UB-LogoOnline MagazinUntergrund-Blättle

Ex Machina: Alex Garlands Regiedebüt | Untergrund-Blättle

2368

kultur

ub_article

Kultur

Ein Science-Fiction-Film der etwas anderen Art Ex Machina: Alex Garlands Regiedebüt

Kultur

Ex Machina kann in technischer Hinsicht vollends überzeugen und weiss auch trotz einiger Längen, und dem gelegentlichen Fehlen von Spannung, zu unterhalten.

Der Roboter iCub in der Entwicklungsumgebung.
Mehr Artikel
Mehr Artikel
Bild ansehen

Bild: Der Roboter iCub in der Entwicklungsumgebung. / Jllin der Wikipedia auf Englisch (CC BY-SA 3.0 unported - cropped)

19. April 2015

19. 04. 2015

0
0
3 min.
Korrektur
Drucken
Der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt bei der unternehmensinternen Lotterie. Als Hauptpreis darf er eine Woche bei seinem Chef Nathan (Oscar Isaac) wohnen. Dieser lebt hoch im Norden in einem weit abgeschiedenen Haus. Doch Caleb merkt schnell, dass er nicht zum Quatschen eingeladen wurde. Nathan hat nämlich in Form des weiblichen Roboters Ava (Alicia Vikander) eine vollständig künstliche Intelligenz geschaffen. Diese soll Caleb jetzt auf ihre Ähnlichkeit zum Menschen testen. Doch der junge Programmierer gerät schon bald zwischen die Fronten und kann sich nicht mehr sicher sein, wem er noch vertrauen kann.

Was uns Regisseur Alex Garland hier präsentiert, ist ein Science-Fiction-Film der etwas anderen Art. Fernab von epischen Bildern, Laserstrahlen und düsteren Zukunftsvisionen mit panischen Menschenmassen, präsentiert uns Garland seinen Sci-Fi-Film als eine Art Kammerspiel. Doch Garland schafft es erst gegen Ende des Films, den begrenzten Platz und die damit verbundenen Auswirkungen seines Handlungsortes einzusetzen. Dabei gibt es schon einiges, was man Ex Machina zugutehalten kann.

Auf technischer und visueller Ebene weiss es fast durchweg zu überzeugen. Nathans Haus, das hier quasi das einzige Setting abliefert, sieht architektonisch nicht nur überwältigend aus, sondern kann auch immer wieder mit neuen visuellen Spielereien punkten. Hinzu kommen immer wieder ausgewählte Naturaufnahmen, die eigentlich schon für sich ein Augenschmaus sind. Abgerundet von einem atmosphärisch treibenden Soundtrack, kann man Ex Machina technisch nichts vorwerfen. Gar nichts? Nun ja, man mag es Erbsenzählerei nennen, doch wenn man die technische Ausstattung eines Films so lobt, sollte man vielleicht auch kleinere Verfehlnisse erwähnen. Diese finden sich hier hin und wieder in Form von gekörnten oder verwackelten Bildern wieder, was zwar nicht hochgradig störend, aber doch auffällig unprofessionell ist.

Auf erzählerischer Ebene gibt es dann doch etwas mehr zu bemängeln. Nach starkem Beginn, flacht das Erzähltempo gegen Mitte des Films merklich ab, um gegen Ende wieder deutlich an Fahrt aufzunehmen. Doch nach besagtem Ende bleibt eine grosse Botschaft aus. Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland hält sich mit seiner Message eher an Werke wie Goethes „Der Zauberlehrling“ oder Dürrenmatts „Die Physiker“. Und auch macht er sich nicht die Mühe, alle Fragen, die er zwischendurch aufgeworfen hat, zu beantworten. Doch auf dieser erzählerischen Ebene gibt es auch Positives anzumerken. So ist es spannend, die Dialoge zwischen den einzelnen Figuren mit zu verfolgen, und nicht selten werfen diese interessante philosophische Fragen auf.

Von der darstellerischen Ebene gibt es nicht viel zu berichten. Gleeson und Vikander spielen ihre Rollen wirklich sehr überzeugend, doch letztlich schafft es einzig Oscar Isaac einem länger in Gedächtnis zu bleiben, was aber auch daran liegt, dass er sämtliche Facetten seines Charakters zum Besten geben darf. Manchmal ist er das über allem stehende technische Genie, manchmal der schwache, von der Aussenwelt isolierte Säufer. Und ab und zu wirkt er in seiner Ausdrucksweise, als sei er Mitglied einer unterprivilegierten Strassengang, die gerade zum ersten Mal ein Kunstmuseum von Innen gesehen hat. Zu anderen Charakteren gibt es nichts zu sagen, da es einzig diese drei sind, die sich in Alex Garlands Regiedebüt gegenseitig belauern, und bei denen man bis zum Ende nicht weiss, wer lügt, und wer nicht.

Bastian Quednau
film-rezensionen.de

Ex Machina

GB

2015

-

108 min.



Regie: Alex Garland

Drehbuch: Alex Garland

Darsteller: Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac

Produktion: Andrew MacDonald, Allon Reich

Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury

Kamera: Rob Hardy

Schnitt: Mark Day

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

Mehr zum Thema...
TORO, ein Humanoider Roboter der DLR (Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt).
Von den Anfängen der RobotikDie Geschichte der Roboter

07.07.2010

- Zur Geschichte: Anders als viele Technologien, die einen starken Einfluss auf Mensch und Gesellschaft haben, entstanden Roboter nicht zuerst als Technologie, mit der man dann umzugehen erst erlernen musste.

mehr...
Stanley Kubrick Ausstellung im Los Angeles County Museum of Art.
Rezension zum Film von Stanley KubrickUhrwerk Orange / A Clockwork Orange

06.01.2015

- Nach 2001: Odyssee im Weltraum liegt mit Uhrwerk Orange ein weiterer Science-Fiction-Film von Stanley Kubrick vor.

mehr...
up
The Purge: AnarchyPolitisch angehauchter Nervenkitzel

30.09.2018

- «The Purge 2: Anarchy» reizt nun das Potenzial aus, was sein Vorgänger hat liegen lassen. Das ist nicht perfekt, aber wer sich an kleineren inhaltlichen Schwächen nicht weiter stört, der wird mit diesem Film eine gute Zeit haben.

mehr...
Born in Flames - feministische Science Fiction

05.03.2020 - Born in Flames - Ein Klassiker der feministischen Filmgeschichte, ein pseudodokumentarischer feministischer Science-Fiction-Film von Lizzie Borden aus dem ...

Der Nationalsozialismus im Film

22.11.2012 - Das Kino war ein entscheidender Ort nationalsozialistischer Selbstdarstellung, und der Film hat sich seit den faschistischen Propaganda-Bildern ...

Dossier: Automatisierung
Propaganda
Online Surveillance

Aktueller Termin in Wien

ROTER STERN FLOHMARKT

also es gibt einen flohmarkt wieder!

Donnerstag, 24. September 2020 - 16:00

ROTER STERN MEXIKOPLATZ, Peter-Jordan 76, 1190 Wien

Event in Berlin

Sama ist ab jetzt wieder offen. Wie gewohnt ...

Donnerstag, 24. September 2020
- 20:00 -

Sama32

Samariterstraße 32

10247 Berlin

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle