UB-Logo Online MagazinUntergrund-Blättle

Batman & Robin | Untergrund-Blättle

6082

Kultur

Batman & Robin Batman als billiger Treppenwitz

Kultur

Die Idee Batman verkommt im Film zu einem billigen Trivialgeschehen, einem Treppenwitz, wie man es tagtäglich in wenig interessanten und humorvollen Kurz-Comics in vielen Zeitungen hundertfach zu sehen bekommt – nur extrem auf zwei Stunden in die Länge gezogen.

Cosplay im Sommer 2013, London Comic Con.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Cosplay im Sommer 2013, London Comic Con. / Roger Murmann (CC BY 2.0 cropped)

28. Dezember 2020
1
1
6 min.
Korrektur
Drucken
Der „Spiegel“ schrieb über diesen Film 1997: „Das ist keine Geschichte, die noch zu erzählen wäre, sondern eine Kiste mit Kleingeld, die hin und her geschüttelt wird. Viel Kleingeld! Dazu viele halbe Ideen, viele Effekte, viele Kostümwechsel, viele Stars. ‘Batman & Robin’ ist kein Film, sondern eine Party, in der allerhand zu Bruch geht. Er könnte zehn Minuten oder drei Stunden dauern. Man hat sich auf 125 Minuten geeinigt. Das heisst: Man schläft für runde zwei Stunden neben einem Pressluftbohrer.“ Vernichtend.

Anders der „Filmdienst“ 13/1997: „Bösewichter und Nebenfiguren drängen diesmal Batman samt alter ego Bruce Wayne aus der Position der Hauptrolle hinaus; in episodischer, gleichwohl stringenter Form werden ihre Taten geschildert, in denen das Actionelement überwiegt, die Tragik gerade des Bösen aber besonderes Gewicht erhält. In der aufwendigen Ausstattung einerseits an die 30er-Jahre-Comics angelegt, andererseits genährt aus Stilzitaten von Gotik über Futurismus bis zum 70er-Jahre-Chic, was eine eindeutige Utopie zu verneinen scheint. Wortwitz und wohldosiertes Tempo sorgen für beachtlichen Unterhaltungswert.“ Also ansehen.

Der Wissenschaftler Dr. Victor Fries (Arnold Schwarzenegger) ist mehr als verbittert. Nicht nur, dass seine Frau an einer für unheilbar gehaltenen Krankheit leidet und Fries sie deshalb hinter Glas „konserviert“, bis das von ihm entwickelte Medikament wirkt. Er selbst muss seit einem Unfall darauf achten, dass seine Körpertemperatur sich um den Gefrierpunkt einpendelt. Fries ist ein menschlicher Eisblock. Beides – der Unfall und die Krankheit seiner Frau – haben Fries Wesen verändert. Er will alles und möglichst jeden in Eis erstarren lassen, hat entsprechende Waffen zur Vereisung entwickelt und verbreitet als Mr. Freeze verkleidet Angst und Schrecken.

Die junge Biologin Pamela Isley (Uma Thurman) ist nicht minder verrückt. Als fanatische Umweltschützerin will sie die Herrschaft aller Pflanzen – und dafür soll zur Not die menschliche Rasse untergehen, die die Flora gefährdet. Ebenfalls durch einen Unfall wird aus Isley die grün gekleidete Poison Ivy, Markenzeichen: Wer sie küsst, wird vergiftet.

Es dauert nicht sehr lange, bis Eismann und Pflanzengiftnudel entdecken, dass sie – zumindest begrenzt – gemeinsame Ziele verfolgen. Keine leichte Aufgabe für Batman alias Bruce Wayne (George Clooney) und seinen jungen Partner Robin alias Dick Grayson (Chris O’Donnell). zumal beide ihre eigenen Probleme haben. Robin fühlt sich zu sehr in seiner Entscheidungsfreiheit eingeengt, weil Batman immer genau zu wissen glaubt, was zu tun ist. Und Batman fürchtet um das Leben seines Butlers Alfred (Michael Gough), der an derselben furchtbaren Krankheit leidet wie Fries Frau.

Der Kampf gegen Fries und Poison Ivy wird noch dadurch erschwert, dass den beiden das künstlich aufgemotzte und manipulierbare Muskelpaket Bane (Jeep Swenson) zur Seite steht. Batman und Robin hinzu gesellt sich die Nichte Alfreds, Barbara Wilson (Alicia Silverstone), die sich als Batgirl einen Namen im Kampf gegen das Böse erarbeiten will ...

Nach „Batman“ (1989, mit Jack Nicholson, Michael Keaton und Kim Basinger; Regie: Tim Burton), „Batman Returns“ (1992, mit Michael Keaton, Danny DeVito, Michelle Pfeifer; Regie: Tim Burton) und „Batman Forever“ (1995, mit Val Kilmer, Jim Carrey, Tommy Lee Jones und Nicole Kidman; Regie: Joel Schumacher) tanzt Joel Schumachers Fortsetzung der Reihe in fast jeder Hinsicht aus der Reihe.

Die Geschichte ist gespickt mit nicht weiter hinterfragten und zumeist unglaublichen Ereignissen (Schwarzeneggers Nullpunkt-Körpertemperatur, Thurmans Metamorphose zur menschlichen Giftpflanze mit umweltschützerischem Ursprung), Dialogen, die an Trivialität kaum zu wünschen übrig lassen, Charakteren, die keine sind, und mit einem überkandidelten Feuerwerk an Action um der Action willen, so dass jedem deutlich werden müsste, dass hier Hollywood kräftig und ausschliesslich auf das Motto „Die Kasse muss stimmen“ gesetzt hat anstatt auf eine Fortsetzung der eher düsteren Burton-Inszenierungen. Bei Burton kam die Diskrepanz zwischen einer technisch überformten Welt und der emotionalen Nöte der Figuren noch deutlich zum Ausdruck. Batman war zum einen Kämpfer, nicht nur gegen das Unrecht, das Böse, sondern das konkrete Böse der Moderne, zum anderen aber selbst besessen und irregeleitet.

Davon ist bei Schumacher nichts, wirklich gar nichts mehr zu spüren. Das fängt an bei den Figuren. Schwarzenegger, der aussieht wie eine Mischung aus Robocop und Michelin-Mann (James Berardinelli), reduziert den Bösewicht auf „das Böse“, spricht: auf’s Vereisen, und bemüht sich nicht einmal, seine laut Drehbuch doch so furchtbare Vergangenheit glaubhaft an den Mann und an die Frau zu bringen. George Clooney – ich mag ihn ja wirklich, aber als Batman wirkt er in diesem Film wie der Sonnyboy von nebenan, der eben mal sein Kostüm überstreift und ansonsten äusserst banale Reden schwingt. Wenn die Helden schon so minderbemittelt sind, wie muss es dann um die „normalen“ Menschen in Gotham City stehen? Über Chris O’Donnell sollte man lieber schweigen.

Denn seine Rolle ist letztlich in dem ganzen Affentheater völlig überflüssig. Ist es das Drehbuch oder liegt es am schauspielerischen Unvermögen: jedenfalls kann sich dieser Robin nicht entscheiden, ob er die Giftpflanze Ivy oder die blasse Nichte des Butlers liebt. Ich bezweifle, dass beide Helden überhaupt in der Lage sind, zu lieben oder andere Gefühle zu haben. Und Uma Thurman? Sie gibt vielleicht ihr bestes, und einige Szenen mit ihr sind durchaus ganz nett. Das reicht nur für einen Film von über zwei Stunden in keiner Weise aus.

Als Batmans Freundin Julie (Elle Macpherson) ihren Helden fragt, wann er sie endlich heiraten würde, antwortet der, es gebe Dinge in seinem Leben (sein Dasein als Batman), die sie nicht verstehen würde; er könne ihr wahrscheinlich kein guter Ehemann sein. Sie antwortet, sie könne nicht ewig warten. Schnitt. Diese Szene ist typisch für den Film. Das alles klingt so beiläufig, alltäglich, als wenn die Schauspieler nicht so richtig bei der Sache wären. Als Butler Alfred Batman erzählt, er habe eine für unheilbar gehaltene Krankheit, reagiert Batman, als ob er verstanden hätte, Alfred müsse für zwei Wochen verreisen und er müsse halt mal selbst im Haus zurecht kommen. Vor dem Hintergrund, dass laut Drehbuch Alfred den Helden grossgezogen hat wie ein Vater und beide sich lieben, kann man sich nur noch wundern, wie wenig Regisseur Schumacher auf die Glaubwürdigkeit von Geschichte und Figuren wert gelegt hat.

„Batman & Robin“ ist weniger als ein milder Abklatsch der Burton’schen Filme. Zudem können der enorme Aufwand an Ausstattung, Tricks, Kostümen etc. sowie die inflatorisch daherkommenden Actionszenen, die zudem auch nicht gerade Spannung aufkommen lassen, über die inhaltlichen Mängel dieser Story nicht im mindesten hinwegtäuschen. All das wirkt, als wolle Schumacher durch hastige Bewegungen, Stunts und viel Gepolter diese Mängel zukleistern.

Die Idee Batman verkommt zu einem billigen Trivialgeschehen, einem Treppenwitz, wie man es tagtäglich in wenig interessanten und humorvollen Kurz-Comics in vielen Zeitungen hundertfach zu sehen bekommt – nur extrem auf zwei Stunden in die Länge gezogen. Irgendwann schaut man nicht mehr hin. Gelacht habe ich in diesen 125 Minuten nicht einmal, gerührt war ich auch nicht. Zum Heulen.

Ulrich Behrens

Batman & Robin

USA

1997

-

125 min.

Regie: Joel Schumacher

Drehbuch: Akiva Goldsman

Darsteller: George Clooney, Chris O’Donnell, Arnold Schwarzenegger

Produktion: Benjamin Melniker, Michael E. Uslan

Musik: Elliot Goldenthal

Kamera: Stephen Goldblatt

Schnitt: Dennis Virkler

Mehr zum Thema...
Batman LogoProjektion während der Filmaufnahmen zu "The dark night rises"  brian donovan
Batman FilmkritikThe Dark Knight Rises - Against Occupy

22.10.2012

- Graeber konnte im Grunde nicht anders, als The Dark Knight Rises zu kommentieren, denn in diesem Film bricht in New York, pardon, Gotham City, der Aufstand aus.

mehr...
Joel Coen in Cannes, 2001.
Fargo - Rezension zum Film von Joel CoenDie Brutalität des Alltags

03.12.2018

- In dem 1996 entstandenen Streifen „Fargo“ löst der Autoverkäufer Jerry Lundegaard ungewollt eine Lawine tragischer Ereignisse aus.

mehr...
Metrobus in DC in Tenleytown, Washington.
Rezension zum Film von Oliver StoneSnowden

14.10.2018

- «Snowden» von Oliver Stone kam zu spät um Relevanz zu besitzen, bleibt bei seiner Story und der Umsetzung etwas zu konventionell und hat maximal einen geringen Wiederanschauungswert.

mehr...
Faszination Batman-Comics

28.09.2011 - Wir widmen uns jetzt einem bestimmten Comic bzw. einem bestimmten Helden. BATMAN existiert seit über 70 Jahren von Bob Kane geschaffen und von Bill ...

Comics in Europa - Europa-Bilder im Comic

26.04.2010 - Comics in Europa - Europa-Bilder im Comic Superman, Batman und ihre zahlreichen Superhelden-KollegInnen sind AmerikanerInnen - aber mit Asterix, Tim und ...

Dossier: Klimawandel
Klimawandel
Propaganda
Helene Fischer: Von Kinderhand für mich gemacht

Aktueller Termin in Mülheim

Open Door

Freitag, 22. Oktober 2021 - 19:00

Az Mülheim, Auerstraße 51, 45468 Mülheim

Event in Düdingen

Mueran Humanos

Freitag, 22. Oktober 2021
- 21:00 -

Bad Bonn

Bonn 2

3186 Düdingen

Mehr auf UB online...

Untergrund-Blättle