige Debatten, Aufregung, Widerspruch? Bitte mehr davon, aber Dalli-Dalli!


