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Beach Boys: Love & Mercy | Untergrund-Blättle

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Biopic von Bill Pohlad Beach Boys: Love & Mercy

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Wer ist Brian Wilson? Eine wirkliche Antwort bietet „Love & Mercy“ nicht, dafür konzentriert sich der Film zu sehr auf sein musikalisches Genie und seine psychischen Probleme. Auch vom Drumherum erfährt man wenig. Dafür überzeugt das Biopic mit zwei glänzenden Hauptdarstellern, viel Zeitkolorit, faszinierenden Studioaufnahmen und natürlich der zeitlosen Musik der Beach Boys.

Die Beach Boys live im Central Park, Juli 1971.
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Bild: Die Beach Boys live im Central Park, Juli 1971. / ABC Television (PD)

19. Oktober 2015

19. Okt. 2015

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In den 60ern sind The Beach Boys mit gut gelaunten Popliedern längst zu Stars geworden: Ihre Alben werden regelmässig mit Gold ausgezeichnet, eine Hitsingle reiht sich an die nächste. Doch Brian Wilson (Paul Dano) ist das nicht genug, er will mit seiner Musik mehr erreichen und arbeitet wie ein besessener an dem experimentellen Album „Pet Sounds“ – zum Missfallen seines Umfelds. Zwanzig Jahre später ist von der kreativen Schaffenskraft kaum mehr etwas übrig. Wilson (nun John Cusack) ist seinem Therapeuten Dr. Eugene Landy (Paul Giamatti) und dessen fragwürdigen Behandlungsmethoden willenlos ausgeliefert. Erst als er der Autoverkäuferin Melinda Ledbetter (Elizabeth Banks) begegnet und sich in sie verliebt, beginnt sein Schicksal sich wieder zu wenden.

Als „Pet Sounds“ 1966 auf den Markt kam, waren die Reaktionen äusserst gemischt: Während das Album in England voll einschlug, reagierten die Fans in den USA zurückhaltender als sonst. Das mag zum einen an der geringen Promotionsarbeit der Plattenfirma gelegen haben, die nie wirklich an einen kommerziellen Erfolg geglaubt hatte, aber natürlich auch an dem Wandel der Musik, die nur noch wenig mit dem gewohnten Sound gemeinsam hatte. Erst später erwärmte man sich auch in der Heimat für das Album: „Pet Sounds“ wurde nicht nur nachträglich von Kritikern zu einem Meisterwerk erklärt, es wurde auch das mit Abstand meistverkaufte Album der Beach Boys.

Dass Love & Mercy, der seinen Titel von einem Wilson-Song aus dem Jahr 1988 ableitet, sich dann auch auf diesen Wendepunkt in der Karriere der Beach Boys stürzt, ist kein grosses Wunder. Für Fans wird damit ein Traum wahr, schliesslich dürfen sie so mehr darüber erfahren, wie dieses einzigartige Album entstand. Ähnlich wie bei Frank kürzlich wird auch hier der Aufnahmeprozess zu einer Ansammlung kurioser Ideen: Hunde, Hintergrundstimmen, Hupen, Haarklammern – hier kommen die seltsamsten „Instrumente“ zusammen, die dokumentarisch anmutenden Studioszenen sind faszinierend, aber auch komisch, stellenweise meint man sogar, eine tatsächliche Komödie vor sich zu haben.

Dass der Film mehr sein will, wird aber von Anfang an durch den zweiten Handlungsstrang Jahrzehnte später klar, als Wilson durch Drogen- und Medikamentenmissbrauch gezeichnet ist. Love & Mercy erzählt dann eben auch die Geschichte, wie aus dem jungen brillanten Mann ein solches Wrack werden konnte. Das ist für einige bewegende Momente gut, sowohl Paul Dano wie auch John Cusack glänzen in ihren jeweiligen Lebensabschnitten. Thematisch ist das jedoch recht eingeschränkt, geradezu voyeuristisch stürzt sich der Film auf die psychischen Probleme seines Protagonisten. Genie und Wahnsinn wird in solchen Fällen gerne immer wieder als Schlagwort benutzt, was Wilson darüber hinaus für ein Mensch war, interessiert hier weniger.

Und das gilt auch für das Drumherum, das bedingt durch den Egotrip völlig verblasst, maximal auf deren dramaturgische Rollen beschränkt wird: Brians Vater Murry (Bill Camp) und Dr. Eugene Landy sind autoritäre Despoten, deren Anerkennung Brian sucht, Melinda hat lediglich die Funktion, Brian zu retten. Besonders schade ist, wie wenig man über die anderen Bandmitglieder erfährt. Brians Cousin Mike Love (Jake Abel) gewinnt später etwas an Kontur, weil er sich offen für einen kommerzielleren Sound einsetzt, das war es aber auch schon. Die anderen drei, darunter Brians eigene Brüder? Die werden so weit in den Hintergrund gedrängt, dass man ohne Vorkenntnisse hier kaum weiss, wer denn überhaupt zur Gruppe gehört und wer nicht.

Mit der Erwartung, tiefere Einblicke in die Beach Boys an sich zu gewinnen, sollte man an Love & Mercy besser nicht herangehen: Der Film enthält zwar eine Menge Musik der Popgiganten, ist aber wie „Pet Sounds“ auch letztendlich im Herzen eine Solonummer. Als solche ist der Film jedoch unterhaltsam, kombiniert viel Zeitkolorit, einen eingängigen Soundtrack und spannende Hintergründe zu einem sehenswerten Porträt eines ungewöhnlichen Menschen.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Love & Mercy

USA 2014 - 121 min.

Regie: Bill Pohlad
Drehbuch: Michael Alan Lerner, Oren Moverman
Darsteller: John Cusack, Paul Dano, Elizabeth Banks
Produktion: Bill Pohlad, Claire Rudnick Polstein, John Wells
Musik: Atticus Ross
Kamera: Robert Yeoman
Schnitt: Dino Jonsäter

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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