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Schweiz am Sonntag Schweiz am Sonntag: Rechtsaussen jetzt mit System

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Befürchtungen werden zur Realität. Die SaS öffnet sogar dem holländischen Rechtsaussen-Widerling Geert Wilders ihre Spalten.

Geert Wilders (vorne links) an einer Fernsehdebatte in Holland.
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Bild: Geert Wilders (vorne links) an einer Fernsehdebatte in Holland. / Sebastiaan ter Burg (CC BY-SA 2.0 cropped)

23. April 2014

23. 04. 2014

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3 min.

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Dass die Schweiz am Sonntag die Erfolgsmethoden des Boulevard-Journalimus bestens kennt und dem Erfolg zuliebe oft auch anwendet, war immer schon klar. Warum soll man keine reisserischen Titel setzen, wenn man damit Leserinnen und Leser gewinnen kann?

Solange es die Grösse der Headline ist, solange die Bilder einfach doppelt so gross sind und dafür knapper geschnitten ins Blatt gesetzt werden: was soll’s? Entscheidend, so denkt man, ist doch immer noch der Inhalt.

Anfang 2014 allerdings leuchteten etliche rote Lämpchen auf: Der Chefredaktor der Schweiz am Sonntag, Patrik Müller, machte erste gefährliche Schwenker an den politisch rechten Rand. Man schluckte zweimal leer, hoffte aber, dass es sich um einmalige Konzessionen an die im Aargau doch recht starke SVP-Leserschaft handeln würde. Die Sorge allerdings blieb. Muss es, um ein Beispiel zu nennen, wirklich sein, dass ausgerechnet der betont fremdenfeindliche SVP-Mann Andreas Glarner in der mittelländischen Monopol-Zeitung Die Nordwestschweiz aus Aarau eine regelmässige Kolumne schreiben darf?

Die Grenze des Erträglichen überschritten

Nun hat die Schweiz am Sonntag eine weitere Grenze überschritten. In der Ausgabe vom 13. April wurde dem holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders eine zweiseitige Plattform geboten, seine extremen Positionen auszubreiten. Das Interview enthält zwar durchaus auch kritische Fragen, nur bietet es dem Befragten gerade damit die willkommene Gelegenheit, die gegen ihn gerichtete Kritik zu relativieren. Wilders darf in der letzten Antwort sagen: «Ich habe nichts gesagt, das ich bedaure.»

Es ist halt so: Seit die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 9. Februar der innereuropäischen Personenfreizügigkeit mit knappem Mehr eine Absage erteilt haben, ist die Schweiz das Lieblingskind der ausländischen Rechtsaussen-Parteien: der Lega-Nord in Italien, des Front National in Frankreich, der Partei für die Freiheit in Holland, der Schwedendemokraten in Schweden, und und und.

Noch vor wenigen Jahren war man hierzulande entsetzt, dass in unserem Nachbarland Österreich ein Politiker wie Jörg Haider – demokratisch abgesegnet – so weit nach oben steigen konnte. Nein, so einer hätte bei uns keine Chance, dachte man. Heute bietet die Schweiz am Sonntag einem solchen Volksverhetzer und Rattenfänger sogar eine zwei Zeitungsseiten grosse Plattform, der Schweiz ein «Kompliment» zu machen («Die Schweiz ist ein sehr demokratisches Land, worauf ich sehr neidisch bin.»). Der mit einer Ungarin verheiratete Holländer und seine Gesinnungsgenossen in den anderen Ländern wissen natürlich sehr genau, dass sie mit dem Schuhlöffel der Ausländerfeindlichkeit auch auf demokratischem Weg in die Stiefel der Macht schlüpfen können. Auch Hitler kam schliesslich nicht mit einem Putsch, sondern «demokratisch legitimiert» an die Macht.

Vom Aufheizer zum Anheizer

Die Zeitungen aus dem Medienhaus Wanner wissen, wie Nachrichten – journalistisch aufgeheizt – erfolgreich weiterverkauft werden können. Heute müssen wir feststellen: Sie heizen ihre Stoffe nicht nur auf, sie heizen jetzt auch an: zur Fremdenfeindlichkeit, zur Zerstörung unserer bewährten Konsens-Politik, zum Kampf der Reichen und Privilegierten gegen die Armen und Unterprivilegierten. Zum Beispiel mit einer doppelseitigen Plattform für Geert Wilders. Das Rechtsaussen-Gedankengut soll auch hier salonfähig werden.

Es ist einfach nur widerlich.

Christian Müller
Infosperber

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