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Akira Kurosawas Träume Der Verlust der Unschuld

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„Akira Kurosawas Träume“ ist ein besonders schöner Film des japanischen Altmeisters, eine in acht Träume aufgeteilte Geschichte über den Verlust von Unschuld und die Möglichkeit für die Menschen, das Unglück abzuwenden.

Akira KurosawaDenkmal im Ueno Park, Tokyo, Japan.
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Bild: Akira Kurosawa-Denkmal im Ueno Park, Tokyo, Japan. / Daderot (PD)

27. September 2020

27. 09. 2020

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Wenn man einmal den starken Kontrast der letzten Episode ausser Acht lässt, ist dies ein eindrucksvoller, kraftvoller letzter Film eines Meisters der Filmkunst.

Aufgeteilt in acht Träume verfolgt der Film das Leben des Protagonisten, der nur „Ich“ genannt wird. Als Junge (Toshihiko Nakano) wird er Zeuge einer Hochzeitsprozession von Tieren während eines Sommerregens, etwas, vor dem ihn seine Mutter (Mitsuko Baisho) gewarnt hatte. Wieder zu Hause muss er die Folgen seiner Tat erdulden.

Jahre später ist „Ich“ zu einem jungen Mann (Mitsunori Isaki) herangewachsen, der bei der Rückkehr in sein altes Zuhause feststellen muss, dass der Pfirsichgarten, in dem er sich als Kind so gern aufgehalten hat, nun abgeholzt werden soll.

Später ist „Ich“ (nun gespielt von Akira Terao) Teil einer Gruppe Bergsteiger und schliesslich Soldat, der nach Hause kommt, gezeichnet von den vielen Freunden, die er hat sterben sehen. Schockiert von den Schrecken des Krieges entdeckt er die Kunst für sich und trifft auf den Künstler Vincent van Gogh (Martin Scorsese), der ihm von seiner Motivation als Künstler berichtet. In einem weiteren Traum sieht er, wie Japan und die ganze Welt nach mehreren Nuklearkatastrophen zerstört und schliesslich von Dämonen besetzt wird.

In einem letzten Traum erreicht er ein Dorf in der Nähe eines Flusses, einen idyllischen Ort, dessen Bewohner in Frieden mit sich und der Umwelt zu sein scheinen. Er beschliesst, den Dorfältesten (Chishu Ryu) nach dem Geheimnis des Ortes zu fragen.

Der Verlust der Unschuld

Nachdem die Produktion seines Kriegsepos Ran ihn viel Kraft gekostet hatte, sah es so aus, als wäre dies der letzte Film Akira Kurosawas gewesen, nicht zuletzt, weil Ran zwar viel Kritikerlob erhielt, aber wenig Geld einbrachte. Seine Bewunderung für den russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski, nach dessen Vorbild Kurosawa seit vielen Jahren ein Traumjournal führte, brachte ihn dazu, die Produktion für seinen letzten Film zu beginnen, der auf eben diesem Journal basieren sollte.

Da kein japanisches Studio ihm Geld für diese Unternehmung geben wollte, bekam er finanzielle Unterstützung von Filmemacher und Produzent Steven Spielberg, ein grosser Bewunderer Kurosawas. Entstanden ist dabei ein Film voller Schönheit und Dunkelheit, der eben jene Ansichten Kurosawas widerspiegelt bezüglich der Zukunft seines Heimatlandes, aber auch einen Funken Hoffnung enthält.

Wie ein thematischer roter Faden durchläuft Akira Kurosawas Werk die Idee vom Verlust der Unschuld. Ob nun in seinen Kriminalfilmen wie Die Bösen schlafen gut oder in den Samuraiepen wie Das Schloss im Spinnwebwald porträtiert Kurosawa Menschen wie auch eine ganze Gesellschaft, die ihre Unschuld verloren haben und sich nun der Korruption, der Gewalt und der Gier hingeben.

In Träume zeigt sich dieser Verlust zum einen anhand des Protagonisten, der bereits als Kind seine Unschuld verliert, als er ein Ereignis in der Natur verbotenerweise beobachtet und spiegelt sich in seiner Umwelt wie auch seiner Heimat wider, die schliesslich ganz in Chaos, Anarchie und Zerstörung versinkt. Besonders Episoden oder Träume wie Der weinende Dämon oder Fuyijama in Rot, bei dem Godzilla-Regisseur Ishiro Honda die zweite Regie übernahm, zeigen die schrecklichen Ausmasse dieses Verlusts an und gehören von ihrer Atmosphäre her zu den wahrscheinlich düstersten Sequenzen des Filmes, wenn nicht gar des gesamten Werkes von Kurosawa.

Das unheimliche Treiben der Natur

Ein weiterer Aspekt in Kurosawas Werk, der sich auch in seinem letzten Film wiederfindet, ist das Bild der Natur. Einerseits ist diese ein Ort des Unheimlichen und des Verbotenen, wie man im ersten Traum sieht, andererseits birgt sie in sich die Möglichkeit der Harmonie, des Einklangs und des Zusammenlebens, was sich insbesondere im letzten Traum, einem in allen Belangen scharfen Kontrast zu den beiden vorherigen, zeigt.

Sich dieser Natur und der Welt zu nähern bezeichnet eine Herausforderung an den Menschen wie auch den Künstler, der letztlich, wie der von Martin Scorsese gespielte Vincent van Gogh, in seiner eigenen Kunst wortwörtlich verschwindet. Einzig und allein der etwas didaktische Ton des letzten Traumes stört das Gesamtbild etwas und lenkt von der poetischen Kraft dieser Vision ab.

Neben diesen thematischen Aspekten muss man die schiere Kraft der Bilderwelten in Träume erwähnen. Gerade in der vor kurzem auf 4K restaurierten Version erschliesst sich die Schönheit dieses Films, welcher von der Zweideutigkeit seiner Bilder lebt, welche die zuvor genannten Themen betonen.

Rouven Linnarz
film-rezensionen.de

Akira Kurosawas Träume

Japan

1990

-

119 min.



Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa

Darsteller: Akira Terao, Mitsunori Izaki, Toshihiko Nakano, Martin Scorsese

Produktion: Steven Spielberg, Hisao Kurosawa, Mike Y. Inoue

Musik: Shin’ichirō Ikebe

Kamera: Takao Saitō

Schnitt: Tome Minami

Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons (CC BY-NC-SA 3.0) Lizenz.

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