3488

UB-Logo Online Magazin
Untergrund-Blättle

Zu C. G. Jungs Äusserungen während der NS-Zeit | Untergrund-Blättle

Gesellschaft

«Christliche Germanen und jüdische Kategorien» Zu C. G. Jungs Äusserungen während der NS-Zeit

Gesellschaft

An den in uns erzeugten Schuldgefühlen haben wir nun einmal zu tragen, mal mehr, mal weniger. Die Schuldgefühle werden da produktiv, wo willige Befehlsempfänger gefragt sind.

Der Schweizer Psychiater und analytische Psychologe Carl Gustav Jung.
Mehr Artikel
Mehr Artikel

Bild: Der Schweizer Psychiater und analytische Psychologe Carl Gustav Jung. / unknown (PD)

22. Juli 2016

22. Jul. 2016

2
0

3 min.

Korrektur
Drucken
Vieles an Untaten ist damit realisierbar geworden. Dem müsste indessen abzuhelfen sein. Insbesondere von Psychologen müsste in dieser Hinsicht einiges erwartet werden können.

Es ist aber wenig hilfreich, wenn von solcher Seite auf all das Verheerende in den Jahren nach 1933 bezogen Bemerkungen kommen wie »Die Deutschen wiesen sich den Dämonen gegenüber als spezifisch schwach dank ihrer unglaublichen Suggestibilität«, was im Sommer 1945 in dem Schweizer Wochenblatt "Die Weltwoche" durch den als Kapazität der analytischen Psychologie gehandelten Carl Gustav Jung (1875-1961) im eklatanten Gegensatz zu seinen Äusserungen in der NS-Zeit geschehen ist.

Jung hatte 1934 in einem Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung geschrieben: »Meines Wissens ist es ein schwerer Fehler der bisherigen medizinischen Psychologie gewesen, dass sie jüdische Kategorien unbesehen auf den christlichen Germanen anwandte; damit hat sie nämlich das kostbarste Geheimnis der germanischen Menschen, seinen schöpferisch ahnungsvollen Seelengrund, als kindisch banalen Sumpf erklärt. Diese Verdächtigung ist von Freud ausgegangen. Er kannte die germanische Seele nicht. So wenig wie alle seine Nachfolger sie kannten. Hat sie die gewaltige Erscheinung des Nationalsozialismus, auf die die ganze Welt mit erstaunten Augen blickt, eines besseren belehrt? Wo war die unerhörte Spannung und Wucht, als es noch keinen Nationalsozialismus gab? Sie lag verborgen in der germanischen Seele, in jenem tiefen Grunde, der alles andere ist als der Kehricht unerfüllbarer Kinderwünsche […] eine Bewegung, die ein ganzes Volk ergreift, ist auch in jedem einzelnen frei geworden.«

Auf Rückfragen zu seinen so gegensätzlichen Aussagen erklärt Jung in einem Brief vom 2. November 1946 unter anderem: »Dass ich in der Neuen Zürcher Zeitung je zugunsten von Nazi-Deutschland geschrieben hätte, ist eine reine Erfindung, was man leicht feststellen kann, wenn man den Jahrgang 1934 nachsieht. Ich habe in diesem besagten Jahr, in welchem ich Präsident in einer internationalen Gesellschaft in Deutschland das Vereinsorgan herausgeben musste, in diesem den Satz geschrieben: ›Die Welt schaut mit erstaunten Augen auf das, was in Deutschland geschieht‹. Man hat das als ›Bewunderung‹ gedeutet, was ich allerdings nicht so gemeint habe. Aber ich konnte in einer Zeitschrift, die damals in Deutschland erschien, aus Gründen der Zensur keine öffentlichen Kritiken anbringen. Wenn Sie meine ›Aufsätze zur Zeitgeschichte‹ gelesen haben, so wissen Sie, was ich schon längst zuvor über Deutschland gesagt habe. Das wird aber nicht zur Kenntnis genommen. Lüge und Verdrehung beherrschen unsere Welt, und auf diesem steinigen Boden gedeiht die Wahrheit schlecht«.

Ja, Lüge und Verdrehung beherschen unsere Welt, und auf diesem steinigen Boden gedeiht auch schlecht die Wahrheit. Insbesondere wo betont wird, dass das, was man sagt immer auch anders auszulegen sei, dass alles dem Zuhörer oder dem Leser überlassen bleibe. Ein altbekanntes Verfahren, auf das man in den Jahren 1945 ff. sich nur so stürzte. Nachdem in Deutschland alles schief gegangen war, heizte C. G. Jung aus der in allem gut über die Runden gekommenen Schweiz antideutsche Ressentiments an und etablierte ein Gefühl der eigenen Überlegenheit. Ressentiments gegen Deutschland sind allemal jederzeit abrufbar, nicht nur von der Schweiz aus.

Auszug aus Horst Waldemar Nägele: Was ein Volk ausmacht, 2015

Mehr zum Thema...

Franz Jung: Saul, Verlag Die Aktion, 1916. (AktionsBücher der Aeternisten).
Eine Franz-Jung-OdysseeDie Technik des Glücks

11.10.2018

- Warum arbeitet man sich an Franz Jung ab? Warum stürzt sich in den 80er Jahren eine gute Handvoll Leute mit Akribie auf die Werkausgabe eines vergessenen Autors, von dessen wenigen Texten an der Wahrnehmungsoberfläche sie begeistert sind, von dessen Gesamtwerk sie aber überhaupt nicht wissen, welchen Umfang es hat? Es sind am Ende 6.000 Seiten geworden. Alle Zuträger haben unentgeltlich gearbeitet, nur die Druckereirechnungen wurden bezahlt. Und der Satz.

mehr...
Sigmund Freud, ca. 1921.
Sozial-psychologische Hinweise zu Sigmund Freuds „Unbehagen in der Kultur” und einigen seiner praktischen KonsequenzenLeidverhütung und Leidensschutz

27.05.2019

- „Eine Wertung der menschlichen Kultur zu geben”, so Sigmund Freud zusammenfassend, „liegt mir ... sehr ferne.” Soweit die allgemeine Schlusspassage aus Sigmund Freuds psychoanalytischer Deutung des „Unbehagens in der Kultur’ (1930).

mehr...
Erich Fromm, 1970.
Zur Wissenschaft von MenschenErich Fromm – eine Würdigung seines Wirkens

15.04.2012

- Erich Fromm (1900-1980) ist als bedeutender Humanist des 20. Jahrhunderts bekannt. Als Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und Gesellschaftskritiker schrieb er mit grosser Leidenschaft beeindruckende Werke.

mehr...

Aktueller Termin in Luzern

SentiMACHbar

»regelmässiger Treffpunkt, ohne Konsumzwang »offen für ALLE »zusammen Zeit verbringen »gemütlich »über Gottund die Welt diskutieren »neue Projekte spinnen... jeden 2. und 4. Mittwoch im Monatvon 18:00 bis 23:00 Uhr Im ...

Mittwoch, 23. Oktober 2019 - 18:00

Sentitreff, Baselstrasse 21, Luzern

Event in Wien

When Saints Go Machine

Dienstag, 22. Oktober 2019
- 20:00 -

Fluc


Wien

Mehr auf UB online...

Trap
Untergrund-Blättle
Untergrund-Blättle