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Selbstbestimmung contra heteronome Machtansprüche | Untergrund-Blättle

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Idealismus, Materialismus und Naturphilosophie Selbstbestimmung contra heteronome Machtansprüche

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Zu Nikolaj Frederik Severin Grundtvigs Eintreten für eine offene, sich an den einzelnen Menschen zu orientierende Bürgergesellschaft.

Teignmouth.
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Bild: Teignmouth. / mattbuck (CC BY-SA 2.0 cropped)

22. Mai 2013

22. 05. 2013

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»GRUNDTVIG ist das Programm für die allgemeine Erwachsenenbildung. Namensgeber ist der dänische Theologe und Pädagoge Nikolaj Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872). Er gilt als Nestor der Heimvolkshochschule und hat dem lebenslangen Lernen wichtige Impulse gegeben«. Mit solchen Worten stellt sich ein ›EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen in Deutschland‹ vor. Genannt werden »zwei spezifische Ziele: […] Zum einen sollen die durch die Alterung der Bevölkerung entstehenden Bildungsherausforderungen angegangen werden. Zum anderen unterstützt das Programm Erwachsene bei der Erweiterung und Vertiefung ihres Wissens und ihrer Kompetenzen. Im Blickpunkt stehen dabei neben älteren Menschen auch Erwachsene, die ihren Bildungsweg ohne Grundqualifikation abgebrochen haben.«

Ein fundamentales Missverständnis liegt da vor. Was sich als ein ›EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen in Deutschland‹ ausgibt steht direkt im Widerspruch zu dem, was das Lebenswerk des für die Namensgebung Herangezogenen ausmachte und was in dessen Heimatland auch weitgehend und nachhaltig erreicht wurde. Die von dem Geistlichen Nikolaj Frederik Severin Grundtvig ausgegangenen Impulse haben die Kultur und das Leben in Dänemark bis in unsere Tage hinein entscheidend mitgestaltet, es kann sogar vermerkt werden, dass vieles davon gesellschafts- und staatstragend geworden ist.

Grundtvig (so Kjaer:3) ›sprach in eine dänisch-nationale Aufbruchbewegung, die von vielen als eine Notwendigkeit erlebt wurde und mit einer Besinnung auf die eigene Volkskultur einherging. Man kann sagen, Grundtvigs Verdienst besteht darin, dass er mit aussergewöhnlicher Begeisterung und Einfühlungsgabe die volkskulturellen Elemente aufgriff und sie mit einer Neugestaltung des lutherischen Christentums verband. Für ihn galt es, den christlichen Glauben sowohl von der Autorität der Bibel, und damit zugleich von der Vormundschaft der Theologen, als auch von den Ansprüchen der Staatsmacht zu trennen und die mündliche Vermittlung christlicher Inhalte neu zu beleben. Dadurch haben heteronome Eingriffe in die Angelegenheiten des Individuums wie auch in das Leben der Glaubensgemeinschaft verhindert werden können, weshalb sich in Dänemark eine Gesellschaft entwickelte, in der die Eigenständigkeit des Individuums in eins ist mit einer Solidarität was die gemeinsamen geistigen Werte angeht‹ (Übertragung ins Deutsche).

›Zuerst Mensch und dann Christ‹

Das Recht auf sich selbst vertritt der Theologe Grundtvig folglich auch gegenüber der Institution Kirche. Seine Formulierung ›Zuerst Mensch und dann Christ‹ (Menneske først og kristen så) ist zu einem geflügelten Wort des dänischen Alltags geworden, das für Grundtvig auch da gilt, wo Überschreitungen auf dem Spiel stehen und wir uns mit Tabuisierungen abgefunden haben. Er weist dabei auf Loki, den listenreichen, böswilligen Gott aus der nordischen Mythologie und sagt, auch dieser habe sein Recht.

Jedermann müsse sich frei äussern, sich in Freiheit artikulieren dürfen, ganz so wie ihm oder ihr die Zunge gewachsen ist. Dieses vor Augen werden sich jedenfalls die Sprachen der Völker des Nordens, so Grundtvig, in der Unmittelbarkeit ihrer mündlichen Tradition gegen das Superstrat der mit dem Latein zu vergleichenden neuhochdeutschen Schriftsprache behaupten. In diesem Zusammenhang spricht Grundtvig auch von einer gemeinnordischen Universität.

Grundtvigs diesbezügliche Vorstellungen finden sich bereits in seinen Aufzeichnungen der frühen Jahre, vornehmlich in denen aus dem zweiten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts. Einiges davon ist bezeichnenderweise in der neuhochdeutschen Schrift-und-Verkehrssprache zu Papier gebracht (hierzu später), versehen mit den Überschriften »Gewissens-Fragen«, »Grenzen der Menschheit« (erst in unseren Tagen ediert in Grundtvig Studier 1984:9-33), »Von der jetzigen Sprachverwirrung«, »Fragen aus Dänemarck an die Universitäten Deutscher Zunge. Politische Fragen« (erst in unseren Tagen ediert in Grundtvig Studier 1988:17-30).

Die neuhochdeutsche Schriftsprache als ein Überbau

In diese frühen Jahre fällt auch das 1815 erschienene (dänischsprachige) Bändchen Grundtvigs mit dem Titel Europa, Frankrig og Napoleon. En dansk historisk Betragtning (›Europa, Frankreich und Napoleon. Eine dänische historische Betrachtung‹), mit einem Vorwort, das mit 24. 4. 1815, also noch vor dem 18. Juni des selben Jahres 1815 datiert ist, wo der Gefahr eines die ganze Welt beherrschen wollenden Napoleon - der Anlass zu dem Buch - nach der Schlacht bei Waterloo endgültig Einhalt geboten werden konnte. In dieser Schrift werden Napoleon und die idealistische Philosophie als die zwei Seiten der einen Medaille betrachtet.

Ausgegangen wird von den deutschen Stammesnamen ›Schwaben‹ aus der Stauferzeit und ›Sachsen‹ zu Beginn der Neuzeit und es wird angeführt, dass sowohl die Sprache des Volksstamms der Schwaben als auch die des Volksstamms der Sachsen Deutschlands ›Herz und Zunge‹ bilden können, was der neuhochdeutschen Schriftsprache indessen niemals möglich sei, auch wenn sich dieses künstliche Kommunikationsvehikel als das einzige, allerdings recht dürftige Bindeglied aller Deutschen präsentiere und sich damit auch gleich über das in Norddeutschland verbreitete Plattdeutsche des gemeinen Mannes erhebe.

Die Namensgebung ›deutsch‹ weise auf eine Selbstbewertung, die, mit Johann Gottlieb Fichtes Critik der Offenbarung vergleichbar, die Vernunft als das einzig Wirkliche, alles andere als Wirkung, Strahlenbrechung, Reflex deklariere, was sicher damit zu erklären sei, dass die Deutschen sich als die einzigen ›wahren‹ Menschen verstehen. Nachdem diese Sichtweise jedoch keine Bestätigung durch die übrige Welt gefunden habe, sei eben nichts anderes übrig geblieben als die Wirklichkeit derer, die widersprechen, in Frage zu stellen. Wie das der genannte Fichte geleistet habe in seiner Wissenschaftslehre, die in Deutschland als das stolzeste Werk unter der Sonne gelte. Gegen derartige Egozentrik habe in der Tat auch die Naturphilosophie eines Friedrich Wilhelm Joseph Schelling wenig vermocht.

Das Begriffspaar ›Idealismus‹ und ›Materialismus‹ mit Bezug auf Napoleon

Grundtvig sieht die Naturphilosophie in Deutschland wie auch die idealistische Philosophie in eins mit dem Auftritt Napoleons im Gefolge der Französischen Revolution. Er bedient sich dabei des Begriffspaares ›Idealismus‹ und ›Realismus‹, allebeide können sich, wie er meint, sowohl ›sinnlich‹ als auch ›geistig‹ Ausdruck verschaffen. Ein sinnlicher Realismus gebe sich als ›Materialismus‹, ein geistiger Realismus führe zum ›Naturalismus‹. Der Kategorie des letzteren sei die ›Naturphilosophie‹ zuzuordnen, da wie gesagt für den Idealismus wie für den Realismus die Attribute ›geistig‹ und ›sinnlich‹ gleichermassen möglich seien.

Wodurch sich auch verstehen lasse, dass aus dem Idealisten Schelling ein Naturphilosoph habe werden können und die Naturphilosophie bei einem Volke Fuss fasste, das sich als entschieden idealistisch in Szene setze. Und da der Materialismus ja als das Kind eines sinnlichen Realismus gelten könne, gleichzeitig sich jedoch nach dem oben Umrissenen auch als sinnlichen Idealismus darstellen lasse, wird Napoleon nichts anderes übrigbleiben als Naturphilosoph zu werden, um mit der Gutgläubigkeit der Deutschen auch ihre ›Herzen‹ zu gewinnen, will sagen sich der idealistischen Struktur zu bemächtigen, um ›sinnlich realistisch‹ die totale Weltherrschaft anzutreten.

In Frankreich, nachdem das Königtum dort abgeschafft worden ist, habe, so Grundtvig, mit Napoleon die politische Entwicklung, auf dem Wege einer materiellen Usurpation zu einem national gefärbten Imperialismus geführt. Zur selben Zeit habe in den deutschen Landen, wo sich die Aristokratie hat festigen können, sozusagen eine geistige Usurpation stattgefunden in der Gestalt idealistischer Setzungen. Da sei es naheliegend, die als Symptome eines politischen Umsturzes zu betrachtenden Aktivitäten in Frankreich einerseits und die spekulativen Ansätze der idealistischen Philosophie in Deutschland andererseits als Phänotypen identischer Tiefenstruktur zu verstehen.

Grundtvigs Angebot eines direkten Dialogs mit einem deutschsprachigen Publikum

Das Phänomen des für Deutschland so typischen idealistischen Denkens sieht Grundtvig wie oben vermerkt aber auch im Zusammenhang mit dem von ihm konstatierten Superstrat in Gestalt der überregionalen neuhochdeutschen Schriftsprache über die soziale Befindlichkeit und über die Bedürfnisse der einzelnen Menschen.

Vorgetragen hat Grundtvig das vornehmlich in den oben genannten deutschsprachigen Texten, die mit den Überschriften »Gewissens-Fragen«, »Grenzen der Menschheit« (ausführlich zitiert im übernächsten Kapitel), »Von der jetzigen Sprachverwirrung«, »Fragen aus Dänemarck an die Universitäten Deutscher Zunge. Politische Fragen« versehen sind. In der auf 1817/18 zu datierenden und bislang noch ungedruckten Abhandlung »Von der jetzigen Sprach-Verwirrung« ist darüber hinaus und mit Anspielungen auf zwei der Kritiken Immanuel Kants, auf Die Kritik der reinen Vernunft (1781) und auf Die Kritik der praktischen Vernunft (1788) pointiert, dass von den Setzungen des deutschen Idealismus keine »den festen Grund und Boden« habe, »auf dem man fassen und bauen kann«, es handle sich vielmehr um luftige Wolken, auch da noch, wo von den Postulaten der praktischen Vernunft die Rede ist, allem fehle die reale Grundlage, »etwas unerschütterliches«, die Voraussetzung dafür, dass ein Satz wahr ist und dass ein Satz Gültigkeit hat. Die relevante Stelle lautet:

[...] und dasz überhaupt die Vernunft nur auf das Formelle gehet, so dasz bei jedem Schlusse die Frage noch Übrig bleibt, ob auch der Vordersatz oder die Voraussetzung unwiderlegbar sey. Auch hier müssen wir indessen gestehen, dasz wir den festen Grund und Boden, auf dem man fassen // und bauen kann, schmerzlich vermissen, indem das bündigste Schliessen zu nichts führt, wenn [das] erste Glied der Schlusskette nicht an etwas unerschütterliches haftet. Es haben Einige unter euch dieses Unerschütterliche in gewissen sogenannten Postulaten oder practischen Vernunft-Ideen gesucht, aber, wie uns dünckt haben sie nur geträumt in der Luft ein festes Land entdeckt zu haben, das jedoch, sobald man etwas stark an die Ketten ziehet, als ein Wolcken in die Luft zerfliesst hinterlässt uns nur die Kette unbefestiget wie zuvor.

Sie zerlegten nemlich den [ganzen] Menschen in zwei Haupttheilen: den sinnlichen und nicht-sinnlichen, oder vernünftigen, und in dem vernünftigen, seiner selbst bewussten Theile unterschieden sie wieder die eigentliche Vernunft als etwas Formelles als das ordnende Princip, von den vernunftmässigen Fo[r]derungen denen Genüge [ge]leistet werden müsste, und die das gesetzgebende Princip ausmachte, das in sich selbst einen Zweck entdeckte, den der Mensch mit allen den Mitteln die ihm zu Gebote stünden erreichen sich bestre[ben sollte]. (deutschsprachig verfasst von Grundtvig; zitiert aus dem durch William Michelsen transskribierten Text, Grundtvig-arkivet, fasc. 168:53r und 53v)

Dass Grundtvig seine Kritik an den sozialen Verhältnissen, an der politischen Meinungsbildung wie auch an den hiermit verbundenen philosophischen Strategien in Deutschland gerade in der von ihm als Zielscheibe gebrauchten neuhochdeutschen Schriftsprache vorbringt zieht unser Interesse umso mehr auf sich, als er, anders als viele seiner tonangebenden dänischen Zeitgenossen, nur ganz selten in der deutschen Sprache schrieb. Das lässt vermuten, dass der Autor eben in Deutschland nach Möglichkeiten einer Kommunikation das Deutsche betreffend eigens gesucht hat, zumal er in den genannten deutschsprachigen Texten direkt ein deutsches Publikum anredet.

Auch die Tatsache, dass diese deutschsprachigen Artikel, die in der Wahl der Themen wie in der Darstellung nicht unbeträchtliche Abweichungen von Grundtvigs dänischen Texten aus der selben Zeit aufweisen, von ihm selber in Dänemark niemals veröffentlicht worden sind, deutet darauf, dass sie dezidiert an ein deutsches Publikum gerichtet waren.

Friedrich Schillers Dramen als ein ›Blendwerk‹

Von früh an schon war Grundtvig durch einige persönliche Krisen gegangen, die ihm immer wieder neuen Auftrieb gegeben haben, was insbesondere in seinen weltweit geschätzten Gedichten zur christlichen Auferstehung ästhetischen Ausdruck fand. Bereits als Hilfspfarrer war er zudem in seiner Redefreiheit sehr weitgehend Einschränkungen unterworfen, bis in die späteren Jahre war er direkt unter Zensur gestellt, hatte er Berufsverbot, wie wir es heute bezeichnen würden.

Dadurch in den Beruf eines freien Schriftstellers gedrängt, ist er vom zweiten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts an zu einem der bedeutendsten Protagonisten der eingangs vorgestellten nationalen Aufbruchsbewegung geworden. Das war zu einer Zeit, als man in Dänemark gegen fremden Einfluss, insbesondere gegen den aus den deutschen Landen sich zu behaupten hatte. Auch in dieser Rolle hat Grundtvig, wie aus dem oben Ausgeführten bereits erhellt, kein Blatt vor den Mund genommen. Vor allem auch nicht in seiner ›Weltchronik von 1817‹ (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817), wo er besonders deutlich wurde was Friedrich Schiller betrifft, dem er übrigens entscheidende Anstösse verdankt, dessen gesamtes Werk er aber als dessen eigenes Theater versteht, auf dem Schiller als Dichter sich selbst und seinen Zuschauern eine Scheinwelt vorgaukle:

thi kun paa et Theater saae han det hensovne Herlige, og kun Skinnet heraf var det han ønskede at gjenføde ved en æthetisk Opdragelse. (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817:653)

(Meine Übersetzung: ›denn nur auf einem Theater sah er die hingeschiedene Herrlichkeit, und nur der Schein hiervon war es, was er durch eine ästhetische Erziehung wiederzubeleben wünschte.‹)

Bei Schiller, so Grundtvig, sei kein Raum fürs Leben. Schillers Helden haben zu fallen, die Bezeichnung ›Schicksal‹ habe als beschönigender Name für den Geist des Todes zu dienen. Nicht das sinnlich Erfahrbare dürfe da auf die Bühne, sondern eine ins Schattenreich des Todes zu manövrierende ›höhere moralische‹, quasi ›wahre‹ Natur, ohne zu bedenken, dass nur eine aus der Geschichte gewachsene Auseinandersetzung glanzvoll und siegreich verlaufe, wie es das wahre Epische allemal auch in einem Drama ausmache. Hiervon habe Schiller gerade noch etwas geahnt, in seiner Jungfrau von Orleans und noch ein Bisschen mehr vielleicht dann in seiner Braut von Messina:

thi i dette udentvivl mageløse, romantiske Drama har [Schiller], ved at personificere Skjebnen eller Døden i Choret, ligesom fængslet Døden med Trylle-Beltet, som omsnoer alle Figurerne, og Helten kæmper seierrig: thi Helten er Beltets Aand: Friheden, der synes at have overvundet Døden. At det er et Blændværk mærke vi bedst deraf, at vi Intet kan føle ved den hele handling, og naar vi ønske at føle Noget, er det som naar man griber efter livagtige Skygger, og føler sig kun skuffet: ja det er jo i alle Maader upaatviveligt, at Konstneren kun vilde skuffe sig selv og os med en ideal: [det vil sige] i Luften grebet, Tid og Sammenhæng, eller med andre Ord fare med os i Skygge-Riget, hvor man er fri nok for at døe, da man ikke lever, og har Pluto til Ven, som hans lydige Skygger. (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817:654)

(Meine Übersetzung: ›denn in diesem zweifellos romantischen Drama hält [Schiller], indem er das Schicksal oder den Tod im Chor verkörpern lässt, den Tod gleichsam mit einem alle Personen umschlingenden Zauber-Gürtel gefesselt. Der Held kämpft somit siegreich. Denn der Held ist der Geist dieses Gürtels: die Freiheit, die den Tod überwunden zu haben scheint. Dass es nichts als ein Blendwerk ist, erkennen wir sehr gut daran, dass bei dem Handlungsverlauf keine Gefühle aufkommen können. Sofern wir aber den Wunsch haben, etwas zu fühlen, ist es, als ob man nach leibhaftigen Schatten griffe und man fühlt sich getäuscht. Es kann überhaupt kein Zweifel bestehen darüber, dass es dem Künstler nur darum ging, sich selber und auch uns mit einer idealen, will sagen aus der Luft gegriffenen Zeit und einem ebensolchen Kontext zu täuschen, oder, mit anderen Worten, sich mit uns hinüber ins Schatten-Reich zu begeben, wo man frei ist, um zu sterben, da man nicht lebt, und wo man Pluto zum Freunde hat, wir also seine gehorsamen Schatten sind.‹)

Nicht aus dem Geist der Geschichte geboren haben Schillers Helden allemal die Freiheit zum Sterben, als Verkörperungen von Begriffen waren sie ›in der Konsequenz mit Leichtigkeit totzuschlagen‹:

Hvem der lader Skæbnen raade for sine Helte har intet Samfund med Historiens Aand, men det kan heller Ingen have, som vil gjøre sin Frihed gjældende istedenfor at søge den i Sandhed. Schillers Helte er personificerede Begreber, som han i et Øjeblik for Løier stræbde at dele sit Liv med, saa de kunde lade levende, de vare nemme at slaae conseqvent ihjel: thi han var selv deres Gud, og naar han tog Sit, forsvandt Blændtværket, som han ganske alvorlig meende, det var Konsten at fremtrylle. (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817:652)

(Meine Übersetzung: ›Wer seine Helden vom Schicksal beherrschen lässt, hat nichts mit dem Geist der Geschichte gemein, das aber kann auch niemand haben, der seine Freiheit zur Geltung bringen will anstatt sie in der Wahrheit zu suchen. Schillers Helden sind verkörperte Begriffe, mit denen sein Leben zu teilen der Dichter zum Spass einen Augenblick lang sich anschickte, so dass sie lebendig scheinen konnten. Sie waren in der Konsequenz mit Leichtigkeit totzuschlagen, denn der Dichter selbst war ihr Gott, und als dieser das seine nahm, verschwand das Blendwerk, das hervorzuzaubern er allen Ernstes für die Kunst hielt.‹)

Auch in den Spekulationen Schillers über Kunst und Kunstbegriffe, so Grundtvig, werde es also eher um die persönlichen Interessen des Autors als darum gegangen sein, ganze Charaktere ›aus dem Geist der [Menschheits-]Geschichte‹ auf die Bühne zu stellen.

Was Grundtvigs Einwände insgesamt betrifft fällt uns in Schillers Werken in der Tat als Leitmotiv auf, nach erfahrenem Unrecht den Entschluss zu proklamieren, ›in Freiheit‹ sich einem Schattenreich und dem Tod anheimzugeben und damit auf die eigene Wahlfreiheit eben zu verzichten. So bereits in seinem ersten Drama Die Räuber, desgleichen in der Erzählung Der Verbrecher aus verlorener Ehre, in der Wallenstein-Trilogie nach dem gescheiterten Versuch des Helden, gleichsam wie aus der Bahn eines um einen Herrscher kreisenden Planeten auszubrechen (»Hab es denn seinen Lauf!«, Wallensteins Tod, V/5, 3663) und erst recht schliesslich in dem durch Schillers Tod unvollendet gebliebenen Schwanengesang Demetrius.

Ganz anders wirkt das bei Grundtvig vorbehaltlose Ja zum Leben aus der nie ernsthaft zu erschütternden Überzeugung, dass das, was als wahr erkannt werden kann, der tragende Grund des Daseins ist. In solchem Sinne ist in der ›Weltchronik von 1817‹ auf eine ›lebendige historische Anschauung‹ Bezug genommen, wo wir das gesamte Menschengeschlecht als einen Menschen betrachten, ›dessen Leben fortzusetzen wir aufgerufen sind und dessen Kraft wir uns in Liebe aneignen‹ (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817:664).

Die Setzungen der idealistischen Philosophie als Ausdruck einer Lebensverneinung

Die soeben gegebene Auffassung von einem Menschen mit einem Körper steht der fichteanischen Setzung eines quasi allmächtigen, von der Welt abgehobenen Ich gegenüber, hinter der sich für Grundtvig eine Lebensverneinung verbirgt, wie sie auch bei den Manichäern und einem Zinsendorf festzustellen sei. In der oben angeführten, auf 1816-18 zu datierenden deutschsprachigen Abhandlung »Grenzen der Menschheit« (ediert in Grundtvig Studier 1984:9-33) heisst es, jenes durch die deutschen Idealisten in einem »Indifferenz-Punkt« selbst gesetzte Ich verneine das Ich mit einem Körper und mit einer Seele, ›Gottes Eben-Bild‹ also, es sei nichts anderes als »ein Bild von dem sich selbst anschauenden Nichts […], weil das nur reflectierende Ich den leeren Schatten seiner selbst zum Schöpfer machte, sein Schattenbild vergötterte«. Und dieses quasi-freie, sich als ›selbstbewusst‹ verstehende »Ich« eines sozusagen absoluten Seins, das sich so gar nicht mit einem »Werden« vereinbaren lasse, habe den »gordischen, so vielfach verschlungenen Knoten des Menschen-Daseins« dadurch aufbekommen, dass es erstlich den Körper und die ganze Sinnlichkeit, als etwas neben sich Vorgefundenes, Fremdartiges in Gedanken rein von sich absonderte, vernichtete, das heisst verschlang und dann wieder aus sich selbst ganz wie es gewesen hervorbrachte.

So war es denn entdeckt geworden [sic!] und nachgewiesen, dasz der Mensch an und für sich selbst ein Gott wäre, der sich ein Gesetz gab, dem er widerstrebte und sich einen Körper schuf, der ihn beschränkte und ihm [sic!] aneckelte, Alles [sic!] freilich nur in Gedanken, um sich an sich selbst zu ergözen, und zu rächen, um sich auf einmal anbetungswürdig und verwerflich zu Allem und zu Nichts zu machen, sich auf einmal zu vergöttern und zu vernichten, zu bejahen und zu verneinen. (Grundtvig Studier 1984:12 f.)

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling als ausgemachter Protagonist einer ›Begründung des Seins auf dem Nichts und dem Bösen‹

Statt nach der soeben zitierten Kritik an der methodischen Ich-Setzung auf Fichte einzugehen, der in dem soeben gegebenen Zitat allerdings nicht genannt wird, zu dem indessen Worte der Anerkennung verstreut in Grundtvigs Handschriften zu finden sind, polemisiert Grundtvig in Verlängerung seiner Auseinandersetzungen mit den zeitgenössischen Schelling-Adepten in Dänemark sehr ausgiebig und wenig überzeugend gegen den Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling selbst, unbeschadet weitgehender Abhängigkeit von diesem bei Begriffen wie ›Spiegelbild‹ und ›Anschauung‹ (siehe auch im folgenden Kapitel).

Schellings Philosophie nennt er ›gottlos und verlogen‹, das Wahre sei da mit dem Falschen, das Gute mit dem Bösen, die Wahrheit, will sagen Gott mit dem Nichts harmonisiert, Gott als Schöpfer und Grund habe da keinen Raum. Ein ausgesprochen Böses, sagt Grundtvig, könne niemals der Grund des Guten sein, die Gegebenheit Gottes lasse sich keineswegs auf eine solche des Teufels zurückführen. Bezug genommen ist auf Schellings Abhandlung »Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände«, die erstmals 1809 in einem Band F. W. J. Schelling’s philosophische Schriften erschienen war (Imod den lille Anklager:121 ff.).

Grundtvig wendet sich gegen jeden Versuch einer Theodizee, auch wenn er, sieht man davon ab, dass er sich Schellings Modell von einem ›Ab-Fall‹ aus einem paradiesischen Modus teilweise zu eigen macht, über den Grund der Existenz eines Bösen Schlüssiges nicht vorbringen kann, so vehement er auch polemisiert angesichts der Erklärungsversuche anderer.

›Begreifen‹ contra ›Anschauung‹

Auch wo Grundtvig mit Schelling die Existenz der Welt mutatis mutandis als ein gespiegeltes Bild Gottes versteht, kann für ihn eine Anschauung niemals das Begreifen ersetzen. Die ewige Wahrheit in Gott teile sich den Menschen einzig und allein durch das Wort und in Christus mit, sei also ›niemals zu schauen von einer durch Menschen gesetzten, endlichen Vernunft‹, mit der nichts ›begriffen‹ werden könne:

[…] og at nogen timelig Fornuft, med alle sine Konster, skulde kunde anskue sig selv og hele Verden i den evige Sandhed [meine Hervorhebung, H.N.], er af to uimodsigelige Grunde umueligt: først fordi man umuelig kan see hvordan Alt indeholdes og hænger sammen i den evige Sandhed, med mindre man begriber [meine Hervorhebung, H.N.] den, som man i Tiden vel lader være, og for det andet kan man umuelig finde nogen Løgn i Sandheden, og maa altsaa, hvad er et herculisk Arbeide, først rense Verden for Løgn, før den kan anskues [meine Hervorhebung, H.N.] i Sandheden selv. Det er da i alle Maader vist, at den Anskuelse [meine Hervorhebung, H.N.] maa gjøres til Løgn, før man kan vente at finde Sandhed; thi Sandhed, som det sande Ideale [meine Hervorhebung, H. N.], skal netop anskues [meine Hervorhebung, H.N.] i det timelige Reale [meine Hervorhebung, H.N.] i sin Modsætning til Løgnen. (Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, 1817:659 f.)

›[…] und dass nun endliche Vernunft mit allen ihren Künsten sich selber und die ganze Welt in der ewigen Wahrheit [meine Hervorhebung, H.N.] sollte anschauen [meine Hervorhebung, H.N] können ist aus zwei unbestreitbaren Gründen unmöglich: erstens kann man unmöglich sehen, wie alles in der ewigen Wahrheit enthalten ist und zusammenhängt, es sei denn man begreift [meine Hervorhebung, H.N.] diese, was man in der [endlichen] Zeit besser sein lässt, und zweitens kann man unmöglich eine Lüge in der Wahrheit finden, und man muss daher, was eine Herkulesarbeit ist, die Welt erst einmal von der Lüge reinigen, ehe sie in der Wahrheit selber angeschaut [meine Hervorhebung, H.N.] werden kann. Es ist in jeder Hinsicht sicher, dass die fragliche Anschauung [meine Hervorhebung, H.N.] der Lüge überführt werden muss, ehe man erwarten kann, Wahrheit zu finden; denn Wahrheit, als das wahre Ideale [meine Hervorhebung, H.N.], ist gerade im zeitlichen Realen [meine Hervorhebung, H.N.] im Gegensatz zur Lüge anzuschauen [meine Hervorhebung, H. N.].‹)

›Etwas ganz und gar Grund-Reales‹

›Das wahre Ideale, Wahrheit, die ewige Wahrheit selber‹ sei also gerade ›im zeitlichen Realen‹, will sagen in der Geschichte anzuschauen. Die für uns verbindlichen Verhaltensregeln, so Grundtvig, ›setzen notwendigerweise etwas ganz und gar Grund-Reales voraus‹ (forudsætter nødvendig noget aldeles Grund-Realt), ›dessen Bild und Inbegriff [...] das Ideale ist‹, wie in dem in den Jahren um 1815 entstandenen, oben mehrfach zitierten Entwurf zu einer Weltchronik, publiziert als Udsigt over Verdens-Krøniken 1817, auf der Seite 659 erklärt wird: Det er imidlertid aldeles klart, at enten er det Ideale i Grunden slet intet, og altsaa bestemt Løgn, eller det er den evige Sandhed selv, som ikke i al Evighed kan paa noget Vilkaar forlige sig med Løgnen, og forudsætter nødvendig noget aldeles Grund-Realt, hvis Billede og Indbegreb det er. Heraf følger da, at det Ideale er i Sandhed noget aldeles Realt, og Aarsagen til al timelig Realitet, man give den saa hvad Navn man vil. (dokumentiert und diskutiert in Nägele 1992, 1995:210)

(Meine Übersetzung: ›Ganz klar ist indessen, dass das Ideale entweder im Grunde gar nichts und also bestimmt Lüge ist, oder aber es ist die ewige Wahrheit selbst, die in aller Ewigkeit sich nicht unter irgendeiner Bedingung mit der Lüge vertragen kann und notwendigerweise etwas ganz und gar Grund-Reales voraussetzt, dessen Bild und Inbegriff dieses Ideale ist. Hieraus folgt, dass dieses Ideale in Wahrheit etwas ganz und gar Reales und die Ursache aller in der Zeit existierenden Realität ist, man gebe dieser Ursache dann welchen Namen man will.‹)

EXKURS: Zu Grundtvigs Modell eines ›Grund-Realen‹ versuchsweise der Ansatz des amerikanischen Pragmatikers Charles Sanders Peirce (1839-1914) gestellt

In Sonderheit zu dem Modell eines ›Grund-Realen‹, umrissen in dem soeben zitierten Text aus der ›Weltchronik von 1817‹ (Udsigt over Verdens-Krøniken, 1817:659), könnte man den Einwand erwarten, Grundtvigs Entwurf sei einer Metaphysik verpflichtet, sei somit nicht in Einklang zu bringen mit dem apriori der Kant’schen transzendentalen Synthesis, hinter welcher niemals zurückgegangen werden kann, indem man mit ›absolut vorhandenen Dingen‹ operiert, zu denen übrigens auch nicht die durch den Standpunkt der Betrachtung bedingte Vorstellungsart »Das Ding an sich« zu zählen ist.

In diesen Diskurs hinein bietet sich das pragmatische System von Charles Sanders Peirce (1839-1914) an, mit seiner Hypothese von ›zu Erkennendem‹, das es zu erkennen gilt und das in einer offenen Gesellschaft (open society) in the long run, will sagen am Ende aller Zeiten an den Tag kommen wird. In the long run wird da als die mathematische Grösse ›unendlich‹ verstanden, darstellbar in einer niemals enden wollenden Fehlbarkeit (»eminently fallible« - CP 2.227); es ist nebenbei bemerkt das von Karl Raimund Popper übernommene Modell. Peirce bedient sich dabei eines spezifischen, wissenschaftlichen Zeichensystems, »signs used by a ›scientific‹ intelligence« (CP 2.227, 2.303) und führt hierzu aus:

A sign, or representemen, is something which stands to somebody or something in some respect or capacity. It addresses somebody, that is, creates in the mind of that person an equivalent sign or perhaps a more developed sign. That sign which it creates I call the interpretant of the first sign. The sign stands for something, its object. It stands for that object, not in all repects, but in reference to a sort of idea, which I have sometimes called the ground of the representemen. [...A sign is] anything which determines something else [its interpretant] to refer to an object to which itself refers [its object] in the same way, the interpretant becoming in turn a sign, and so ad infinitum. (CP 2.228, 2.303)

Das »WOULD BE« bei Peirce im seinem Verhältnis zu Grundtvigs Geschichtsdialektik

Das Peirce’sche mit einem spezifischen Zeichensystem operierende Verfahren sei nun einer Geschichtsdialektik gegenübergestellt, auf die sich Grundtvig dergestalt beruft, dass er das von ihm vornehmlich in den Jahren um 1815 unter den Begriff ›historisch‹ (historisk) Eingeordnete insbesondere in seiner oben bereits mehrfach zitierten ›Weltchronik von 1817‹ (Udsigt over Verdens-Krøniken 1817) direkt auf ein ›wahres Wissen‹ (sand Vidskab) innerhalb eines Systems bezieht, auch wenn er zur gleichen Zeit expressis verbis ›jedes philosophische System als ganzes als eine grosse Lüge‹ (siehe im folgenden) abtut. Grundtvig wollte zu einem ›wahren Begriff vom Menschen und vom menschlichen Wissen‹ kommen, wofür in seiner programmatischen Schrift Danne-Virke 1 (1816) eigens eine Terminologie entwickelt ist:

Holde vi nu fast ved den klare Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] at det er det timelige Menneske vor Fornunft kan og skal begribe [meine Hervorhebung, H. N.], da indsee vi let at al sand Vidskab [meine Hervorhebung, H. N.] maae i alle Maader være historisk; historisk fordi Fornuften finder intet i sig selv uden Maalestokken for timelig Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.], og maae udenfor sig søge Vidskabens Indhold [meine Hervorhebung, H. N.], historisk, fordi Mennesket udvikler sig i Tiden og kan kun begribes [meine Hervorhebung, H. N.] i den, historisk, fordi den maae være stykkevis og kan kun sluttes med Tiden. Heraf følger først at enhver Vidskabs-Lære [meine Hervorhebung, H. N.] som ei forklarer Krøniken er falsk, og dernæst at enhver saadan der udgiver sig for at være færdig, ethvert philosophisk System er som Heelt en stor Løgn, hvormegen Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] det end i det Enkelte kan have, thi er det Mennesket som skal begribes [meine Hervorhebung, H. N.], udvikler Mennesket sig i Tiden, og er Fornuften Udtrykket for det sig giennem Tiden udviklende menneskelige Begreb [meine Hervorhebung, H. N.], da kan vi jo under Tidens Løb ei have noget sandt Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] om Menneske eller menneskelig Vidskab [meine Hervorhebung, H. N.] uden som om noget der er i Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] med at udvikle sig, og ei i Sandhed begribe [meine Hervorhebung, H. N.] mere end hvad der alt er udviklet, eftersom Begrebet [meine Hervorhebung, H. N.] er just det eneste som udvikler sig. Heraf følger endelig, at dersom det ogsaa var muligt at Fornuften kunde udvikle sig i Sandhed [meine Hervorhebung, H. N.] uden foreløbig Sandheds-Kundskab [meine Hervorhebung, H. N.], saa var den dog ikke nogensinde under Tidens Løb istand til at fyldestgiøre Mennesket, give ham et fuldstændigt og klart Begreb [meine Hervorhebung, H. N.] om Mennesket i sin hele Fylde. (Danne-Virke, 1 (1816):120 f.)

›Halten wir an der klaren Wahrheit fest, dass es der in der Zeit lebende Mensch ist, den unsere Vernunft begreifen kann und muss, dann sehen wir leicht ein, dass alles wahre Wissen in jeder Weise historisch sein muss; historisch, weil die Vernunft ohne den Massstab für die Wahrheit in der Zeit nichts in sich selber findet und somit ausserhalb ihrer selbst den Inhalt des Wissens suchen muss; historisch, weil der Mensch sich in der Zeit entwickelt und nur in ihr begriffen werden kann; historisch, weil alles wahre Wissen stückweise sein muss und nur mit der Zeit abgeschlossen werden kann. Hieraus folgt, dass erstens jede Wissens-Lehre [sic!], die nicht die Chronik erklärt, falsch ist, und dass zweitens alles, was den Anspruch erhebt, etwas Fertiges zu sein, ein jedes philosophische Systm als ganzes eine grosse Lüge ist, wie viel Wahrheit auch im einzelnen enthalten sein mag.

Denn begriffen werden muss der Mensch, und da sich der Mensch in der Zeit entwickelt und die Vernunft der Ausdruck ist für den sich durch die Zeit entwickelnden auf den Menschen bezogenen Begriff, können wir während des Zeit[ab]laufs nicht einen wahren Begriff vom Menschen oder vom menschlichen Wissen haben, sondern einzig und allein von etwas, das im Begriffe ist, sich zu entwickeln, und [können wir] in Wahrheit nicht mehr begreifen als was schon entwickelt ist, zumal das einzige, das sich entwickelt eben der auf den Menschen bezogene Begriff ist. Hieraus folgt schliesslich, dass, wenn es auch möglich wäre, dass sich die Vernunft in Wahrheit ohne vorherige Wahrheits-Kenntnis [sic!] entwickeln könnte [sic!], diese Vernunft doch niemals während des Zeit[ab]laufs im Stande wäre, dem Menschen zu genügen, einen vollständigen und klaren Begriff vom Menschen in seiner ganzen Fülle (in allem, was er ist) zu geben.‹)

Die Schlüsselwörter in diesem Zitat sind Sandhed (›Wahrheit‹), sand (›wahr‹), den klare Sandhed (›die klare Wahrheit‹), Vidskab (›Wissen‹), sand Vidskab (›wahres Wissen‹) historisk (›historisch‹), Tiden (›die Zeit‹), timelig (›zeitlich‹, ›in der Zeit‹, ›in der Zeit lebend‹), begribe (›begreifen‹), Begreb (›Begriff‹), Fornuft (›Vernunft‹), Menneske (›Mensch‹), menneskelig (›menschlich‹), Fylde (›Fülle‹) – siehe hierzu auch Jonas:245 ff. In auffallender Übereinstimmung mit dem soeben umrissenen Grundtvig’schen Begriff von Geschichte als in einem weiten Sinne Heilsgeschichte resultiert bei Peirce Erkenntnis aus einem would be, bezogen auf die legitimen, das heisst mit gutem Grund bestehenden Erwartungen von Einsichten nach ›zureichender kognitiver Entwicklung‹ (after sufficient development of thought):

[...] effect that would be produced on the mind by the Sign after sufficient development of thought [meine Hervorhebung, H. N.], [...] because it is that which would finally be decided to be the true interpretation if consideration of the matter were carried so far that an ultimate opinion [meine Hervorhebung, H. N.] were reached. (CP 8.184, 8.343)

Da bleibt im Sinne Grundtvigs noch die Frage, ob und wieweit unsere Erkenntnisfähigkeit uneingeschränkt sein kann, oder ob katexochen wir nur das zu erkennen fähig sind, was wir auch selber zu tun und zu machen in der Lage sind, wie das anschaulich aus Bertrand Russells Beschreibung der Überlegungen des italienischen Philosophen Giambattista Vico (1668 – 1744) erhellt:

Die leibnizsche Konzeption [von einer Allmacht Gottes], die jeder gottesfürchtige Christ, Vico inbegriffen, annähme, führt den Italiener [also Vico] zu einer neuen Begründung der Erkenntnistheorie. Danach hat Gott vollkommene Erkenntnis der Welt, weil sie von ihm erschaffen ist. Der Mensch aber, da selbst erschaffen, kennt die Welt nur unvollkommen. Für Vico ist die Bedingung der Erkenntnis einer Sache die Erschaffung dieser Sache. Die Grundformel lautet, dass wir nur das zu kennen fähig sind, was wir tun oder machen können. (Wahrheit ist ›Tat-Sache‹). [...] (Russell)

Entsprechendes ergibt sich mutatis mutandis auch aus den Überlegungen von Peirce, wo die erkenntnistheoretische Fragestellung Kants, auf die Peirce immer wieder zurückgegreift, zu einer ›sinneskritischen‹ wird und wo das Existieren von ›Wirklichkeit‹ (reality) im Wahrnehmungs- und Erfahrungsurteil (perceptual judgment) aufgehoben ist. Im Peirce’schen System einer Zeichenverweisung (»we think only in signs« - CP 2.302)¹, seiner ›Semiotik‹ (Nägele 1966) gelangt man in der Begegnung mit dem ›anderen‹, der »otherness« (CP 2.296) zu dem, wie Peirce voraussetzt, in einer Kommunikationsgesellschaft schon immer vermittelten ultimate interpretant, von ihm seit 1906 behaviouristisch als final habit, als normatives habit definiert, welches als das normal interpretant gilt und für eine ultimate reality steht (CP 8.314, 8.343). In Peirce’ semiotischer Terminologie heisst das:

It is likewise requisite to distinguish the Immediate Interpretant, the Interpretant represented or signified in the Sign, from the Dynamic Interpretant, or effect actually produced on the mind by the Sign; and both of these from the Normal Interpretant, or effect that would be [meine Hervorhebung, H. N.] produced on the mind by the Sign after sufficient development of thought [meine Hervorhebung, H. N.]. (CP 8.343)

Die aus einem ›Grund-Realen‹ abgeleiteten Maximen

Die soeben gegebene Gegenüberstellung müsste gezeigt haben, dass die Peirce’sche ultimate reality in Verbindung mit einem ultimate interpretant als normatives final habit weitgehend zu Grundtvigs Modell von einem ›Grund-Realen‹ mit den daraus abzuleitenden Maximen passt. Die pragmatischen Schlüsse der beiden lassen sich ebenso vergleichen wie auch schon der jeweils dialektische Verlauf hin zu einem gültigen Begriff einer verpflichtenden Realität. Hinzu kommt, dass ähnlich wie Peirce auch Grundtvig durch Klärung der Begriffe nicht fremdbestimmte Bildung zu ermöglichen sucht.

Das Anliegen Grundtvigs, Humanität zu entwickeln und zu einer demokratisch überschaubaren, menschenwürdigen Weltordnung zu gelangen (Nägele 1971c; 1992; 1995; 2007), ist auch das Ziel von Peirce. Für beide gilt, dass in einer zivilisierten Welt jedermann ein Recht darauf hat, seine Fähigkeiten voll und ganz zur Geltung zu bringen. Jeder Standpunkt verdiene es, vorgetragen zu werden, seriös erörtert und nach Kräften gegebenenfalls umgesetzt zu werden. Daher müsse jedermann die Möglichkeit haben, sich klar und deutlich zu artikulieren, um für eine als richtig erkannte Sache mit den eigenen Worten einzustehen.

Zu denken wäre an ein Gemeinwesen, das von Individuen getragen ist, die wissen, was ihnen guttut und was nicht, und die darin gefestigt sind, kompetent sich in der Sache auseinanderzusetzen, um zu Übereinkünften zu gelangen, die den Gegebenheiten gerecht werden. Dass ein jeder und eine jede das seine zu sagen hat lässt wenig Raum für Tabuisierungen, die herhalten müssen, wo mangels eigener Kompetenz einer ›political correctness‹ aufgeholfen werden soll.

In der offenen Gesellschaft kommt es auf die Auseinandersetzung in der Sache an, wobei wie gesagt die Gültigkeit eines jeden Standpunkts in seinem eigenen Recht garantiert sein muss, auch und gerade da, wo es sich um die wundesten Stellen handelt, und erst recht wenn etwas ansteht, das mit einer Überschreitung verbunden sein könnte. Was im konkreten Falle zu tun ist, darüber hat das Gemeinwesen, will sagen eine von allen getragene Gemeinschaft zu befinden, in der jeder und jede befähigt ist, die erforderlichen Initiativen zu ergreifen, in Gestalt von Hilfeleistungen auf Gegenseitigkeit oder ganz allgemein indem man lebensnahes Wissen weitergibt. In der dänischen Sprache von heute heisst eine solche Ausrichtung Nærdemokrati (›Nahdemokratie‹).

Gemeint ist eine Demokratie, die selbstredend nicht zu vermengen ist mit den üblichen quasi-parlamentarischen Mal-So-Und-Mal-So-Mehrheitsbeschlüssen, die Grundtvig rundheraus verworfen hat. Wie die Benennung Nærdemokrati es sagt, geht es darum, was in einem Miteinander auf Gegenseitigkeit das Naheliegende ist und was durch jeden und jeder von uns mitgestaltet werden kann.

Zu diesem Grundgedanken bedarf es in der dänischen Gesellschaft keiner Erörterung. Ganz anders und offensichtlich weitgehend so gewünscht, dazu sehr oft im Unterschied zu einem gewissen europäischen Standard spielt es sich noch immer im Bereich des Deutschen ab, wovon auch das eingangs gegebene Zitat aus einem offiziellen ›EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen in Deutschland‹ zeugt.

Horst Nägele

1 Ansätze zu solcher Terminologie finden sich auffallend ausgeprägt bereits bei Jens Baggesen (1764-1826), mit dem Grundtvig übrigens befreundet war, in seinem handschriftlichen Entwurf (in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen. Additamenta 2, 2°) zu einem Kompendium »URDA oder Historisch-kritisches Mythologisches Wörterbuch. Hauptsächlich zum Behuf der Erforschung Nordischer Urkunden und alter dänischer Sprache und Geschichte. [N]ebst einigen allgemeinen philosophisch-critischen Untersuchungen. Angefangen von J. J. Baggesen. Kiel, 1812«, p. 136 (unter der Rubrik ›Dialectik‹), wo es heisst:

Alles menschliche Denken ist inneres und äusseres Reden – Wahrnehmen oder Mittheilen mittelst irgend einer Sprache. Sprache ist eine logische Organisation von an sich unbedeutenden Sinnenfälligkeiten, die unwandelbar als Symbole bestimmt, Zeichen genannt werden.

Zeichen ist ein sinnenfälliges unwandelbar bestimmtes Merkmal des Wandelbaren für den Verstand.

Der Verstand, als solcher, beschäftigt sich weder mit dem Übersinnlichen noch mit dem Sinnlichen – weder mit dem An Sich unveränderlichen, noch mit dem An Sich veränderlichen – weder mit dem Seyenden, noch mit dem Erscheinenden – sondern einzig und allein mit den Zeichen, d. h. mit den unwandelbaren Merkmalen beider – mit dem logisch organisirten Schein, d. h. mit dem Unwandelbaren am Wandelbaren. Der Schein als solcher ist das Vermittelnde des Seyns mit der Erscheinung.

Sprache ist die Organisation des vermittelnden Scheins. Der Verstand äussert sich nur mittelst derselben – die Vernunft denkt; der Verstand spricht [...]

(zitiert, ediert und diskutiert in Nägele 1974a:327 und Nägele 1974b; zu Jens Baggesen im übrigen Nägele 1971a; 1971b).


ZITIERTE ODER REFERIERTE TEXTE


Baggesen, Jens (1812). »URDA oder Historisch-kritisches Mythologisches Wörterbuch. Hauptsächlich zum Behuf der Erforschung Nordischer Urkunden und alter dänischer Sprache und Geschichte. [N]ebst einigen allgemeinen philosophisch-critischen Untersuchungen. Angefangen von J. J. Baggesen. Kiel, 1812«. Additamenta 2, 2°. Königliche Bibliothek Kopenhagen (zitiert nach der handschriftlichen Überlieferung mit freundlicher Erlaubnis; siehe auch Nägele 1974a:327 sowie Nägele 1974b).

Grundtvig, N. F. S. (1815a). Europa, Frankrig og Napoleon. En dansk historisk Betragtning, Kjøbenhavn: Seidelin.

---------- (1815b). Imod den lille Anklager, det er Prof. H. C. Ørsted, med Beviis for at Schellings Philosophie er uchristelig ugudelig og løgnagtig, Kjøbenhavn: Seidelin.

---------- (ca.1815). Fragment eines Entwurfs zu Imod den lille Anklager. Grundtvig-arkivet, fasc. 181. Königliche Bibliothek Kopenhagen (referiert und zitiert in Scharling:140 ff.).

---------- (1816). Danne-Virke. Et Tids-Skrift af N. F. S. Grundtvig. Første Bind. Kjøbenhavn: Schiøtz & Mandra.

---------- (1817). Udsigt over Verdens-Krøniken fornemmelig i det Lutheriske Tidsrum, Kjøbenhavn: Seidelin.

---------- (1817/18). »Von der jetzigen Sprach-Verwirrung« [datiert auf 1817-18]. Grundtvig-arkivet, fasc. 168. Königliche Bibliothek Kopenhagen (zitiert nach der handschriftlichen Überlieferung mit freundlicher Erlaubnis).

---------- (1984). »›Grenzen der Menschheit‹. Ein bisher ungedrucktes [deutschsprachiges] Manuskript von N.F.S. Grundtvig [datiert auf 1816-1818]«, mit Einleitung und Übersetzung von William Michelsen. Grundtvig Studier 1984:9-33.

---------- (1988). »›Fragen aus Dänemark an die Universitäten deutscher Zunge‹. Ein unvollendeter [deutschsprachiger] Entwurf von Grundtvig [datiert auf 1816-1818]«, mit Einleitung und Übersetzung von William Michelsen. Grundtvig Studier 1988:17-30.

Peirce, C. S. (1931-58). The Collected Papers of Charles Sanders Peirce, eds. C. Hartshorne, P. Weiss (Vols. 1-6) & A. Burks (Vols. 7-8). Cambridge (Mass.): Harvard University Press (zitiert als CP mit Vol. und Paragraph in arabischen Ziffern, z. B.: CP 2.112).

Schiller, Friedrich (1949). Nationalausgabe. Bd. 8 (hg. V. H. Schneider und L. Blumenthal), Weimar: Böhlau.

ZITIERTE ODER REFERIERTE LITERATUR

Jonas, U. (2003). »Poetisk Videnskab. Grundtvigs universitetsdrøm som kosmopolitisk dannelses-projekt«. In: Sanders, H. & O. Vind (2003). Grundtvig - nyckeln till det danska? Göteborg und Stockholm: Makadam:225-281.

Kjaer, Jørgen (2000). »Friedrich Nietzsche og Frederik Grundtvig«. News Site Map Research Publications Faculty & Staff Calender Links Archive. University of Aarhus: Center for Cultural Research.

Michelsen, William (1954). Tilblivelsen af Grundvigs historiesyn. Idéhistoriske studier over Grundtvigs verdenskrøniker og deres litterære forudsætninger. Bd. 1-2. København: Gyldendal.

Nägele, Horst (1965). »Die Entwicklung und die Funktion des astrologischen Moments in Schillers Wallenstein-Trilogie. Ein Beitrag zur Erhellung der Schiller’schen Peripetie«. Manuskript (Universität Kiel).

---------- (1966). »Die Semiotik von Charles Sanders Peirce«. Manuskript (Universität Kiel).

---------- (1971a). Der deutsche Idealismus in der existentiellen Kategorie des Humors. Eine Studie zu Jens Baggesens ideolinguistisch orientiertem Epos ›Adam und Eva‹ (=Skandinavistische Studien 1). Neumünster: Wachholtz.

---------- (1971b). »Das Phänomen ›kontextualer Interferenz‹ als literaturwissenschaflicher Ansatz. Ein Versuch am Beispiel des bilinguischen Dichterphilosophen Jens Baggesen«. Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 45:589-626.

---------- (1971c). »Von einem ›Echten Deutsch‹ und von den ›Deutschen Sprachen des Herzens‹. Feststellungen des frühen N. F. S. Grundtvig zur Überbaufunktion eines sogenannten Hochdeutsch als übergreifende Institution«. Grundtvig Studier 1971:74-89.

---------- (1972). »Dänemark geistesgeschichtlich ein Problem Deutschlands. Betrachtungen mit besonderer Berücksichtigung der zu dem Überbaucharakter von Nationalsprachen kritischen Positionen N. F. S. Grundtvigs von 1815 und Jens Baggesen von 1824«. Schleswig-Holstein. Monatshefte für Heimat und Volkstum, Jahrgang 24:101-4.

---------- (1974a). »Jens Baggesen über das Verhältnis des Deutschen Idealismus zur Französischen Revolution. Mit bisher unveröffentlichten [auf deutsch geschriebenen Baggesen-]Texten aus den Jahren 1823-25«. Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1974:323-343.

---------- (1974b). »Wider die germanische Idealität. Jens Baggesen, ein ketzerischer Poet der Goethezeit«. Matinee im Südwestfunk (Deutschland) vom 29. 09. 1974.

---------- (1992). »Nærhedens realitet. Liv skal kunne leves, sandhed skal kunne begribes«. Kristeligt Dagblad vom 15. 07. 1992.

---------- (1995). »Warum wir uns mit N. F. S. Grundtvigs idealismus-kritischen Abhandlungen beschäftigen«. Grundtvig Studier 1995:205-216.

---------- (2007). »N.F.S. Grundtvigs model af ›noget aldeles Grund-Realt‹ bekræftet ved den amerikanske filosof Charles Sanders Peirce (1839-1914)«. Nomos 5:93-6.

---------- (2010). Liebe leben. Meditationen der Achtsamkeit für ein umsichtiges Miteinander. Radeberg: Verlag Zeitenwende.

Russell, Bertrand (ohne Jahr [© Stuttgart: Belser 1970], englisches Original 1959). Denker des Abendlands. Eine allgemeinverständliche Geschichte der Philosophie. (2., überarbeitete Fassung zur deutschen Lizenzausgabe) Berlin-Darmstadt-Wien: Deutsche Buchgemeinschaft.

Scharling, C. I (1947). Grundvig og Romantiken belyst ved Grundtvigs Forhold til Schelling. København: Gyldendal.

Vaihinger, Hans (1911). Die Philosophie das Als Ob. System der theoretischen, praktischen, religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Berlin

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