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Aliens – Die Rückkehr Mother vs. Mother

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„Alien“ von Ridley Scott gehört sicherlich zu den Klassikern des in Form eines Sciencefiction inszenierten Horrorfilms. Sequels haben es bei solchen Filmen schwer.

Utensilien aus dem Film Aliens.
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Bild: Utensilien aus dem Film Aliens. / Urko Dorronsoro (CC BY-SA 2.0 cropped)

13. Oktober 2020

13. 10. 2020

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James Cameron allerdings („The Terminator“, 1984; „Terminator 2: Judgment Day“, 1991; „True Lies“, 1994; „Titanic“, 1997; „Dark Angel“, TV 2000) gelang mit „Aliens“ 1986 eine nicht nur konsequente, sondern auch in sich stimmige Fortsetzung der Geschichte, die allerdings das Schwergewicht etwas deutlicher auf Action verlagerte. Die Geschichte ist zudem für sich verständlich; die Kenntnis von Scotts „Alien“ nicht Voraussetzung, um diesen Film zu geniessen.

Seit 57 Jahren treibt Ellen Ripley eisgekühlt durch das All, als sie durch eine Rettungsschiff mehr oder weniger zufällig gefunden wird. Sie ist nicht älter geworden. Nur ihre geliebte Katze Jones hat die Schlacht mit den Aliens noch überlebt. Ripley muss vom Vertreter der Gesellschaft, für die sie gearbeitet hat, Burke (Paul Reiser), erfahren, dass ihre Tochter zwei Jahre zuvor im Alter von 66 Jahren gestorben ist. Ihre Geschichte vom Kampf gegen die Aliens nimmt ihr niemand so richtig ab, zumal der Heimatplanet LV-426 der menschenfleischfressenden Kreaturen inzwischen eine Kolonie der Menschen geworden ist. Ripley ist zudem verantwortlich für die Zerstörung des Transport-Raumschiffs und damit für einen Millionenverlust der Gesellschaft. Man entzieht ihr die Pilotenlizenz.

Wenig später erscheint Burke bei Ripley und erzählt ihr, man habe den Kontakt zu LV-426 verloren. Ein Militärkommando wolle sich zu dem Planeten begeben, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die Gesellschaft wolle Ripley als Beraterin dabei haben. Unter einer Bedingung erklärt sich Ripley bereit, an dem Unternehmen teilzunehmen: Burke muss versprechen, die Aliens, auf die man dort sicher treffe, zu eliminieren und kein Exemplar dieser gefährlichen Spezies mit auf die Erde zurückzunehmen. Burke stimmt zu.

Die Bedenken Ripleys sind berechtigt. Denn die Gesellschaft wollte schon vor 57 Jahren Aliens auf die Erde transportieren, um mit ihrer Hilfe bzw. ihrem genetischen und chemischen Material Waffen herzustellen. In der Gesellschaft hartgesottener und mit den modernsten Waffen ausgerüsteter Soldaten beginnt die Reise Ripleys zurück an den Ursprung des Horrors. Auch Truppenkommandeur Apone (Al Williams), der Gefreite Hudson (Bill Paxton), Corporal Hicks (Michael Biehn) und die megacoole J. Vasquez (Jenette Goldstein) wollen Ripleys Geschichte nicht so recht glauben. Zudem an Bord ist der Androide Bishop (Lance Henriksen), dem Ripley misstraut, weil sie glaubt, er sei wie der Androide Ash 57 Jahre zuvor ein Agent der Gesellschaft, deren einziges Interesse die Lieferung eines Alien sei.

Schon bald müssen die Militäreinheit und Ripley feststellen, dass auf LV-426 kein menschliches Wesen überlebt hat – bis auf eines: Versteckt in einem Winkel der Basisstation findet Ripley das völlig verstörte neunjährige Mädchen Rebecca (Carrie Henn), die sich Newt nennt und deren Eltern und Bruder von den Aliens getötet wurden. Newt kennt sich in der Basisstation aus wie kein anderer, weil sie sich die letzten Wochen mit einigem Geschick vor den Aliens verstecken musste.

Newt zweifelt daran, dass die Soldaten eine Chance gegen die Aliens haben – inzwischen mehrere Hundert. Ein Soldat nach dem anderen wird Opfer der gewissenlosen Fleischfresser. Zudem muss Ripley feststellen, dass Burke noch immer den Auftrag hat, einen der Ausserirdischen zur Erde zu bringen und alles andere für die Gesellschaft unwichtig ist ...

Im Gegensatz zu Scotts „Alien“ setzt James Cameron in der Fortsetzung der Geschichte verstärkt auf den „militärischen“ Aspekt des Kampfs gegen die Aliens. Nicht nur die haben sich vermehrt, auch die andere Seite, die Menschen, schickt Truppen. Der kriegerische Charakter der meisten Szenen bedeutet jedoch nicht, dass Cameron Geschichte und Figuren vernachlässigt. Im Zentrum der Handlung steht Ripley, die gerade erfahren hat, dass ihre eigene Tochter gestorben ist, die psychisch sehr angeschlagen ist, die Alpträume quälen und die sich in einer Welt zurechtfinden muss, die eigentlich nicht mehr die ihre ist.

Konfrontiert mit der skrupellosen Politik ihrer Gesellschaft entschliesst sie sich, den Kampf gegen die Bestien trotzdem aufzunehmen. Ihr ist bewusst, welche Folgen der Transport auch nur eines Alien auf die Erde hätte. Sie weiss, dass man die reptilienartigen, mit scharfen Zähnen ausgestatteten Ausserirdischen nicht in irgendeiner Weise zähmen kann, dass sie eine spezifische Intelligenz haben und einen extremen Arterhaltungstrieb, gegen den kein Kraut gewachsen ist.

Ripley trifft auf Newt. Und ab diesem Zeitpunkt kennt sie nur zwei Ziele: die Aliens vernichten und Newt gesund nach Hause bringen. Dieser sich anbahnenden Mutter-Tochter-Beziehung gegenüber steht die Königin der Alien, die aus ihrer Sicht der Dinge dasselbe Interesse hat: den Schutz ihrer Kinder, was in diesem Fall vor allem bedeutet: Ernährung durch Menschenfleisch.

Besonders beeindruckend sind tatsächlich die Szenen mit Ripley und Newt; hier hat Sigourney Weaver – neben den Kampfszenen – ihre besten Momente; daneben die Szenen, in denen sie gegen die feindliche Mutter der Alien, die Königin, zu Felde zieht, etwa wenn sie Newt aus dem Gespinst der Königin befreit oder mit einer Art Kran gegen die Königin kämpft, um die daran zu hindern, Newt zu fressen. Dank Cameron erfährt man mehr über die Aliens, die ähnlich wie Insekten leben.

Sie schlüpfen aus eierähnlichen Gebilden, suchen sich einen Wirt, Menschen, nisten sich in dessen Brust ein, und wenn sie einige Zeit gewachsen sind, platzen sie aus der Brust heraus mit der Folge des Todes der Wirte. Sie haben Gehirn, Instinkt, sind in der Lage, z.B. einen Fahrtstuhl anzuhalten oder die Stromzufuhr zu unterbrechen. Sie sind lernfähig und können sich untereinander verständigen. Die Königin wird durch Soldaten-Aliens geschützt. In gewisser Weise fördert dies ein minimales Verständnis für die nichtsdestotrotz gefährlichen Kreaturen; ihr Verhalten ist nachvollziehbar.

Cameron gelingt ebenso wie schon Scott, eine klaustrophobische Atmosphäre herzustellen. Einige Szenen sind hier besonders bemerkenswert, etwa als Ripley und Newt im Laboratorium eingeschlossen sind und ein Alien sie bedroht. Die Tür ist verriegelt. Die Panzerglasscheiben, lassen keinen Laut nach aussen dringen. Eine gespenstische, äusserst adrenalintreibende Sequenz. Ripley hat einen lebensrettenden Einfall: Mit Hilfe eines Feuerzeugs löst sie Feueralarm aus und alarmiert die Soldaten.

„Aliens“ entwirft eine Welt der Zukunft, über die nicht sehr viel Positives zu vermerken ist – wie schon „Alien“. Noch deutlicher, weil personalisiert, kommt zum Ausdruck, dass die Skrupellosigkeit einer Gesellschaft und ihrer Protagonisten im Grunde tragischer ist als das Verhalten der Aliens. Letztere funktionieren nach einem ganz anderen biologischen Prinzip, sie sind offensichtlich nicht mit einer Gewissensinstanz ausgestattet, töten um zu überleben und sich zu vermehren. Die Menschen dagegen töten aus Macht- und Profitinteressen.

Burke, eindrücklich gespielt von Paul Reiser, vordergründig ein sympathischer, fast zuvorkommender Mann, ist personifizierter Ausdruck dieser Bestialität. Er ist bereit, die gesamte militärische Einheit und alle anderen zu opfern, nur, um einen Alien auf die Erde zurückzubringen. Als er auffliegt, diskutieren die anderen, ob sie ihn nicht umbringen sollen. Sie lassen es, was Burke später ermöglicht, seine Absichten weiterzuverfolgen.

Die special effects sind professionell gemacht, die Alien-Figuren beängstigend und nicht Produkte eines Computers, sondern hand-made. Das Szenenbild ist optimal konfiguriert für die etlichen Kämpfe in Luftschächten, dunklen Gängen usw.

„Aliens“ ist eines der wenigen Sequels, die dem Original in nichts nachstehen – eine gelungene Mischung aus Sciencefiction, Horror, Action and Crime. Dabei knüpft Cameron an Scotts „Alien“ nahtlos an und schafft trotzdem einen eigenen Stil und eine in sich geschlossene Geschichte.

Ulrich Behrens

Aliens – Die Rückkehr

USA

1986

-

154 min.



Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron

Darsteller: Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn

Produktion: Gale Anne Hurd

Musik: James Horner

Kamera: Adrian Biddle

Schnitt: Ray Lovejoy

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