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Ari – Das Leben passiert nur einmal

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Ari – Das Leben passiert nur einmal Eine nur intuitive Perspektive

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Kultur

Ari – Das Leben passiert nur einmal“ begleitet einen jungen Mann, der seine Arbeit als angehender Lehrer wegwirft und nun nach einem Ersatz sucht.

Die französische Filmregisseurin Léonor Serraille beim 52. Internationalen Filmfestival in Rotterdam, 3. Februar 2023.
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Die französische Filmregisseurin Léonor Serraille beim 52. Internationalen Filmfestival in Rotterdam, 3. Februar 2023. Foto: Vera de Kok (CC-BY-SA 4.0 cropped)

Datum 28. Februar 2026
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Lesezeit4 min.
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Das ruhig erzählte Drama mag keine grossen Erkenntnisse mit sich bringen und selbst ziellos sein, ist aber einfühlsam und gut beobachtet.

Eigentlich war Ari (Andranic Manet) auf dem besten Weg, Lehrer zu werden. Doch während einer Prüfung wird dem Referendar alles zu viel und er bricht in sich zusammen. Zwar wird er krankgeschrieben und könnte die Prüfung wiederholen. Ari wurde dadurch aber bewusst, dass ihm das zu viel ist und er diese Arbeit nicht machen kann, weshalb er alles abbricht. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wirft ihn sein entnervter Vater (Pascal Rénéric) daraufhin aus der Wohnung und verschärft die Krise damit noch. Auf der Suche nach einer Bleibe, klappert der 27-Jährige daraufhin frühere Freunde und Freundinnen ab und landet unter anderem bei Jonas (Théo Delezenne) und Clara (Eva Lallier Juan). Dabei muss er nicht nur nach einem Weg in die Zukunft suchen. Er muss sich zudem mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, vor der er sich lange gedrückt hat …

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Es ist ein in Filmen immer wieder beliebtes Szenario: Die Hauptfigur wird durch einen Vorfall aus der Bahn geworfen und muss sich dabei mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Oft geht das mit einer Rückkehr in die alte Heimat einher. Bei Nur für einen Tag musste kürzlich etwa eine angehende Gourmetköchin ihre in der Provinz lebenden Eltern unterstützen, wodurch sie ihrer alten Liebe wiederbegegnet. Oft sind es auch Todesfälle, die einen dazu zwingen, unverarbeitete Themen und alte Wunden anzugehen. Ganz so fatal wird es bei Ari – Das Leben passiert nur einmal nicht, wenn es dort „nur“ um den Verlust der Arbeit und der damit verbundenen Perspektive geht. Doch auch das kann ein Anlass sein für eine Nabelschau, wie das französische Drama beweist.

Regisseurin und Drehbuchautorin Léonor Serraille (Bonjour Paris) beschränkt sich dabei nicht auf den Protagonisten. Tatsächlich stellt sich heraus, dass irgendwie alle der Figuren mit Ende zwanzig nicht ganz da sind, wo sie sein wollen, oft aber auch nicht sagen können, wie es denn sein sollte. Ari – Das Leben passiert nur einmal erzählt davon, wie es ist, ein wenig durch das Leben zu stolpern, schon irgendwie weiterzumachen, ohne aber wirklich ein Ziel zu erreichen. Das zeigt sich gerade am Beispiel Jonas, der in einem luxuriösen Haus lebt, verheiratet ist und ein Kind hat, zudem selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen. Nur geht vieles darauf zurück, dass sein Vater Geld hat, wirklich geschafft hat er nichts, was in einer besonders hässlichen Szene klar wird. Zwar sollen die beiden Männer Freunde sein. Wirklich klar ist aber nicht, warum das der Fall sein sollte.

Eine nur intuitive Perspektive

Diese harte Konfrontation ist eine der wenigen Szenen, in denen der Ton schriller wird und Serraille wirklich wehtun will. Ansonsten ist das französische Drama recht ruhig und mäandernd, wenn sich der Protagonist treiben lässt und immer nur für den Moment lebt. Das Generationenporträt gibt selbst auch keine Richtung vor, sagt nicht, worin der Sinn des Lebens besteht. Für manche könnte Ari – Das Leben passiert nur einmal deshalb unbefriedigend sein, zumal die Figuren etwas anstrengend sind. Wenn es zum Ende hin dann doch positiver und hoffnungsvoller wird, dann ohne eine schlüssige Begründung zu geben. Das läuft eher intuitiver und unbewusster ab, nicht auf einer intellektuellen Ebene.

Das mag dann zwar nicht wirklich mit einer Aussage verbunden sein, die Diskussionsanstösse sind ein bisschen dünn. Und doch ist das Ergebnis sehenswert. Der Film, der 2025 im Wettbewerb der Berlinale seine Weltpremiere feierte, ist auf der einen Seite das Porträt einer Generation, die nicht weiss, was sie mit sich anfangen soll. Gleichzeitig hat Ari – Das Leben passiert nur einmal aber auch zeitlose Themen, wenn es etwa um Erwartungshaltungen geht, um den Druck, den wir ausgesetzt sind, wenn wir beruflich zu etwas kommen wollen. Wo aber etwa Jetzt oder gleich diesen Themenbereich mit spöttischem Humor begleitet, da geht Serraille mit viel Einfühlungsvermögen zur Sache. Sie mag etwas älter sein als die Menschen, von denen sie erzählt, vermittelt dabei dennoch das Gefühl, dass ihre beobachtende Kamera – und damit das Publikum – Teil dieser Sinnsuche ist.

Oliver Armknecht
film-rezensionen.de

Ari – Das Leben passiert nur einmal

 Frankreich

2025

-

88 min.

Regie:  Léonor Serraille

Drehbuch: Léonor Serraille

Darsteller: Andranic Manet, Pascal Rénéric, Théo Delezenne

Produktion: Sandra da Fonseca, Grégoire Debailly

Kamera: Sébastien Buchmann

Schnitt: Clémence Carré